Trump in Davos Die Angst vor dem Handelskrieg

Mit neuen Zöllen und markigen Ankündigungen seines Handelsministers schürt US-Präsident Donald Trump Verunsicherung in Partnerländern. Die Wirtschaftsführer hoffen auf ein europäisches Gegengewicht. Zu Recht?

US-Finanzminister Steven Mnuchin ist an diesem Tag in Davos aufgestanden, um für seinen Präsidenten ein einigermaßen erträgliches Willkommen vorzubereiten. Die Stimmung unter den 3000 Teilnehmern beim Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums, darunter etwa 70 Staats- und Regierungschefs, war in Erwartung Trumps noch deutlich kälter als die Außentemperaturen.

Mnuchin mühte sich, seinem Chef zu dienen. Als die Air Force One noch gen Europa schwebte, war Mnuchin schon beim Wirtschaftssender CNBC zu sehen, um Ängste vor einem Handelskrieg zu nehmen.

Als der Präsident in Zürich aus dem Flieger in einen Helikopter umstieg, um in die Berge zu gelangen, saß Mnuchin zwischen der Trump-skeptischen IWF-Chefin Christine Lagarde und dem Trump-kritischen Blackrock-Chef Larry Fink. So eingekeilt versuchte er, den Ton gegenüber der Welt zu mäßigen. Allein: Es wollte so recht nicht funktionieren.

Unter den Teilnehmern des Weltwirtschaftsforums gibt es grob gesagt zwei Gruppen: Eine, meist Europäer, die Trump nicht mag und das offen sagt. Und eine, meist Amerikaner, die Trump nicht mag, das aber aus nachvollziehbaren Gründen nicht so offen sagt. Beide Gruppen finden: Die erste Hälfte dieser Woche, die Trump mit einer Rede vor dem Weltwirtschaftsforum beenden will, hat wenig zur Entspannung beigetragen.

Da war etwa Anfang der Woche der Entscheid der US-Regierung, Zölle auf Weiße Ware und Solarpanele zu erheben; das ist eindeutig gegen China gerichtet. Da ist der schwache Dollarkurs, der von Finanzminister Mnuchin ausdrücklich begrüßt wurde, was viele Manager und Politiker für den ersten Schritt in einen Währungskrieg sehen. Da ist die Aussage von Trumps Handelsminister Wilbur Ross, der den Europäern ob ihrer Plädoyers für freien Handel „Scheinheiligkeit“ vorwarf.

Seitdem steht ein Verdacht im Raum: Die US-Regierung will ihren langen Ankündigungen, das System eines freien Welthandels durch eine Vielzahl bilateraler Handelsabkommen zu ersetzen, nun auch Taten folgen lassen. „Bisher“, sagt ein deutscher Manager, „haben sie ja nur gebellt. Wenn sie jetzt auch beißen, könnte es mit der guten Stimmung in der Weltwirtschaft schnell vorbei sein.“

Wem nützt der schwache Dollar?

Da ist etwa die Sache mit dem Dollar. Dessen Kurs fällt und fällt gegenüber wichtigen anderen Währungen. Es gibt dafür gute Gründe. „Europas Wirtschaft ist in so guter Verfassung, wie die US-Wirtschaft eben noch nicht ist“, sagt etwa Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock. „Da ist es nicht verwunderlich, dass der Euro gegenüber dem Dollar stärker wird. Das wird sich auch wieder ändern, wenn das Vertrauen in die Kraft der US-Wirtschaft wieder wächst. Und das wird es.“ Dem ist eigentlich nicht zu widersprechen. Wenn da nicht eine Aussage des US-Finanzministers von Mittwoch wäre, dass so ein schwacher Dollar gar nicht so schlecht wäre.

Seitdem rätselt die Wirtschaftswelt: Wenden sich die USA von ihrem Paradigma ab, dass der Dollar per se keine schwache Währung sein darf? Die Antwort darauf ist von kaum zu unterschätzender Bedeutung. Denn sie hat Auswirkungen auf alle Volkswirtschaften.

Vereinfacht ausgedrückt: Bleibt der Dollar schwach, werden US-Produkte in aller Welt günstiger. Verbraucher kaufen sie dann eher als Produkte aus anderen Ländern, was deren Wirtschaft träfe. In China, aber auch in Europa, fürchtet man deswegen einen Währungskrieg, der nur die andere Seite der Medaille Handelskrieg wäre.

Wie ernst meint Mnuchin seine Äußerungen also? „Ich habe meine Sicht auf den Dollar nicht geändert“, sagt er. „Aber es kann schon sein, dass frühere Finanzminister das anders gesehen hätten.“ Natürlich, auch er wolle langfristig einen Dollar, dem die Welt vertraue, und der die wirkliche Kraft der US-Wirtschaft widerspiegele. „Wo der Dollar aber kurzfristig steht, das ist nicht mein Haupt-Interesse.“ Es bleibt also vage.

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