Schüsse auf Donald Trump: Dieser Tag wird den US-Wahlkampf dramatisch verändern
Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Pennsylvania fallen plötzlich Schüsse. Ex-Präsident Donald Trump blutet danach am Ohr.
Foto: APBlutverschmiertes Gesicht, emporgereckte Faust, ein eiserner Blick, der sagt: „Mich kriegt ihr nicht klein“. Fotos wie dieses schreiben Geschichte. Donald Trump weiß das. Und so posiert der Ex-Präsident kurz nach dem Attentatsversuch trotzig. „Kämpft!“, soll er seinen Anhängern noch von der Bühne aus zugerufen haben.
Zuvor hatte offenbar ein 20-Jähriger während einer Wahlkampfveranstaltung in Butler, Pennsylvania, auf den republikanischen US-Präsidentschaftsbewerber geschossen. Trump wurde verletzt, eine Kugel traf ihn am Ohr. Weitere Besucher der Veranstaltung kamen zu Schaden, ein Zuschauer starb. Auch der mutmaßliche Schütze fand den Tod.
Die genauen Hintergründe der Schreckenstat sind unklar. Doch egal, was die Ermittlungen später ergeben werden: An diesem Wochenende hat der US-Wahlkampf eine dramatische Wendung genommen. Und vielleicht eine entscheidende. Politisch profitieren von den Schüssen dürfte – so zynisch es klingt – nun vor allem einer: Donald Trump.
Bereits in den vergangenen Wochen wirkte der Republikaner im Wahlkampf überlegen. Kontrahent Joe Biden erschien schwach, wackelig. Versprecher und Namensdreher sorgten für Schlagzeilen. Selbst unter den Demokraten wurde der Ruf nach einem alternativen Präsidentschaftskandidaten laut. Schon aus Angst vor einer zweiten Präsidentschaft Donald Trumps halten freilich viele zu Biden – auch international. „Mir ist ein Präsident mit Versprechern lieber als ein Präsident, der als Verbrecher verurteilt wurde, der ein notorischer Lügner ist und der gegen die Europäer arbeitet“, betonte SPD-Außenexperte Nils Schmid gerade erst im WirtschaftsWoche-Interview.
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Donald Trump, der Starke
Allein: In diesen Stunden nach dem Attentat ist Trump zuallererst Opfer einer Gewalttat, das sich nicht kleinkriegen lässt. Ein starker Mann, der aufsteht, sich kurz in seinen privaten Golfclub in New Jersey zurückzieht – um dann weiterzukämpfen. Am Parteitag der Republikaner will Trump am Montag auf jeden Fall teilnehmen. Er freue sich gar darauf, ließ sein PR-Team verkünden.
Andere Anhänger Trumps nutzen den Attentatsversuch, um den politischen Gegner zu attackieren. Sie scheuen sich nicht, Verschwörungstheorien zu schüren. „Joe Biden hat den Befehl gegeben“, schrieb der republikanische Kongressabgeordnete Mike Collins aus Georgia auf X (ehemals Twitter). Er bezog sich auf diesen Satz: „Wir sind fertig damit, über die Debatte zu reden, es ist Zeit, Trump ins Visier zu nehmen“, soll Biden vor Spendern gesagt haben. Dies interpretieren mehrere Republikaner nun als Gewaltaufruf. „Jemand hat die Anweisung von Joe Biden befolgt“, schrieb auch Trumps ehemaliger Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, auf X.
Das ungebrochene, unbeugsame Opfer einer perfiden Attacke: So hat sich Trump bereits früher inszeniert. Vor dem Hintergrund der Schreckenstat bekommt diese Rolle eine ganz neue Dimension. Eine, aus der der Präsidentschaftsbewerber politischen Profit schlagen dürfte.
Schüsse auf Trump: Folgen für die Wirtschaft
Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen gehen nicht nur davon aus, dass der Attentatsversuch Donald Trump in der Gunst der Wähler steigen lässt – sie erwarten auch handfeste Auswirkungen auf die Märkte.
„Die Schießerei wird Trumps Kampagne wahrscheinlich unterstützen und den positiven Schwung, den er seit den Präsidentschaftsdebatten vor zwei Wochen hatte, verstärken“, erwartet etwa Rong Ren Goh von Eastspring Investments. Weiter sagt er: „Die Marktreaktion auf eine Präsidentschaft Trumps zeichnete sich bisher durch einen stärkeren US-Dollar und eine steilere Zinskurve bei US-Staatsanleihen aus. In der kommenden Woche könnten wir etwas davon sehen, wenn seine Wahlchancen nach diesem Vorfall als verbessert eingestuft werden.“
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