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SoftwareunternehmenDie Anleger stellen sich hinter MicroStrategys riskante Bitcoin-Wette

Die Strategie von MicroStrategy: Schulden machen, Bitcoin kaufen. Jetzt haben die Aktionäre einer massiven Kapitalerhöhung zugestimmt. Geht der Plan auf?Philipp Frohn, Michelle Jura 22.01.2025 - 12:28 Uhr

MicroStrategy-Chef Michael Saylor setzt alles auf Bitcoin.

Foto: REUTERS

Für das besondere Event am Montagabend hat sich Michael Saylor in Schale geworfen. Ein Dinner anlässlich der Amtseinführung Donald Trumps als US-Präsident hat der Chef des Softwareunternehmens MicroStrategy seine fast schon obligatorische Kombi aus schwarzem Sakko und schwarzem Shirt gegen einen schicken Smoking eintauschen lassen. Sogar eine Fliege trägt Saylor – eine orangefarbene. Das sei, schreibt er über einem Foto auf der Onlineplattform X, nun „der letzte Schrei in Washington D.C.“.

Orange, das ist die Farbe von Saylors Herzensprojekt: Bitcoin. Unter Trump, hoffen Anleger, werde nun eine neue Ära für Kryptowährungen anbrechen, mit weniger Regulierung und mehr Freiheit. Kein Wunder, dass sich Saylor es nicht nehmen lässt, Trumps Comeback aus nächster Nähe zu erleben. Michael Saylor hat in der Bitcoin-Szene Kultstatuts erreicht. Er gilt dort als Visionär, als Vordenker der Maxime: Bitcoin als Schlüssel zum Reichtum.

Eigentlich ist Michael Saylor Chef eines Softwareunternehmens, wie es viele in den USA gibt. Bekanntheit erlangte er aber nicht, weil er etwa Cloudlösungen verkauft. Tatsächlich hat sich MicroStrategy in den vergangenen Jahren mehr und mehr von seiner ursprünglichen Geschäftsidee entfernt. Stattdessen setzt Saylor nun alles auf eine Karte: dass der Bitcoin-Kurs immer weiter steigt. 

Der illustre Firmenchef nimmt über seine Firma massiv Schulden auf, um davon neue Bitcoin zu kaufen. Erst am Dienstag gab Saylor bekannt, erneut Bitcoin gekauft zu haben, dieses Mal im Wert von 1,1 Milliarden Dollar. Das US-Unternehmen hält nun rund zwei Prozent aller Bitcoin, also 461.000 Münzen – finanziert durch Schulden. 

MicroStrategy als Bitcoin-Hebel

Eine Strategie, die lange gutging und Aktionäre jubeln ließ. Der durchschnittliche Kaufpreis je Bitcoin liegt bei MicroStrategy bei 63.610 Dollar, knapp 40.000 Dollar unter dem aktuellen Kursstand. Seit 2020 hat der Bitcoin im Schnitt jedes Jahr 230 Prozent zugelegt. Gegen die Kurssteigerung bei der MicroStrategy-Aktie ist das aber beinahe noch moderat: Im selben Zeitraum legte sie im Schnitt 613 Prozent pro Jahr zu. Für Anleger ist die Aktie eine gehebelte Bitcoin-Wette – allerdings in beide Richtungen. Fällt der Bitcoin, bekommen das MicroStrategy-Anleger umso härter zu spüren.

Nun braucht Saylor erneut frisches Geld - und konnte am Dienstag seine Aktionäre auf einer Hauptversammlung von einer massiven Kapitalerhöhung überzeugen. Sie ist Teil des bereits Ende Oktober 2024 vorgestellten 21/21 Plans von Saylor. Dieser Plan sieht vor innerhalb von drei Jahren insgesamt 42 Milliarden Dollar an Eigenkapital und festverzinslichen Instrumenten einzuholen. Eine Hausnummer: Das entspricht etwa fast der Hälfte des aktuellen Börsenwerts von MicroStrategy (93 Milliarden Dollar).

Jetzt haben die MicroStrategy-Aktionäre zugestimmt, dass das US-Unternehmen die Zahl der umlaufenden Aktien mal eben so um den Faktor 30 erhöhen darf. Damit darf die Anzahl der genehmigten Stammaktien der Klasse A auf 10,33 Milliarden und die der Vorzugsaktien auf rund eine Milliarde steigen. Bisher sind nur 330 Millionen Stamm- beziehungsweise fünf Millionen Vorzugsaktien genehmigt. Wirklich ausgegeben waren Stand 12. Januar sogar nur rund 227 Millionen Aktien der Klasse A und keine der fünf Millionen Vorzugsaktien. Anders gesagt: MicroStrategy hat noch nicht mal alle verfügbaren Aktien ausgegeben und hat sich nun die Zustimmung eingeholt, schon ein Vielfaches dessen erneut freizugeben.

Die Regeln der alten Finanzwelt gelten hier nicht mehr

Was klingt wie eine theoretische Zuteilung, wirkt sich auf die Attraktivität der Aktie aus: Die Milliarden-Freigabe neuer Aktien verwässert die Anteile der bereits investierten Aktionäre. Das veranschaulicht eine einfache Rechnung: Werden beispielsweise 93 Milliarden Börsenwert vorher noch auf 330 Millionen Stammaktien aufgeteilt, entspricht das einem Börsenwert pro Aktie von 281,82 Dollar. Wird diese jetzt um 10 Milliarden erhöht, sinkt der Wert pro Aktie auf 9,49 Dollar.

Zwar sollen die Aktien nach der Zustimmung auf der Hauptversammlung erstmal nur freigegeben und noch nicht sofort ausgegeben werden, die Verwässerung passiert also schrittweise. Außerdem soll das freigegebene Kapital für die große Unternehmensstrategie eingesetzt werden: weiter im großen Stil Bitcoin zu kaufen. Das arbeitet zumindest etwas gegen die Verwässerung. Denn der Unternehmenswert beruht ohnehin fast ausschließlich auf dem Wert der gehaltenen Bitcoins.

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Alte Finanzkennzahlen gelten in der neuen Welt von Microstrategy und Co. aber nicht. Das Unternehmen um Bitcoin-Fan Saylor hat sich eigene Standards gesetzt. Die BTC Yield soll messen, inwiefern die Krypto-Investments eine Verwässerung der Anteile durch Kapitalerhöhung kompensieren. Damit dies der Fall ist, müsste laut MicroStrategy die BTC Yield zwischen vier und acht Prozent liegen. Fürs letzte Jahr weist das Unternehmen eine BTC Yield von 48 Prozent aus.

In der Verlustzone

MicroStrategy hat sich von herkömmlichen Bewertungsmaßstäben abgekoppelt. Der Aktienkurs hat sich in den letzten Jahren vervielfacht, obwohl die operativen Gewinne aus dem mittlerweile eher nur noch nebensächlich betreuten Softwaregeschäft zu vernachlässigen sind. Das Unternehmen meldete die vergangenen Quartale immer Verluste, auch in den Geschäftsjahren 2022 und 2023 schrieb das operative Geschäft rote Zahlen.

460
Tausend
Bitcoin hält MicroStrategy inzwischen.

Selbst die insgesamt 460.000 Bitcoin in der Bilanz von MicroStrategy bringen gerade mal etwa die Hälfte des eigenen Unternehmenswerts von 93 Milliarden Dollar auf die Waage. Zuletzt herrschte an der Börse auch Skepsis, ob die Bitcoin-Strategie weiter aufgeht. Seit ihrem bisherigen Rekordhoch bei etwa 470 Dollar im November hat die Aktie gut ein Fünftel an Wert eingebüßt – anders als der Bitcoin, der seitdem immer neue Allzeithochs gerissen hat.

Die weitere Entwicklung der MicroStrategy-Aktie dürfte damit stehen und fallen, ob die Aktionäre die Verwässerung ihrer Anteile wegstecken – und ob Trump den Bitcoin-Kurs wirklich noch weiter nach oben schickt. 

Lesen Sie auch: Trumps Memecoin-Launch schadet der Kryptowelt

Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals am 21. Januar. Wir haben ihn aktualisiert und zeigen ihn erneut.

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