Immobilienfinanzierung: Die besten Bauspar-Tarife
Er ist ein Klassiker, um sich den Wunsch von der eigenen Immobilie zu erfüllen: der Bausparvertrag. Vor allem für Menschen mit kleineren und mittleren Einkommen gilt er seit Jahrzehnten als ein Instrument, um sich den Traum von den eigenen vier Wänden zu erfüllen. Der Bausparvertrag garantiert zukünftigen Immobilienbesitzern schon heute feste Darlehenszinsen für die Zukunft.
Lange Jahre war das eher weniger gefragt. „Mit der Zinswende Anfang 2022, die auf eine lange Phase niedriger und negativer Zinsen folgte, kam die Erkenntnis zurück, dass Zinsen auch wieder steigen können“, erklärt Christian König, Hauptgeschäftsführer des Verbands der privaten Bausparkassen. Für viele Haushalte, die eine Wohnung kaufen wollen, haben sich die Finanzierungskosten innerhalb kürzester Zeit vervielfacht.
„In einem Umfeld steigender Zinsen konnte der Bausparvertrag deshalb seine Rolle als Instrument der Zinssicherung ausspielen, was zu einer außergewöhnlich starken Nachfrage 2022 und 2023 führte.“ Die Hypothekenzinsen haben sich allerdings inzwischen stabilisiert, und der Absatz klassischer Bausparverträge ist auf Normalniveau gesunken. Ähnliches berichten die Landesbausparkassen.
Zinsen sichern, Eigenkapital aufbauen
Es geht aber nicht nur um Zinssicherung. Sparer bauen auch Eigenkapital auf. „Bekanntlich ist das fehlende Eigenkapital die Haupthürde für den Erwerb von Wohneigentum – und durch die weiter steigenden Kaufpreise wird sie immer höher“, sagt Axel Guthmann, Verbandsdirektor der Landesbausparkassen.
Wer frühzeitig mit Bausparen beginnt, spart in einer sicheren Anlageform Eigenkapital an. Ganz so einfach ist das aber nicht. „Bausparen ist bei den derzeit hohen Immobilienpreisen und Darlehensvolumina nicht immer der ideale Finanzierungspartner“, kommentiert Max Herbst, Chef der FMH-Finanzberatung. Er rechnet vor: Wer einen 100.000-Euro-Bausparvertrag abschließt, muss in der Regel monatlich 400 Euro ansparen und etwa nach acht bis zehn Jahren für sein Darlehen rund 600 Euro tilgen – und für einen Darlehensanteil von 50.000 bis 60.000 Euro sei es schon eine richtig hohe Rate, aber dafür bei sehr geringen Gesamtkosten. „Ich will jetzt nicht sagen, dass Bausparen nur für die Gutbetuchten passend ist, aber für den Otto-Normal-Verbraucher sollten die Bausparsummen nicht zu hoch abgeschlossen werden“, warnt Herbst.
Längst wird Bausparen aber auch anders genutzt. „Bausparen ist zu einem idealen Instrument und Produkt für die Rücklagenbildung des Hausbesitzers geworden und für die Finanzierung von Modernisierungen und den Wandel in eine energetische neue Immobilienwirtschaft“, sagt Herbst. Gerade weil die Einsatzmöglichkeiten vielfältig seien, seien Bausparverträge für breite Bevölkerungsschichten interessant, ist auch Christian König überzeugt.
Wie sich die Zinsen langfristig entwickeln, lässt sich nur unsicher prognostizieren. Der Sollzins für das Darlehen mag niedrig erscheinen, aber das ist der Zins in der Guthabenzins in der Ansparphase auch. Ob sich ein Bausparvertrag wirklich gelohnt hat, wissen Sparer erst hinterher. Zuletzt stiegen die Bauzinsen wieder an und bewegten sich in Richtung vier Prozent für zehnjährige Darlehen. Dieses Zinsniveau gab es zuletzt Ende 2023. Bei den Bauzinsen ist in naher Zukunft nicht mit einem Abschwung zu rechnen, erwartet Jörg Utecht, CEO der Interhyp Gruppe, einem Vermittler von Baufinanzierungen. „Die erste Jahreshälfte 2026 wird voraussichtlich keine Entlastung bringen.“
Konditionen vergleichen
Wer sich für einen Bausparvertrag interessiert, sollte auf jeden Fall die Konditionen vergleichen. „Es gibt immerhin 36 Tarife von den LBS Bausparkassen und 30 Tarife von den privaten Bausparkassen, die aktuell neu abgeschlossen werden können“, sagt Herbst. Exklusiv für die WirtschaftsWoche hat die FMH-Finanzberatung die aktuellen Konditionen analysiert und die besten Tarife ausgezeichnet. Die Bausparsumme liegt bei 50.000 Euro, die Ansparzeit bei zehn Jahren. Für die Bewertung der Bauspartarife wurden sowohl die Höhe der Anspar- und Darlehensraten als auch die Höhe der Gesamtkosten berücksichtigt. Die Höhe des Zinssatzes wurde nicht bewertet, weil der Zinssatz auch ein Teil der Gesamtkosten ist. Die Angaben der Abschlussgebühr und des Guthabenzinses sind im Gesamtpreis enthalten.
Bei den privaten Bausparkassen wurden Tarife von Alte Leipziger Bauspar, Signal Iduna Bauspar und Bausparkasse Mainz mit „sehr gut“ ausgezeichnet. Bei der erstplatzierten Alte Leipziger Bauspar liegt der Sollzins bei 2,45 Prozent pro Jahr und der Guthabenzins bei 1,2 Prozent. Die Abschlussgebühr beträgt ein Prozent. Bei einer Bausparsumme von 50.000 Euro und einer Ansparzeit von zehn Jahren liegt die monatliche Ansparrate bei 205 Euro, die Tilgungsrate später dann bei 235,32 Euro. Die Summe der gesamten Zahlung liegt bei 52.073 Euro. Bei der Signal Iduna Bauspar liegt diese Summe mit 52.213 Euro unwesentlich höher. Allerdings ist der Sollzins mit 1,78 Prozent niedriger, der Guthabenzins mit 0,2 Prozent aber geringer. Entsprechend liege die monatliche Ansparrate bei 150 Euro und die monatliche Tilgungsrate bei 236,63 Euro. Bei der drittplatzierten Bausparkasse Mainz ist die Summe der gesamten Zahlungen mit 55.042 Euro etwas höher.
Bei den LBS Bausparkassen wurden zwei Tarife mit „sehr gut“ bewertet. Bei der erstplatzierten LBS NordWest beträgt die Summe der gesamten Zahlungen 54.025 Euro. Der Sollzins pro Jahr liegt bei 1,9 Prozent. Die Ansparrate beträgt 187 Euro. Bei der LBS NordOst liegt der Sollzins mit 1,65 Prozent etwas niedriger, auch die Summe der gesamten Zahlungen ist mit 52.984 Euro geringer, allerdings spart der Kunde einen Monat länger an. Der Guthabenzins liegt bei beiden ausgezeichneten Tarifen bei 0,1 Prozent, die Abschlussgebühr bei 1,6 Prozent. Auch die Tilgungsrate ist mit 250 Euro bei beiden Tarifen gleich.
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