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Innovatives Geschäftsumfeld San Francisco und Peking prägen die Geschäftswelt von morgen

Ranking der Business-Städte: San Francisco, Peking und New York haben laut einer aktuellen Studie das innovativste Umfeld fürs Geschäft. Quelle: imago images

Ein neues Ranking zeigt, welche Metropolen die Wirtschaftswelt weiterentwickeln. Unter den Top 50 finden sich auch drei deutsche. Mit der Spitze halten aber weder sie noch andere EU-Städte mit.

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Innovationen für die Geschäftswelt von morgen entstehen vor allem außerhalb der EU. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Fintechs Finom, die der WirtschaftsWoche vorab exklusiv vorliegt. San Francisco, Peking, New York – das sind demnach die Hauptstädte für kreative Veränderung im Geschäftsumfeld. Die erste Stadt innerhalb der EU ist Paris auf Rang acht.

Das Ranking mit 100 Städten aus der ganzen Welt ist in sieben Innovationsbereiche wie Forschung/Entwicklung, Start-up-Aktivität und Finanzmittel sowie zwölf Industrien aufgefächert, etwa künstliche Intelligenz (KI), Biotechnologie und Fintechs. London, trotz britischem EU-Austritt eines der größten Finanzzentren der Welt, steht aus europäischer Sicht als Vierter am besten da. Die beste deutsche Stadt ist Berlin (13. Platz). Im Fintech-Sektor schafft Berlin es gar unter die Top 6.

Finoms Ansatz für die Untersuchung war es nach eigener Aussage „herausfinden, ob bestimmte Städte als Angelpunkte für geschäftliche Innovationen dienen“. Gründer und CEO Yakov Novikov erklärt, wie sich in der Vergangenheit „erfolgreiche und innovative Entrepreneure und Unternehmen die Voraussetzungen für eine unterstützende Umgebung zur Entwicklung der Wirtschaft in ihrer Heimatstadt geschaffen“ hätten. So wie Stuttgart. Gottlieb Daimler und Robert Bosch sorgten Ende des 19. Jahrhunderts für industrielles Wachstum. Die Folge: Bis heute profitiert die Stadt von einer hohen Beschäftigung und weitreichendem Branchen-Knowhow. Veränderung gelingt den immer noch erfolgreichen, aber durch Klimawandel und -ziele schwer unter Druck stehenden Stuttgarter Konzernen im Automobilsektor allerdings nur langsam. In dem Ranking landet die baden-württembergische Hauptstadt auch nur noch auf Platz 34.




Für die Europäische Union wird mit den Ergebnissen der Studie eine Sorge real: Die Gefahr, die EU könnte im Wettlauf der Technologien und Industrien gegenüber China und den USA weiter zurückfallen. Denn an der Spitze stehen andere. Hinter London auf Platz vier folgen Boston, Schanghai und Tokio. Boston hat seine Spezialität in der Biotechbranche. Kein Ort ist darin innovativer. Japans Hauptstadt kommt im industriellen Umfeld auf die zweithöchste Finom-Bewertung hinter Hangzhou (11.) in China.

Studienmacher Novikov sagt, einige Ergebnisse seien durchaus erwartbar gewesen. Tatsächlich ist etwa London bekannt für Fintech-Innovationen. Überraschend sei vor allem das Abschneiden Pekings. Die chinesische Hauptstadt belegt Platz eins in den Industrien KI/maschinelles Lernen, Ausbildung und Mobilität. Außerdem geben staatliche Organisationen dort am meisten Geld für Forschung und Entwicklung aus. Das meiste Geld für Risikokapitalfinanzierungen steht ebenfalls in Peking zur Verfügung. „Das zeigt, dass erhebliche strategische Investitionen in die Stadt fließen“, sagt Novikov.

Und diese haben längst Wirkung gezeigt. Zwar gilt San Francisco häufig noch als die Stadt mit dem angenehmsten Umfeld für Gründer. Die meisten Unicorns, also Firmen mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde US-Dollar, saßen 2020 aber in Peking. Mit 93 Unicorns waren es 25 mehr als in der US-Westküstenstadt. In der Finom-Auswertung liegen im Innovationsbereich Start-ups London und New York sogar noch vor San Francisco und Peking. Novikov geht davon aus, dass eine solche widerstandsfähige Start-up-Kultur „viele Initialeffekte für Städte und ihre Bewohner“ auslösten. Sie befördere Einstellungsmöglichkeiten, eine leistungsfähige Wirtschaft und ein Umfeld, das nötige Veränderung in bestimmten Branchen ermögliche.



Finom selbst, gegründet 2019 und seit knapp einem Jahr über die Solarisbank auch in Deutschland aktiv, hat seinen Hauptsitz in Amsterdam (44.). Die Stadt ist zwar vor allem für ihre unternehmensfreundlichen Steuermodelle bekannt, landet in den Industrien Bankwesen und Fintechs aber immerhin unter den Top 30. Seinen größten Geldgeber hat sich Finom offenbar gut ausgesucht: Er sitzt in Berlin – und damit in der EU-weit innovativsten Stadt für Risikokapital.

Mehr zum Thema: Zehntausende hoch Qualifizierte verlassen jährlich das Land – um die Karriere zu beschleunigen, Spitzenforschung zu betreiben oder der Steuer wegen. Am meisten profitiert, wer den Exit gut vorbereitet.

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