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ExporteChina wächst und hat doch große Probleme

Zuletzt erschienen scheinbar widersprüchliche Zahlen zu Chinas Wirtschaftswachstum. Die eigentlichen Probleme des Landes liegen ohnehin woanders.Philipp Mattheis 13.02.2014 - 10:45 Uhr

Manz

Der chinesische Mischkonzern Shanghai Electric Group will beim kriselnden Maschinenbauer und Apple-Zulieferer Manz einsteigen. Beide Unternehmen wollten in den Bereichen Energiespeichersysteme, Solar und Automationstechnologie zusammenarbeiten. Damit verbunden sei eine „maßgebliche Beteiligung“ von Shanghai Electric an Manz. Wie viel die Chinesen investieren werden, blieb zunächst offen. Unter anderem sei unklar, wie viele Altaktionäre bei der geplanten Kapitalerhöhung auf ihr Vorkaufsrecht verzichteten und die Aktien so eine Tochter von Shanghai Electric kaufen könne, sagte ein Unternehmenssprecher. Ein Übernahme der Schwaben durch die Chinesen sei nicht geplant. Manz stellt Maschinen für die Solar- und Batterieindustrie her, dazu Displays für Tablet-PCs, Smartphones und Notebooks. Manz beliefert auch den iPhone-Hersteller Apple, etwa mit Maschinen für die Bearbeitung von Handy-Displays oder für die Lasertechnologie. Vor allem die Zukunft der Solarsparte bei Manz war aber zuletzt angesichts der Branchen-Krise ungewiss.

Foto: PR

EEW Energy

Die chinesische Holding Beijing Enterprises gibt Anfang Februar 2016 bekannt, den Müllverbrennungsspezialisten EEW Energy from Waste aus Helmstedt für rund 1,44 Milliarden Euro zu übernehmen. EQT zufolge handelt es sich um die bisher größte chinesische Direktinvestition in ein deutsches Unternehmen.

Foto: dpa

Kraussmaffei

Der Spezialmaschinenbauer wurde im Januar 2016 von ChemChina, dem größte Chemiekonzern Chinas, für 925 Millionen Euro gekauft. ChemChina kam unlängst erneut in die Schlagzeilen - mit einem 43-Milliarden-Dollar-Angebot für den Schweizer Agrarchemie-Anbieter Syngenta.

Foto: dpa

Kion

2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

Foto: dpa

Koki Technik Transmission Systems

Das sächsische Unternehmen Koki Technik Transmission Systems produziert innere Schaltsysteme für Getriebe. Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Foto: dpa

Hilite

Der deutsche Autozulieferer Hilite wird an den chinesischen Industriekonzern AVIC verkauft. Der britische Finanzinvestor 3i, der Hilite 2011 übernommen hatte, teilte am 29.05.2014 mit, er habe bei dem Geschäft das 2,3-fache seines ursprünglichen Einsatzes von 190 Millionen Euro verdient. Der Hersteller von Komponenten für Motoren und Getriebe mit Sitz im fränkischen Marktheidenfeld sei bei dem Geschäft mit 473 Millionen Euro bewertet worden. Hilite hat rund 1300 Mitarbeiter und beliefert unter anderem Volkswagen, Daimler, BMW und General Motors.

Foto: Screenshot

Tailored Blanks

Der Industriegüterkonzern ThyssenKrupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Foto: dpa

Kiekert

Der Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme, Kiekert, ging 2012 in chinesische Hände. Der Hersteller aus Heiligenhaus bei Düsseldorf wurde vom börsennotierten chinesischen Automobilzulieferer Lingyun übernommen.

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Putzmeister

Der chinesische Baumaschinenkonzern Sany Heavy Industries übernimmt den Spezialhersteller von Betonpumpen im Januar 2012 und zahlt laut Finanzkreisen 320 Millionen Euro. Zuletzt setzte Putzmeister rund 570 Millionen Euro um. Die Betonpumpen aus Aichtal bei Stuttgart sind weltberühmt. Sie halfen beim Bau des Sarkophags über dem 1986 zerstörten Kernkraftwerk Tschernobyl und beim Abkühlen der havarierten Kernenergieanlage in Fukushima. Putzmeister beschäftigt 3000 Mitarbeiter.

Foto: dpa

Am Yangshan Port, dem nach Tonnage größten Hafen der Welt, fällt es etwas schwer, die neuesten Zahlen zu Chinas Exporten zu glauben. Nebel liegt über der Felseninsel. Eine 30 Kilometer lange Brücke führt von Shanghai direkt über das Meer. 2005 baute man auf der kleinen Insel einen Tiefseehafen und verband ihn mit einer Brücke, um den immer weiter wachsenden Güterstrom nach und aus China heraus zu händeln. Doch nur wenige Lastwagen nehmen den Weg über das von Sedimenten gelbe Wasser. Und auch am Hafen selbst sind nur wenige Container-Schiffe zu sehen.

Auch die zuletzt veröffentlichten Zahlen zum Einkaufsmanagerindex verhießen nichts Gutes: Mit 50,7 Punkten notiert der Index zwar noch im leicht positiven Bereich, ist aber so tief wie seit zwei Jahren nicht mehr. Gleichzeitig bringt der Abfluss von Kapital Schwellenländer wie Argentinien und die Türkei in Turbulenzen, die China in Mitleidenschaft ziehen könnten.

Und doch: 10,6 Prozent mehr Waren soll China im Januar ausgeführt haben als im Jahr zuvor. Sind die Zahlen geschönt? Kritische Stimmen vermuteten dahinter gefälschte Transaktionen, um Geld ins Land zu schmuggeln. Seit Jahren wird so versucht, die strengen Kapitalkontrollen des Landes zu umgehen. 

Weltwirtschaft

So entwickeln sich die wichtigsten Volkswirtschaften

Wie vertrauenswürdig Wirtschaftszahlen aus China eigentlich sind, wird immer wieder angezweifelt. Einige Zeit galt der Elektrizitätsverbrauch als eine gute Methode, um die BIP-Zahlen zu falsifizieren. Stieg der weniger stark an als die von der Regierung veröffentlichten BIP-Wachstum, konnte etwas nicht stimmen. Mittlerweile ist die Diskussion etwas aus der Mode geraten, denn falls Zahlen gefälscht werden, dann auch die des Stromverbrauchs.

Die meisten Analysten gehen weiterhin von einem stabilen Wachstum 2014 zwischen sieben und acht Prozent aus - 7,5 Prozent lautete auch das Ziel der Regierung im vergangenen Jahr, 7,7 Prozent waren es tatsächlich.

Bei der Deutschen Bank vermutet man sogar, dass die jüngsten Export-Zahlen tatsächlich noch besser sind: "Wir gehen davon aus, dass das tatsächliche Exportwachstum bei 20 Prozent liegt", sagt Jun Ma Chefökonom der Deutschen Bank in Hongkong. Die Zahlen vom Dezember 2012 bis April 2013 nämlich seien eben durch jene Kapitalexporte geschönt gewesen und tatsächlich wesentlich niedriger als angegeben. Weiter ist man der Meinung, dass die Exporte für das gesamte Jahr ansteigen werden - getrieben durch eine stärkere Nachfrage aus den USA und der EU. Die chinesische Regierung hat bekanntgegeben, den Export in diesem Jahr um 7,5 Prozent zu steigern.

Chongqing ist eine Millionenstadt in der Volksrepublik China. Sie liegt auf einer wie ein Komma geformte Halbinsel am Zusammenfluss von Jangtsekiang und Jialing. Das Verwaltungsgebiet der Stadt ist annähernd so groß wie die Fläche von Österreich. Mit 28,85 Millionen Einwohnern gehört Chongqing zu einer der größten Megastädte Chinas.

Foto: Reuters

Guangzhou ist eine Stadt im Süden Chinas mit 8,86 Millionen Einwohnern. Sie ist ein bedeutender Industrie- und Handelsstandort, weshalb sie auch die „Fabrik der Welt“ genannt wird. Im Oktober 2010 wurde in Guangzhou der höchste Fernsehturm der Welt (600 m) eröffnet.

Foto: Reuters

Die Küstenstadt Zhuhai gehört zu der chinesischen Provinz Guangdong und hat eine Einwohnerzahl von 1,45 Millionen. Zhuhai trägt in China den Beinamen „Stadt der Romantik“ aufgrund der vielen Buchten und Küsten. Die Stadt ist sehr sauber, der Lebensstandard sehr hoch. Zhuhai ist ein beliebtes Wochenenddomizil für Geschäftsleute aus Hongkong.

Foto: Reuters

Wuhans Einwohnerzahl beträgt 8,33 Millionen. Die Stadt in der Provinz Hubei besteht aus drei zusammengelegten Städten. Das ebene Stadtbild ist von zahlreichen Seen geprägt.

Foto: Reuters

Die Stadt Chengdu hat 10,44 Millionen Einwohner. Sie hat sich zum Wirtschaftszentrum Westchinas entwickelt. 2006 erreichte Chengdu den vierten Platz der lebenswertesten Städte Chinas.

Foto: dapd

Peking ist die Hauptstadt und das politische Zentrum der Volksrepublik China. Dort leben etwa 17,6 Millionen Einwohner. Durch die dreitausendjährige Geschichte Pekings beherbergt die Stadt ein imposantes Kulturerbe.

Foto: dpa

Dongguan hat 8,2 Millionen Einwohner. Sie liegt östlich des Perlflusses an der Mündung in das chinesische Meer. Viele Auslandschinesen in Hongkong stammen aus Dongguan.

Foto: Reuters

Tianjin ist eine wichtige Hafenstadt in China. Mit 12,3 Millionen Einwohnern ist die Tianjin sowohl Industriezentrum, Verkehrsknoten als auch kultureller Mittelpunkt der Region mit Universitäten, Hochschulen, Museen und Baudenkmälern.

Foto: dpa/picture alliance

Die Hafenstadt Shanghai ist die bedeutendste Industriestadt Chinas. Sie besitzt den zweitgrößten Containerhafen der Welt und zählt 23 Millionen Einwohner. Mit zahlreichen Universitäten und Museen ist Shanghai auch ein bedeutendes Kultur- und Bildungszentrum.

Foto: dpa/picture alliance

Hongkong ist die drittgrößte Metropolregion Chinas und liegt an der Südküste der Republik. Sie gehört zu den am dichtesten besiedelten Gebieten der Welt. In der Stadt selbst leben 7,1 Millionen Menschen.

Foto: picture-alliance

Shenzhen liegt am südlichen Rand der Proving Guangdong. Sie gehört zu den am schnellsten wachsenden Städten der Welt. Mit über 12 Millionen Einwohnern ist sie heute eine moderne Metropole.

Foto: picture-alliance

Wirklich entscheidend sind die Zahlen für China nicht, denn die eigentlichen Probleme liegen an anderer Stelle. Besonders seit dem Konjunkturpaket 2008 wächst Chinas Wirtschaft zwar stabil auf hohem Niveau, aber nicht in der Art, wie sie es sollte. Ein zu großer Teil der Investitionen wird in ineffizienten Infrastrukturprojekten sinnlos verschleudert. So sind zum Beispiel Geisterstädte im ganzen Land entstanden.

Kurz bevor die Straße das Festland verlässt und in Richtung Yangshan Port führt, liegt ein kreisrunder See von etwa zwei Kilometer Durchmesser. Eine mit Bäumen bepflanzte Uferpromenade führt um das Wasser. Der See ist künstlich. Ringsherum hat man Luxusapartments errichtet - für reiche Shanghainesen zur Sommerfrische. Lingang New City heißt die Kunststadt, entworfen von einem deutschen Architektenbüro. 800000 Menschen sollen hier einmal leben. Auf den Straßen zu sehen ist: Niemand.

Das Muster, wie solche Geisterstädte entstehen, ist stets das gleiche: Klamme Kommunen verkaufen Land an Immobilienentwickler, die darauf Wohnraum errichten. Mit dem so erlangten Geld bauen die Lokalregierungen Straßen, Brücken und Bahnhöfe - und melden so großartige Wachstumszahlen nach Peking. Die Immobilienentwickler verkaufen die Wohnungen an die Bevölkerung, die auf weiter ansteigende Immobilienpreise hofft. Wie lange der Kreislauf so weitergehen kann, ist fraglich - allein im letzten Jahr stiegen die Immobilienpreise in Städten wie Peking, Guangzhou und Shanghai um 15 bis 20 Prozent. Sollten sie Preise einmal zu fallen beginnen, bricht das System zusammen.

Zudem ist immer mehr Kapital notwendig, um das Wachstum zu erzielen. Viele Banken geben kaum noch Kredite. Um trotzdem noch an Geld zu kommen, leihen sich viele Unternehmen Geld auf dem grauen Markt. Dort sind die Zinssätze wesentlich höher als bei den staatlichen Banken. Die Anbieter bündeln die Kredite zu sogenannten "Wealth Management Produkten" und bieten den Käufern hohe Renditen bei angeblich null Risiko. Was genau passiert, wenn diese Produkte platzen, ist ungewiss.

Die Zentralregierung weiß um diese gefährliche Spirale. So wurden die Provinzregierungen angewiesen, sich nicht mehr das quantitative BIP-Wachstum zu fokussieren. Nur noch 14 Provinzen planen für 2014 zweistellige Wachstumsraten - 2013 waren es noch 24. Auch die Möglichkeiten, Immobilien zu spekulativen Zwecken zu kaufen, wurden eingeschränkt. Stattdessen soll der Binnenkonsum eine stärkere Rolle übernehmen.

China wird sich also auf niedriges Wachstum einstellen - und das ist gut so.

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