Kryptowährung: Die Bitcoin-Korrektur kommt mit Ansage

Die Korrektur beim Bitcoin kommt mit Ansage – und ist für seine weitere Entwicklung wichtig.
Foto: imago images (4)In den vergangenen Wochen hatte man den Anschein, der Bitcoin-Kurs kenne nur eine Richtung: und zwar nach oben. Seit der Wiederwahl Donald Trumps als US-Präsident verging kaum eine Woche, in der die Kryptowährung kein neues Rekordhoch geknackt hat. Im Schnelldurchlauf riss sie vier Zehntausender-Marken und stieg deutlich über 100.000 Dollar.
Und dann: zack, ging es plötzlich runter. Am Freitag kostete eine Digitalmünze „nur“ noch gut 93.000 Dollar. Seit Dienstag verlor er damit gut ein Zehntel seines Werts.
Der Grund: Die US-Notenbank Fed hat Anleger zurück in die Realität geholt. Notenbank-Chef Jerome Powell deutete an, dass im kommenden Jahr womöglich nur zwei statt vier Zinssenkungen kommen könnten. Das ist schlecht für den Bitcoin. Er profitiert von sinkenden Zinsen, weil dann spekulative Assets attraktiver werden.
Vor allem aber Powells Inszenierung als Gegenspieler Trumps hat dem Bitcoin zugesetzt. Der designierte Präsident kokettiert mit der Einführung einer nationalen Bitcoin-Reserve. Powell hingegen betonte, dass die Fed gar keine Bitcoin halten dürfe. Eine Aussage, die Anleger nun verschreckt hat.
Für den Bitcoin sprechen zwei Dinge
Fest steht: Die Korrektur beim Bitcoin kommt mit Ansage – und ist für seine weitere Entwicklung wichtig. Die wochenlange Rally war bislang ohne größere Gewinnmitnahmen gelaufen. Dabei sind Kursrücksetzer wichtig, damit der Bitcoin beweisen kann, dass nicht nur eine Menge Spekulanten kurzfristig auf einen neuen Höchststand schielen, sondern langfristig investiert bleiben – quasi eine Bestätigung des Trends.
In den vergangenen Jahren ist der Bitcoin nach Erreichen neuer Rekorde immer in eine Korrekturphase eingetreten. In früheren Bullenmärkten fiel die mit bis zu 40 Prozent teils sehr deutlich aus. Auch in den nächsten Wochen und Monaten sollten Anleger mit weiteren Kursrücksetzern und erhöhten Schwankungen rechnen.
Die Frage dürfte nur sein, wie weit es runtergehen kann. Zentrale Unterstützungslinien verlaufen im Bereich von etwa 77.000 Dollar und 70.000 Dollar. Hier liegen die 100 beziehungsweise 200-Tage-Linie, die den gleitenten Durchschnittskurs der letzten 100 beziehungsweise 200 Handelstage definieren.
Charttechnisch entscheidend dürfte nun sein, wie sich beide Linien weiter entwickeln. In der Charttechnik gilt es als Signal für einen Trendwechsel zu fallenden Kursen, wenn die 100-Tage-Linie die 200-Tage-Linie von oben nach unten kreuzt.
Kurzfristig steht der Bitcoin vor dem Problem, dass Verkäufe oft weitere Verkäufe nach sich ziehen. Viele Investoren handeln Kryptowährungen mit Stoppkursen. Individuell ist das vernünftig, könnte aber Kaskadeneffekte auslösen. Denn: Nach Unterschreiten dieses Niveaus werden automatisch Positionen losgeschlagen oder reduziert werden.
Für den Bitcoin jetzt sprechen zwei Dinge. Da ist einerseits der Fear-and-Greed-Index (zu Deutsch: Angst und Gier), der das Marktsentiment auf Basis von Handelsvolumen und Volatilität misst. Mit einem Wert von 74 (von 100) liegt er zwar gut zehn Punkte unter dem aus der Vorwoche, notiert aber immer noch auf Gier-Level. Crash-Angst sieht anders aus.
Dann ist da noch die veränderte Marktlage. Mittlerweile investieren auch institutionelle Investoren in die Kryptowährung. Diese sind tendenziell langfristig orientiert und ihnen ist bewusst, dass der Wert des Bitcoin schwankt. Das Engagement der Profis könnte die Korrektur weniger hart ausfallen lassen als in früheren Zyklen.
Trump als Hoffnungsträger
Und immer noch Trump. Er ist der große Hoffnungsträger für Krypto-Anleger. Die Absage Powells an eine Bitcoin-Reserve hat dem Markt nun zwar einen Dämpfer verpasst. Und natürlich agiert die Notenbank unabhängig vom politischen Betrieb in Washington. Aber: Über den Federal Reserve Act, der der Notenbank das Halten von Bitcoin bislang verhindert, entscheidet letztlich der Kongress. Mit der Wiederwahl haben sich die Republikaner nun die Mehrheit beider Kammern – also Senat und Repräsentantenhaus – gesichert.
Die Einführung einer Bitcoin-Reserve wäre sicher kein Selbstläufer. Aber ausgeschlossen ist sie eben auch nicht. Wenn sie wirklich kommt, dürften die 100.000 Dollar pro Bitcoin wohl noch lange nicht das Ende der Fahnenstange gewesen sein.
Lesen Sie auch: 69.000 Prozent Kursplus!? Meine Reise in die irre Memecoin-Welt