WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen
Benachrichtigung aktivieren
Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche informieren? Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft
Erlauben Sie www.wiwo.de, Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert
Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche auf dem Laufenden. Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Wiwo Web Push
Stelter strategisch
Kommt es bald zum Waffenstillstand im Handelskonflikt? Und wie würde sich das auf Europa auswirken? Quelle: imago images

So spielen Anleger den Waffenstillstand im Handelskrieg

Daniel Stelter Quelle: Presse
Daniel Stelter Unternehmensberater, Gründer Beyond the Obvious, Kolumnist Zur Kolumnen-Übersicht: Stelter strategisch

Der Handelskrieg der USA wird in einem Waffenstillstand enden. Daraus ergeben sich Chancen für Spekulanten. Was Anleger wissen sollten und wie sie darauf setzen können.

Diese Woche ist Europawahl. Theoretisch ein Thema für die Märkte, in der Praxis wohl nicht, dürfte sich doch unabhängig vom Ausgang der Wahlen an der Lage in Europa nichts ändern. Die Befürworter des „Weiter-so“ werden in der Mehrheit bleiben und damit auf eine Fortsetzung der Politik setzen, die versucht, die Probleme zu lösen, die sie zum Teil selbst verursacht hat. Weder am Brexit, der für die EU und vor allem Deutschland verheerend ist, noch an der Konkursverschleppungspolitik mit Blick auf die Euro-Zone wird sich etwas ändern.

Weiter Richtung Japan

Damit wird Europa – und vor allem die Eurozone – weiter in Richtung „japanisches Szenario“ laufen: deflationärer Druck, schwaches Wachstum, Zombies in Realwirtschaft und Bankensystem sowie rasante Überalterung der Gesellschaft. Und, wie ich schon öfter darlegte, dürfte es uns in diesem Fall nicht so gut ergehen wie den Japanern. Sie haben es nicht nur geschafft, ihr Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Erwerbstätigen seit 1999 um 20 Prozent zu steigern – Deutschland nur um 14 Prozent –, sondern verfügen auch über eine funktionsfähige Notenbank und eine homogene und leidensbereite Gesellschaft.

In der Eurozone haben wir es perspektivisch mit noch schlechterem Wachstum, zunehmenden politischen Spannungen – bis hin zum Szenario von Austritten aus der Euro-Zone – und einer Notenbank zu tun, die nicht so entschlossen handeln kann, wie jene der USA, dem britischen United Kingdom und eben Japans, weil ihre Handlungen immer eine Umverteilung zwischen Nationen bewirken.

All dies wissen nicht nur die regelmäßigen Leser dieser Kolumne, sondern auch die Finanzmärkte. Auch die Bürger Europas ahnen es, wie Umfragen zeigen, die vorige Woche erschienen. Immerhin halten es mehr als 50 Prozent der Befragten in Deutschland, Frankreich, Italien, Niederlande, Polen, Ungarn, Griechenland und Rumänien für sehr wahrscheinlich oder ziemlich wahrscheinlich, dass die "derzeitige Europäische Union in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren auseinanderfallen wird".

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe ist unter jene der zehnjährigen Anleihen des japanischen Staates gefallen. Bei beiden muss man für das Privileg, dem Staat Geld zu leihen, bezahlen. Nun könnte man meinen, dies sei ein Zeichen dafür, dass die Märkte sich vor den Wahlen in Europa fürchten. Ich denke das nicht. Die Märkte wissen um die Existenzrisiken von EU und Euro und sehen sie dennoch nicht als akut an – und schon gar nicht als abhängig von den Wahlen.

Harter Kurs im Handelskrieg?

Der Zinsrückgang bei uns dürfte mehr mit dem verschärften Handelskonflikt zwischen den USA und China zu tun haben. Die hiesige Konjunktur hängt faktisch an der Entwicklung in China, stand das Land in den vergangenen Jahren doch für mehr als 50 Prozent des Wachstums der Weltwirtschaft und ist der direkte und indirekte Treiber für unsere Exportwirtschaft. Fallen die Konjunkturindikatoren in China, fällt der Dax und die Zinsen sinken. Natürlich kommt dann die Sorge um die Euro-Zone hinzu, ist doch der Zusammenhalt noch gefährdeter, wenn Deutschland als Finanzanker wackelt.

Womit wir beim relevanten Thema für die Märkte wären: die weitere Entwicklung des Handelskrieges. Diese ist schwer einzuschätzen. Lange Zeit haben vor allem die US-Börsen so getan, als wäre von dieser Front nichts zu befürchten. Entspannungs-Tweets des US-Präsidenten hatten in der Tat bis vor wenigen Wochen noch auf eine rasche Einigung hingedeutet und die jüngste Eskalation kam deshalb überraschend. Trotz des bisherigen Rückgangs an den Börsen ist dieser noch so moderat, was darauf hindeutet, dass die Börsianer weiter auf ein baldiges Ende setzen.

Vorherzusagen, was Donald Trump macht, wage auch ich nicht. Im größeren Kontext und rationales Handeln vorausgesetzt, spricht durchaus einiges für einen weiterhin harten Kurs der USA. Zunächst muss man nüchtern feststellen, dass diese Politik nicht nur bei seinen Wählern hoch populär ist. Auch die oppositionellen Demokraten sind für eine härtere Gangart gegenüber China. Da ist zum einen die durchaus berechtigte Kritik an unfairen Wettbewerbsbedingungen und dem Diebstahl geistigen Eigentums. Andererseits ist es das Kleinhalten eines potenziellen Rivalen auf der weltpolitischen Ebene, solange man ihn noch kleinhalten kann.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Diesen Artikel teilen:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%