Erstmal die Fakten: Angriff auf Harvard – und die akademische Elite
Donald Trumps Attacken auf die Welt der Hochschulen begannen in seiner alten Heimat, in New York: Die Columbia University geriet als erste ins Visier des US-Präsidenten. Kurz darauf folgte mit Harvard die wohl berühmteste, für viele die beste und im jedem Fall reichste Universität der Welt.
Zunächst strich die US-Regierung Fördermittel und Steuerprivilegien. Dann drohte Trump damit, das Recht der Universität zu kappen, ausländische Studierende einzuschreiben. Gegen all diese Maßnahmen setzt sich die Uni zur Wehr, vor Gericht hatte sie auch schon Erfolg. Der Ausgang dieser Auseinandersetzung ist offen.
Doch der Feldzug des Präsidenten gegen die aus seiner Sicht linken und Israel-kritischen Institutionen hat gerade erst begonnen. Nun eskalierte die Regierung ein weiteres Mal – und diesmal trifft es die gesamte akademische Welt Amerikas: Bis auf Weiteres werden keine Visumstermine und -interviews mehr für ausländische Studierende vergeben, teilte das Außenministerium mit. Auch Schüler oder Au-pairs sind davon betroffen.
Künftig werde man die Bewerberinnen und Bewerber noch genauer durchleuchten, nicht zuletzt in sozialen Medien. Bis die technischen Voraussetzungen greifen, sollen die Verfahren gestoppt werden.
Die Folge: eine große allgemeine Verunsicherung. Werden Austauschstudenten künftig einer Art Gesinnungstest unterzogen? Was darf man noch sagen – und was nicht? Und können die USA der akademische Sehnsuchtsort bleiben, der sie noch immer sind?
Für Elite-Institutionen wie Harvard jedenfalls wäre es existenzbedrohend, wenn sie nicht mehr die klügsten und ehrgeizigsten Köpfe aus aller Welt anziehen könnten. Finanziell könnte die Uni wohl zwar auch ohne Studiengebühren der Ausländer lange durchhalten, aber intellektuell-akademisch wäre es eine Katastrophe.
Ein Überblick in vier Grafiken:
Große Summen aus Stiftungserträgen fließen regelmäßig in den Harvard-Etat – und schaffen so eine große Unabhängigkeit.
Zum Vergleich: Die Technische Universität München hat ebenfalls ein Stiftungsvermögen aufgebaut. Das betrug Ende 2023 etwa 60,5 Millionen Euro – ein Bruchteil von dem, was Harvard hat.
Harvard erreicht regelmäßig Spitzenplätze in internationalen Unirankings – und das seit Jahrzehnten.
Zuerst stoppte die US-Regierung Fördermittel des Bundes, nun soll die Uni keine ausländischen Studierenden mehr aufnehmen dürfen. Sie bringen nicht nur üppige Studiengebühren, sondern Vielfalt und Talent an die Ostküste.
Die Studierenden werden angezogen von Tradition, Aura und der wissenschaftlichen Stärke der Universität. Die Frage ist nur: wie lange noch?