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RiesterrenteDer wirklich wahre Riester-Vorteil

Die Riester-Rente ist nicht die ultimative Altersvorsorge. Das ist bekannt. Doch bringt die staatliche Förderung am Ende überhaupt einen Vorteil? Wir haben nachgerechnet - mit überraschenden Ergebnissen.Niklas Hoyer 09.07.2015 - 10:08 Uhr

Zeitrente

Als Zeitrente wird ein Vorsorgebetrag bezeichnet, der nur über einen bestimmten, endlichen Zeitraum gezahlt wird. Ein klassisches Beispiel dafür sind Einnahmen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie werden gezahlt, bis die Zahlungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung gewährt werden.

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Witwen-/Witwerrente

Stirbt ein Ehepartner, hat der andere Anspruch auf Witwenrente. Voraussetzung dafür ist, dass das Paar noch verheiratet war, allerdings ist es egal, ob zusammen oder getrennt gelebt wurde. Außerdem müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein: Unter anderem muss der verstorbene Partner mindestens fünf Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben. Heiratet der Hinterbliebene erneut, endet die Witwenrente.

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Rentensplitting

Das Rentensplitting ist vergleichbar mit dem Ehegattensplitting. Die Ansprüche beider Ehepartner werden in einen Topf geworfen und zu gleichen Teilen unter beiden gesplittet. Davon Gebrauch machen dürfen Eheleute, die 2002 oder später geheiratet haben. Aber auch eingetragene Lebenspartner dürfen ihre Altersbezüge entsprechend teilen.

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Wer profitiert vom Rentensplitting?

Nicht nur Ehepartner mit einer sehr kleinen Rente können vom Splitting profitieren. Lohnen kann sich ein Splitting auch für jemanden, der keine Witwerrente bekommen würde, da seine Einnahmen zu hoch sind. Außerdem darf dank Splitting in der Regel auch mehr hinzuverdient werden.

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Mütterrente

Die Mütterrente gibt es erst seit diesem Jahr. Profitieren sollen vor allem Mütter, die bisher keinen Anspruch auf Rente hatten, weil sie aufgrund der Kindererziehung nicht lange genug gearbeitet haben. Anspruch haben Frauen, die vor 1992 geborene Kinder erzogen haben. Bisher wurde ihnen lediglich ein Jahr Erziehungszeit auf ihrem Rentenkonto angerechnet, jetzt sind es zwei. Pro Monat bedeutet das ein Plus von knapp 30 Euro.

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Wie viel dürfen Rentner dazuverdienen?

Viele suchen auch im Ruhestand nach ein wenig Zeitvertreib und wollen noch etwas hinzuverdienen. Doch gerade für Rentner sind die Regeln da streng. Sogenannte Vollrentner, die das gesetzliche Renteneintrittsalter erreicht haben, dürfen prinzipiell unbegrenzt dazuverdienen. Allerdings muss der Betrag komplett zusammen mit der Rente versteuert werden.     

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Was passiert bei Frührentnern?

Wer vor dem gesetzlichen Renteneintrittsalter in Rente geht, erhält eine gekürzte Rente, die sogenannte Frührente. Für jeden Monat, den man früher zu arbeiten aufhört, werden 0,3 Prozent von der eigentlichen Rente abgezogen. Zwar dürfen auch Frührentner Geld hinzuverdienen. Allerdings wird dieses am Ende mit der gekürzten Rente verrechnet. Der Frührentner muss die Rentenversicherung darüber informieren, dass er einen Nebenjob hat, diese wird dann die entsprechende Kürzung ausrechnen. Je nach Wohnort gelten bestimmte Hinzuverdienstgrenzen.

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Ewige Rente

Zu den ewigen Renten zählt unter anderem die Grundrente aus einem Grundstück. Es wird ein gleichbleibender, regelmäßiger Betrag gezahlt.

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Sie lohnt sich. Sie lohnt sich nicht. Sie lohnt sich vielleicht. Ob die Riester-Rente sich lohnt, daran scheiden sich immer noch die Geister. In den allermeisten Fällen ist sie jedenfalls nicht die ultimative Altersvorsorge, die dank staatlicher Förderung zu hohen Renten bei niedrigem eigenen Einsatz führt. Doch derzeit, im Niedrigzinsumfeld, mehren sich die Stimmen, die eine vermeintlich versöhnliche Wahrheit propagieren. Sie liegt irgendwo zwischen den beiden Extremen ("Lohnt sich nicht" versus "Lohnt sich").

Die Argumentation geht ungefähr so: Nein, Riester sei kein Wundermittel. Aber durch die Riester-Förderung könnten Sparer ihre Rendite um einen Prozentpunkt steigern. Und das sei bei den derzeit extrem niedrigen Zinsen eine wichtige Unterstützung beim langfristigen Ziel, ausreichend fürs Alter vorzusorgen. Von Beispielrechnungen wird diese Argumentation selten begleitet. Kein Wunder. Denn derartige pauschale Aussagen mit einer exakten Zahl müssen falsch sein. Sie können nicht stimmen, weil die genaue Rendite aus der Altersvorsorge mit Riester extrem vom Einzelfall (Alter, Einkommen, Kinder, Lebensdauer) abhängt.

Ladenhüter Rürup-Rente

Für wen eine Basisrente rentabel ist

von Niklas Hoyer und Andreas Toller

Trotzdem führen die Aussagen zu einer wichtigen Frage: Bringt die Förderung aus der Riester-Rente überhaupt einen Vorteil? Oder schneiden Sparer genauso gut ab, wenn sie gleich viel eigenes Geld einsetzen und ohne Förderung anlegen? Wir rechnen nach!

Gute Beratung ist das A und O

Riester-Sparer können zwischen verschiedenen Anlageformen wählen: Rentenversicherung, Bank-Sparplan, Fonds-Sparplan und - seit 2008 - auch Bausparverträge und Immobilienkredite (Wohn-Riester). Die Kreditvariante des Wohn-Riesters lohnt fast immer, wenn ohnehin ein Immobilienkauf geplant ist und die Förderung infrage kommt. Hier ist allerdings gute Beratung nötig, da Immobilieneigentümer nicht mehr ganz frei über ihre Immobilie entscheiden können - also zum Beispiel ausziehen und die Immobilie vermieten -, ohne die Förderung zu gefährden.

Für die Sparvarianten der Riester-Förderung ist die Frage nicht so leicht zu beantworten. Grundsätzlich funktioniert die Förderung so: Jeder Förderberechtigte bekommt pro Jahr 154 Euro Zulage vom Staat, pro Kind gibt es weitere 300 Euro (für vor 2008 geborene Kinder: 185 Euro). Anspruch auf Zulagen in voller Höhe haben Sparer, wenn sie inklusive Zulagen wenigstens vier Prozent ihres Vorjahres-Bruttoeinkommen einzahlen. Wer als Single 40.000 Euro verdient, müsste also 1446 Euro im Jahr selbst einzahlen (vier Prozent des Einkommens abzüglich 154 Euro Zulage). Die Einzahlungen werden außerdem vom zu versteuernden Einkommen abgezogen, so dass sie steuerfrei bleiben. Die Zulagen werden mit dem rechnerischen Steuervorteil (Einzahlungen mal persönlicher Steuersatz) allerdings verrechnet. Ist die Summe der Zulagen, etwa bei Eltern in Großfamilien, größer als der rechnerische Steuervorteil, gibt es keinen zusätzlichen Steuerbonus.

Die Finanzierungslage der betrieblichen Altersversorgung der Dax-Unternehmen hat sich 2013 positiv entwickelt. Die guten Renditen (5,1 Prozent) ließen die Pensionsvermögen auf 198 Milliarden Euro steigen. Im Vorjahr waren es noch 192 Milliarden, die Pensionsverpflichtungen drohten zur Gefahr für künftige Gewinne zu werden.

2013 sah es schon anders aus, nicht nur die Rücklagen stiegen, auch der Umfang der Pensionsverpflichtungen ist gesunken. Statt 314 Milliarden müssen die Konzerne nur noch 303 Milliarden Euro zahlen. Damit sind 65 Prozent der Pensionsverpflichtungen mit spezifischen Vermögenswerten bedeckt (Vorjahr: 61 Prozent). Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Pensionsvermögen und -verpflichtungen im DAX 2013“ der Unternehmensberatung Towers Watson. Sie basiert auf den Angaben in den Geschäftsberichten der 30 DAX-Unternehmen.

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Bei Adidas klaffen allerdings noch große Lücken zwischen dem Vermögen, das 2013 für die betriebliche Altersvorsorge eingeplant war und dem, was ausbezahlt wurde. So betrug das Planvermögen des Sportartikelherstellers 83 Millionen Euro, wogegen die Verbindlichkeiten 325 Millionen Euro betrugen. Damit erreicht Adidas einen Ausfinanzierungsgrad von nur 26 Prozent - die Differenz musste aus anderen Quellen genommen werden. Immerhin: 2012 waren nur 24 Prozent der Pensionsverpflichtungen mit spezifischen Vermögenswerten bedeckt.

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Der Versicherer Allianz kann sich dagegen über eine Deckung von 61 Prozent freuen. Das Planvermögen des Konzerns für die betriebliche Altersvorsorge beträgt 11,7 Milliarden Euro, demgegenüber stehen Verpflichtungen in Höhe von 19,1 Milliarden.

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Mehr als 80, nämlich genau 83 Prozent Deckungsgrad, kann der Chemiekonzern BASF vorweisen. Das Unternehmen muss also nur noch 17 Prozent aus sonstigen Geldern nehmen, um die Lücke zwischen den Rücklagen in Höhe von 17,1 Milliarden und den Verpflichtungen von 20,7 Milliarden Euro zu schließen.

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Auch Bayer erreicht mit 65 Prozent einen ganz ordentlichen Deckungsgrad. Bei dem Pharmaunternehmen stehen Ausgaben in Höhe 20,7 Milliarden Euro für die betriebliche Altersvorsorge einem Polster von 13,4 Milliarden Euro gegenüber.

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Das erfolgreiche Anlage- und Risikomanagement "bringt den Unternehmen Rückenwind für die Überarbeitung ihrer betrieblichen Altersversorgung, die angesichts der demografischen Entwicklung stärker denn je auf die Agenda drängt", sagt Thomas Jasper, Leiter Retirement Solutions bei Towers Watson. Er erwartet, dass in den kommenden Jahren viele Unternehmen ihre Pensionswerke überarbeiten oder neu gestalten werden.

Bei BMW kann man gelassen in die Zukunft schauen: Von 76 Prozent im Jahr 2012 wuchs der Deckungsgrad auf 85 Prozent an. 2013 hatte das Unternehmen ein Planvermögen von 13,5 Milliarden Euro, demgegenüber Pensionsansprüche in Höhe von 15,8 Milliarden Euro standen.

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Derzeit sieht nur jedes dritte Unternehmen in Deutschland sein Angebot an Mitarbeiterbenefits wie der Altersvorsorge gut für die Zukunft aufgestellt, wie eine im Februar veröffentlichte Umfrage der Economist Intelligence Unit (EIU) im Auftrag von Towers Watson ergab. Die Beiersdorf AG zahlte ihren Pensionären im letzten Jahr beispielsweise rund 1,3 Milliarden Euro an Altersvorsorge. Zurückgelegt hatte das Unternehmen für diesen Zweck allerdings nur 877 Millionen Euro.

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„Wer als Arbeitgeber attraktiv bleiben will, muss Angebote machen, die den veränderten Anforderungen der Arbeitnehmer gerecht werden – und wer mit guten Leistungen eine Vorreiterrolle einnimmt, hat einen klaren Vorsprung im Wettbewerb um Talente auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft“, stellt Experte Jasper fest. Die Commerzbank kann sich ihre betriebliche Altersvorsorge leisten: Sie erreicht einen Deckungsgrad von stattlichen 91 Prozent. Im vergangenen Jahr hatte die Bank für Pensionsansprüche ihrer Mitarbeiter 6,5 Milliarden Euro zurückgelegt und rund 7,2 Milliarden Euro ausbezahlt.

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Weniger erfreulich ist dagegen der Deckungsgrad beim Reifenhersteller Continental ausgefallen: 1,9 Milliarden Euro Rücklagen standen im vergangenen Jahr etwas mehr als vier Milliarden Euro an Forderungen gegenüber. Das entspricht einem Ausfinanzierungsgrad von 46 Prozent. Das sind aber immerhin schon vier Prozentpunkte mehr als noch im Vorjahr.

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Ebenfalls um vier Prozentpunkte stieg der Deckungsgrad beim Autobauer Daimler: Von 56 Prozent ging es hoch auf 60 Prozent. 2013 hatte der Konzern für die Altersvorsorge seiner Mitarbeiter rund 14,7 Milliarden Euro angespart und musste 24,5 Milliarden Euro aufwenden.

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Bei der Deutschen Bank ging es sogar um acht Prozentpunkte nach oben. 15,2 Milliarden Euro musste der Konzern aufwenden, angespart wurden 15 Milliarden Euro. Der Ausfinanzierungsgrad liegt damit mittlerweile bei 99 Prozent.

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344 Millionen Euro fielen bei der Deutschen Börse an. Angespart waren 263 Millionen Euro. Der Ausfinanzierungsgrad liegt damit bei 76 Prozent.

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Beim Luftfahrtkonzern Deutsche Lufthansa wurden 10,3 Milliarden Euro angespart, die Verpflichtungen lagen bei rund 15 Milliarden Euro. Das entspricht einem Ausfinanzierungsgrad von 69 Prozent.

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Beim Logistik-Profi Deutsche Post liegt der Ausfinanzierungsgrad sogar noch zwei Prozentpunkte niedriger. Es mussten 14,8 Milliarden Euro aufgewendet werden, angespart wurden nur 9,9 Milliarden.

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Doch beim Telekommunikationskonzern Deutsche Telekom tun sich noch ganz andere Gräben auf. Rund zwei Milliarden Euro wurden angespart, aber rund neun Milliarden mussten aufgewendet werden. Der Deckungsgrad liegt damit bei gerade einmal 22 Prozent.

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77 Prozent Deckungsgrad kann der Energiekonzern E.On aufweisen. Pensionsverpflichtungen in Höhe von 15,2 Milliarden Euro stand ein Planvermögen von 11,8 Euro gegenüber.

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Der Geschäftsbericht von Fresenius Medical Care (FMC) für 2013 liegt noch nicht vor. 2012 lag der Ausfinanzierungsgrad bei 35 Prozent.

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Der Medizinkonzern Fresenius schafft es auf nur 31 Prozent Deckungsgrad. 312 Millionen Euro Planvermögen standen Verpflichtungen von einer Milliarde Euro gegenüber.

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HeidelbergCement schafft 87 Prozent Ausfinanzierungsgrad. Angespart wurden 3,8 Milliarden Euro, 4,3 Milliarden Euro liefen an Verpflichtungen auf.

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Konstant bei 82 Prozent Deckung steht der Konsumgüter-Riese Henkel. Pensionsverpflichtungen von 4,6 Milliarden Euro stehen Ansparungen von 3,8 Milliarden Euro gegenüber.

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Das Halbleiterunternehmen Infineon bringt es auf 64 Prozent, was einer Steigerung von sieben Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr entspricht. 2013 hatte der Konzern 437 Millionen Euro angespart, um die Pensionsansprüche der Mitarbeiter zu bedienen. Tatsächlich ausgegeben hat Infineon 683 Millionen Euro.

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Bei gleichbleibendem Umsatz musste der Düngemittelproduzent K+S im vergangenen Jahr einen Gewinnrückgang von 18,4 Prozent hinnehmen. Auch im nächsten Jahr werden aufgrund sinkender Kalipreise weitere Einbußen erwartet. Dafür ist der Konzern bei der Altersvorsorge top aufgestellt. Ansparungen von 409 Millionen Euro stehen Ausgaben von 499 Millionen gegenüber. Das heißt, dass K+S seinen Ausfinanzierungsgrad von einem Jahr von 72 auf 82 Prozent erhöht hat.

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Beim Spezialchemiekonzern Lanxess beträgt die Deckung nur 59 Prozent. Rund eine Milliarde Euro hat das Unternehmen für die Altersvorsorge seiner Mitarbeiter angespart. Ausbezahlt hat Lanxess 1,8 Milliarden Euro.

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Bei Linde stehen Ansparungen von 5,1 Milliarde Pensionsansprüchen in Höhe von 5,8 Milliarden Euro gegenüber. Das entspricht einem Ausfinanzierungsgrad von 87 Prozent.

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Bei Merck freuen sich nicht nur Aktionäre über steigende Dividenden, sondern auch die Mitarbeiter über eine betriebliche Altersvorsorge. Im vergangenen Jahr hat Merck dafür 2,7 Milliarden Euro ausgegeben. Im Pensionstopf waren dafür 1,8 Milliarden Euro vorhanden. Der Rest musste auch anderen Töpfen geschöpft werden.

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Bei dem weltgrößten Rückversicherer Münchener Rück betrug die Deckung 50 Prozent: 3,9 Milliarden Ausgaben standen einem Planvermögen von rund zwei Milliarden Euro gegenüber.

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Auch der Energiekonzern RWE sorgt für das Alter seiner Mitarbeiter vor. Im vergangenen Jahr kostete das den Konzern 21,8 Milliarden Euro. Angespart hatte RWE allerdings nur 15,6 Milliarden Euro. Das entspricht einem Ausfinanzierungsgrad von 71 Prozent.

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Der Software-Hersteller SAP musste für die Finanzierung der betrieblichen Altersvorsorge kaum auf Unternehmensgewinne zurückgreifen: 835 Millionen Euro Rücklagen hatte das Unternehmen zu diesem Zweck gebildet. 893 Millionen Euro zahlte das Unternehmen an die Mitarbeiter aus.

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Auch Siemens steht verhältnismäßig gut da, was den Ausfinanzierungsgrad der Altersvorsorge anbelangt: Rücklagen in Höhe von 24,1 Milliarde Euro standen Pensionsansprüchen von 33,2 Milliarden Euro gegenüber.

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Der Stahlkonzern ThyssenKrupp ist unter den Dax-Konzern das Unternehmen mit dem geringsten Ausfinanzierungsgrad: Nur 23 Prozent der Ausgaben für die betriebliche Altersvorsorge wurden durch extra dafür vorgesehene Rücklagen finanziert. Die Differenz zwischen dem Planvermögen (2,1 Milliarden) und den tatsächlichen Ausgaben (9,1 Milliarden) musste das Unternehmen anderweitig ausgleichen.

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Doch auch Volkswagen steht mit 27 Prozent Deckung nur unwesentlich besser da. Bei VW stehen Ausgaben von 29,7 Milliarden Euro Ersparnissen von rund acht Milliarden Euro gegenüber.

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Gegenstück der Steuerfreiheit in der Sparphase ist eine volle Besteuerung in der Rentenphase. Bei den später gezahlten Riester-Renten werden also nicht nur die Gewinne besteuert, sondern die Renten in voller Höhe mit dem persönlichen Steuersatz. Ein echter Steuervorteil entsteht deshalb nur, wenn der Steuersatz im Alter deutlich niedriger ist als während der Einzahlungen.

Das gilt vor allem für Gutverdiener, die im Berufsleben den Spitzensteuersatz zahlen und im Ruhestand deutlich niedrigere Steuersätze erwarten können. Insofern überrascht es nicht, dass Gutverdiener die Riester-Förderung intensiv nutzen. So kam eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Freien Universität Berlin jüngst zu dem Ergebnis, dass 38 Prozent der gesamten Riester-Förderung an die 20 Prozent einkommensstärksten Deutschen fließen.

Typische Irrtümer von Riester-Sparern
Sie übersehen, dass die Verzinsung variabel ist. Die Bank kann also die Zinsen jederzeit senken. Nur Lebens- und Rentenversicherungen müssen laut Gesetz mindestens 1,25 Prozent Zinsen garantieren, ab 2017 sind es nur noch 0,9 Prozent. Für Banksparpläne gilt dieser Garantiezins nicht beziehungsweise erst, wenn das Sparguthaben in eine Rentenversicherung überführt wird. Dann sind die Versicherungsbedingungen zu diesem Zeitpunkt gültig. Garantiezins, Sterbetafeln, etc. können sich also während der Ansparphase noch deutlich zu Ungunsten des Sparers ändern.
Ihnen ist nicht klar, dass ein vorzeitiger Ausstieg aus dem Sparvertrag oder eine vorgezogene Rentenphase die Auszahlung drastisch schmälert. Denn es fehlen nicht nur Einzahlungsjahre, sondern auch die Rentenbezugsdauer steigt gleichzeitig. Es ist also weniger Geld für mehr Rentenjahre im Topf.
Die Riester-Rente lockt Sparer mit zwei Garantien: Der Auszahlung einer lebenslangen Rente, selbst wenn der Kapitalstock aufgebraucht ist, und der Garantie, dass die Einzahlungen, staatlichen Prämien und die bis zum Rentenbeginn aufgelaufenen Zinsgewinne für die Rente bereit stehen. Das bedeutet aber nicht, dass der Sparer die volle Summe nach zu Lebzeiten ausgezahlt bekommt. Es ist nur eine Garantie dafür, dass der Kapitalstock durch Investition in die falschen Anlagemärkte Verluste erleidet und dahinschmelzen könnte.
Sparer gehen häufig von einer halbwegs realistischen Lebenserwartung aus. Die Anbieter müssen jedoch so kalkulieren, dass sie auch bei Erreichen eines weit überdurchschnittlichen Alters noch eine Rente zahlen können, ohne das Geld anderer Sparer oder ihr eigenes Kapital aufzuwenden, sprich ohne Verluste zu machen.
Sie verwechseln Prognosen und Anlagevorschläge der Anbieter mit Garantien. Dabei gibt es zahlreiche Faktoren, die erheblichen Einfluss auf die Rente haben können. Zum Beispiel ein allgemein sinkendes Zinsniveau, gesetzliche Rahmenbedingungen, Änderungen in den Versicherungsbedingungen, im Steuerrecht und in den Sterbetafeln.
Sie vertrauen auf ihre Bank und ihren Kundenberater. Dabei ist ein Riester-Vertrag eine komplizierte Angelegenheit, bei deren Berechnung auch schnell Fehler passieren. Eine gründliche Prüfung aller Vertragsunterlagen ist Pflicht, am besten durch einen unabhängigen Berater, der gegen Honorar und nicht für eine Verkaufsprovision berät.
Sie konzentrieren sich auf die staatlichen Zulagen und unterschätzen die Steuern in der Auszahlphase. Dabei wird der volle Steuersatz auf das gesamte Guthaben fällig, egal ob Verrentung oder Einmalauszahlung. Vorteilhaft ist diese sogenannte nachgelagerte Besteuerung nur, weil der persönliche Steuersatz mit Renteneintritt in der Regel deutlich sinkt.

Grundsätzlich soll das angesparte Riester-Guthaben später für eine Rente genutzt werden. 30 Prozent der Summe können sich Sparer zu Ruhestandsbeginn aber auf einen Schlag auszahlen lassen, ohne dass sie die staatliche Förderung erstatten müssten. Wer mehr Geld will oder früher an das Guthaben möchte, muss die Förderung – sowohl Zulagen als auch eventuelle zusätzliche Steuervorteile – zumindest anteilig unverzinst zurück zahlen.

Es gibt also zwei große Unterschiede zwischen der Geldanlage mit und ohne Riester. Während ihrer Einzahlungen müssen Sparer bei Riester weniger eigenes Geld einsetzen, weil der Staat (über Zulagen und eventuelle Steuervorteile) unterstützt. Während der Auszahlungen - in der Rentenphase - kassiert der Staat jedoch einen höheren Teil ihrer Rente als Steuer, weil er eben nicht nur Gewinne, sondern die volle Rente besteuert. Echte Aussagen darüber, ob sich die Förderung lohnt, sind also nur möglich, wenn beide Phasen - Ein- und Auszahlungsphase - betrachtet werden.

Die Ergebnisse einer neuen Studie besorgniserregend. Es droht eine riesige Versorgungslücke und vielen Bürgern eine akute Altersarmut. Den künftigen Rentnern ist dies zwar durchaus bewusst, allerdings tun sie kaum etwas dagegen. Im Gegenteil: Mehr als ein Viertel der Befragten gab an, die Altersvorsorge komplett zu ignorieren. Das zeigt die Studie „Altersvorsorgereport: Deutschland 2014“ der Sparda-Bank in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Jens Kleine vom Research Center for Financial Services der Steinbeis-Hochschule. Sie gibt einen umfassenden Überblick zum deutschen Altersvorsorgemarkt vorgelegt.

Foto: IMAGO

Das private Vorsorgeverhalten lässt in Deutschland zu wünschen übrig. Die Mehrheit der Bürger will den gegenwärtigen Lebensstandard nicht für die Altersvorsorge einschränken. Dadurch entsteht laut den Berechnungen der Experten eine Versorgungslücke von mehr als 27.000 Euro. Neben einer möglichen Altersarmut des Einzelnen droht in der Gesellschaft ein Generationenkonflikt beim Streit um die Höhe der staatlichen Rente.

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Verantwortlich für die Versorgungslücke sind neben dem Lebensstandard zu geringe finanzielle Möglichkeiten. Rund 75 Prozent der Deutschen fehlt schlichtweg das Geld, um privat vorzusorgen. Besonders betroffen sind dabei die Arbeiter. In dieser Berufsgruppe verfügen nur 19 Prozent über ausreichende finanzielle Spielräume für die private Altersvorsorge.

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Diese Vorsorgeproblematik hat zur Folge, dass die ohnehin schon in der Gesellschaft bestehende Schere zwischen Arm und Reich im Alter noch größer wird. Menschen mit ausreichender Kapitalausstattung sind nämlich in der Lage zusätzlich 325 Euro in die private Altersvorsorge zu stecken. „Das soziale Ungleichgewicht wird sich im Alter weiter verschärfen. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung wird im Alter gut leben können, wohingegen ein wesentlich größerer Teil mit Einschränkungen oder gar Altersarmut zu kämpfen haben wird“, so Heinz Wings, Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank Hamburg.

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Trotz dieser möglichen Scherenbildung herrscht insgesamt nur geringes Interesse für Altersvorsorge-Themen. Viele haken das Thema komplett ab – und das obwohl 82 Prozent der Befragten bewusst ist, dass eine rechtzeitige private Altersvorsorge notwendig ist, wenn der bestehende Lebensstandard im Alter fortgesetzt werden soll.

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Neben dem Desinteresse spiegelte sich bei den Befragten auch Unkenntnis wider. Die Studie ergab, dass rund 73 Prozent der Bürger zwar von zu niedrigen Rentenansprüchen ausgeht, allerdings kennen auch weniger als die Hälfte deren tatsächliche Höhe. 50 Prozent der Deutschen hat zudem Angst im Alter vom Existenzminimum leben zu müssen. Vor allem junge Menschen treibt diese Angst um – was Wings zufolge ein gutes Ergebnis ist: „Dass die jungen Menschen die Bedeutung der Altersvorsorge erkannt haben, ist ein äußerst positives Zeichen. Sie haben jedenfalls vom Alter her noch Möglichkeiten, um ausreichend vorzusorgen.“

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Die Versorgungslücke von 27.000 Euro ergibt sich durch die Berechnung des durchschnittlichen Sparverhaltens. So wollen die Befragten bei Renteneintritt circa 96.000 Euro angespart haben. Doch hierfür legen die Bürger in einem Zeitraum von 21 Jahren im Monat lediglich 179 Euro im Monat zur Seite. Die Experten der Studie haben außerdem mit einem recht hohen Zinssatz von vier Prozent gerechnet. Alles zusammengerechnet – die Sparquote und der durchschnittliche Zinssatz – ergeben statt der anvisierten 96.000 nur 69.000 Euro.

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Betrachtet man die einzelnen Berufsgruppen gelten selbstständige Handwerker als Risikogruppe. Sie legen privat lediglich 135 Euro im Schnitt zur Seite. Bei Freiberuflern beläuft sich die Sparquote immerhin auf 400 Euro im Monat. Allerdings kann diese Gruppe wegen der fehlenden Rentenversicherungspflicht nicht von einer staatlichen Rente profitieren.

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Die Studie ergab, dass Familien mit Kindern deutlich weniger Existenzängste haben als Kinderlose. Viele Familien fühlen sich über ihre Kinder abgesichert. Die Experten sprechen hierbei von dem Gefühl „kinder-reich“ zu sein.

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Die deutschen Vorsorgesparer bevorzugen vor allem Eigentumsimmobilen und die betriebliche Altersvorsorge. Allerdings werden 17 Prozent der Altersvorsorgeverträge ausgesetzt oder vorzeitig aufgelöst. Zusammen mit der potenziellen Versorgungslücke des staatlichen Rentensystems und dem demografischen Wandel erhöht sich dadurch die Problematik in der Altersversorgung. „Durch die hohen Abbruch- und Aussetzungsquoten der Altersvorsorgeverträge wird sich die Situation im Alter, insbesondere für Personen mit einem geringen Einkommen, weiter zuspitzen“, so Wings.

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Die geringe Bereitschaft für die Rentenzeit vorzusorgen, ergibt sich laut der Studie aus der Erhaltung des gegenwärtigen Lebensstandards. 73 Prozent der Deutschen sind nicht dazu bereit, ihren Lebensstandard zu Gunsten der Vorsorge einzuschränken. Allerdings ist dieses Ergebnis nicht in Stein gemeißelt. Knapp die Hälfte der Bürger würde nach Lohnerhöhungen mehr in Vorsorgeprodukte investieren.

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Für den Vergleich nehmen wir eine Rentenversicherung, die gegen regelmäßige Einzahlungen jetzt eine lebenslange Rente später finanziert. Ob und wie sinnvoll Rentenversicherungen für die Altersvorsorge sind, soll erstmal keine Rolle spielen - es geht nur darum zu vergleichen, welchen Effekt die Riester-Förderung hat. Die Analyse der Rentenversicherung hat ein paar Vorteile: Nur die Versicherer geben ihren Kunden eine fixe Mindestverzinsung, für Neukunden derzeit 1,25 Prozent, auf die Einzahlungen (nach Abzug der Kosten des Versicherers) und nennen auch bereits eine garantierte Mindestrente, die später lebenslang fließen soll. Das erleichtert die Berechnungen. Die Anbieter von Riester-Banksparplänen nutzen meist eine variable Verzinsung, die mit dem allgemeinen

Der echte Riester-Vorteil

Rendite-Vorsprung nach Steuern einer Riester-Rentenversicherung im Vergleich zu einer ungeförderten Rentenversicherung (in Prozentpunkten pro Jahr, garantiert / prognostiziert)

Zinsniveau steigt und (momentan eher) fällt. Die Anbieter von Riester-Fondssparplänen geben nur die - für alle Riester-Anbieter vorgeschriebene - Garantie, dass zu Ruhestandsbeginn der Depotwert wenigstens der Summe der Einzahlungen (eigene Beiträge und Zulagen) entsprechen muss. Wie hoch die spätere Rente aus den Riester-Bank- oder Fondssparplänen sein wird, bleibt beim Abschluss in der Regel noch völlig offen. Meist nennen die Anbieter auch noch keinerlei Details, also nicht mal einen bestimmten Faktor, mit dem sich je nach angespartem Guthaben berechnen ließe, wie hoch die Rente später ist.

Frührente

Warum eine frühe Rente so verlockend ist

von Niklas Hoyer

Neben den Garantiewerten weisen die Rentenversicherer noch unverbindliche, höhere Werte aus, die sie bei ausreichenden Anlagegewinnen schaffen wollen. In den vergangenen Jahren sind diese Überschüsse jedoch immer weiter gesunken. Frühere Modellrechnungen haben sich als völlig überhöht herausgestellt. Sparer sollten im Zweifelsfall daher eher davon ausgehen, dass der Versicherer nur die Garantiewerte schafft. Schon das wäre auf lange Sicht nicht machbar, wenn die Zinsen dauerhaft so niedrig wie zurzeit blieben.

In der Vergleichsrechnung zwischen Riester-Rentenversicherung und normaler, ungeförderter privater Rentenversicherung spielt das keine Rolle, da die Versicherer unabhängig von der staatlichen Förderung in beiden Fällen die gleichen Schwierigkeiten hätten. Wir müssen nur die auf den gleichen Annahmen beruhenden Werte nutzen. Wir weisen daher sowohl die garantierten Werte, als auch die niedrigsten unverbindlichen Modellrechnungen aus, die von einem dauerhaften Zins von 2,4 Prozent ausgehen. Für die Berechnungen nutzen wir die in Aussicht gestellten Renten eines kostengünstigen Versicherers, der im Branchenvergleich relativ hohe Garantiewerte ausweist.

In Deutschland gehen weniger Menschen vorzeitig in den Ruhestand: Nur noch jeder dritte Neurentner sei zuletzt vorzeitig mit Abschlägen in die Altersrente gegangen, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion, über die die „Rheinische Post“ berichtet. Die Zahl der Frührentner ging demnach vom Jahr 2007 bis 2013 um 85.000 auf 323.000 zurück. Ihr Anteil an allen Neurentnern habe damit 2013 bei nur noch 36,7 Prozent gelegen. Sechs Jahre zuvor seien es noch 45,9 Prozent gewesen.

Wer 2013 vorzeitig Altersrente beansprucht hat, musste laut Regierung zudem deutlich geringere Abschläge in Kauf nehmen - im Durchschnitt 77,50 Euro pro Monat, nachdem es 2007 noch 115,24 Euro waren.

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Wenn der Friseur auf einmal die Shampoos und Haarfarben nicht mehr verträgt und mit Hautausschlag reagiert, ist Schluss mit dem Beruf. Gleiches gilt für den Maler und Lackierer, der auf die Farben sensibel reagiert. Probleme mit der Haut sind allerdings nur sehr selten Gründe für das vorzeitige Ausscheiden aus dem Berufsleben. Nur 0,4 Prozent der Frührentner hängen den Job wegen Erkrankungen der Haut an den Nagel.

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2,9 Prozent, also rund 5226 Personen, mussten wegen Erkrankungen der Atemwege wie Asthma vorzeitig in Rente gehen.

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3,9 Prozent litten dagegen an Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes oder an chronischen Erkrankungen des Verdauungssystems.

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Erkrankungen der Sinne waren bei 5,9 Prozent der Grund für das vorzeitige Ende des Berufslebens. Im Jahr 2010 tauchten Erblindung oder Taubheit noch gar nicht in den Statistiken der Deutschen Rentenversicherung als Gründe für die Frührente auf.

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Die übrigen Diagnosen, also andere Krankheiten, haben 9,2 Prozent aus dem Beruf geworfen.

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Auf dem vierten Platz landen in diesem Jahr die Krankheiten von Herz und Kreislaufsystem, also zum Beispiel Herzinfarkte, Schlaganfälle und Durchblutungsstörungen. 9,7 Prozent aller Frührentner gingen wegen Herz-Kreislauf-Problemen in den Ruhestand.

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12,7 Prozent der Frührentner quittierten ihren Job wegen eines Krebsleidens. Krebs erhält damit den traurigen dritten Platz unter den häufigsten Gründen für das vorzeitige Ausscheiden aus dem Beruf.

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Volksleiden "Rücken": Erkrankungen des Skeletts, der Muskeln oder des Bindegewebes werfen 14,2 Prozent vorzeitig aus dem Beruf.

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Der ungeschlagene Spitzenreiter bleiben jedoch die psychischen Erkrankungen. 41 Prozent konnten wegen psychischen Krankheiten und Verhaltensstörungen wie Depression und Burn-Out nicht weiter arbeiten.

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Um möglichst aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen, nehmen wir einige unterschiedliche Musterfälle. Sowohl junge (30 Jahre) als auch ältere Sparer (50 Jahre), Kinderlose wie Kinderreiche. Wir gehen außerdem dauerhaft von konstanten Einkommen aus, die - je nach Musterfall - zwischen 30.000 und 80.000 Euro brutto pro Jahr liegen. Alle Sparer zahlen die maximal steuerlich geförderten 2100 Euro pro Jahr in ihren Riester-Vertrag ein. 154 Euro davon übernimmt immer der Staat, bei Sparern mit Kindern schießt er auch noch die Kinderzulagen bei (laut Annahme bis zum 18. Lebensjahr).

Außerdem schreibt das Finanzamt den Sparern über die Steuererklärung meist noch einen zusätzlichen Steuerbonus gut. Die Rente soll immer erst mit 67 Jahren fließen. Der persönliche Grenzsteuersatz - also die auf jeden zusätzlich zu versteuernden Euro anfallende Steuerlast - hängt vom Einkommen ab und soll in der Sparphase zehn Prozentpunkte höher sein als in der Rentenphase.

Ein Beispiel: Der 30-jährige Sparer mit 40.000 Euro Brutto-Jahreseinkommen zahlt 2100 Euro in seine Riester-Rentenversicherung ein. 154 Euro davon zahlt der Staat. Bei angenommenen 36 Prozent Grenzsteuersatz ergibt sich ein rechnerischer Steuervorteil von 756 Euro (36% von 2100 Euro), von dem die gezahlte Zulage aber abgezogen wird. Unter dem Strich muss der Sparer also selbst pro Jahr nur 1344 Euro aufbringen. Alternativ könnte der Sparer diese Summe nehmen und damit auf eigene Faust eine ungeförderte, private Rentenversicherung besparen. Statt 2100 Euro würden dann nur 1344 Euro in den Vertrag fließen.

Dafür müsste der Sparer auf seine spätere Rente aber weniger Steuern zahlen. Aus dem Riester-Vertrag würde später eine garantierte Mindestrente von 287 Euro pro Monat vor Steuern fließen (höhere Modellrechnung: 668 Euro). Bei den für die Rente angenommenen 26 Prozent persönlicher Grenzsteuersatz und der vollen Besteuerung der Riester-Rente blieben davon nach Abzug der Steuern noch 212 Euro (Modellrechnung: 494 Euro). Die mit den geringeren Einzahlungen finanzierte garantierte Rente aus der ungeförderten, privaten Versicherung beträgt nur 190 Euro im Monat (Modellrechnung: 458 Euro). Doch diese würde eben nicht voll besteuert, sondern - wie jede private Rente - nur zum Ertragsanteil, der vom Alter beim Start der Rentenzahlung abhängt. Mit 67 Jahren zu Rentenbeginn müsste der Sparer 17 Prozent der Rente zum persönlichen Grenzsteuersatz (26 Prozent) versteuern. Von der Garantierente blieben so netto 182 Euro (Modellrechnung: 438 Euro).

Lang leben für die Rendite

Rendite nach Steuern einer Riester-Rentenversicherung je nach Lebensalter (in Prozent pro Jahr, garantiert / prognostiziert)

Der Vergleich (212 zu 182 Euro im Monat; 494 Euro zu 438 Euro (Modellwerte)) zeigt es schon, die Netto-Riester-Renten wären tatsächlich höher und das bei gleichen angenommenen Sparbeiträgen aus eigener Tasche. Je nach angenommener Lebensdauer (75, 85 oder 95 Jahre) würde die Renditedifferenz bei der garantierten Rente zwischen 0,5 Prozentpunkten (mit 95 Jahren) und 0,9 Prozentpunkten (mit 75 Jahren) liegen. Mit Blick auf die Ergebnisse aller Musterfälle bietet die Riester-Rente zwischen 0,4 und 1,7 Prozentpunkten mehr Rendite pro Jahr.

Das klingt gut. Und dürfte von Riester-Befürwortern als Beleg dafür gesehen werden, dass Riester sich eben doch lohnt. Was diese Betrachtung der Renditeunterschiede allerdings verschweigt ist, wie hoch die Renditen überhaupt sind. Wie bei jeder Rentenversicherung gilt: Je länger ein Versicherter lebt, desto höher ist die Rendite. Die Versicherungen sind letztlich eine Wette auf ein langes Leben. Doch bei einer relativ langen Lebensdauer sollten unter dem Strich schon ansehnliche Renditen herauskommen.

Die garantierten Renditen mit einer, nicht gerade kurzen, Lebensdauer von 95 Jahren liegt bei der Riester-Rente und über alle Musterfälle hinweg zwischen 1,2 und 1,6 Prozent. Die Renditen aus der unverbindlichen, höheren Modellrente ergäben bei der Riester-Rente Werte zwischen 3,7 und 4,2 Prozent. Würden Riester-Rentner ihre Rente nur 85 Jahre lang kassieren, wären sie in den meisten Fällen noch auf negative Renditen gekommen.

Bestimmte Einzelfälle, in denen sich die Riester-Rente sehr stark lohnt, bilden die möglichst repräsentativ ausgewählten Musterfälle nicht ab. So würde eine 30-jährige Sparerin, die drei Kinder (2, 4 und 6 Jahre alt) hat und dauerhaft nur 30.000 Euro brutto im Jahr verdient, mit Riester auf hohe Renditen kommen, vor allem wenn sie - anders als bei den Musterfällen angenommen - nur den Mindestbeitrag leistet, um vollen Anspruch auf die staatlichen Zulagen zu haben. Von den zu leistenden 1200 Euro Mindestjahresbeitrag (4% der 30.000 Euro) müsste die Frau anfangs selbst nur 146 Euro im Jahr übernehmen, der Rest würde über die Zulagen (allein 900 Euro Kinderzulagen) abgedeckt.

Die Rendite aus den garantierten Renten würde in diesem Fall mit 85 Jahren schon bei 1,1 Prozent pro Jahr liegen, mit 95 Jahren bei 2,6 Prozent - mit den unverbindlichen Modellwerten wären es gar 4,8 Prozent (85 Jahre) und 5,7 Prozent (95) Rendite pro Jahr. Im Vergleich zu einer ungeförderten, privaten Rentenversicherung, in den die Frau den Durchschnitt ihrer bei der Riester-Rente aus eigener Tasche zu leistenden Beiträge einzahlen würde, läge der Renditevorteil hier bei über zwei Prozentpunkten. Beeindruckend! Allerdings sollte die hohe Rendite hier nicht täuschen: Da die Frau nur den Mindestbeitrag geleistet hätte, würde die absolute, garantierte Riester-Rentenhöhe von netto nur 128 Euro im Monat der Frau später keine großen finanziellen Sprünge ermöglichen.

Tristes Bild

Rendite nach Steuern einer klassischen Rentenversicherung je nach Lebensalter (in Prozent pro Jahr, garantiert / prognostiziert)

Auch Fälle, in denen die Grenzsteuersätze in der Sparphase sehr viel höher sind als später im Alter (also: hohe Einkünfte jetzt, geringe Einkünfte später), machen Riester tendenziell attraktiver. Trotzdem: Die niedrigen Renditen für die realistischeren Musterfälle dürften die Gegner der Riester-Rente als Beleg dafür werten, dass sich Riester eben doch nicht lohnt: So geringe Renditen? Lächerlich!

Tatsächlich sollten Sparer bei der Altersvorsorge darauf achten, aus ihrem meist knappen Einsatz möglichst viel herauszuholen. Ob ihnen dafür die in Aussicht gestellten Renditen reichen, muss jeder - auch mit Blick auf die eigene Risikobereitschaft - selbst beantworten. Andere Riester-Produkte, wie Riester-Fondssparpläne, bieten zumindest eine größere Chance auf höhere Renditen bei gleichzeitig etwas größerem Risiko.

Dass dieses Risiko durch die für Riester vorgeschriebene Garantie, dass zu Ruhestandsbeginn alle Einzahlungen als Guthaben vorliegen müssen, begrenzt wird, ist allerdings nicht unbedingt ein Vorteil. Sparer haben mit dem freien Sparen abseits von Riester, etwa mit Ratensparplänen auf Indexfonds, bessere Renditechancen. Wollen sie später dann unbedingt eine lebenslange Rente kassieren, können sie zu Rentenbeginn immer noch eine Sofortrente gegen Einmalzahlung abschließen.

Und die Debatte, ob sich Riester lohnt, schauen sich die Sparer dann entspannt von der Seitenlinie an.

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