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Trump-AttentatDie Schüsse werden politisch ausgeschlachtet

Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Pennsylvania wurde Ex-Präsident Donald Trump durch Schüsse verletzt. Der Wahlkampf geht direkt weiter – mit neuer Härte und neuen Vorwürfen.Julian Heißler 15.07.2024 - 10:50 Uhr aktualisiert

Dieses Foto geht um die Welt: Donald Trump wurde bei einer Wahlkampfveranstaltung in Butler, Pennsylvania, verletzt.

Foto: Evan Vucci/AP/dpa

Kurz nachdem der Secret Service die Bühne gestürmt hatte, reckte Donald Trump die Faust in den Himmel. Sekunden zuvor hatten Schüsse den Wahlkampfauftritt des ehemaligen US-Präsidenten in Butler im Bundesstaat Pennsylvania jäh beendet. Trump griff sich ans rechte Ohr, nachdem ein plötzlicher Knall zu hören war. Der 78-Jährige warf sich auf den Boden, Agenten bildeten eine Schutzmauer um ihn. Ein Rinnsal Blut floss über Trumps Gesicht. Wenige Augenblicke später eskortierten die Personenschützer Trump zu seinem Auto und brachten ihn in Sicherheit.

Die Behörden haben Ermittlungen aufgenommen. Der Verdacht: versuchter Mord.

Die Schüssen auf den Republikaner haben die Vereinigten Staaten geschockt. „Es gibt keinen Platz für diese Art von Gewalt in Amerika“, so US-Präsident Joe Biden, der sich kurz nach den Schüssen an die Öffentlichkeit wandte. „Ich bin dankbar zu hören, dass er in Sicherheit ist und es ihm gut geht.“ Danach telefonierten Biden und Trump auch persönlich. Das teilte das Weiße Haus mit, ohne Details zu dem Gespräch zu nennen. Das Wahlkampfteam des Demokraten teilte zudem mit, seine Aktivitäten zunächst auszusetzen und bereits gebuchte Fernsehspots zurückzuziehen.

US-Wahlen 2024

Das Attentat ändert alles. Und nichts

Nach dem Attentat sehen manche Beobachter in Donald Trump bereits den sicheren Wahlsieger. Doch ob der Mordanschlag dem Rennen ums Weiße Haus eine neue Dynamik gegeben hat, muss sich noch zeigen.

von Julian Heißler

Trump hatte Glück im Unglück. Ernsthafte Verletzungen erlitt er nicht. Eine Kugel habe sein Ohr getroffen, teilte er auf Truth Social mit. Das heißt: Von einer potenziell tödlichen Verletzung trennten Trump nur Zentimeter. Glimpflich ging die Schießerei dennoch nicht aus. Ein Besucher der Wahlkampfveranstaltung kam ums Leben, zwei weitere Menschen wurden schwer verletzt. Auch der Schütze, offenbar ein gerade einmal 20-jähriger Mann aus Pennsylvania, ist tot. Der Secret Service teilte mit, er sei „neutralisiert“ worden.

Attentate in der amerikanischen Geschichte

Politische Gewalt hat eine traurige Tradition in den USA. Vier Präsidenten wurden im Amt ermordet, zuletzt John F. Kennedy im Jahr 1963. Fünf Jahre später erschossen Attentäter Kennedys Bruder Robert, der sich damals um die Präsidentschaftsnominierung der Demokraten bemühte. 1968 starb der Bürgerrechtler Martin Luther King Jr. durch die Schüsse eines Attentäters.

Doch man muss nicht so weit in der Geschichte zurückgehen, um Attentatsversuche zu finden. Vor weniger als zwei Jahren brach ein Mann in das Haus der damaligen Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, ein und attackierte ihren Ehemann mit einem Hammer. 2017 schoss ein Attentäter auf eine Gruppe republikanische Kongressmitglieder, die gemeinsam für ein Baseballspiel trainiert hatten. Steve Scalise, bis heute die Nummer zwei der Republikaner im Repräsentantenhaus, wurde in der Hüfte getroffen. 2011 feuerte ein Schütze aus nächster Nähe auf die damalige demokratische Abgeordnete Gabby Giffords in Tuscon, Arizona. Eine Kugel traf sie in den Kopf. Sie überlebte schwer verletzt.

Die Motivationen hinter diesen Taten waren höchst unterschiedlich. Nicht immer sind Attentatsversuche politisch motiviert. Der geistig verwirrte Attentäter John Hinckley Jr. schoss 1981 auf Präsident Ronald Reagan, um die Schauspielerin Jodie Foster zu beeindrucken. Ein ehemaliges Mitglied der Mason-Family-Sekte versuchte, 1975 auf Präsident Gerald Ford zu schießen, um auf die Zerstörung der Küstenmammutbäume aufmerksam zu machen.

Beim Anschlag auf Trump sind die Hintergründe zum jetzigen Zeitpunkt noch völlig unklar.

>> Die aktuellen News zum Attentat auf Donald Trump lesen Sie hier

„Jemand hat die Anweisung von Joe Biden befolgt“

Es dauerte nicht lange, bis Akteure quer durch das politische Spektrum die Schüsse auf Trump verurteilten und dem Republikaner Genesungswünsche schickten. Barack Obama meldete sich ebenso zu Wort wie George W. Bush und Bill Clinton. Auch der ehemalige republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses John Boehner und seine demokratische Vorgängerin und Nach-Nachfolgerin Nancy Pelosi zeigten sich entsetzt.

Reaktionen auf den Attentatsversuch auf Donald Trump
US-Präsident Joe Biden erklärt, er sei dankbar, dass Trump in Sicherheit sei. Biden verurteilte den Angriff. Diese Art von Gewalt sei "krank", sagt der Demokrat in einer kurzen Ansprache. "Jeder muss sie verurteilen."
US-Vizepräsidentin Kamala Harris warnte nach der Attacke vor einer Eskalation der Gewalt. „Wir alle müssen diese abscheuliche Tat verurteilen und unseren Teil dazu beitragen, dass sie nicht zu weiterer Gewalt führt“, teilte die Demokratin auf X mit.
Die Vereinten Nationen verurteilen den Angriff auf den designierten Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, Donald Trump. "Der Generalsekretär verurteilt diesen Akt politischer Gewalt aufs Schärfste", erklärt der Sprecher von UN-Chef Antonio Guterres. "Er wünscht Präsident Trump eine rasche Genesung."
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat sich nach Vorfall auf einer Wahlkampfveranstaltung Donald Trumps mit einem toten Zuschauer entsetzt gezeigt. „Ich bin zutiefst schockiert über die Schüsse während der Wahlkampfveranstaltung des ehemaligen Präsidenten Trump“, schrieb sie am frühen Sonntagmorgen auf X. Sie wünsche Trump eine schnelle Genesung und spreche der Familie des unschuldigen Opfers ihr Beileid aus. „Politische Gewalt hat keinen Platz in einer Demokratie“, unterstrich die Kommissionschefin.
Bundeskanzler Olaf Scholz hat Ex-US-Präsidenten Donald Trump nach dem Attentatsversuch eine schnelle Genesung gewünscht. „Solche Gewalttaten bedrohen die Demokratie“, schrieb der SPD-Politiker auf der Plattform X. „Der Anschlag auf US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump ist verabscheuungswürdig. Ich wünsche ihm eine schnelle Genesung. Meine Gedanken sind auch bei den Personen, die bei dem Attentat in Mitleidenschaft gezogen wurden.“
Nach dem Angriff auf den republikanischen US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump hat Kanadas Regierungschef Justin Trudeau die Gewalt scharf verurteilt. Der Vorfall mache ihn wütend, schrieb Trudeau in der Nacht zum Sonntag bei X. „Es kann nicht genug betont werden: Politische Gewalt ist niemals akzeptabel.“ Seine Gedanken seien bei dem ehemaligen US-Präsidenten, den Teilnehmern der Veranstaltung und allen Amerikanern.
Nach der Attacke auf einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump hat Italiens rechte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni zu mehr Dialog aufgerufen. Ihre Solidarität und Wünsche für eine schnelle Genesung gingen an Trump - „in der Hoffnung, dass sich in den nächsten Monaten des Wahlkampfes Dialog und Verantwortung gegen Hass und Gewalt durchsetzen könnten“, schrieb Meloni in der Nacht zum Sonntag bei X.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat sich erschüttert gezeigt. „Sara und ich waren schockiert von der offensichtlichen Attacke auf Präsident Trump“, schrieb Netanjahu von sich und seiner Frau in der Nacht zum Sonntag bei X. „Wir beten für seine Sicherheit und schnelle Genesung.“
Der ehemalige Präsident Barack Obama wünscht Trump eine schnelle Genesung. "Es gibt absolut keinen Platz für politische Gewalt in unserer Demokratie", schreibt der Demokrat auf dem Kurznachrichtendienst X.
Chinas Staatschef Xi Jinping hat Donald Trump sein Beileid ausgesprochen. China sei „besorgt über die Schüsse auf den ehemaligen Präsidenten Trump“, hieß es in einer knappen Stellungnahme des Außenministeriums in Peking. Die Attacke auf den republikanischen US-Präsidentschaftsbewerber war auf Chinas sozialen Medien das dominierende Thema.

Beinahe genauso wenig Zeit verging, bis Anhänger des ehemaligen Präsidenten versuchten, die Schüsse politisch auszuschlachten. „Joe Biden hat den Befehl gegeben“, postete der republikanische Kongressabgeordnete Mike Collins aus Georgia auf X und verwies auf einen Satz, den das Staatsoberhaupt vor wenigen Tagen gesagt hatte. „Wir sind fertig damit, über die Debatte zu reden, es ist Zeit, Trump ins Visier zu nehmen zu nehmen“, soll Biden vor Spendern gesagt haben. Dies interpretieren mehrere Republikaner nun als Gewaltaufruf. „Jemand hat die Anweisung von Joe Biden befolgt“, schrieb etwa Trumps ehemaliger Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, auf X.

Auch J.D. Vance, Senator aus Ohio und einer der Favoriten auf die Vizepräsidentschaftsnominierung der GOP, äußerte sich ähnlich. „Dies ist kein isolierter Vorfall“, so Vance, ebenfalls auf X. Die zentrale Prämisse der Biden-Kampagne sei es, Trump als einen autoritären Faschisten darzustellen, der um jeden Preis gestoppt werden müsse. „Diese Rhetorik führte direkt zu Präsident Trumps versuchter Ermordung.“

Diese Reaktionen zeigen: Der Wahlkampf geht erbittert weiter. Am Montag begann in Milwaukee der Parteitag der Republikaner, auf dem Trump auch offiziell zum Kandidaten seiner Partei nominiert werden soll. An diesen Plänen habe sich nichts geändert, teilte die Kampagne mit. Donald Trump freue sich darauf.

Lesen Sie auch: Wer sind die Ökonomen, die Trumps wirtschaftspolitische Agenda entwerfen?

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