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Ende des Parteitages der KPChinas neues Führungsteam entsetzt die Wirtschaft

Die Märkte in China reagieren mit deutlichen Abschlägen auf das Ende des Parteitags der Kommunisten. Dass Parteichef Xi Jinping nur noch enge Verbündete um sich duldet, löst große Sorgen aus.Jörn Petring 24.10.2022 - 12:19 Uhr

Chinas Machtzentrale: Die neuen Mitglieder des Ständigen Komitees des Politbüros der Kommunistischen Partei Chinas, von links: Li Xi, Cai Qi, Zhao Leji, Präsident Xi Jinping, Li Qiang, Wang Huning, und Ding Xuexiang bei ihrer Vorstellung in der großen Halle des Volkes in Peking.

Foto: AP

Als sich am Sonntag die Tür im Presse-Saal der Großen Halle des Volkes öffnete und das neue Führungsteam erstmals vor die Öffentlichkeit trat, dürfte so manchem Wirtschaftsvertreter ein kalter Schauer über den Rücken gelaufen sein. Denn anders als im Vorfeld spekuliert wurde, besteht der neue Ständige Ausschuss der Kommunistischen Partei ausschließlich aus Marionetten von Staats- und Parteichef Xi Jinping.

Mit dem noch amtierenden Ministerpräsidenten Li Keqiang und Wang Yang wurden die letzten beiden Marktreformer aus dem mächtigsten Führungsgremium des Landes gedrängt.

Dabei hatten sowohl ausländische Unternehmen als auch Chinas Wirtschaftselite ein anderes Szenario gehofft. Sie hätten gerne gesehen, dass der derzeitige Ministerpräsident Li Keqiang in irgendeiner Form dem siebenköpfigen Team erhalten bleibt. Zudem sollte nach ihren Vorstellungen der 59-Jährige Hu Chunhua, derzeit noch Vizepremierminister, in den Ständigen Ausschuss aufrücken und dann im März beim Volkskongress Li als Ministerpräsidenten beerben.

Parteikongress in China

Xi Jinpings Machtdemonstration

von Jörn Petring

Hu ist in der Kommunistischen Jugendliga aufgestiegen, der Machtbasis von Xis Vorgänger Hu Jintao – der am Samstag bei einem spektakulären Zwischenfall aus der laufenden Abschlusssitzung des Parteitages entfernt wurde. Hu Jintao hatte den jüngeren Hu Chunhua (die beiden sind nicht verwandt) ebenso gefördert wie Li Keqiang.

Doch statt Hu Chunhua hat Xi nun ausgerechnet Li Qiang in den Ständigen Ausschuss geholt. Als Parteichef von Shanghai hat er den strengen und chaotischen Corona-Lockdown in der wichtigsten Wirtschaftsmetropole des Landes zu verantworten. Nun dürfte er nach geltenden Gepflogenheiten neuer Ministerpräsident werden und damit auch für die wirtschaftliche Entwicklung verantwortlich sein.
Lesen Sie, wie deutsche Unternehmen darauf gehofft hatten, dass Chinas Führung nach dem Parteikongress die Zügel etwas lockern wird. Stattdessen nutzte Parteichef Xi Jinping den Kongress zu einer einzigartigen Machtdemonstration.

Als am Montag die Märkte öffneten, wurde sofort deutlich, dass sich das Personalkarussell in eine Richtung gedreht hat, die der Wirtschaft so gar nicht passte. Der Shanghaier Composite Index schloss am Montag mehr als zwei Prozent im Minus. Der Hang Seng Index in Hongkong sackte sogar über sechs Prozent auf den niedrigsten Stand seit der Finanzkrise 2008 ab. Ein wahres Blutbad erlebten die Aktien chinesischer Tech-Konzerne, die schon in den vergangenen zwei Jahren deutlich ins Visier der Regierung geraten waren. Die Alibaba-Aktie beendete den Handel in Hongkong mit einem Minus von über zehn Prozent.

Da half es auch nicht mehr, dass China am Montag endlich seine während des Parteitags überraschend verschobenen Wirtschaftsdaten für das dritte Quartal vorlegte. Sie vielen besser aus, als erwartet worden war. Die zweitgrößte Volkswirtschaft wuchs demnach im dritten Quartal um 3,9 Prozent. Nach nur 0,4 Prozent im zweiten Quartal ist das eine deutliche Stabilisierung.

So benehmen Sie sich in China richtig
Der Händedruck sollte nicht zu kräftig, sondern locker bis weich sein. Nicht die Dame wird zuerst begrüßt, sondern der Ranghöchste.Wenn Sie Leute vorstellen: Niemals mit dem Zeigefinger auf jemanden zeigen – das gilt als extrem unhöflich! Besser ist es, die ganze Handfläche zu benutzen.
Reis wird immer zuletzt gereicht. Zum Essen wird die Schale dicht an den Mund geführt, der Reis mit Stäbchen geschaufelt. Nie mit den Essstäbchen gegen die Schale tippen – dies wird mit dem in Ostasien traditionellen Zeichen der Bettler assoziiert. Absolut tabu ist es auch, die Stäbchen in den Reis zu stecken. Dies findet nur bei Trauerzeremonien statt.Nudeln werden ebenfalls mit Stäbchen zum Mund geführt und schlürfend eingesaugt. Schlürfgeräusche sind durchaus erwünscht, als Zeichen dafür, dass es einem schmeckt.
Chinesen werden bei einer Einladung aus Höflichkeit zurückhaltend essen. Sie wollen wiederholt zum Essen aufgefordert werden.
Meist werden Schnaps, Bier oder Wein zum Essen gereicht und die Gläser randvoll gegossen. Das Personal schenkt immer neu nach – ansonsten der Mann der Frau und der Ranghöhere dem Rangniederen.Bei der Aufforderung „Ganbei“ („Das Glas trocknen“) trinken alle ihr Glas in einem Zug aus. Dazu erhebt sich die Runde.
Gastgeschenke werden erwartet. Diese sollten generell qualitativ hochwertig sein und dürfen auch einen Bezug zum Herkunftsland haben, etwa hochwertige Bildbände, Bierkrüge, Porzellanteller. Auch lokale Alkoholspezialitäten sind gerne gesehen, zudem Obstkörbe (beliebt sind etwa Orangen und Äpfel, die für Glück und Sicherheit stehen) Es gibt allerdings auch einige Dinge, auf die als Geschenk unbedingt verzichtet werden sollte. Dazu gehören etwa Uhren (symbolisieren die ablaufende Lebenszeit), Taschentücher (Symbol für einen endgültigen Abschied), Schnittblumen (typisches Mitbringsel zur Beerdigung, insbesondere, wenn weiße Blüten eingebunden sind) oder Regenschirme (das chinesische Wort für „Regenschirm“ (伞 sǎn) klingt wie das Wort für „Aufbrechen“ (散 sàn)).
Sie sollten auf Geschäftsreise möglichst nicht in einem Hotel mittlerer Kategorie absteigen. Status und Prestige sind in China extrem wichtig. Chinesen fragen beim ersten Meeting gerne, in welchem Hotel man wohnt.
Formale Kleidung – dunkler Anzug und Krawatte – sind im Geschäftsalltag ein Muss. Wer Jeans und Krawatte trägt, wird nicht ernst genommen. Ebenso sind schrille Farben tabu. Für Frauen gelten in China inzwischen westliche Konventionen: Standard ist der dunkle Hosenanzug.
Direkte und offene Kritik ist in China tabu. Jemand unverhohlen zu korrigieren, ihm gar deutlich zu widersprechen, ist eine Beleidigung und führt zum Gesichtsverlust, die die Geschäftsbeziehung nachhaltig belasten, sogar zerstören kann.
Beim Kennenlernen sind persönliche Fragen nach Familienstand, Kindern, sogar nach Höhe des Gehalts üblich. Nicht ausweichend antworten! Wer zudem über die Bundesliga Bescheid weiß, genießt hohes Ansehen: Europäischer Fußball ist bei Chinesen beliebt. Tabu sind die Themenbereiche Politik, Missstände, Umweltverschmutzung und Menschenrechte.
Am Beginn steht ein ausgedehntes Essen, während dem Gespräche über Geschäftliches tabu sind. Das entscheidende Thema kommt zum Schluss. Sollte es mal haken, auf keinen Fall aus der Haut fahren! Das bedeutet Gesichtsverlust. Besser freundlich bleiben und beteuern, dass man am Abschluss interessiert sei. Oft kommt dann nach wenigen Tagen ein Anruf, der Entgegenkommen zeigt.
Ähnlich wie bei uns in Deutschland die Zahl 13, gibt es auch in China Zahlen, die den Ruf genießen Unglück zu bringen. So kann die Zahl 4 auf Chinesisch auch „Tod“ bedeuten. So sollte man bei offiziellen Veranstaltungen unbedingt darauf achten, dass in der Anzahl der Gäste keine 4 vorkommt. Ebenso gilt, an wichtigen Tagen (etwa einer Vertragsunterschrift) darauf zu achten, dass das Datum keine 4 aufweist.
Immer viele mitnehmen, stets parat haben und stehend mit beiden Händen überreichen und genauso annehmen. Karte noch einen Moment respektvoll betrachten und dann in ein hochwertiges Etui stecken. Auf gar keinen Fall sollten Visitenkarten beiläufig angenommen und in die Hosentasche gesteckt werden, dies gilt als respektlos. Gerne gesehen sind zweisprachige Visitenkarten, die auf einer Seite auf Chinesisch, auf der anderen Seite auf Englisch bedruckt sind.

Durchwachsen dagegen der Außenhandel: Die schwache globale Nachfrage hat das chinesische Exportwachstum weiter abgebremst. Die Ausfuhren legten im September in US-Dollar berechnet nur noch um 5,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu, wie der chinesische Zoll am Montag berichtete.

Der chinesische Handel mit Deutschland ging um 7,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum spürbar zurück. Die deutschen Exporte nach China fielen sogar um 9,9 Prozent. China exportierte auch um 5,6 Prozent weniger nach Deutschland.

„Die Konjunktur kommt einfach nicht in Fahrt, auch weil die schwächelnde Wirtschaft bei Chinas wichtigsten Handelspartnern durchschlägt. Die Binnennachfrage ist angesichts dutzender Lockdowns im September weiterhin gelähmt. Der Außenhandel wird kaum zu einer wirtschaftlichen Erholung Chinas beitragen“, kommentierte Jens Hildebrandt, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der deutschen Handelskammer (AHK) in China. Die strikte Null-Covid-Politik liegt laut Hildebrandt weiterhin „wie Blei“ auf der Wirtschaft. Deutsche Unternehmen müssten sich weiterhin in Geduld üben.

Doch die Sorgen über das neue Führungsteam überwogen an Montag an den Märkten. Aus Sicht von Analysten hat die Umbildung sowohl kurzfristige als auch langfristige Folgen für die Wirtschaft. Kurzfristig ist nun klar, dass China an der von Xi unterstützten strikten Null-Corona-Politik festhalten wird, die pures Gift für die Wirtschaft ist. Noch immer werden knallharte Lockdowns verhängt, wenn auch nur vereinzelte Infektionen in einer Stadt auftreten. Bis weit ins nächste Jahr hinein wird es voraussichtlich nur leichte Lockerungen geben.

Für die langfristige Entwicklung Chinas scheint sich in Xis dritter Amtszeit ebenfalls ein besorgniserregender Trend abzuzeichnen. Er und seine neue Führungsmannschaft dürften dafür einstehen, dass die Ideologie noch mehr im Vordergrund steht. Pragmatismus bei der wirtschaftlichen Entwicklung ist dann wahrscheinlich kaum noch gefragt.

Lesen Sie auch: Wachstumskrise, Kriegsgeheul, Coronarepression – Deutschlands Schicksalspartner China wird zum unkalkulierbaren Risiko für Politiker, Unternehmer und Expats.

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