Bausparverträge Bausparkassen stellen sich neu auf

Trotz aktueller Niedrigzinsen bleiben Bausparverträge beliebt. Aber das Geschäft hat sich verändert. Die Branche kämpft mit hochverzinsten Altverträgen und regulatorischen Vorgaben – und richtet sich neu aus.

Bausparvertrag Quelle: dpa

Mit der LBS Südwest hat sich ein neuer Branchenriese formiert. Durch die Fusion der LBS Baden-Württemberg und der LBS Rheinland-Pfalz ist die größte Landesbausparkasse Deutschlands entstanden. Am vergangenen Samstag wurde die Fusion vollzogen, sie gilt rückwirkend ab Jahresbeginn 2016. Die neue LBS Südwest hat insgesamt 1150 Mitarbeiter an drei Standorten und eine Bilanzsumme von mehr als 17 Milliarden Euro.

Größer ist sicherer

Wer nur auf die Bilanzzahlen guckt, könnte meinen, eine Fusion sei gar nicht nötig. Das Volumen neuer Bausparverträge bleibt hoch. Zwar verzeichnete die LBS Baden-Württemberg ein kleines Minus, die LBS Rheinland-Pfalz hingegen ein Plus von fünf Prozent. Das die beiden Bausparkassen ohne Fusion in einen finanzielle Schieflage geraten wären, ist nicht auszumachen. Auch die private Konkurrenz macht weiterhin gute Geschäfte: Schwäbisch Hall, die größte private Bausparkasse Deutschlands, hat 2015 sogar Neuverträge über ein Bausparvolumen von 35 Milliarden Euro verzeichnet. Sie bewegt sich nun bereits im sechsten Jahr beim Neugeschäft in dieser Region. So schlecht geht es den Bausparkassen also nicht.

Diese Bausparkassen sollten Sie lieber meiden

Dennoch steht die Bausparkassen-Branche wegen der Nullzinsphase unter massivem Druck. Baufinanzierungen zum Minizins gibt es heute auch direkt von der Bank. Zudem führen die nach der Finanzkrise verschärften regulatorischen Vorgaben zu Mehrkosten bei den Baufinanzierern. Eine Firmensprecherin sagte, mit der Fusion werde die Leistungsfähigkeit der LBS Südwest gesichert. Man sei „für die anhaltenden Herausforderungen der Niedrigzinsphase gewappnet“.

Bausparkassen unter Druck

Heute sind Bausparverträge nur sinnvoll, wenn später tatsächlich die Ersparnisse und ein Darlehen in den Kauf oder die Modernisierung einer Immobilie fließen. Dann bieten Bausparverträge mit den langfristig festgeschriebenen Kreditzins und gegebenenfalls staatlicher Förderung (Stichwort Wohn-Riester) Vorteile gegenüber einer Finanzierung über ein normales Bankdarlehen.

Das war vor zwanzig Jahren anders. Damals waren Bausparverträge als gut verzinstes Sparprodukt ohne Zweckbindung attraktiv. Manche Bausparkasse haben ihre Verträge auch explizit als Sparprodukt mit attraktiven Zinsen beworben und nicht die Immobilienfinanzierung, sondern die hohe Rendite in den Fokus gestellt. Einige Verträge sehen sogar Bonuszinszahlungen an die Sparer vor, wenn diese den Immobilienkredit nicht in Anspruch nehmen.

Altverträge loswerden

Längst haben die hohen Sparzinsen von drei, vier und fünf Prozent von einst die Bausparkassen eingeholt. Weil die hohe Verzinsung es attraktiver machte, das Sparguthaben bei der Bausparkasse zu belassen, als damit eine Immobilie zu finanzieren, müssen Bausparkassen hohe Zinsgutschriften auszahlen, aber auf das Kreditgeschäft verzichten.

Im vergangenen Jahr haben große Bausparkassen im großen Stil damit begonnen, Altverträge ihrer Kunden zu kündigen – auch wenn die Vertragspflichten von Kundenseite stets eingehalten wurden. In der ersten großen Kündigungswelle beendeten die Bausparkassen mehr als 200.000 Altverträge. Auch 2016 schicken die Bausparkassen munter Kündigungsschreiben an ihre langjährigen Kunden. Verbraucherschützer sehen darin ein unzulässiges Gebaren und raten dazu, nach einer Prüfung durch einen Fachanwalt oder die Verbraucherschutzzentrale einer Vertragskündigung wenn möglich zu widersprechen.

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