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Nachhaltig investieren Starfondsmanager Flossbach meidet Banken – bis auf eine

Vermögensverwalter Bert Flossbach hat nur einen Bankentitel im Portfolio, die indische Housing Development Finance Corporation, kurz HDFC Bank. Quelle: Getty Images

Vermögensverwalter Bert Flossbach hat nur eine einzige Bank im Depot, und das ist keine deutsche. Was ihn an Banken stört: Viele vertreiben mittlerweile zwar nachhaltige Geldanlagen, sind selbst aber nicht nachhaltig.

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Banken müssen sich selbst besser auf Nachhaltigkeit vorbereiten und dürfen sie nicht nur in Form nachhaltiger Fonds oder ETF an ihre Kunden verkaufen. Im Podcast „Chefgespräch“ mit WirtschaftsWoche-Chefredakteur Beat Balzli sagt Bert Flossbach, Co-Gründer des Vermögensverwalters Flossbach von Storch, dass die Universalbanken, die beim Thema Nachhaltigkeit eine große Geschäftschance wittern, von Hause aus am wenigsten nachhaltig seien. „Eine Großbank ist aufgrund der Komplexität im Kreditgeschäft und im Investmentbanking nicht zu durchdringen. Es ist schwer, hier ein Nachhaltigkeitsurteil zu fällen“, sagt Flossbach. 

In der aktuellen Hauptversammlungssaison wurde einigen Banken von Aktivisten und Geldmanagern Ökoignoranz vorgeworfen – wie einst den Kohle- und Ölunternehmen. Die hat nicht nur Flossbach längst aussortiert. Der Starfondsmanager der mit 65 Milliarden Euro Anlagegeldern größten unabhängigen Vermögensverwaltung hierzulande, hat inzwischen auch nur noch eine einzige Bank im Depot seines Vorzeigefonds FvS Multi Opportunities und die kommt aus Indien.

„Nachhaltigkeit proaktiv angehen

Unter Nachhaltigkeit versteht Flossbach langfristig verantwortungsvolles unternehmerisches Denken und Handeln, das den Umweltschutz mit berücksichtigen muss. Bei vielen Banken vermisst er aber häufig die Integrität. „Sie arbeiten für die Kunden nicht immer ideal, ließen sich auf zweifelhafte Steuergeschäfte wie Cum-Ex ein, finanzierten zu viele Geschäfte, die nicht als klimafreundlich oder nachhaltig gelten.“ 

Ebenso wie bei den Ölunternehmen ist für den Geldverwalter auch die wirtschaftliche Sicht nicht verlockend. „Das Wachstum ist bei vielen Universalbanken schwach, der regulatorische Gegenwind ist stark und Skandale schädigen das Image.“ Berücksichtigten sie die Umwelt nicht, drohen ihnen Strafen. „Es gibt viele Gründe, um proaktiv zu sein“, sagt Flossbach.

Immer mehr Privatanleger kaufen Fonds, die nachhaltig anlegen wollen. Schon 254 Milliarden Euro verwalten die heimischen Vermögensverwalter in diesen Produkten, häufig erkennbar am Kürzel ESG für Environmental, Social, Governance als Namenszusatz. Dass auch die Anlagestrategie tatsächlich ESG-Kriterien bei der Auswahl von Anleihen und Aktien berücksichtigt, werden die Aufsichtsbehörden in den kommenden Jahren stärker kontrollieren. Deshalb machen die Geldmanager Druck auf Unternehmen und Banken – um sich selbst zu profilieren, aber auch, um einen Fortschritt und eine Wirkung („Impact“) nachweisen zu können. 

Mit der Abneigung gegen Banken befindet sich Flossbach in Gesellschaft mit Aktivisten und langjährigen Öko-Fondsmanagern. Die Fridays for Future Aktivisten hatten jüngst vor der Hauptversammlung der britischen Bank Standard Chartered mit einer gefälschten Pressemitteilung und inszenierten Pressekonferenz angekündigt, dass die Bank alle Finanzierungen für Kohlekraftwerke einstelle und Gemeinden Geld zahle, damit sie die Folgen von Kohleabbau finanzieren könnten. Die Bank steht als Finanzierer von fossilen Energieprojekten am Pranger und sie ist nicht die einzige. Zwar hatte Standard Chartered den Umfang der Finanzierungen in den kommenden Jahren schon beschränkt und sich bis 2050 auch ein Null-Emissionen-Ziel gesetzt, aber das reicht den Aktivisten nicht. „Die Jugendlichen konfrontierten die Bank auf ausgesprochen schmerzhafte Weise mit der enormen Diskrepanz zwischen ihrer grünen Werbung und dem tatsächlichen Handeln“, sagt Joeri de Wilde, Investmentstratege bei Triodos Investment, einem niederländischen Nachhaltigkeitsspezialisten. Slogans wie „Here for Good“ und Werbespots mit niedlichen Kaninchen und springenden Walen passten nicht zu einer Bank, die zu den größten Kreditgebern für Kohlekraftwerke gehöre. Statt die Finanzierung ganz einzustellen, hätten die 60 weltgrößten Banken seit dem Pariser Klimaabkommen 2015 die fossile Industrie mit 3,8 Billionen Dollar unterstützt. Auch bei Triodos Investment erfüllen die meisten börsennotierten Universalbanken nicht die Mindeststandards für die Aufnahme in die Fondsportfolios des Hauses. „Grüne Werbeslogans, aalglatte Nachhaltigkeitsversprechen und angekündigte Strategieänderungen sind oft Verschleierungstaktik“, meint de Wilde.

Ist die Deutsche Bank nachhaltig?

De Wilde wird sich auch die Deutsche Bank genau ansehen. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat jüngst einen neuen Kulturschwenk verkündet, dieses Mal hin zu mehr Nachhaltigkeit. Bis Ende 2023 plant das Geldhaus mehr als 200 Milliarden Euro an nachhaltigen Finanzierungen und Anlagen zu erreichen. Es soll nicht bei der Konto-App mit CO₂-Indikator bleiben, mit dem Kunden ihren eigenen CO₂ Fußabdruck ermitteln können, oder Baumpflanzaktionen der Mitarbeiter. Jetzt will die Bank laut Sewing den „globalen Wandel zu einer nachhaltigen, klimaneutralen und sozialen Wirtschaft mitgestalten“ und zwar mit Tempo: „Wir müssen schnellstmöglich von Ambition zu Wirkung kommen“, sagte er Ende Mai auf einer Nachhaltigkeitsveranstaltung der Bank. Doch es gibt viele Fallstricke: Im Kreditgeschäft wird es aber auch bei der Investmentbank meist kontrovers . Schon die mögliche Beteiligung am möglichen Börsengang des Öl- und Gasproduzenten Wintershall wäre eine Nagelprobe für die Deutsche Bank. Für Regine Richter von der Umweltgruppe urgewalt bleibt die grüne Rhetorik so lange ein Feigenblatt, bis die Bank Kunden aus der Öl- und Gasindustrie komplett ausschließt. 

Top-Nachhaltigkeitsrating für Commerzbank 

Auch Globalance Invest, die Münchener Fondstochter der Schweizer Globalance Bank, verzichtet auf Banken. „Mit Blick auf das Kreditbuch ist es einfach sehr schwer, sich eine fundierte Meinung zur Nachhaltigkeit zu bilden, hier wäre viel mehr Transparenz geboten“, sagt Werner Hedrich, Geschäftsführer von Globalance Invest. Zudem gebe es die „too-big-to-fail“-Problematik. Im Jahr 2008 wurden die Verluste der Großbanken weltweit den Steuerzahlern aufgebürdet. „Solche Unternehmen sind für uns nicht zukunftsorientiert und deshalb berücksichtigen wir sie nicht." 

In der Nachhaltigkeitsbeurteilung des großen Anbieters MSCI ESG bekommt die Deutsche Bank seit Ende 2020 ein „A“ und gilt damit als durchschnittlich nachhaltig. Sie ist im Feld der Investmentbanken einsortiert, Goldman Sachs und JP Morgan wurden schlechter beurteilt. Besser kommt in Deutschland die Commerzbank bei den Nachhaltigkeitsprüfern von MSCI ESG an. Sie hat im Sektor Banken den Top-Status „Leader“ seit Ende 2020. Da Fonds ihre Nachhaltigkeit auch mit guten Noten externer Analysten gegenüber Aufsichtsbehörden begründen können, kann das gute Urteil sie für manchen Geldmanager attraktiv machen. 

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