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Shiba Inu und Co. Im Schatten der Bitcoin-Rally reüssieren Mini-Kryptowährungen

Der Kryptomarkt besteht nicht nur aus Bitcoin. Doch wer in unbekannte Mini-Coins investieren will, muss einiges beachten. Quelle: REUTERS

Der Bitcoin nähert sich wieder seinem alten Rekordhoch. Im Sog der Hausse explodieren die Kurse von unbekannten Mini-Coins wie Shiba Inu und Co. Worauf Anleger achten müssen.

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Elon Musks Hund Floki sitzt im Kofferraum seines Tesla und lächelt in die Kamera. Ein Bild, das der Chef des E-Autobauers seiner Twitter-Gefolgschaft nicht vorenthalten möchte. Also postet er es am 4. Oktober in dem sozialen Netzwerk, wo ihm 60 Millionen Menschen folgen. Dort gilt er als Wortführer im Bereich Kryptowährungen. Seine Tweets lassen die Kurse von Bitcoin und Co. steigen und fallen. „Floki Frunkpoppy“ schreibt er unter dem Foto seines Shiba-Inu-Welpen – und löst einen Kaufrausch in der Krypto-Szene aus.

Seitdem sind in der Welt der Digitalwährungen die Hunde los. Innerhalb weniger Wochen wuchsen zum Beispiel die Kryptocoins Baby Floki Billionaire um 20 Prozent, Bone ShibaSwap (BONE) um 60 Prozent und Shiba Inu (SHIB) gar um 265 Prozent – trotz zuletzt starker Kursrücksetzer. Mit einem Kurswert von 0,0000247 Dollar dümpelt Shiba Inu weit unter einem Cent herum (Stand: 15. Oktober). Er ist ein absoluter Pennystock unter den Kryptowährungen. Inzwischen liegt seine Marktkapitalisierung aber immerhin bei 11,4 Milliarden Dollar. Und das katapultierte ihn zwischenzeitlich tatsächlich unter die 20 größten Kryptowährungen. Nun rangiert er knapp dahinter auf Platz 21. Wenn jemand überzeugt ist, dass die Welt der Kryptowährungen überhitzt ist und das Ganze eher eine absurde Übertreibung – durch solche Entwicklungen dürfte er sich bestätigt sehen.

Und doch bilden diese Coins eben nur eine kleine Nische des Marktes. Mit einem Marktanteil von 45 Prozent ist der Bitcoin nach wie vor die dominierende Digitalwährung. Am Freitagabend knackte er erneut die Marke von 60.000 Dollar und könnte somit in Richtung eines neuen Rekordhochs steuern. Die Nachricht, dass die US-Börsenaufsicht SEC schon bald einen Bitcoin-ETF zulassen könnte, beflügelt die Kurse.

Im Schatten der Bitcoin-Rally wachsen auch die Werte unbekannterer Kryptowährungen. Und das gilt nicht nur für die gehypten Meme-Coins, die gerade bei jungen Tradern beliebt sind. Anleger entdecken Kryptowährungen der hinteren Reihen für sich. „Die Hausse nährt die Hausse“, sagt Marktanalyst Timo Emden vom gleichnamigen Analysehaus. In einer Studie kam die Kryptobörse Binance jüngst zu dem Schluss, dass die Entwicklung der Kryptowerte oft korreliert. In der Praxis heißt das: Steigt der Bitcoin-Kurs, zieht der Markt nach oben. Geht er auf Talfahrt, drückt das den Markt.

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    Mit Cardano (ADA) und Solana (SOL) etablieren sich Kryptowährungen in den Top Ten, die viele Anwendungsmöglichkeiten bieten. Mit ihnen lassen sich zum Beispiel Smart Contracts, also digitale Verträge, über die Blockchain austauschen. Wie erfolgversprechend sind aber gehypte Digitalwährungen, sogenannte Krypto-Memes wie eben Shiba Inu und Co.? Gerade bei solch kleinen Kryptowährungen sollten Anleger einiges beachten.

    1. Viele Mini-Coins scheitern

    Wer in der Anfangszeit des Bitcoin eingestiegen ist und seine Coins nie verkauft hat, konnte sein Investment vervielfachen. 2009 war eine Digitalmünze bloß wenige Cent wert. Manch Anleger hofft nun, früh in die nächste erfolgversprechende Kryptowährung zu investieren. Marktanalyst Emden aber warnt: „Niemand sollte davon ausgehen, durch ein Investment in unbekannte Coins schnell reich zu werden. Man sollte immer damit rechnen, sein Geld komplett zu verlieren.“



    Während sich große Cyberdevisen wie Bitcoin zunehmend in der Anlagewelt etablieren, können sich viele kleine nicht am Markt behaupten. Schätzungen zufolge sind fast 1700 Kryptowährungen bereits gescheitert. Wie viele der aktuell rund 12.000 Kryptowährungen also nachhaltig bestehen bleiben – und wie viele davon wiederum tatsächlich an Wert zulegen – kann niemand prognostizieren.

    2. Vorsicht vor Walen

    Immer wieder kommt es vor, dass Großinvestoren die Kurse von Kryptowährungen erschüttern. In der Krypto-Fachwelt nennt man sie „Wale“. Ihr Tradingverhalten beeinflusst den Markt besonders, da sie viele Coins besitzen. Verkaufen sie größere Bestände, drückt das schnell den Kurs nach unten. Nicht selten ziehen dann weitere Anleger nach, sodass der Kurs weiter sinkt.

    Teils wetten diese Wale auf fallende Kurse, indem sie beispielsweise geliehene Coins verkaufen. Nach dem Crash kaufen sie dann günstig wieder ein. Sie sind also eine Art Shortseller unter den Krypto-Tradern. Eine Studie der Ohio State University kam zu dem Schluss, dass ein einziger Wal die Bitcoin-Rally im Jahr 2017 getrieben hat.

    Dieses Phänomen gibt es auch bei Coins in den hinteren Reihen. Der Dogecoin-Bestand liegt zu großen Teilen in den Händen weniger Investoren. Sogar Elon Musk, bekennender Fan der Witz-Währung, sieht das kritisch. Auch beim Shiba-Inu-Coin ist eine große Konzentration zu beobachten. Für Privatanleger stellt diese Dominanz Einzelner ein nicht kalkulierbares Risiko dar.

    3. Achtung vor unseriösen Coins

    Investments in Kryptowährungen sind per se riskant, die Kurse schwanken sehr stark. Doch gerade bei kleinen Coins und unbekannten Krypto-Projekten können noch mehr Risiken lauern. Betrüger und dubiose Geschäftemacher profitieren von der starken Nachfrage nach Krypto-Investments und lotsen Anleger in Betrugsmaschen. Sie initiieren zum Beispiel Schneeballsysteme oder kopieren bereits existierende Kryptowährungen und setzen sich mit dem eingenommenen Geld ab.

    Um zu beurteilen, wie seriös eine Kryptowährung ist, hilft ein Blick ins Whitepaper. Darin wird erörtert, wie das Projekt funktioniert und welches Problem damit gelöst werden soll. Bei vielen Betrugsmaschen verzichten die Initiatoren auf ein solches Whitepaper. Stattdessen versuchen sie, Anleger emotional zu binden und stellen die vermeintlich hohen Renditeaussichten in den Vordergrund. Bei seriösen Kryptowährungen wie Ada von Cardano umfassen die Whitepaper bis zu 44 Seiten.

    Wenn es nach dem Kryptoexperten Emden geht, lohnt es sich auch zu überprüfen, auf welchen Plattformen die Kryptowährung handelbar ist. „Bevor ein Coin auf einer namhaften Börse platziert ist, wird er durchleuchtet. Die Börsen wollen sich ihr gutes Image schließlich nicht kaputtmachen, indem sie einen Fakecoin anbieten“, so Emden. Die Verfügbarkeit dort ist also ein erstes Indiz, ob ein Coin seriös ist oder nicht.

    Auf der Kryptobörse Coinbase zum Beispiel sind aktuell über 100 Digitalwährungen handelbar – neben den Klassikern wie Bitcoin und Ether auch Shiba Inu und Dogecoin. Bei Binance, dem größten Kryptohandelsplatz, ist das Angebot an Mini-Coins deutlich größer. Eine 100-prozentige Sicherheit, nicht doch in einen unseriösen Coin zu investieren, gebe es allerdings auch bei den gängigen Kryptobörsen nicht, sagt Emden.

    4. „Diversifikation ist Trumpf“

    Es ist eine alte Börsenweisheit, dass man nicht alle Eier in einen Korb legen sollte. Bei der Geldanlage ist es wichtig, sein Investment breit zu streuen – in mehrere Unternehmen, Branchen, Länder und Assetklassen. So lassen sich Verlustrisiken minimieren.
    Gleiches gilt auch bei Kryptowährungen. „Mutige Anleger“, sagt Emden, „sollten nicht mehr als fünf bis 10 Prozent in Kryptowährungen anlegen.“

    Und auch innerhalb dieses Sektors sollten sie noch breit streuen. 80 bis 90 Prozent des Krypto-Anteils sollte aus „gestandenen Kryptowährungen“ wie Bitcoin und Ether bestehen. Denn: „Diversifikation ist Trumpf.“ Nur etwas Spielgeld, dessen Verlust man problemlos verkraften könne, sollte man in unbekannte Kryptowährungen stecken. Investments in Kryptowährungen sind schließlich schon mit Bitcoin und Co. riskant genug.

    Mehr zum Thema: Kryptowährungen polarisieren die Finanzwelt. Dabei bieten Investments in den Megatrend enorme Chancen – sofern es Anleger richtig machen.

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