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Russische SoldatinnenWarum Putin jetzt gezielt Frauen rekrutiert

Die russische Söldnereinheit Redut will im Ukraine-Krieg nun Frauen rekrutieren. Wer die Gruppe ist, wieso sie diesen Schritt geht und was Redut mit der Wagner-Truppe gemeinsam hat, erklärt Militäranalyst Niklas Masuhr.Angelika Melcher 27.10.2023 - 11:32 Uhr aktualisiert

Bald könnten auch Frauen in Russland rekrutiert werden

Foto: imago images

Russland hat Medienangaben zufolge mit der Rekrutierung von Frauen für Kampfeinsätze in seinem Krieg gegen die Ukraine begonnen. In der dem russischen Verteidigungsministerium unterstehenden Söldnereinheit Redut würden Scharfschützinnen und Bedienerinnen von Drohnen angeworben, schrieb das unabhängige Internetportal istories am Montag. Bislang wurden Frauen im russischen Militär nur als Sanitäterinnen und in der Küche eingesetzt.

WirtschaftsWoche: Herr Masuhr, Moskau wirbt Berichten zufolge gezielt Frauen für die Söldnertruppe Redut an. Wer ist diese Truppe?
Niklas Masuhr: Redut wird von einigen Expertinnen und Experten der westlichen analytischen Community als Wagner-Nachfolger für die Ukraine bezeichnet. Redut gilt aber als loyaler und dichter am Kreml als die Wagner-Gruppe. Wagner hat im Ukraine-Krieg gewisse Rollen für den russischen Staat erfüllt, die jetzt zumindest zum Teil vermutlich von Redut fortgeführt werden.

Zur Person
Niklas Masuhr ist Mitglied des Global Security Teams der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich und beschäftigt sich mit aktuellen Konflikten, Verteidigungspolitik und militärischen Strategien.

Warum will Redut jetzt Frauen rekrutieren? Gehen Russland die Streitkräfte aus?
Redut sucht vor allem Drohnenpilotinnen und Scharfschützinnen. Die spielen eine wichtige Rolle im Krieg. Es ist also denkbar, dass wenn Redut über viele und gute Drohnenpiloten und -pilotinnen verfügt, die Gruppe eine Schlüsselfunktion für das russische Militär übernehmen und damit ein gewisses Alleinstellungsmerkmal aufbauen kann. Ich würde aber nicht so weit gehen und diesen Aufruf als Zeichen dafür sehen, dass Russland die Streitkräfte ausgehen.

Russland versucht bereits seit Beginn des Kriegs an den Rändern zu rekrutieren. Zu Beginn hat man versucht, die Last lediglich auf professionelle Soldaten fallen zu lassen. Das hat bereits kurz nach Beginn des Krieges weniger gut funktioniert, weshalb die Altersklassen für Freiwillige geöffnet wurden. Damit konnten zum Beispiel auslaufende Verträge verlängert oder mutmaßlich Soldaten dazu gezwungen werden, ihre Verträge weiterzuführen. Ein weiterer Strang, den es gegeben hat, ist die Rekrutierung von Truppen aus Gefängnissen. Hier spielte vor allem die Söldnertruppe Wagner eine große Rolle, in welcher viele Soldaten vorher Häftlinge waren. Zu Wagners Alleinstellungsmerkmalen gehörten die erfahrenen Kader und die menschlichen Wellen, die sich aus diesen ehemaligen Gefängnisinsassen gespeist haben. Das machte die Wagner-Gruppe wichtig für das russische Militär: Auf der einen Seite die erfahrenen Truppen und den externen Manpower-Pool, den man aus Sicht des Militärs beispielsweise bei Bachmut verfeuern konnte.

Aber auch das russische Militär hat am Anfang des Jahres in Gefängnissen rekrutiert: Da kommen beispielsweise die sogenannten Storm-Z-Einheiten her. Es wird gemutmaßt, dass Generalstabschef Gerassimow und der russische Verteidigungsminister Schoigu damit bis zu einem gewissen Grad den ehemaligen Wagner-Chef Prigoschin im internen Machtkampf das Wasser abgraben wollten.

Warum wird zunächst an den Rändern rekrutiert?
Weil der Kreml versucht, reguläre Wehrpflichtige von der Front möglichst fernzuhalten. Diese werden jedes Jahr in zwei Wellen einberufen. Sie stellen eine andere, politisch scheinbar sensiblere Kategorie dar als die 300.000 Reservisten, die im vergangenen Jahr im Rahmen der Teilmobilisierung eingezogen worden waren. Noch weniger sensibel ist natürlich der Einsatz von besagten Gefängnisinsassen.

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Außerdem sind die halbstaatlichen Söldnertruppen strategisch gut für Russland. Je mehr sie den Krieg in der Ukraine austragen, desto besser. Die Truppen entlasten nicht nur das russische Militär, sondern nehmen auch den Druck, wieder eine Aushebung durchzuführen und Reservisten einzuberufen. Vor allem nachdem im vergangenen Jahr nach der Ankündigung mehrere zehntausend, teils sehr qualifizierte, junge Männer geflohen sind. Der Kreml will außerdem die politisch sensible Mittelschicht in den Metropolen, in Sankt Petersburg und Moskau, und damit auch die Wirtschaft schonen.

Um die Wagner-Truppe ist es seit dem Tod Prigoschins Ruhig geworden – was macht die Söldnertruppe jetzt? Ersetzen Gruppen wie Redut Wagner?
In Afrika wurden keine Wagner-Einheiten im großen Stil durch Redut ausgetauscht. Wie genau jetzt die Kommandostruktur in Mali und in der Zentralafrikanischen Republik aussieht, weiß man nicht, auch wenn der Militärgeheimdienst GU mehr Kontrolle zu übernehmen scheint. Unklarheiten bestehen auch bezüglich der Ukraine, wo Söldnerverbände scheinbar von Andrei Troschew, ein überlebendes Mitglied des Wagner-Führungszirkels, geführt werden sollen.

Was man aber festhalten kann, ist, dass der Kreml bemüht zu sein scheint, die Vorteile der Söldnertruppen und halbstaatlichen Sicherheitsunternehmen sowohl an der ukrainischen Front als auch in Afrika und über den Krieg hinaus weiter als Machtprojektionsinstrument zu nutzen und die Kader zu erhalten.

Lesen Sie auch: Es gibt nicht nur Wagner – und das ist Putins Problem

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