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Afrika: Wie China faktisch einen ganzen Kontinent kauft Quelle: Fotolia

Auch in Afrika geht der Westen unter

Peking baut eine alternative Weltordnung. Europa droht im Poker um die globale Führungsrolle alles zu verlieren – und muss jetzt massiv gegensteuern.

Der deutsche Schlager entfaltet in Afrika eine ungeahnte Symbolkraft. Das stellte Angela Merkel vor Kurzem im Senegal fest. Dort begrüßte die Staatskapelle die Kanzlerin mit einem „Ja, mir san mit’m Radl da“.

Tatsächlich lassen sich die geopolitischen Relationen in dieser Zeit nicht besser auf den Punkt bringen. Während europäische Nationen wie Deutschland in Afrika immer noch kleckern, klotzt China längst. Peking kauft faktisch einen ganzen Kontinent. Obwohl die Milliarden schon seit Langem fließen, wurde das nie so deutlich wie kürzlich beim China-Afrika-Gipfel in der chinesischen Hauptstadt. Beinahe alle afrikanischen Staatschef waren angereist, um im „Expresszug der chinesischen Entwicklung“ von Präsident Xi Jinping persönlich begrüßt zu werden. 60 Milliarden US-Dollar will er den Afrikanern in Form von Krediten und Investitionen spendieren.

Politische Bedingungen für das Geld gibt es laut Xi Jinping keine. Aber das ist gelogen. Es sind nur andere Bedingungen als die der Europäer. Peking sind Korruption, Menschenrechte und Flüchtlinge egal, was mancherorts gut ankommt. Peking will Geschäft, Rohstoffe und Einfluss – auf Kosten des Westens, der auch in Afrika unterzugehen scheint. Selbst die USA und die alte Kolonialmacht Frankreich sind auf der Liste der wichtigsten Handelspartner Afrikas hinter China gerutscht.

Die Zeitenwende ist eine Folge der Seidenstraße-Initiative, die Afrika mit einschließt. Mittels Krediten für Infrastrukturvorhaben treibt China rund um den Globus Staaten in die Verschuldungsfalle. Bis 2027 könnte das Mammutprojekt ein Volumen von 1,3 Billionen Dollar erreichen, schätzt die Investmentbank Morgan Stanley. Maos Enkel scheinen „eine alternative Weltordnung zum Ziel zu haben mit China in ihrem Zentrum“, schreiben die Experten der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini in einem internen Papier zu Europas Gegenstrategie. Viel Schärferes gibt es darin nicht, und Investitionssummen werden auch nicht genannt. Genau das ist das Problem. Europa kommt zu spät mit einer lauwarmen Strategie und Lücken in den eigenen Reihen. Umfaller wie Griechenland sind Chinas Werben schon erlegen. Im Poker um die globale Hackordnung droht die alte Welt alles zu verlieren – außer sie klotzt jetzt auch.

Senegals Musiker warben übrigens noch mit einem zweiten Schlager um die Gunst der Kanzlerin: „Schöne Maid, hast du heut’ für mich Zeit.“ Ein Nein kann sie sich schon lange nicht mehr leisten.

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