Ted Cruz schlägt Donald Trump in Iowa: Schlappe für den Lautsprecher
Donald Trump
US-Milliardär und Immobilienmagnat Donald Trump führt seit Monaten die nationalen Umfragen an. „Mein ganzes Leben habe ich gehört, dass eine wahrhaftig erfolgreiche Person, eine sehr erfolgreiche Person und sogar eine mäßig erfolgreiche Person nicht für ein öffentliches Amt kandidieren kann“, sagte der 69-Jährige Mitte 2015 zu seiner Kandidatur. Doch nur ein erfolgreicher Mensch könne die USA wieder großartig machen, erklärte er. Das Vermögen von Trump, der auch Star seiner eigenen Reality-TV-Show ist, soll rund neun Milliarden Dollar betragen.
Foto: REUTERSJeb Bush
Jeb Bush (63) will die Dynastie von Vater und Ex-Präsident George Bush Senior sowie Bruder und Ex-Präsident George W. Bush fortsetzen. Der ehemalige Gouverneur von Florida gilt als vergleichsweise moderat und kann dank seiner Kontakte wichtige Spender hinter sich versammeln. Im Wahlkampf agiert er bisher zögerlich; den hohen Erwartungen der gemäßigten Republikaner konnte er bislang nicht gerecht werden.
Foto: APBen Carson
Ben Carson (64) ist in Medizinerkreisen weltberühmt: Der Neurochirurg gilt als Pionier der operativen Trennung Siamesischer Zwillinge. Den ersten erfolgreichen Eingriff führte er 1987 an einem deutschen Brüderpaar aus Ulm durch. Der Afroamerikaner kommt aus sehr armen Verhältnissen und gilt als äußerst konservativer Tea-Party-Mann.
Foto: APMike Huckabee
Mike Huckabee (60) war bereits 2008 im Rennen und gewann sogar die erste Vorwahl in Iowa, musste später aber aufgeben. Seitdem tingelt der Baptistenprediger und Ex-Gouverneur von Arkansas durch die TV-Sender, etwa mit einer Talk-Show beim konservativen Sender Fox News. Er trifft vor allem den Nerv der religiösen Rechten. Nach der ersten für ihn glücklosen Vorwahl hat er seine Kampagne beendet.
Foto: REUTERSMarco Rubio
Marco Rubio (44) ist der Sohn kubanischer Einwanderer und buhlt daher vor allem um die wichtigen Stimmen der Latinos. Der Senator aus Florida fordert eine umfassende Einwanderungsreform und lehnt die Annäherung zwischen Havanna und Washington vehement ab. Mit Jeb Bush konkurriert er darum, die gemäßigten Republikaner hinter sich zu versammeln.
Foto: APTed Cruz
Ted Cruz (45) sitzt zwar erst seit 2013 im Senat, hat aber schon durch bizarre Aktionen von sich reden gemacht - etwa mit 20 Stunden Dauerreden, wobei er teils aus Kinderbüchern zitierte. Der Texaner ist Tea-Party-Mann: Gegen Abtreibung, Waffengesetze und gegen „Big Government“. Nachdem er die erste Vorwahl in Iowa gewonnen hatte, ist er der Hauptkonkurrent von Donald Trump um die republikanische Nominierung.
Foto: REUTERSRand Paul
Rand Paul (53) gilt als Querdenker und Außenseiter, der mit strikt libertäre Ansichten vor allem Tea-Party-Anhänger hinter sich hat. Das politische Credo des Senators aus Kentucky: Kleiner Staat, wenig Steuern, gegen militärische Interventionen. Er ist nach seinem schlechten Abschneiden in Iowa aus dem Rennen um die Präsidentschaft bereits ausgestiegen.
Foto: APJohn Kasich
Ohio, der Heimatstaat des 63-Jährigen, gilt als entscheidend für die US-Wahlen. Kein Republikaner ist je US-Präsident geworden, ohne den Staat zu gewinnen. Kasich gehört zur Fraktion der gemäßigten Republikaner und holte in New Hampshire überraschend den zweiten Platz hinter Donald Trump.
Foto: REUTERSRick Santorum
Rick Santorum gilt als vehementer Verfechter von konservativen Familienwerten. Der 57-Jährige versprach, sich in einer gewandelten Republikanischen Partei für Soziales einsetzen und für die Arbeiterklasse in den USA kämpfen zu wollen. Der frühere Senator von Pennsylvania war bei den Vorwahlen im Jahr 2012 hinter Mitt Romney auf Platz zwei gelandet. In diesem Jahr war er weniger erfolgreich und schied bereits nach der ersten Vorwahl in Iowa aus dem Rennen aus.
Foto: APHillary Clinton
Für die frühere First Lady und Außenministerin schien das Weiße Haus schon vor acht Jahren in Reichweite zu sein - doch dann kam ihr der junge und weitgehend unbekannte Barack Obama dazwischen. Die 67-jährige Demokratin hat reichlich Erfahrung, aber bislang keine überzeugende Botschaft. Im Moment kämpft die Demokratin mit Bernie Sanders um die Nominierung ihrer Partei.
Foto: APBernie Sanders
Bernie Sanders (74) will den Kampf gegen die „Maschinerie Clinton“ gewinnen. Der schroffe, weißhaarige Senator aus Vermont trägt den Titel „demokratischer Sozialist“ mit Stolz. Bei der ersten Vorwahl konnte sich Hillary Clinton nur knapp gegen ihn durchsetzen. In New Hampshire deklassierte er seine Konkurrentin und gewann haushoch mit 20 Prozentpunkten Vorsprung. Noch vor einigen Wochen schien undenkbar, dass Sanders der Kandidat der Demokraten wird, mittlerweile hat er gute Chancen.
Foto: REUTERSMartin O'Malley
Martin O'Malley (53) gilt als ausgesprochener Liberaler. Er ist für die Abschaffung der Todesstrafe, die Legalisierung der Homo-Ehe, die Erhöhung des Mindestlohns und strengere Waffengesetze. O'Malley war von 2007 bis 2015 Gouverneur von Maryland. Gegen Clinton und Sanders hatte er keine Chance, weshalb er seine Kampagne nach der ersten Vorwahl in Iowa beendete.
Foto: APMichael Bloomberg
Der frühere Bürgermeister von New York City spielt mit dem Gedanken als unabhängiger Kandidat bei der Präsidentschaftswahl anzutreten. Falls die Republikaner den Exzentriker Trump und die Demokraten den Linken Sanders ins Rennen schicken würden, räumt sich der 73-Jährige gute Chancen ein.
Foto: APMit einem Baukasten, bestehend aus knapp zehn Behauptungen, zimmerte Donald Trump bislang seine Wahlkampfreden zusammen. Darunter die absurde Aussage, Mexiko werde für eine Grenzmauer nach Amerika zahlen müssen. Und das Versprechen, Trump werde Jobs aus China zurückholen. Warum: Weil Trump – so der dritte seiner Gassenhauer – einfach der Größte sei. „Ich bin ein Gewinner“, sagte der 69-Jährige noch vor gut einer Woche bei einem Auftritt in Muscatine, Iowa.
Am Montagabend ist aus dem Gewinner ein Verlierer geworden. Wochenlang führte der Milliardär in allen Umfragen, zum Teil mit mehr als fünf Prozentpunkten Vorsprung. Doch unmittelbar vor der Wahl schwenkten tausende Wähler um. Vor allem konservative Unternehmer. In den wenigen Städten und Industriegebieten von Iowa entschied sich die Mehrheit für den Senator von Texas, Ted Cruz, und für den Senator von Florida, Marco Rubio. Donald Trump konnte im Endeffekt nur noch auf die ländliche Bevölkerung und die Evangelikalen im Osten Iowas setzen. Zu wenig.
Mit 28 Prozent der Wählerstimmen gewann Ted Cruz die Vorwahlen der Republikaner in Iowa. Donald Trump erreichte mit 24 Prozent der Stimmen – sieben Prozent weniger als die letzten Umfragen ihm prognostiziert hatten – den zweiten Platz. Mit nur 2500 Stimmen weniger landete Marco Rubio auf Rang drei.
Donald Trump versuchte, sich die Laune nicht verderben zu lassen. „Wir werden weitermachen, um die Nominierung zu gewinnen“, sagte Trump wenige Minuten, nachdem die Wahlergebnisse verkündet wurden, in Iowa. Er danke den Menschen, betonte er liebe den Bundesstaat: „Vielleicht kaufe ich sogar eine Farm hier“, sagte Trump und verließ schnell die Bühne.
Eine schrecklich mächtige Familie: Der versammelte Bush-Clan beim 90. Geburtstag des ehemaligen US-Präsidenten George H.W. Bush (Mitte). Bush Senior war von 1989 bis 1993 der 41. Präsident der USA. Er ist nicht der einzige US-Präsident a. D. auf dem Bild...
Foto: APDer Knurrer aus Texas: Der damalige US-Präsident George W. Bush 2006 in Washington. Die Amtszeit von George W. zwischen 2001 bis 2009 als 43. Präsident der Vereinigten Staaten wird in den USA kritisch gesehen. Der Irakkrieg wird sein größter Fehler bleiben. In letzter Zeit ist er eher durch impressionistische Malerei aufgefallen. Bald könnte er jedoch zum Königsmacher werden...
Foto: APDer ehemalige US-Gouverneur Jeb Bush auf Stippvisite in Berlin: Nach Ansicht von Experten könnte der Bruder des 43. US-Präsidenten (George W. Bush) und Sohn des 41. US-Präsidenten (George H. W. Bush) bald seine Präsidentschaftskandidatur für die Republikaner bekanntgegeben. Damit würde er ein Duell der Dynastien bei der Wahl zum 45. US-Präsidenten befeuern...
Foto: APJeb Bush würde dann womöglich gegen Hillary Rodham Clinton antreten, die für die Demokraten bereits auf Stimmenfang. Die ehemalige First Lady hat sich bereits als Außenministerin ihre politischen Tantiemen verdient. Als Nachfolgerin Obamas würde sie eine weitere US-Polit-Dynastie aus der Taufe heben: Möglicherweise wiederholt sich bald die Geschichte. In den USA könnte es zu einem weiteren Duell der Dynastien Bush und Clinton kommen. Zuletzt setzten sich die Clintons durch.
Foto: APDer US-Präsident a. D. und bald First Husband? Dann heißt es Clinton-Clan gegen Bush-Dynastie. Die Präsidentschaftswahl am 3. November 1992 entschied Bill Clinton mit 43 Prozent für sich. Der amtierende Präsidenten George H. W. Bush konnte lediglich 38 Prozent der Stimmen ergattern. Clinton-Clan gegen Bush-Dynastie
Foto: APDie Kennedy-Brüder John Fitzgerald Kennedy (JFK), Robert Kennedy und Edward Kennedy (v.l.) 1963: Der Kennedy-Clan ist ein ganz besonderes Beispiel für eine US-Polit-Dynastie. Eine Vielzahl von ungewöhnlichen Schicksalsschlägen traf die Familie und ihren Umkreis. Edward starb als einziger der Brüder eines natürlichen Todes. JFK kam indes unter mysteriösen Umständen um...
Foto: APAm 22. November 1963 wurde JFK auf einer Wahlkampfreise gegen 12:30 Uhr an der Dealey Plaza in Dallas, Texas mit mehreren Gewehrschüssen während einer Fahrt im offenen Wagen ermordet. Knapp eineinhalb Stunden nach dem Attentat wurde ein Verdächtiger namens Lee Harvey Oswald verhaftet und dann der Öffentlichkeit präsentiert. Er wurde in Polizeigewahrsam erschossen.
Foto: REUTERSNeben den prominenten Familien spielen auch in den einzelnen Bundestaaten Familien eine entscheidende Rolle: Zum Beispiel die Daleys in Illinois. William Daley gehörte als Spross der Daley dem Kabinett von Präsident Bill Clinton als Handelsminister (Secretary of Commerce) an und diente im Kabinett Obama von 2011 bis 2012 als Stabschef des Weißen Hauses.
Foto: REUTERSUS-Senator Tom Udall in Havana: Die Udall-Familie erlangte politische Prominenz in Arizona. Die gegenwärtige Generation entsendet jedoch drei Udall-Cousins aus den Bundesstaaten Colorado, New Mexico und Oregon in den US-Senat.
Foto: AP„Iowa hat gesprochen. Und die Botschaft ist, dass der nächste Präsidentschaftskandidat der Republikaner nicht vom Establishment in Washington bestimmt wird, sondern von den Bürgerinngen und Bürgern“, freute sich Cruz, der mit einer Dauerrede gegen die Gesundheitsreform von Barack Obama einst zum Helden der Radikalen wurde.
Auch der Dritte der Iowa-Wahl, Marco Rubio, hatte allen Grund zum Jubeln. Der Senator von Florida kann sich nun Hoffnungen machen, der Kandidat des Parteiestablishments und der Moderaten zu werden – und damit zu einer ernsten Gefahr für Cruz und speziell auch für Trump. Der liegt in New Hampshire und South Carolina, wo die nächsten Vorwahlen stattfinden, laut Umfragen deutlich vorne. Doch das große Geld und wohl auch die republikanische Partei werden sich nun hinter Marco Rubio versammeln und die Angriffe auf Donald Trump ausweiten.
Der 69-Jährige sieht dem – jedenfalls öffentlich – gelassen entgegen. „Ich werde vor den Hauptwahlen im Herbst als Präsidentschaftsbewerber wieder nach Iowa kommen – und dann werden wir Hillary Clinton oder Bernie Sanders schlagen“, rief der Immobilienmogul aus New York City seinen Anhängern zu.
Wer für die Demokraten antritt, ist derzeit offener denn je. Die Vorwahl in Iowa wurde zu einem Fotofinish. Den ganzen Abend lag Hillary Clinton vor ihrem großen Rivalen, Bernie Sanders aus Vermont. Doch je später der Abend, desto geringer wurde der Vorsprung.
Gerade einmal 0,3 Prozentpunkte betrog der Vorsprung von Hillary Clinton zum Schluss. Mit 49,9 Prozent der Stimmen holte sie sich den wichtigen Sieg in dem kleinen Bundesstaat im Mittleren Westen. Nahezu unbedeutend mit Blick auf den Nominierungsparteitag – aber von großer symbolischer Bedeutung. Clinton, die 2008 überraschend dem damals weitgehend unbekannten Barack Obama unterlag, fiel in dem Rennen damals zurück. Ihr Sieg heute: eine große Erleichterung.
„Was für ein Abend“, sagte Clinton und atmete einmal tief durch. „Wie werden ins Weiße Haus einziehen und die Rechte der Frauen und Arbeiter verteidigen, die Rechte der Homosexuellen und Einwanderer“, zeigte sie sich fortan kämpferisch und siegessicher.
Wie an jedem Wahlabend sahen sich freilich beide Kontrahenten als Sieger. Bernie Sanders, den vor einem halben Jahr keiner auf der Rechnung hatte und dem niemand realistische Chancen gegen Clinton eingeräumt hätte, ist plötzlich auf Augenhöhe mit der ehemaligen Außenministerin. Mit seiner System- und Bankenkritik hat er vor allem junge Wähler begeistert und auf seine Seite gezogen. „Die Leute sind schockiert, dass die Mittelklasse schrumpft“, glaubt Sanders. Das reichste ein Prozent der Bürger würde immer reicher, während der normale US-Amerikaner immer weniger im Portemonnaie habe. Diese Kritik werde er weiter vorantreiben, versprach Sanders.
Der Verweis auf den Kampf für den kleinen Mann gehört freilich auch zum Repertoire von Donald Trump. Anders als Bernie Sanders aber schaffte es der Milliardär nicht, den Frust der Massen in Wählerstimmen umzumünzen. Zumindest nicht in Iowa.