Trump-Attentat: Die Schüsse werden politisch ausgeschlachtet
Dieses Foto geht um die Welt: Donald Trump wurde bei einer Wahlkampfveranstaltung in Butler, Pennsylvania, verletzt.
Foto: Evan Vucci/AP/dpaKurz nachdem der Secret Service die Bühne gestürmt hatte, reckte Donald Trump die Faust in den Himmel. Sekunden zuvor hatten Schüsse den Wahlkampfauftritt des ehemaligen US-Präsidenten in Butler im Bundesstaat Pennsylvania jäh beendet. Trump griff sich ans rechte Ohr, nachdem ein plötzlicher Knall zu hören war. Der 78-Jährige warf sich auf den Boden, Agenten bildeten eine Schutzmauer um ihn. Ein Rinnsal Blut floss über Trumps Gesicht. Wenige Augenblicke später eskortierten die Personenschützer Trump zu seinem Auto und brachten ihn in Sicherheit.
Die Behörden haben Ermittlungen aufgenommen. Der Verdacht: versuchter Mord.
Die Schüssen auf den Republikaner haben die Vereinigten Staaten geschockt. „Es gibt keinen Platz für diese Art von Gewalt in Amerika“, so US-Präsident Joe Biden, der sich kurz nach den Schüssen an die Öffentlichkeit wandte. „Ich bin dankbar zu hören, dass er in Sicherheit ist und es ihm gut geht.“ Danach telefonierten Biden und Trump auch persönlich. Das teilte das Weiße Haus mit, ohne Details zu dem Gespräch zu nennen. Das Wahlkampfteam des Demokraten teilte zudem mit, seine Aktivitäten zunächst auszusetzen und bereits gebuchte Fernsehspots zurückzuziehen.
Trump hatte Glück im Unglück. Ernsthafte Verletzungen erlitt er nicht. Eine Kugel habe sein Ohr getroffen, teilte er auf Truth Social mit. Das heißt: Von einer potenziell tödlichen Verletzung trennten Trump nur Zentimeter. Glimpflich ging die Schießerei dennoch nicht aus. Ein Besucher der Wahlkampfveranstaltung kam ums Leben, zwei weitere Menschen wurden schwer verletzt. Auch der Schütze, offenbar ein gerade einmal 20-jähriger Mann aus Pennsylvania, ist tot. Der Secret Service teilte mit, er sei „neutralisiert“ worden.
Attentate in der amerikanischen Geschichte
Politische Gewalt hat eine traurige Tradition in den USA. Vier Präsidenten wurden im Amt ermordet, zuletzt John F. Kennedy im Jahr 1963. Fünf Jahre später erschossen Attentäter Kennedys Bruder Robert, der sich damals um die Präsidentschaftsnominierung der Demokraten bemühte. 1968 starb der Bürgerrechtler Martin Luther King Jr. durch die Schüsse eines Attentäters.
Doch man muss nicht so weit in der Geschichte zurückgehen, um Attentatsversuche zu finden. Vor weniger als zwei Jahren brach ein Mann in das Haus der damaligen Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, ein und attackierte ihren Ehemann mit einem Hammer. 2017 schoss ein Attentäter auf eine Gruppe republikanische Kongressmitglieder, die gemeinsam für ein Baseballspiel trainiert hatten. Steve Scalise, bis heute die Nummer zwei der Republikaner im Repräsentantenhaus, wurde in der Hüfte getroffen. 2011 feuerte ein Schütze aus nächster Nähe auf die damalige demokratische Abgeordnete Gabby Giffords in Tuscon, Arizona. Eine Kugel traf sie in den Kopf. Sie überlebte schwer verletzt.
Die Motivationen hinter diesen Taten waren höchst unterschiedlich. Nicht immer sind Attentatsversuche politisch motiviert. Der geistig verwirrte Attentäter John Hinckley Jr. schoss 1981 auf Präsident Ronald Reagan, um die Schauspielerin Jodie Foster zu beeindrucken. Ein ehemaliges Mitglied der Mason-Family-Sekte versuchte, 1975 auf Präsident Gerald Ford zu schießen, um auf die Zerstörung der Küstenmammutbäume aufmerksam zu machen.
Beim Anschlag auf Trump sind die Hintergründe zum jetzigen Zeitpunkt noch völlig unklar.
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„Jemand hat die Anweisung von Joe Biden befolgt“
Es dauerte nicht lange, bis Akteure quer durch das politische Spektrum die Schüsse auf Trump verurteilten und dem Republikaner Genesungswünsche schickten. Barack Obama meldete sich ebenso zu Wort wie George W. Bush und Bill Clinton. Auch der ehemalige republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses John Boehner und seine demokratische Vorgängerin und Nach-Nachfolgerin Nancy Pelosi zeigten sich entsetzt.
Beinahe genauso wenig Zeit verging, bis Anhänger des ehemaligen Präsidenten versuchten, die Schüsse politisch auszuschlachten. „Joe Biden hat den Befehl gegeben“, postete der republikanische Kongressabgeordnete Mike Collins aus Georgia auf X und verwies auf einen Satz, den das Staatsoberhaupt vor wenigen Tagen gesagt hatte. „Wir sind fertig damit, über die Debatte zu reden, es ist Zeit, Trump ins Visier zu nehmen zu nehmen“, soll Biden vor Spendern gesagt haben. Dies interpretieren mehrere Republikaner nun als Gewaltaufruf. „Jemand hat die Anweisung von Joe Biden befolgt“, schrieb etwa Trumps ehemaliger Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, auf X.
Auch J.D. Vance, Senator aus Ohio und einer der Favoriten auf die Vizepräsidentschaftsnominierung der GOP, äußerte sich ähnlich. „Dies ist kein isolierter Vorfall“, so Vance, ebenfalls auf X. Die zentrale Prämisse der Biden-Kampagne sei es, Trump als einen autoritären Faschisten darzustellen, der um jeden Preis gestoppt werden müsse. „Diese Rhetorik führte direkt zu Präsident Trumps versuchter Ermordung.“
Diese Reaktionen zeigen: Der Wahlkampf geht erbittert weiter. Am Montag begann in Milwaukee der Parteitag der Republikaner, auf dem Trump auch offiziell zum Kandidaten seiner Partei nominiert werden soll. An diesen Plänen habe sich nichts geändert, teilte die Kampagne mit. Donald Trump freue sich darauf.
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