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  4. Deutsche Bank: Lehman-Pleite wäre Kindergeburtstag dagegen

Stelter strategischDie Deutsche Krise

Scheitert die Deutsche Bank, wäre die Lehman-Pleite ein Kindergeburtstag dagegen. Die Krise der Deutschen Bank ist letztlich eine Krise der deutschen Politik. So oder so ist es Zeit, das Portfolio sturmfest zu machen.Daniel Stelter 29.09.2016 - 07:44 Uhr aktualisiert

Ist der Verfall der Deutschen Bank das ultimative Zeichen für eine massive Krise?

Foto: dpa

Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, diese Woche über den „Biggest Short“ zu schreiben. Den ultimativen Deal, mit dem man aus dem nächsten Einbruch an den Finanzmärkten Gewinn schlagen kann. In Anlehnung an den Bestseller von Michael Lewis, der eindrücklich den „Big Short“, die erfolgreiche Wette gegen den US-Immobilienmarkt und die Weltfinanzmärkte, vor nunmehr acht Jahren beschreibt. Doch muss das Thema warten. Zu dramatisch ist das, was sich seit mehreren Jahren mit den Aktien von Banken, allen voran der Deutschen Bank ereignet.

Wer den Kursverlauf der Deutschen Bank seit 2006 betrachtet, muss unweigerlich denken, es wäre schon der Big Short gewesen. Immerhin stand die Aktie im Jahre 2006 kurzzeitig einmal über 100 Euro. Nun, acht Jahre und einige Kapitalerhöhungen später, nähert sie sich einem Wert von Null. Wenn der Verfall der Deutschen Bank nicht das ultimative Zeichen für eine massive Krise ist, was dann?

Natürlich war es unfair, dass der Internationale Währungsfonds ausgerechnet der Deutschen Bank den Titel der "gefährlichsten Bank der Welt" verlieh – gerade in einer Branche, die von nichts so sehr abhängt wie von Vertrauen. Ein geradezu ungeheuerlicher Vorgang. Natürlich gehen die Amerikaner mit unliebsamen Mittbewerbern rabiater um, wenn es um Strafen für Fehlverhalten geht – siehe auch Volkswagen.

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Seien Sie dabei, wenn Dr. Daniel Stelter von Stefan Hajek zum Thema "Geldanlage in Zeiten der ungelösten Schuldenkrise" interviewt wird. Im Anschluss wird das Thema unter Einbeziehung des Publikums diskutiert.Wir stecken in der schwersten Finanz- und Wirtschaftskrise seit dem 2. Weltkrieg, meint Makroökonom, Strategieberater und Autor Dr. Daniel Stelter. Er war von 1990 bis 2013 führender Unternehmensberater bei der internationalen Strategieberatung The Boston Consulting Group (BCG), zuletzt als Senior Partner, Managing Director und Mitglied des BCG Global Executive Committee.Er gründete einen Thinktank, der Politik, Konzerne und Investmentfirmen berät. Zuletzt schrieb er einige viel beachtete Bücher zu den drängendsten ökonomischen Themen unserer Zeit; als Redner und Kolumnist beschäftigt sich Stelter regelmäßig mit dem Thema Schulden. Seine Analyse der Weltlage bietet mehr als nur die Vogelperspektive, Anleger können auch konkrete Rückschlüsse für ihre eigene Geldanlage ziehen.Top-Speaker: Dr. Daniel Stelter, Gründer und Leiter des Thinktanks „beyond the obvious“, Stefan Hajek, Redakteur Geld, WirtschaftsWocheIhr Club-Vorteil: Exklusive kostenlose Veranstaltung für Club-Mitglieder.Zum WirtschaftsWoche Club-Event.

Natürlich kann niemand sagen, die Deutsche Bank sei insolvent. Doch das Gegenteil beweisen kann man so richtig auch nicht. Die Bilanz ist von außen nicht zu verstehen. Es ist und bleibt der Glaube an die Rechtschaffenheit des Managements, auf dem das Vertrauen in die Bilanz und Solidität der Bank beruht. Und so sehr man dem heutigen Management vertrauen sollte, niemand weiß, was die Vorgänger noch als Zeitbomben hinterlassen haben.

In den Jahren bis 2007 lief es rund bei Deutschlands größter Bank: Das Geldhaus verdiente Milliarden und Vorstandschef Josef Ackermann erwuchs zum staatsmännischen Vorstandschef, der es schaffte, dass die Kanzlerin zu seinem 60. Geburtstag ins Kanzleramt lud.

Das Bild zeigt Ackermann und Kanzlerin Angela Merkel im Jahr 2006 in Berlin.

Foto: AP

Rückblick

Die Deutsche Bank hatte es nach der Übernahme der US-Großbank Bankers Trust zur Jahrtausendwende in den Olymp der großen Investmentbanken der Welt geschafft. Das lästige deutsche Privatkundengeschäft sollte zwischenzeitlich als „Deutsche Bank 24“ vom Rest gelöst werden – man spielte in einer anderen Liga. Der Plan wurde zwar kassiert und zurück blieb die „24“ am Ende der Deutsche-Bank-Bankleitzahlen. Doch der globale Anspruch des Instituts blieb bestehen.

Das Bild zeigt den damaligen Bankchef Rolf-E. Breuer nach der Verkündung der Bankers-Trust-Übernahme im Jahr 1998.

Foto: dpa Picture-Alliance

Die Finanzkrise

Als ab 2006 der US-Immobilienmarkt kollabierte und in der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 und einer globalen Finanzkrise gipfelte, gelang es der Deutschen Bank zwar ohne Staatshilfe durch zu kommen. Eine Fußnote der Geschichte war aber: Milliardenforderungen gegenüber dem US-Versicherer AIG waren der Bank nur dank US-Staatshilfen zugeflossen. Und Missetaten aus der Zeit vor der Finanzkrise verfolgen die Bank noch heute.

Bild: Lehman-Brothers-Mitarbeiter nach der Kündigung 2008 in London.

Foto: REUTERS

Die Folgen der Immobilienkrise

Die USA werfen der Deutschen Bank vor, das Risiko von Immobilienwertpapiere in den Jahren vor der Finanzkrise verschleiert und gutgläubigen Investoren angedient zu haben. Ein Verfahren läuft seit Jahren und ist ein Grund dafür, dass die Aktie am Montag ein neues Allzeittief erreichte. Denn in den Vergleichsverhandlungen fordert das US-Justizministerium umgerechnet wohl 12,5 Milliarden Euro von der Bank (bei einem Börsenwert von 16 Milliarden Euro) – und das nach einem Milliardenverlust 2015 und gebildeten Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten von 5,5 Milliarden Euro. Die Bank selbst hofft, mit eher zwei Milliarden Euro im Immobilienstreit auszukommen.

Foto: dpa

Schwaches Kerngeschäft

Nach der Finanzkrise gab es zwei wesentliche Entwicklungen unter globalen Großbanken. Die in den USA beheimateten Institute (Bild: New Yorks Finanzdistrikt) – mit zwangsweiser Staatshilfe versorgt – konnten die Krise beschleunigt hinter sich lassen. Sie wuchsen gar zu neuer Größe. Die andere Gruppe stutzte das Investmentbanking, dass weniger lukrativ wurde und mit weniger Mitarbeitern zu leisten war – und fokussierte sich auf die hauseigene Vermögensverwaltung. Die Deutsche Bank suchte den Mittelweg aus eigener Kraft: keine Staatshilfe, kein großer Strategieschwenk. Die Folge: Dutzende Strafzahlungen etwa wegen Zinsmanipulationen schlugen ins Kontor, während gleichzeitig das Kerngeschäft litt.

Foto: dpa

Riskante Finanzierung

Sowohl der Internationale Währungsfonds als auch die US-Einlagensicherung halten die Bank für das riskanteste Institut der Welt. Im Verhältnis zum Eigenkapital ist die Deutsche Bank hochverschuldet. Die sogenannte „Leverage Ratio“ ist die niedrigste unter den globalen Großbanken. Zwar hat die Bank in den vergangenen Jahren Kapitalerhöhungen durchgezogen. Doch an dieser weltweit beachteten Kennziffer hat sich wenig geändert.

Foto: dpa

Wenig Reserven

Die Deutsche Bank rühmt sich zwar eines hohen Polsters an Liquidität, also stets zu veräußernder Wertpapiere in ihren Büchern. Das soll zeigen: Wir haben Reserven, auf die wir zugreifen können. Doch die drohenden Justizstrafen lassen Analysten vermuten, dass eine Kapitalerhöhung nötig werden könnte. Das würde den Aktienkurs noch weiter schwächen – in vorauseilendem Gehorsam fällt der Kurs.

Foto: dpa

Verzweifelter Umgang mit der Postbank

Mit dem Ausbruch der Finanzkrise kaufte die Deutsche Bank die Postbank mit allein mehr als fünf Millionen Girokonto-Kunden in Deutschland. Zunächst galt der Deal als raffinierter Schachzug des damaligen Chef Ackermanns, das Institut unabhängiger vom Kapitalmarkt zu machen – dank der Einlagen von Sparer auf Sparbüchern und Konten. Doch das Geschäft bindet auch viel Eigenkapital etwa bei den Immobilienfinanzierungen. Und so sollte die Postbank verkauft werden. Doch der Konkurrenzdruck ist hart und wohl kein akzeptabler Preis zu erzielen. Es drohen Abschreibungen.

Foto: REUTERS

Großaktionär Katar

Großaktionär der Deutschen Bank ist die katarische Herrscherfamilie über zwei Investmentvehikel – knapp unter zehn Prozent inklusive Optionen. Die Aktie hat allerdings extrem gelitten und wie eng die Bande zwischen Arabien und Frankfurt sind, ist unbekannt. Die Kataris senden zwar einen deutschen Anwalt als Vertreter in den Aufsichtsrat. Dennoch ist unklar, wie langfristig das Investment sein wird.

Bild: Aufsichtsratschef Paul Achleitner.

Foto: dpa

Schwäche im Kerngeschäft

Vorstandschef John Cryan (Bild) will das Investmentbanking schrumpfen und auf lukrative Bereiche beschränken. Dieser Übergangsprozess läuft just in dem Moment, da die Verhandlungen mit der US-Justiz eskalieren und die Postbank zum Bilanz-Sorgenkind mutiert. Die Aussage eines Sprechers, dass das dritte Quartal 2016 gut gelaufen sei, lässt noch nicht wirklich den Schluss zu, dass dieser Strategieschwenk bald Früchte trägt. In wichtigen Rankings der globalen Investmentbanken rutschen die Deutschen ab.

Foto: dpa

Debatte um Staatshilfen

In der Finanzkrise hatte die Deutsche Bank in Berlin für Staatshilfen in der Branche geworben, selbst aber dann keine in Anspruch nehmen wollen. Das säte Zwietracht zwischen Regierung und Geldhaus. Die prekäre Entwicklung des Aktienkurses lässt jetzt die Debatte aufkochen, ob Deutschland im Zweifelsfall bereit wäre, die Bank zu stützen. „Die Deutsche Bank ist fest entschlossen, ihre Herausforderungen alleine zu lösen", sagt ein Banksprecher. Und Investoren sind gewiss, dass im Fall der Fälle der Staat bereitstünde – schließlich trägt die Bank das „Deutsche“ im Namen. Doch es gibt eben auch die europäischen Regeln, wie Gläubiger an Rettungen beteiligt werden müssen. Das schürt Unsicherheit.

Foto: REUTERS

Offene Opposition

Mehrere Hedgefonds sind Wetten auf einen Fall des Aktienkurses der Deutschen Bank eingegangen. Der britische Fonds Marshall Wace setzt beispielsweise mit einer Position von 0,88 Prozent der ausstehende Papiere (etwa 12 Millionen Aktien) auf fallende Kurse (Stand: 23. September) – immerhin hat zumindest Investorenlegende George Soros (Bild) seine Wette auf den Sturz der Bank inzwischen unter die meldepflichtige Marke von 0,5 Prozent gesenkt.

Foto: REUTERS

Würde ich die Aktien der Deutschen Bank heute kaufen? Nein. Aber ich kaufe ohnehin keine Aktien von Banken in Europa, wie ich an dieser Stelle immer und immer wieder betont habe. Ich bin kein Spieler, sondern langfristig denkender Investor. Zu gut erinnere ich mich an eine Diskussion mit meinem Sparring-Partner in Sachen Geldanlage am Freitag dem 12. September 2008. Wir haben darüber gesprochen, eine Position in Lehman Brothers einzugehen. Schließlich würde die US-Regierung wie schon im Fall von Bear Stearns einen Konkurs verhindern, so unsere Einschätzung. Das Verlustrisiko war nach dem deutlichen Fall der Aktie also gering.

Es hat mich gereizt. Ich habe es aber nicht getan, weil ich das Risiko nicht einschätzen konnte und vor allem das Ergebnis nicht zu analysieren war. Es war ein politischer Entscheid und von der Politik halte ich – auch das wissen die Leser dieser Zeilen gut – herzlich wenig. Vor acht Jahren hat mir das einen Totalverlust über das Wochenende erspart.

Das sagten Experten zur drohenden US-Strafe für die Deutsche Bank (vor der Entscheidung)
"Die Deutsche Bank wird diese Strafe nicht ohne Kapitalerhöhung bezahlen können. Das Eigenkapital von derzeit gut 60 Milliarden Euro sollte nicht weiter sinken. Das würde das Vertrauen in die Solidität weiter erschüttern. Die Gewinne der Bank sind derzeit so niedrig, dass sie kaum ausreichen werden, die Lücke zu füllen. Jetzt rächt sich, dass Bankenaufsicht und Bankenregulierer in den letzten Jahren nicht auf eine stärkere Erhöhung des Eigenkapitals der Deutschen Bank gedrängt haben."
"Jetzt kommt es mit Blick auf die Bank und die Beschäftigten darauf an, dass die Rechtsstreitigkeiten und damit verbundenen Unsicherheiten schnell gelöst werden. Wir erwarten, dass man einen angemessenen Kompromiss finden wird."
"Ich rechne damit, dass die Deutsche Bank am Ende vier bis 5,5 Milliarden Dollar bezahlen muss - das ist etwas mehr als bisher erwartet. Da wir im US-Wahlkampf sind, kann die Summe aber auch höher ausfallen - etwa sechs oder sieben Milliarden Dollar. Auch der Streit der EU mit Apple und Google kann durchaus dazu führen, dass die Summe höher ausfällt als vergleichbare Strafzahlungen von US-Banken.Alles über sieben Milliarden Dollar wäre für die Deutsche Bank sehr gefährdend. Die Deutsche Bank müsste sich dann Gedanken machen, ob sie im normalen Geschäft noch mehr Risiken abbauen kann. Wenn alle Stricke reißen, müsste die Deutschen Bank ihre Kronjuwelen verkaufen - die Vermögensverwaltung - oder eine Kapitalerhöhung in Angriff nehmen. Die Deutsche Bank muss die Probleme in jedem Fall aus eigener Kraft bewältigen. Ich bin ziemlich sicher, dass es keine Staatshilfen geben wird.Die deutsche Politik sollte sich nicht in die Verhandlungen über die Höhe der Strafe einmischen. Frankreich hat einst Öl ins Feuer gegossen, als es bei einer Milliarden-Strafe für BNP Paribas in den USA intervenierte. Das hat nichts gebracht, sondern die ganze Sache nur noch verschärft."
"Wenn die Strafe am Ende fünf Milliarden Euro oder mehr beträgt, wird die Deutsche Bank nicht um eine Kapitalerhöhung herumkommen. Investoren wollen nicht, dass die Kapitalquote der Bank zu nah an den Mindestanforderungen der Regulierer liegt."
"Wir erwarten, dass das mögliche Verhandlungsergebnis deutlich unterhalb des ersten Vergleichsvorschlags liegen wird. Eine Strafzahlung von rund 2,5 Milliarden Dollar würden wir als akzeptables Ergebnis einstufen. Eine Strafzahlung oberhalb der bestehenden Rückstellungen würde die Wahrscheinlichkeit einer Kapitalerhöhung unseres Erachtens erhöhen."
"Das Justizministerium hat die Deutsche Bank dazu auserkoren, ihren Teil beim Stopfen des enormen US-Haushaltsdefizits beizutragen."
"Angesichts der prekären Finanzlage einiger europäischer Banken, von denen die Deutsche eine des risikobehaftetsten und systemrelevantesten ist, ist dies verstörend und wirkt kurzsichtig und unnötig strafend." Selbst ein Drittel der angedrohten Strafe von 14 Milliarden Dollar wäre eine schwere Last für eine Firma mit einem Börsenwert von rund 18 Milliarden Euro. "Gigantische Forderungen unterminieren Banken, drohen einige der am meisten globalisierten, systemrelevanten Institute zu destabilisieren, just als ein Cocktail neuer Regulierungen und ultra-niedriger Zinsen die Ertragskraft zerstören. Es gibt Spekulationen um eine neue Ära der 'Auge-um-Auge'-Handelskriege. Die Deutsche Bank könnte der Prügelknabe für den Angriff der EU-Kommission auf Apple sein."

So hoffe ich, dass es der Deutschen Bank besser geht als der Markt befürchtet, und dass sie allen Beteuerungen zum Trotz doch von der Politik gerettet wird, sollte dem nicht so sein. Würde sie es nicht, hätten wir eine neue Krise, die die Ereignisse der Jahre 2008/9 wie einen Kindergeburtstag aussehen lassen würde. Keines, aber auch wirklich keines der Probleme, die zur Finanzkrise geführt haben, wurde gelöst. Zur Erinnerung:

  • Die Gesamtverschuldung liegt fast überall über dem Niveau von 2008.
  • Die europäischen Banken sind immer noch überdimensioniert und unterkapitalisiert.
  • Die Realwirtschaft in der Eurozone hat erst vor wenigen Monaten das Niveau von 2008 wieder erreicht – einige Länder wie Italien sind weit davon entfernt.
  • Die Zinsen sind negativ und die Notenbanken der Welt sind mit ihrem Latein am Ende. Bei der nächsten Krise bleibt nur noch die direkte Staatsfinanzierung, vulgo „Helikopter-Geld“.
  • Die Möglichkeit zu politischer Kooperation zur Krisenbewältigung ist deutlich gesunken: Brexit, Trump, Cinque Stelle, Front National, AfD, ...überall zeigen sich die Folgen einer Politik, der es nicht mehr gelingt den Wohlstand der breiten Bevölkerungsschichten zu steigern und Antworten auf die drängenden Fragen der Zeit zu geben.
  • Die herrschende Politik hat derweil den lauten Weckruf immer noch nicht erhört, spielt weiter auf Zeit und hofft auf ein Wunder. Das Wunder wird nicht kommen.
Der Wochenauftakt am Frankfurter Aktienmarkt ist von starken Kursverlusten geprägt. Der Dax verliert deutlich an Boden. Schlusslicht: die Deutsche Bank. Die Aktie zeitweise so billig wie noch nie - wegen neuer Spekulationen um eine Kapitalerhöhung.

Zu allem Überfluss haben die Politiker eine im Prinzip richtige Konkursregelung für Banken eingeführt (Bail-in), die erst die Gläubiger fordert, bevor der Steuerzahler haftet. Das ist natürlich theoretisch richtig. Jedoch muss man die Banken erst saniert haben, bevor man so eine Regelung einführt. Denn wer, der noch halbwegs denken kann und nicht gezwungen wird, investiert auch nur einen Euro in eine Bankanleihe geschweige denn eine Bankaktie, wenn er weiß, dass die Altlasten noch nicht bereinigt sind?

Das wissen natürlich auch die Profis, die in den vergangenen Monaten mit der deutlichen Erholung der Bankaktien einen schönen Gewinn erzielt haben. Sie setzten auf eine technische Reaktion nach dem deutlichen Absturz davor und hofften auf die Rettung durch Politik (Aufweichung der Bail-in Regeln) und EZB (kauft alles). Wirklich an die Zukunft der Banken glauben auch sie nicht. Nach der nun kolportierten Weigerung der Bundesregierung, zwölf Monate vor der Wahl eine weitere Bank „zu retten“, bekommen sie zu recht kalte Füße. Könnte es sein, dass die prinzipientreuen Deutschen es wirklich darauf ankommen lassen? Und sei es nur, um dem Italiener Renzi klar zu machen, dass er um einen Bail-in in Italien nicht herumkommt? Angesichts der Tatsache, dass die italienischen Privathaushalte deutlich vermögender sind als die deutschen, ebenfalls theoretisch richtig. Praktisch könnte es zum Ende des Euro führen.

Mai 2016

Der italienische Staatsanwalt Michele Ruggiero ermittelt wegen Marktmanipulation gegen die Deutsche Bank und fünf aktuelle und ehemalige Top-Manager. Es geht um den Verkauf von italienischen Staatsanleihen im Wert von sieben Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2011. Die Deutsche Bank soll öffentlich versichert haben, dass die italienischen Staatsschulden stabil seien, gleichzeitig aber den Märkten und dem Finanzministerium in Rom verschwiegen haben, dass sie ihre eigenen Bestände drastisch abbauen werde.

Foto: REUTERS

Mai 2016

Die Deutsche Bank legt ein Verfahren in den USA außergerichtlich bei. Sie zahlt 50 Millionen Dollar wegen des Vorwurfs der Manipulation des Marktindexes Isdafix. Mehrere Pensionsfonds und Kommunen hatten insgesamt 14 Banken vorgeworfen, den Wettbewerb auf dem Markt für sogenannte Zinsswaps behindert zu haben.

Foto: REUTERS

Mai 2016

Die britische Finanzaufsicht FCA wirft der Deutschen Bank grobe Versäumnisse bei ihren Kontrollsystemen vor. Die Aufsicht kritisiert die Vorkehrungen des Instituts gegen Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Sanktionsverstöße. Diese wiesen "systematische Mängel" auf. Führungskräfte seien nicht ausreichend im Kampf gegen Finanzkriminalität engagiert.

Foto: REUTERS

28. April 2016

Dieser Ärger ist hausgemacht: Georg Thoma, Leiter des Integritätsausschusses im Aufsichtsrat der Deutschen Bank, legt sein Amt nach massivem Druck seiner Kollegen nieder. Da Thoma vor allem die Aufklärung von Skandalen vorantreiben sollte, verunsichert sein Rückzug die Investoren.   

Foto: dpa

25. April 2016

Ausnahmsweise mal ein juristischer Erfolg für die Bank. Das Münchner Landgericht spricht Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen und vier Ex-Spitzenbanker vom Vorwurf des versuchten Prozessbetrugs frei. Die Staatsanwaltschaft hatte den Angeklagten vorgeworfen, im Zivilprozess um die Pleite des Medienunternehmers Leo Kirch gelogen zu haben.

Foto: dpa

22. April 2016

Aktionärin Marita Lampatz verlangt eine umfangreiche Sonderprüfung bei der Deutschen Bank. Neben vergangenen Jahresabschlüssen soll ein externer Experte auch Schadenersatzansprüche gegen Aufsichtsratschef Paul Achleitner und andere Topmanager wegen des Libor-Zinsskandals prüfen. Über den Antrag entscheidet die Hauptversammlung am 19. Mai.

Foto: dpa

April 2016

Die Veröffentlichung der „Panama Papers“ zeigt, dass rund 30 deutsche Banken in den vergangenen Jahren die Dienste der Kanzlei Mossack Fonseca genutzt und mit ihrer Hilfe Briefkastenfirmen aufgesetzt haben. Auch die Deutsche Bank ist dabei.

Foto: REUTERS

Januar 2016

Vorstandschef John Cryan bestätigt, dass der Vorstand der Bank eine Untersuchung gegen ein Mitglied des Aufsichtsrats eingeleitet hat. Der Vorsitzende des Kontrollgremiums Paul Achleitner könnte die Aufklärung der Libor-Affäre verzögert haben, weshalb die britische FCA die Strafe für die Bank um 100 Millionen Pfund erhöhte. Sollte Achleitner schuldhaft gehandelt haben, drohen Schadenersatzforderungen.  

Foto: dpa

Dezember 2015

Schon länger ermitteln Aufseher und interne Kontrolleure wegen eines Geldwäschefalls in Russland. Nun wird publik, dass dieser mit zehn Milliarden Euro größer als bisher bekannt ausfallen dürfte. Außerdem könnte die Bank gegen Sanktionen verstoßen haben. Es drohen hohe Bußen. 

Foto: dpa

November 2015

Der Pensionsfonds für Lehrer aus Chicago hat bei einem Bundesgericht in Manhattan Klage unter anderem gegen die Deutsche Bank eingereicht. Mit anderen Banken soll sie versucht haben, die Fondsmanager vom elektronischen Handel mit Zinsswaps fernzuhalten. 

Foto: REUTERS

Oktober 2015

Deutsche-Bank-Chef John Cryan schreibt Firmenwerte radikal ab und erhöht die Rückstellungen für Prozesse deutlich. Das führt zu einem Quartalsverlust von rund sechs Milliarden Euro – der höchste in der Geschichte der Bank.

Foto: dpa

September 2015

Die Deutsche Bank ist zusammen mit anderen Geldhäusern wegen möglicher illegaler Preisabsprachen im Edelmetallhandel im Visier von Schweizer Beamten. Die Schweizer Wettbewerbskommission verfüge über Anhaltspunkte, dass sieben Institute möglicherweise unzulässige Absprachen im Handel mit Edelmetallen getroffen hätten, teilte die Behörde mit.

Foto: CLARK/obs

August 2015

Frankfurter Staatsanwälte klagen Beschäftigte der Deutschen Bank wegen Mittäterschaft bei besonders schwerer Umsatzsteuerhinterziehung an. Die Beschuldigten sollen 2009 und 2010 beim Handel mit Verschmutzungsrechten dubiosen Firmen geholfen haben, den Fiskus um mehrere Hundert Millionen Euro zu betrügen.

Foto: REUTERS

Juli 2015

Ein Zwischenbericht der Finanzaufsicht Bafin gelangt an die Öffentlichkeit. In diesem wirft die Behörde Topmanagern der Bank schwere Versäumnisse im Zusammenhang mit der Manipulation des Referenzzinses Libor vor.

Foto: dpa

07. Juni 2015

Aus für Anshu Jain. Die Deutsche Bank ersetzt den bisherigen Co-Chef durch den Briten John Cryan. Jains Position war auch durch seine mögliche Verbindung zu zahlreichen Skandalen im Investmentbanking unhaltbar geworden. 

Foto: dpa

Die beiden Co-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Anshu Jain (l) und Jürgen Fitschen, lächeln am 21.05.2015 während der Hauptversammlung der Deutschen Bank in der Festhalle in Frankfurt am Main (Hessen). Die Deutsche Bank hat kurz vor der Hauptversammlung ihren Vorstand kräftig umgebaut. Dabei erhält der vor allem in Deutschland umstrittene Jain deutlich mehr Macht. Foto: Arne Dedert/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Foto: dpa

Mai 2015

Eklat bei der Hauptversammlung: Nur 60 Prozent der Aktionäre stimmen der Entlastung des Vorstands zu. Ein derartiges Misstrauensvotum ist ziemlich beispiellos.

Foto: dpa

April 2015

Dieser Frieden ist teuer erkauft: Die Deutsche Bank muss für die Manipulation der Libor-Zinsen eine Rekordstrafe von 2,3 Milliarden Euro zahlen. Britische und amerikanische Behörden sehen sie im Mittelpunkt des Skandals. Außerdem werfen sie ihr unkooperatives Verhalten vor.

Foto: dpa

In Wahrheit ist die Krise der Deutschen Bank natürlich hausgemacht. Im Umfeld einer überschuldeten Welt mit einem überschuldeten Finanzsystem ist es keine gute Idee, den Titel des riskantesten Spielers zu haben, weil man ein Riesenrad mit wenig Eigenkapital dreht. Die Tatsache, dass die deutsche Politik der vergangenen acht Jahre mehr Wert auf Illusion statt Problemlösung gelegt hat – Stichworte: Griechenland (pleite), Portugal (auch pleite), Irland (ja, trotz Wachstums ebenfalls als Land überschuldet) –, hilft aber auch nicht gerade. So wurde eine echte Sanierung der Banken, eine Restrukturierung der Schulden und eine Neuordnung der Eurozone verhindert. Damit blieb die EZB die einzige Instanz, die mit Negativzinsen, die dann wiederum von deutschen Politikern bejammert werden, den Laden zusammenhält. Nebenfolge: eine Schwächung des Bankensystems und damit auch der Deutschen Bank.

Es wäre ein Treppenwitz der Geschichte, wenn ausgerechnet eine deutsche Bank den Auftakt zur nächsten Weltwirtschaftskrise gibt. Auszuschließen ist es nicht und unsere Politik der letzten acht Jahre trägt erhebliche Mitschuld.

Aus Sicht der Vermögenssicherung bedeutet dies: Risiko abbauen, am Portfolio (Aktien, Immobilien, Gold und Cash) festhalten und mit Schulden aufpassen. Und auf die Szenarien einstellen, die an dieser Stelle schon intensiv diskutiert wurden. Nicht zuletzt: Was wäre, wenn der Euro platzt?

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