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USA verlieren Kredit-BestnoteWo die USA im Schuldenranking liegen

Die USA verlieren ihren Status als Schuldner erster Güte. Fünf Grafiken zeigen: Die Höhe der Schulden allein erklärt die Entscheidung der Ratingagentur nicht.Sebastian Schug 20.05.2025 - 09:01 Uhr
US-Finanzminister Scott Bessent im US-Senat. Foto: dpa

Wenn Staaten sich am Kapitalmarkt Geld leihen, bestimmen die Beurteilungen der Ratingagenturen maßgeblich die Kosten. Wen die großen drei Moody's, S&P Global und Fitch als kreditwürdig einschätzen, der kann mit niedrigen Zinsen rechnen. Die USA haben kürzlich den exklusiven Club der AAA-Bestnoten verlassen müssen, mit Moody's hat auch die letzte Agentur das Land auf Aa1 herabgestuft. US-Finanzminister Scott Bessent gab sich gegenüber dem Sender CNN jedoch unberührt: „Ich schenke der Herabstufung durch Moody's nicht viel Glauben.“ Doch wird er die dahinter stehende Frage nicht ignorieren können: Sind die gigantischen Staatsschulden der USA noch tragbar?

Das machen die Verantwortlichen auch deutlich: „Diese Herabstufung um eine Stufe auf unserer 21-stufigen Ratingskala spiegelt den Anstieg der Staatsverschuldung und der Zinszahlungsquoten über mehr als ein Jahrzehnt hinweg auf ein Niveau wider, das deutlich über dem vergleichbar bewerteter Staaten liegt“, heißt es in der Begründung von Moody's. Setzt die US-Regierung unter Donald Trump ihre Pläne für Steuernachlässe um, so wird erwartet, dass das jährliche Finanzierungsdefizit der USA von derzeit 6,4 Prozent bis 2035 auf 9 Prozent steigt. Die Verschuldung wird der Vorhersage nach bis dahin das Niveau von 134 Prozent der Wirtschaftskraft erreichen. In diesem Fall müssten die USA 30 Prozent ihrer Staatseinnahmen für den Schuldendienst aufwenden, aktuell sind es 18 Prozent.

Doch die USA sind nicht das einzige Land mit einer hohen Schuldenquote. Einige Länder, wie Griechenland oder Italien, arbeiten jedoch aktiv daran, das Problem in den Griff zu bekommen.

Der Blick auf das letzte Jahrzehnt reicht nicht, um ein umfassendes Bild des internationalen Umgangs mit Schulden zu zeichnen. Hierzu muss man weiter in die Vergangenheit schauen, das erlauben Daten des Internationalen Währungsfonds. Zu beachten ist hierbei, dass die Statistiker in Washington die Netto-Schuldenquote als Maßzahl heranziehen. Hier werden die Vermögenswerte eines Staates wie Infrastruktur und Immobilien gegengerechnet, weshalb Deutschlands Schuldenquote für das Jahr 2023 mit nur rund 45 Prozent angegeben wird.

Trotz der unterschiedlichen Methodik zeigt die Statistik, dass nicht die Pandemie die Staatsfinanzen weltweit aus dem Takt gebracht hat, sondern die Finanzkrise des Jahres 2009. Länder wie die USA, Frankreich und das Vereinigte Königreich konnten bis zu diesem Zeitpunkt mit ähnlich soliden Finanzen glänzen wie Deutschland. Doch anders als die Bundesrepublik haben diese Länder in der Krise ihre Staatsausgaben erhöht, um ihrer Wirtschaft unter die Arme zu greifen.

Das hatte Folgen: Die Franzosen verloren ihre Spitzenbewertung bei S&P Global und Moody's bereits 2012. Im Vergleich dazu haben die Vereinigten Staaten also noch sehr lange von ihrem Privileg als Zentrum des westlichen Wirtschaftsraums profitiert.

Neben der Höhe der Schulden in Relation zur Wirtschaftskraft gibt es auch noch weitere Faktoren, die bei der Beurteilung der Tragfähigkeit von Staatsschulden eine Rolle spielen. Eine davon ist die Frage, wer die potenziellen Käufer neu auszugebender Staatsanleihen sind und wer bereits viele davon hält und diese potenziell weiterverkauft. Ein Blick in die EU zeigt, dass es hier deutliche Unterschiede gibt. Während Länder wie Schweden und Dänemark zu fast drei Vierteln bei heimischen Banken, Versicherern und anderen Investoren in der Kreide stehen, lässt Zypern sich fast ausschließlich vom Ausland finanzieren.

Im Zuge des von Trump vom Zaun gebrochenen Zollkrieges und dem kurzfristigen Taumeln der Anleihenmärkte waren die Auslandsschulden der USA bereits Thema. Die Befürchtung ist, große Geldgeber könnten versuchen, mit dem Verkauf von Staatsanleihen Druck auf die US-Regierung ausüben. Dazu ist es bisher nicht gekommen, dazu fähig wären vor allem drei Länder: Japan, das Vereinigte Königreich und China. Dabei hat die Volksrepublik ihr Depot in den letzten Jahren bereits leicht reduziert, während Japaner und Briten weiter aufgestockt haben.

Die staatlichen Gläubiger aus dem Ausland sind jedoch längst nicht mehr die bedeutendsten Investoren. In den USA hat sich das Verhältnis unterschiedlicher Geldgeber in den letzten eineinhalb Jahrzehnten dramatisch verändert. Waren im Jahr 2010 ausländische Investoren noch die bestimmende Käufergruppe von US-Staatsanleihen, ist ihre Bedeutung heute deutlich geringer. Nicht nur hat die US-Notenbank Federal Reserve ihr Depot an US-Anleihen seitdem mehr als verfünffacht, die Gruppe der „sonstigen Inhaber“ hat alle anderen Investorengruppen überflügelt. Doch wer verbirgt sich dahinter?

Im Jahr 2023 haben sich die Wissenschaftler Xiang Fang, Bryan Hardy und Karen K. Lewis im Auftrag der Basler Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) mit dem Thema Staatsschulden befasst. Waren in der Vergangenheit oft in- oder ausländische Banken an Staatsanleihen interessiert, greift nun eine andere Käufergruppe zu. In ihrem Arbeitspapier haben die Finanzexperten die wachsende Bedeutung einer ganz bestimmten Investorengruppe herausgearbeitet: Investment-Fonds.

„Private Finanzinstitute, die keine Banken sind, absorbieren einen wesentlich größeren Teil der Schwankungen der ausstehenden Staatsschulden als andere Investorengruppen“, schreiben sie. Zwar spielen auch Rentenfonds und Versicherer eine Rolle, die Experten machen Investment-Fonds jedoch für den Großteil der gestiegenen Investitionen in Staatsanleihen verantwortlich.

In Bezug auf die USA lässt sich schließen, dass die Bedingungen, unter denen sich das Land in Zukunft Geld leihen kann, stark davon abhängen, wie viel Rendite sich die Investmentprofis von US-Anleihen versprechen.

Abseits der Äußerungen von US-Finanzminister Bessent, gibt es auch Indizien dafür, dass das Weiße Haus die Herabstufung des Ratings durchaus ernst nimmt. Das lässt sich unter anderem an einer Wortmeldung des Regierungssprechers Steven Cheung ablesen. Dieser griff den verantwortlichen Moody’s-Analysten auf der Plattform X persönlich an: „Mark Zandi, der Wirtschaftswissenschaftler von Moody’s, ist ein Obama-Berater und Clinton-Spender, der seit 2016 ein „Never Trumper“ ist. Niemand nimmt seine „Analysen“ ernst. Er hat sich immer wieder als falsch erwiesen.“

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