Aktien & Anleihen Mischfonds für schlechte Zeiten

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In der Praxis erfüllen die Manager der Multi Assets ihre Vorgaben, indem sie sich aus den Derivate-Baukästen der vielfach mit ihren Häusern verbundenen Investmentbanken bedienen. So kaufen sie zum Beispiel – und das ist noch eine vergleichsweise simple Variante – günstige Puts, also Papiere, die bei Kursstürzen rasant an Wert gewinnen. Bei einem Crash würden diese Derivate das Portfolio abfedern. "Diese Sicherungen sollten Fondsmanager allerdings möglichst schon dann kaufen, wenn es noch so scheint, als bräuchte man sie nicht", sagt Frank. Wackelt die Börse bereits, werden sie einfach zu teuer. Auf Sicht von fünf Jahren erwartet Frank, dass die neuen Portfolios die gleiche Rendite bringen wie die eher traditionelle Vermögensverteilung. "Das zwischenzeitliche Abtauchen der Kurse wird vermieden, deshalb brauchen die Fonds im Aufschwung nicht so viel aufholen."

Viele große Fondsgesellschaften rüsten jetzt auf: Die Deutsche-Bank-Tochter DWS hat Mischfonds zur "neuen Säule im Fondsmanagement" erklärt und extra ein neues Investment-Team genannt "DWS Multi-Asset" mit über 20 Mitarbeitern zusammengestellt. Hier sollen Aktien- und Anleiheexperten mit Spezialisten für Risikokontrolle zusammenarbeiten. Auch DWS-Starmanager Klaus Kaldemorgen soll künftig den Kopf für einen weiteren Mischfonds hinhalten. Schon bisher hat er seit zwei Jahren den Multi Opportunities II gelenkt. In ihm wurde allerdings überwiegend das Vermögen eines Frankfurter Unternehmens gehortet. Er stand deshalb nicht auf den Empfehlungslisten für Kunden der Deutschen Bank – obwohl er einer der besten Mischfonds der DWS war.

Finanzberater Sommese hält die Mischfonds-Euphorie für pure Kampagne. "Die Fondshäuser müssen sich fragen lassen, was sie eigentlich jahrzehntelang gemacht haben, wenn die Mischungen erst jetzt wieder auf ihrem Radar erscheinen." Die neue Welle sei geschaffen worden, um Anleger überhaupt noch irgendwie für Fonds zu begeistern.

Alle großen Fondsanbieter haben bereits viele Mischfonds im Regal. Doch weil deren Leistung zu wünschen übrig ließ, muss jetzt Neues her. Risikokontrolle rechtfertigt höhere Kosten und bringt Einnahmen. Dass bei Derivategeschäften hohe Verluste drohen, wenn eine Bank ausfällt, dass Computermodelle, die Risiken begrenzen sollen, auch versagen, scheint die Manager der modernen Fonds nicht zu stören. Dabei war dies gerade in der Finanzkrise der Fall. Auf einen nie da gewesenen parallelen Absturz nahezu aller Anlageklassen – Aktien, Unternehmensanleihen, Rohstoffe, verbriefte Bankpapiere – waren die Systeme nicht vorbereitet. Um Risiken zu begrenzen, versuchten alle zugleich, alles aus den Depots zu werfen – und verstärkten so den Absturz.

Doch die Finanzkrise ist lange her, nicht in den Köpfen der Anleger, wohl aber in dem Bewusstsein der Profis, die ihr Geld verwalten. Im Schnitt haben die viel gelobten Multi-Assets-Fonds in diesem Jahr 1,8 Prozent verloren. Klassenbester ist der Allianz RCM Dynamic Multi Asset mit 2,3 Prozent plus. Angesichts der bisher freundlichen Aktien- und Anleihemärkte ist das bescheiden. Ihre Bewährungsprobe haben die neuen Fonds noch vor sich.

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