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Bundesbank warnt So verwundbar sind Banken und Wirtschaft

Dunkle Wolken türmen sich hinter der Bankenskyline im Zentrum von Frankfurt am Main auf Quelle: dpa

Mit Brexit, Handelsstreit und Italien brauen sich Gefahren für Banken und Wirtschaft zusammen. Droht eine neue Finanzkrise? Die Bundesbank mahnt zur Vorsorge.

Die Finanzwächter der Deutschen Bundesbank warnen angesichts internationaler Spannungen vor Verwundbarkeiten des deutschen Finanzsystems. Claudia Buch, Vizepräsidentin der Bundesbank, fordert Banken und andere Finanzunternehmen daher auf, die guten Zeiten zu nutzen, um stärkere Abwehrkräfte und Puffer für schlechtere Zeiten aufzubauen. Das könnte, so Buch, zum Beispiel ein antizyklischer Kapitalpuffer sein, auf den die Banken dann in Krisenzeiten zurückgreifen könnten.

Die Schwachstellen des Bank- und Finanzsystems könnten offen zutage treten, wenn zum Beispiel Großbritannien die Europäische Union mit einem großen Knall verlässt oder der Handelskrieg zwischen den USA, China und Europa eskaliert. Auch der Haushaltsstreit zwischen Brüssel und Italien hat das Zeug, die Eurozone kräftig zu destabilisieren. Die exportlastige deutsche Wirtschaft wäre solchen internationalen Schocks besonders stark ausgeliefert.

Bei den deutschen Banken ‎hat sich ein gefährlicher Mix aus niedrigen Zinsen und hohen Krediten zusammengebraut, wie die Bundesbank in ihrem jährlich im November vorgestellten Finanzstabilitätsbericht schreibt. Die Finanzinstitute haben wegen der bisher brummenden Konjunktur kräftig Kredite zu besonders niedrigen Zinsen vergeben. Gleichzeitig ist die Risikovorsorge für ausfallende Kredite so gering wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Das, so die Bundesbank, habe den Banken zwar geholfen, Kapital aufzubauen. Allerdings bestehe nun die Gefahr, dass Kreditrisiken unterschätzt werden könnten. „Die Banken haben zwar auch in der Vergangenheit Puffer aufgebaut, aber das muss in Zukunft weiter verstärkt werden“, fordert der für Bankenaufsicht zuständige Bundesbankvorstand Joachim Wuermeling.

Aufgeblähte Immobilienpreise

Auch die aufgeblähten Immobilienpreise verleiten Banken dazu, den Wert ihrer Kreditsicherheiten zu überschätzen. Denn Verbraucher stecken das Geld, welches sie sich bei der Bank leihen, zu einem großen Teil in teure Immobilien. Laut Bundesbank sind Wohnimmobilien in den Städten zwischen 15 und 30 Prozent überbewertet. Bricht die Wirtschaft ein, fallen die Preise von Häusern und Wohnungen, die bei den Banken als Sicherheit für die Kredite hinterlegt wurden.

Ein Ausstieg der Europäischen Zentralbank aus ihrer Niedrigzinspolitik könnte die Kreditinstitute zusätzlich in die Klemme bringen. Denn laut Bundesbank sind die niedrigen Zinsen bei 45 Prozent der neu vergebenen Wohnimmobilienkredite für mehr als zehn Jahre festgeschrieben, womit die Quote der Kredite mit besonders langer Zinsbindung fast doppelt so hoch ist wie 2010. Wechselt die Notenbank ihren geldpolitischen Kurs abrupt, steigen die Zinsen an den Kapitalmärkten schneller als in den Kreditbüchern der Banken.‎ Die Finanzinstitute müssten dann mehr für ihr Kapital zahlen als sie damit verdienen. Diese sogenannten Zinsänderungsrisiken fallen laut Buch bei kleineren Banken und Sparkassen stärker ins Gewicht, da größere Institute das Problem besser durch Fristentransformation ausgleichen können, also durch die Umwandlung von kurzfristigen Einlagen in langfristig vergebene Kredite.

Die Warnung der Bundesbank ertönt in einer Phase, in der die deutsche Wirtschaft gerade ihren längsten Aufschwung seit der Wiedervereinigung feiert. Das Land erfreut sich an geringer Arbeitslosigkeit, sinkenden Schulden und abnehmenden Insolvenzen bei Verbrauchern und Unternehmen. Trotz aller Krisenangst im Zuge von Brexit, Italien-Krise und Handelskriegen betonte Buch, das Basisszenario sei weiterhin intakt. Das heißt, es sei noch Zeit, Puffer für die nächste Krise aufzubauen.

Auch im kommenden Jahr rechnet die Bundesbank damit, dass die Wirtschaft in Deutschland weiter wächst und die Zinsen leicht steigen.

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