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Riesterrente Der wirklich wahre Riester-Vorteil

Die Riester-Rente ist nicht die ultimative Altersvorsorge. Das ist bekannt. Doch bringt die staatliche Förderung am Ende überhaupt einen Vorteil? Wir haben nachgerechnet - mit überraschenden Ergebnissen.

Die wichtigsten Begriffe zur Rente
ZeitrenteAls Zeitrente wird ein Vorsorgebetrag bezeichnet, der nur über einen bestimmten, endlichen Zeitraum gezahlt wird. Ein klassisches Beispiel dafür sind Einnahmen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie werden gezahlt, bis die Zahlungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung gewährt werden. Quelle: Fotolia
Witwen-/WitwerrenteStirbt ein Ehepartner, hat der andere Anspruch auf Witwenrente. Voraussetzung dafür ist, dass das Paar noch verheiratet war, allerdings ist es egal, ob zusammen oder getrennt gelebt wurde. Außerdem müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein: Unter anderem muss der verstorbene Partner mindestens fünf Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben. Heiratet der Hinterbliebene erneut, endet die Witwenrente. Quelle: Fotolia
RentensplittingDas Rentensplitting ist vergleichbar mit dem Ehegattensplitting. Die Ansprüche beider Ehepartner werden in einen Topf geworfen und zu gleichen Teilen unter beiden gesplittet. Davon Gebrauch machen dürfen Eheleute, die 2002 oder später geheiratet haben. Aber auch eingetragene Lebenspartner dürfen ihre Altersbezüge entsprechend teilen. Quelle: DAPD
Wer profitiert vom Rentensplitting?Nicht nur Ehepartner mit einer sehr kleinen Rente können vom Splitting profitieren. Lohnen kann sich ein Splitting auch für jemanden, der keine Witwerrente bekommen würde, da seine Einnahmen zu hoch sind. Außerdem darf dank Splitting in der Regel auch mehr hinzuverdient werden. Quelle: Fotolia
MütterrenteDie Mütterrente gibt es erst seit diesem Jahr. Profitieren sollen vor allem Mütter, die bisher keinen Anspruch auf Rente hatten, weil sie aufgrund der Kindererziehung nicht lange genug gearbeitet haben. Anspruch haben Frauen, die vor 1992 geborene Kinder erzogen haben. Bisher wurde ihnen lediglich ein Jahr Erziehungszeit auf ihrem Rentenkonto angerechnet, jetzt sind es zwei. Pro Monat bedeutet das ein Plus von knapp 30 Euro. Quelle: Fotolia
Wie viel dürfen Rentner dazuverdienen?Viele suchen auch im Ruhestand nach ein wenig Zeitvertreib und wollen noch etwas hinzuverdienen. Doch gerade für Rentner sind die Regeln da streng. Sogenannte Vollrentner, die das gesetzliche Renteneintrittsalter erreicht haben, dürfen prinzipiell unbegrenzt dazuverdienen. Allerdings muss der Betrag komplett zusammen mit der Rente versteuert werden.      Quelle: Fotolia
Was passiert bei Frührentnern?Wer vor dem gesetzlichen Renteneintrittsalter in Rente geht, erhält eine gekürzte Rente, die sogenannte Frührente. Für jeden Monat, den man früher zu arbeiten aufhört, werden 0,3 Prozent von der eigentlichen Rente abgezogen. Zwar dürfen auch Frührentner Geld hinzuverdienen. Allerdings wird dieses am Ende mit der gekürzten Rente verrechnet. Der Frührentner muss die Rentenversicherung darüber informieren, dass er einen Nebenjob hat, diese wird dann die entsprechende Kürzung ausrechnen. Je nach Wohnort gelten bestimmte Hinzuverdienstgrenzen. Quelle: Fotolia

Sie lohnt sich. Sie lohnt sich nicht. Sie lohnt sich vielleicht. Ob die Riester-Rente sich lohnt, daran scheiden sich immer noch die Geister. In den allermeisten Fällen ist sie jedenfalls nicht die ultimative Altersvorsorge, die dank staatlicher Förderung zu hohen Renten bei niedrigem eigenen Einsatz führt. Doch derzeit, im Niedrigzinsumfeld, mehren sich die Stimmen, die eine vermeintlich versöhnliche Wahrheit propagieren. Sie liegt irgendwo zwischen den beiden Extremen ("Lohnt sich nicht" versus "Lohnt sich").

Die Argumentation geht ungefähr so: Nein, Riester sei kein Wundermittel. Aber durch die Riester-Förderung könnten Sparer ihre Rendite um einen Prozentpunkt steigern. Und das sei bei den derzeit extrem niedrigen Zinsen eine wichtige Unterstützung beim langfristigen Ziel, ausreichend fürs Alter vorzusorgen. Von Beispielrechnungen wird diese Argumentation selten begleitet. Kein Wunder. Denn derartige pauschale Aussagen mit einer exakten Zahl müssen falsch sein. Sie können nicht stimmen, weil die genaue Rendite aus der Altersvorsorge mit Riester extrem vom Einzelfall (Alter, Einkommen, Kinder, Lebensdauer) abhängt.

Trotzdem führen die Aussagen zu einer wichtigen Frage: Bringt die Förderung aus der Riester-Rente überhaupt einen Vorteil? Oder schneiden Sparer genauso gut ab, wenn sie gleich viel eigenes Geld einsetzen und ohne Förderung anlegen? Wir rechnen nach!

Gute Beratung ist das A und O

Riester-Sparer können zwischen verschiedenen Anlageformen wählen: Rentenversicherung, Bank-Sparplan, Fonds-Sparplan und - seit 2008 - auch Bausparverträge und Immobilienkredite (Wohn-Riester). Die Kreditvariante des Wohn-Riesters lohnt fast immer, wenn ohnehin ein Immobilienkauf geplant ist und die Förderung infrage kommt. Hier ist allerdings gute Beratung nötig, da Immobilieneigentümer nicht mehr ganz frei über ihre Immobilie entscheiden können - also zum Beispiel ausziehen und die Immobilie vermieten -, ohne die Förderung zu gefährden.

Für die Sparvarianten der Riester-Förderung ist die Frage nicht so leicht zu beantworten. Grundsätzlich funktioniert die Förderung so: Jeder Förderberechtigte bekommt pro Jahr 154 Euro Zulage vom Staat, pro Kind gibt es weitere 300 Euro (für vor 2008 geborene Kinder: 185 Euro). Anspruch auf Zulagen in voller Höhe haben Sparer, wenn sie inklusive Zulagen wenigstens vier Prozent ihres Vorjahres-Bruttoeinkommen einzahlen. Wer als Single 40.000 Euro verdient, müsste also 1446 Euro im Jahr selbst einzahlen (vier Prozent des Einkommens abzüglich 154 Euro Zulage). Die Einzahlungen werden außerdem vom zu versteuernden Einkommen abgezogen, so dass sie steuerfrei bleiben. Die Zulagen werden mit dem rechnerischen Steuervorteil (Einzahlungen mal persönlicher Steuersatz) allerdings verrechnet. Ist die Summe der Zulagen, etwa bei Eltern in Großfamilien, größer als der rechnerische Steuervorteil, gibt es keinen zusätzlichen Steuerbonus.

Welche Dax-Konzerne am meisten Altersvorsorge zahlen
Die Finanzierungslage der betrieblichen Altersversorgung der Dax-Unternehmen hat sich 2013 positiv entwickelt. Die guten Renditen (5,1 Prozent) ließen die Pensionsvermögen auf 198 Milliarden Euro steigen. Im Vorjahr waren es noch 192 Milliarden, die Pensionsverpflichtungen drohten zur Gefahr für künftige Gewinne zu werden. 2013 sah es schon anders aus, nicht nur die Rücklagen stiegen, auch der Umfang der Pensionsverpflichtungen ist gesunken. Statt 314 Milliarden müssen die Konzerne nur noch 303 Milliarden Euro zahlen. Damit sind 65 Prozent der Pensionsverpflichtungen mit spezifischen Vermögenswerten bedeckt (Vorjahr: 61 Prozent). Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Pensionsvermögen und -verpflichtungen im DAX 2013“ der Unternehmensberatung Towers Watson. Sie basiert auf den Angaben in den Geschäftsberichten der 30 DAX-Unternehmen. Quelle: dpa
Bei Adidas klaffen allerdings noch große Lücken zwischen dem Vermögen, das 2013 für die betriebliche Altersvorsorge eingeplant war und dem, was ausbezahlt wurde. So betrug das Planvermögen des Sportartikelherstellers 83 Millionen Euro, wogegen die Verbindlichkeiten 325 Millionen Euro betrugen. Damit erreicht Adidas einen Ausfinanzierungsgrad von nur 26 Prozent - die Differenz musste aus anderen Quellen genommen werden. Immerhin: 2012 waren nur 24 Prozent der Pensionsverpflichtungen mit spezifischen Vermögenswerten bedeckt. Quelle: REUTERS
Der Versicherer Allianz kann sich dagegen über eine Deckung von 61 Prozent freuen. Das Planvermögen des Konzerns für die betriebliche Altersvorsorge beträgt 11,7 Milliarden Euro, demgegenüber stehen Verpflichtungen in Höhe von 19,1 Milliarden. Quelle: REUTERS
Mehr als 80, nämlich genau 83 Prozent Deckungsgrad, kann der Chemiekonzern BASF vorweisen. Das Unternehmen muss also nur noch 17 Prozent aus sonstigen Geldern nehmen, um die Lücke zwischen den Rücklagen in Höhe von 17,1 Milliarden und den Verpflichtungen von 20,7 Milliarden Euro zu schließen. Quelle: dpa
Auch Bayer erreicht mit 65 Prozent einen ganz ordentlichen Deckungsgrad. Bei dem Pharmaunternehmen stehen Ausgaben in Höhe 20,7 Milliarden Euro für die betriebliche Altersvorsorge einem Polster von 13,4 Milliarden Euro gegenüber. Quelle: dpa
Das erfolgreiche Anlage- und Risikomanagement "bringt den Unternehmen Rückenwind für die Überarbeitung ihrer betrieblichen Altersversorgung, die angesichts der demografischen Entwicklung stärker denn je auf die Agenda drängt", sagt Thomas Jasper, Leiter Retirement Solutions bei Towers Watson. Er erwartet, dass in den kommenden Jahren viele Unternehmen ihre Pensionswerke überarbeiten oder neu gestalten werden. Bei BMW kann man gelassen in die Zukunft schauen: Von 76 Prozent im Jahr 2012 wuchs der Deckungsgrad auf 85 Prozent an. 2013 hatte das Unternehmen ein Planvermögen von 13,5 Milliarden Euro, demgegenüber Pensionsansprüche in Höhe von 15,8 Milliarden Euro standen. Quelle: AP
Derzeit sieht nur jedes dritte Unternehmen in Deutschland sein Angebot an Mitarbeiterbenefits wie der Altersvorsorge gut für die Zukunft aufgestellt, wie eine im Februar veröffentlichte Umfrage der Economist Intelligence Unit (EIU) im Auftrag von Towers Watson ergab. Die Beiersdorf AG zahlte ihren Pensionären im letzten Jahr beispielsweise rund 1,3 Milliarden Euro an Altersvorsorge. Zurückgelegt hatte das Unternehmen für diesen Zweck allerdings nur 877 Millionen Euro. Quelle: dpa

Gegenstück der Steuerfreiheit in der Sparphase ist eine volle Besteuerung in der Rentenphase. Bei den später gezahlten Riester-Renten werden also nicht nur die Gewinne besteuert, sondern die Renten in voller Höhe mit dem persönlichen Steuersatz. Ein echter Steuervorteil entsteht deshalb nur, wenn der Steuersatz im Alter deutlich niedriger ist als während der Einzahlungen.

Das gilt vor allem für Gutverdiener, die im Berufsleben den Spitzensteuersatz zahlen und im Ruhestand deutlich niedrigere Steuersätze erwarten können. Insofern überrascht es nicht, dass Gutverdiener die Riester-Förderung intensiv nutzen. So kam eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Freien Universität Berlin jüngst zu dem Ergebnis, dass 38 Prozent der gesamten Riester-Förderung an die 20 Prozent einkommensstärksten Deutschen fließen.

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