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Trump in DavosDie Angst vor dem Handelskrieg

Mit neuen Zöllen und markigen Ankündigungen seines Handelsministers schürt US-Präsident Donald Trump Verunsicherung in Partnerländern. Die Wirtschaftsführer hoffen auf ein europäisches Gegengewicht. Zu Recht?Sven Prange 25.01.2018 - 14:06 Uhr

US-Finanzminister Steven Mnuchin ist an diesem Tag in Davos aufgestanden, um für seinen Präsidenten ein einigermaßen erträgliches Willkommen vorzubereiten. Die Stimmung unter den 3000 Teilnehmern beim Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums, darunter etwa 70 Staats- und Regierungschefs, war in Erwartung Trumps noch deutlich kälter als die Außentemperaturen.

Mnuchin mühte sich, seinem Chef zu dienen. Als die Air Force One noch gen Europa schwebte, war Mnuchin schon beim Wirtschaftssender CNBC zu sehen, um Ängste vor einem Handelskrieg zu nehmen.

Als der Präsident in Zürich aus dem Flieger in einen Helikopter umstieg, um in die Berge zu gelangen, saß Mnuchin zwischen der Trump-skeptischen IWF-Chefin Christine Lagarde und dem Trump-kritischen Blackrock-Chef Larry Fink. So eingekeilt versuchte er, den Ton gegenüber der Welt zu mäßigen. Allein: Es wollte so recht nicht funktionieren.

Unter den Teilnehmern des Weltwirtschaftsforums gibt es grob gesagt zwei Gruppen: Eine, meist Europäer, die Trump nicht mag und das offen sagt. Und eine, meist Amerikaner, die Trump nicht mag, das aber aus nachvollziehbaren Gründen nicht so offen sagt. Beide Gruppen finden: Die erste Hälfte dieser Woche, die Trump mit einer Rede vor dem Weltwirtschaftsforum beenden will, hat wenig zur Entspannung beigetragen.

Da war etwa Anfang der Woche der Entscheid der US-Regierung, Zölle auf Weiße Ware und Solarpanele zu erheben; das ist eindeutig gegen China gerichtet. Da ist der schwache Dollarkurs, der von Finanzminister Mnuchin ausdrücklich begrüßt wurde, was viele Manager und Politiker für den ersten Schritt in einen Währungskrieg sehen. Da ist die Aussage von Trumps Handelsminister Wilbur Ross, der den Europäern ob ihrer Plädoyers für freien Handel „Scheinheiligkeit“ vorwarf.

Seitdem steht ein Verdacht im Raum: Die US-Regierung will ihren langen Ankündigungen, das System eines freien Welthandels durch eine Vielzahl bilateraler Handelsabkommen zu ersetzen, nun auch Taten folgen lassen. „Bisher“, sagt ein deutscher Manager, „haben sie ja nur gebellt. Wenn sie jetzt auch beißen, könnte es mit der guten Stimmung in der Weltwirtschaft schnell vorbei sein.“

Wem nützt der schwache Dollar?

Da ist etwa die Sache mit dem Dollar. Dessen Kurs fällt und fällt gegenüber wichtigen anderen Währungen. Es gibt dafür gute Gründe. „Europas Wirtschaft ist in so guter Verfassung, wie die US-Wirtschaft eben noch nicht ist“, sagt etwa Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock. „Da ist es nicht verwunderlich, dass der Euro gegenüber dem Dollar stärker wird. Das wird sich auch wieder ändern, wenn das Vertrauen in die Kraft der US-Wirtschaft wieder wächst. Und das wird es.“ Dem ist eigentlich nicht zu widersprechen. Wenn da nicht eine Aussage des US-Finanzministers von Mittwoch wäre, dass so ein schwacher Dollar gar nicht so schlecht wäre.

Seitdem rätselt die Wirtschaftswelt: Wenden sich die USA von ihrem Paradigma ab, dass der Dollar per se keine schwache Währung sein darf? Die Antwort darauf ist von kaum zu unterschätzender Bedeutung. Denn sie hat Auswirkungen auf alle Volkswirtschaften.

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Vereinfacht ausgedrückt: Bleibt der Dollar schwach, werden US-Produkte in aller Welt günstiger. Verbraucher kaufen sie dann eher als Produkte aus anderen Ländern, was deren Wirtschaft träfe. In China, aber auch in Europa, fürchtet man deswegen einen Währungskrieg, der nur die andere Seite der Medaille Handelskrieg wäre.

Wie ernst meint Mnuchin seine Äußerungen also? „Ich habe meine Sicht auf den Dollar nicht geändert“, sagt er. „Aber es kann schon sein, dass frühere Finanzminister das anders gesehen hätten.“ Natürlich, auch er wolle langfristig einen Dollar, dem die Welt vertraue, und der die wirkliche Kraft der US-Wirtschaft widerspiegele. „Wo der Dollar aber kurzfristig steht, das ist nicht mein Haupt-Interesse.“ Es bleibt also vage.

US-Präsident Donald Trump

Donald Trump ist der erste US-Präsident seit Bill Clinton, der es zum Weltwirtschaftsforum nach Davos schafft. Nach offizieller Ankündigung will Trump während seines Aufenthalts in Davos am Donnerstag und Freitag mit mindestens vier Personen persönlich sprechen, darunter die britische Premierministerin Theresa May und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Trump wird auch eine besondere Ehre zuteil: Er darf die Abschlussrede halten. Und das, obwohl er kurz vor der Abreise in die Schweiz Verträge unterschrieb, die dem Geist des Treffens konträr entgegen stehen.

Foto: AP

Angela Merkel

Angela Merkel reist ebenso wie viele andere Spitzenpolitiker nach Davos, zurzeit aber nur als geschäftsführende Bundeskanzlerin. Auf Donald Trump wird sie in der Schweiz voraussichtlich nicht treffen: Zwar reist der US-Präsident nun doch schon früher an, dürfte Merkel aber knapp verpassen.

Foto: AP

Bill Gates

Der Microsoft-Gründer Bill Gates ist einer der Redner beim Weltwirtschaftsforum. Zusammen mit Mark Zuckerberg, Gründer und Facebook-CEO, hat er eine Leseliste zum Wirtschaftstreffen herausgegeben. Darauf findet sich unter anderem „Gewalt: Eine Geschichte der Menschheit“ vom amerikanischen Psychologen Steven Pinker, das die Entwicklung des menschlichen Hangs zu Gewalt beschreibt.

Foto: Reuters

Theresa May

Die britische Premierministerin kommt auch: Im Gegensatz zu Angela Merkel trifft sie sich in Davos mit US-Präsident Donald Trump. Auch anwesend bei diesem Treffen ist Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.

Foto: dpa

Elton John

Der preisgekrönte Musiker vertritt in Davos besonders die von ihm gegründete Aids-Foundation. Anfang der 90er-Jahre rückte er das Thema HIV verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit und sammelte mit seinen beiden Wohltätigkeitsstiftungen über 385 Millionen Dollar ein, um Menschen zu helfen, die an HIV/Aids erkrankt sind.

Foto: AP

Emmanuel Macron

Der französische Präsident erfreut sich zurzeit sehr guter Umfragewerte. In Davos setzt er sich damit von den Kollegen aus Deutschland oder den USA ab. Am „Europa-Tag“ Mittwoch trifft er außerdem mit den Staatsoberhäuptern aus Deutschland, Italien und Spanien zusammen.

Foto: AP

König Felipe VI. von Spanien

Der spanische König wird sich beim Weltwirtschaftsforum mit internationalen Spitzenpolitikern und Vertretern der Wirtschaft treffen. In Katalonien hat der Monarch im Moment keinen guten Stand: Viele Katalanen hatten im vorgeworfen, im Konflikt um die Unabhängigkeit der spanischen Region sich auf die Seite des spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy gestellt zu haben.

Foto: dpa

Justin Trudeau

Der kanadische Premier redete sich in Davos in Rage: Vor allem ging es dabei um globale Probleme, die die in der Schweiz versammelten Eliten ignorierten, darunter die Förderung von Frauen und Minderheiten im Arbeitsleben.

Foto: REUTERS

Alexis Tsipras

Der griechische Premier hält sich drei Tage in der Schweiz auf. Seine zentralen Themen sind die Wirtschaft Griechenlands und die Namensfrage um das Nachbarland Mazedonien.

Foto: REUTERS

Carlos Ghosn

Der CEO der japanisch-französischen Autoallianz Renault-Nissan-Mitsubishi ist der einzige Vertreter der Automobilbranche auf dem Wirtschaftstreffen. Die Autogruppe profilierte sich in jüngster Zeit besonders durch ihren Vorsprung in der Entwicklung nachhaltiger Fahrzeuge.

Foto: REUTERS

Narendra Modi

In Davos setzte sich der indische Premierminister in seiner Rede für den Freihandel ein: „Abschottung ist keine Lösung“.

Foto: REUTERS

Erna Solberg

Wie für Davos üblich, packt auch die norwegische Ministerpräsidentin Solberg ein wichtiges internationales Thema auf den Tisch: Beim Klimawandel müssten endlich alle Staaten ihren Beitrag leisten. Der Appell richtete sich besonders an Donald Trump und die USA.

Foto: dpa

Khalid al-Falih

Auch der saudische Ölminister Khalid al-Falih, reist zum Weltwirtschaftsforum. Saudi-Arabien möchte sich wegen der sinkenden Ölpreise unabhängiger vom Rohstoff machen. Deswegen wurde der Benzinpreis erhöht und eine Mehrwertsteuer eingeführt. Ein Novum in dem arabischen Land.

Foto: REUTERS

Al Gore

Al Gore war Bill Clintons US-Vizepräsident. Der Friedensnobelpreisträger und Umweltschützer rückt bei seinem Auftritt in Davos besonders den Umweltschutz in den Fokus. Er wünscht sich einen ehrgeizigeren Kampf gegen die Erderwärmung.

Foto: REUTERS

Mateusz Morawiecki

Der polnische Premier gibt sein Debüt beim Weltwirtschaftsforum. Er nimmt an einer Diskussion mit dem Titel „Europa: Zwischen Vision und Dilemma“ teil.

Foto: dpa

Ursula von der Leyen

Aus Deutschland kommt auch Verteidigungsministerin von der Leyen in die Schweiz. Besonders viel verspricht sie sich von Angela Merkels Rede am Mittwochnachmittag.

Foto: dpa

Shah Rukh Khan

Der indische Bollywood-Schauspieler wurde in Davos am Montagabend bereits mit einer besonderen Ehre überrascht: Neben Elton John und Cate Blanchett erhielt auch er den Chrystal Award für seine wohltätige Arbeit mit Menschen, die Opfer von Säureattacken wurden.

Foto: AP

Jens Spahn

Zusammen mit Kanzlerin Merkel reiste auch CDU-Staatssekretär Jens Spahn in Davos an. Vielerorts wird er als ein künftiger möglicher Nachfolger für das Kanzleramt gehandelt.

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Cate Blanchett

Die australische Schauspielerin Cate Blanchett wird in Davos für ihren Einsatz für Flüchtlinge geehrt. Jedes Jahr würdigt das Weltwirtschaftsforum gesellschaftliche Vorbilder.

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Jean-Claude Juncker

Der Präsident der EU-Komission war zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder als Gast für Davos eingeplant. Auf dem Weltwirtschaftstreffen wollte er vor allem die Rolle der EU als Verfechterin einer kooperativen Weltordnung herausstellen. Am Mittwoch wurde jedoch überraschend bekannt, dass Juncker nicht nach Davos kommen wird.

Foto: AP

Steven Mnuchin

Der US-Politiker wurde nach seiner Zeit bei der US-Investmentbank Goldman Sachs Finanzminister der Vereinigten Staaten. In Davos zeigt er sich unbesorgt über den schwachen Dollar: Dieser sei gut für die US-Wirtschaft.

Foto: AP

Paul Achleitner

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank, reist zum Gipfeltreffen der Weltwirtschaft in die Schweiz. Er vertritt dort auch Deutsche-Bank-Chef John Cryan. Dieser fährt überraschend nicht nach Davos.

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Cecilia Malmström

Die aus Schweden stammende EU-Kommissarin für Handel spricht in Davos über die Auswirkungen populistischer Strömungen für internationale Handelsabkommen. Nach der Wahl Donald Trumps musste sie dem Scheitern des von ihr verhandelten europäisch-US-amerikanischen Freihandelsabkommens TTIP zusehen.

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Christine Lagarde

Die Französin ist geschäftsführende Direktorin des internationalen Währungsfonds und die erste Frau in diesem Amt. Zentrales Thema ihrer Reden: soziale und wirtschaftliche Ungleichheit.

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Jack Ma

Der Chinese ist Gründer und Vorstandsvorsitzender der Alibaba Group, dem größten IT-Handelsunternehmen Chinas. In Davos möchte er eine Initiative starten, um Klein- und mittelständischen Unternehmen den Weg in den Onlinehandel zu eröffnen.

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Fürst Albert von Monaco

Auch der Adel lässt sich das Weltwirtschaftsforum nicht entgehen: Fürst Albert von Monaco reist ebenfalls nach Davos. Neben seinem Amt setzt er sich auch gegen die Jagd von Walen ein.

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Philip Hammond

Der ehemalige Außenminister des Vereinigten Königreichs ist seit Juli 2016 Schatzkanzler. Das Mitglied der Conservative Party bildet zusammen mit Premierministerin Theresa May die Vertretung Britanniens in Davos.

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Stephen Schwarzman

Der CEO der Investmentfirma Blackstone schlägt sich auf die Seite von Donald Trump in Davos: Im Handelsstreit zwischen China und den USA verteidigt er die Strafzölle.

Foto: REUTERS

Andrzej Duda

Andrzej Duda ist seit 2015 Präsident Polens. Nachdem er sich zuerst im Sommert 2017 gegen die Justizreformen der rechtskonservativen polnischen Regierung gestellt hatte, unterzeichnete er Ende Dezember 2017 doch die entsprechenden Gesetze. Dadurch hat die Regierung nun mehr Einfluss auf die Besetzung von Richterstellen. Die EU hat daraufhin ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Polen eingeleitet.

Foto: AP

Satya Nadella

Seit 2014 ist der Inder CEO von Microsoft. In Davos spricht er über künstliche Intelligenz und die Verantwortung, die führende Unternehmen wie Microsoft bei dieser Thematik übernehmen werden.

Foto: REUTERS

Antonio Guterres

Der UN-Generalsekretär spricht wenige Tage vor dem Weltwirtschaftsforum in Mesetas (Kolumbien) zu Journalisten und wird ebenfalls in Davos dabei sein. Der ehemalige Premierminister Portugals ist heute ein Advokat für Friedensprozesse und Flüchtlingshilfe.

Foto: dpa

Kenneth Rogoff

Beim Weltwirtschaftsforum sorgt der Harvard-Wirtschaftsprofessor für ungemütliche Stimmung. Zusammen mit anderen Ökonomen warnt er vor einer neuen Finanzkrise in den USA. Diese sei nur noch eine Frage der Zeit.

Foto: REUTERS

Robert Shiller

Wie sein Harvard-Kollege spricht auch der Yale-Ökonom Robert Shiller in Davos einige Warnungen aus: Donald Trump und der zunehmende Protektionismus könnten zu einer Bedrohung für die US-Wirtschaft werden.

Foto: AP

Sundar Pichai

Google-Chef Sundar Pichai gilt als unscheinbarer Branchenprimus. Ein Thema, das auch in Davos zur Sprache kommen wird, ist künstliche Intelligenz.

Foto: AP

Michael Corbat

Michael Corbat ist seit 2012 CEO der Citigroup und fährt ebenfalls nach Davos. Die Bank musste zuletzt durch die US-Steuerreform im vierten Quartal 2017 Verluste von mehr als 18 Milliarden US-Dollar verkraften. Die Aktie stieg trotzdem um drei Prozent: Die Anleger hatten sich schon auf die Verluste eingestellt.

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Joseph Stiglitz

Der Wirtschaftsnobelpreis-Träger ist Professor an der Columbia-Universität in New York. In Davos übt er scharfe Kritik an der Präsidentschaft Donald Trumps.

Foto: WirtschaftsWoche

Axel A. Weber

Der Vorsitzende der UBS-Bank kritisierte die Stimmung in Davos im letzten Jahr als zu düster. Vieler seiner Ökonomen-Kollegen zeigen sich jedoch auch in diesem Jahr eher pessimistisch.

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Frank Appel

Der Vorstandsvorsitzende von Deutsche-Post-DHL nutzt das Treffen in Davos, um sich mit anderen Wirtschaftsbossen und Politikern auszutauschen. Die Post konnte zuletzt durch den wachsenden Onlinehandelh einmal eine Steigerung beim Paket-Geschäft erreichen: Im Schnitt beförderte sie in der Weihnachtszeit rund acht Millionen Pakete am Tag.

Foto: REUTERS

Larry Fink

Als Wirtschaftsvertreter reist Larry Fink, Vorstandvorsitzender der Fondsgesellschaft Blackrock, nach Davos. Dort kann er auch für seine Forderung nach mehr Transparenz werben. In einem offenen Brief hatte er von deutschen Managern gefordert langfristiger zu denken und ihre Entscheidungen transparenter darzulegen. Es gehe nicht nur um Gewinne, sondern auch welchen Beitrag die Unternehmen für die Gesellschaft leisten.

Foto: REUTERS

Jim Hagemann Snabe

Der dänische Manager war Vorstandssprecher bei SAP, bevor er dort in den Aufsichtsrat wechselte. Der Digitalisierungsexperte soll Ende Januar zudem zum Chefaufseher bei Siemens gewählt werden.

Foto: dpa

Ulrich Spiesshofer

Der deutsch-schweizerische Manager ist CEO des Schweizer Industriekonzerns ABB. Auf dem Weltwirtschaftsforum ist er schon lange Stammgast.

Foto: AP

Wie ernst sind die Zoll-Drohungen?

Und die Frage des Protektionismus? Da wiederholt Mnuchin, was die US-Regierung seit Monaten sagt: „Wir wollen den freien Handel nicht abwürgen, wir wollen ihn nur für die USA fairer machen.“ Am Ende sei man als US-Regierung eben dem amerikanischen Arbeiter verpflichtet. Und der habe nun mal nur etwas von Handelsregelungen, von denen die USA profitieren.

Blackrock-Chef Fink versucht noch, dem ganzen etwas Positives abzugewinnen, indem er sagt: „Das jetzige internationale Handelsregime wurde nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet, als man noch dachte, Amerika geht es gut, wenn es allen Ländern gut geht. Dass man sich diese Regeln heute nochmal anschauen kann, ist nicht falsch.“ Das dürfe aber nicht dazu führen, Handel zu unterbinden.

Deutlich klarer ist da IWF-Chefin Lagarde. „Der freie Handel wächst international gerade stärker als die Weltwirtschaft. Alles, was den Handel einschränkt, ist deswegen eine Gefahr“, sagt sie. „Natürlich muss der Handel gut geregelt werden, aber das ist auch so möglich, dass er fair ist.“ Und die jüngsten Zölle der US-Regierung, Madame Lagarde? „Wer soll schon übereinstimmen mit Mitteln, die den Handel einschränken?“

Was allerdings auch vielen Managern klar ist: Auf China, das sich im vergangenen Jahr als Wortführer für einen freien Welthandel gerierte, ist in dieser Diskussion nicht zu zählen. Zum einen, weil die chinesische Regierung auf Trumps Schritt reagieren wird. „Der Druck in der chinesischen Bevölkerung wächst, Gegenmaßnahmen zu verkünden“, sagt die chinesisch-stämmige Ökonomin Jin Kyu aus Los Angeles. Zum anderen, weil China per se, wie auch viele deutsche Manager mittlerweile offen einräumen, eine Politik des „China First“ in Handelsfragen durchsetzt.

Und Europa?

Also richten sich die Blicke gen Europa. Neben der französischen IWF-Chefin betonen auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, wie sehr sie für Freihandel eintreten. Das Problem ist nur: So richtig ist den Europäern bisher kein wirksames Gegenmittel eingefallen. Es bleibt bei Appellen. Ideen, was man Trumps Truppe entgegensetzen könnte? Sie bleiben vage.

Zumal freier Handel, das betonen in Davos viele, in diversen europäischen Gesellschaften auch nicht zwingend mehrheitsfähig ist. „Deswegen“, nimmt Lagarde auch Manager in die Pflicht, „müssen wir für eine Wirtschaft sorgen, die mehr Menschen einbezieht. Unternehmen, die vom freien Handel profitieren wollen, müssen auch dafür sorgen, dass alle in einer Gesellschaft an diesen Profiten teilhaben können.“

So macht sich eine gewisse Ratlosigkeit breit in Davos, in welche Richtung sich die Debatte entwickelt. Viele hoffen, dass ein Empfang von Präsident Trump mit europäischen Unternehmenschefs am Donnerstagabend Klarheit bringt. Oder spätestens seine Rede am Freitag.

Ob die viel Anlass für Optimismus geben wird? „Der Präsident macht alle Änderungen an seiner Rede selbst“, sagt Mnuchin. „Sie wird ganz von seinen Gedanken getrieben.“ Viele in Davos empfinden das als Drohung.

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