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Merkel, Macron und Gentiloni Drei Wege, wie Europa Trump die Stirn bieten will

Der französische Präsident Emmanuel Macron spricht bei einer Podiumsdiskussion des Weltwirtschaftsforums in Davos. Quelle: dpa

Europa entdeckt sein Selbstbewusstsein neu. Nachdem sich US-Minister beim Weltwirtschaftsforum in Davos danebenbenehmen, fühlen sich die Europäer provoziert. Vor allem Frankreichs Präsident Macron trumpft auf.

Und dann liefert er auch noch. Spätestens seitdem Frankreichs Präsident Emmanuel Macron Anfang der Woche Konzernchefs aus aller Welt empfing, um sie von seiner Wirtschaftspolitik zu überzeugen, wächst die Fangemeinde des jungen Staatsoberhaupts.

„Sehr in den Details“; „voller guter Ideen“; „ein echter Glanzpunkt Europas“, schwärmen Einige, die dabei waren. Sie berichten von der Hoffnung, die sie mit Macron verbinden. Die Hoffnung, dass Europa in einer Welt des zunehmenden Egoismus ein Licht der liberalen Werte bleibt. Gleichzeitig waren die Teilnehmer der diskreten Runde von Montag unsicher: Würde sich dieser Macron auch trauen, offen für seine Überzeugungen einzutreten? Und damit ein Stück weit auch seinen großen inhaltlichen Gegenspieler in der Welt zu ärgern: US-Präsident Donald Trump. Seit Mittwochabend muss man sagen: Er traut sich.

Es ist 17.30 Uhr, jeder Platz im großen Saal des Kongresszentrums in Davos ist besetzt. Konzernlenker und Abgeordnete internationaler Organisationen drängen sich um Plätze wie Fans einer Boygroup. Dann legt Macron los. Man schämt sich als kritischer Beobachter fast, es zu schreiben, aber: voller Energie, voller Ideen, voller Tatendrang.

„Wir brauchen doch wieder Ambitionen“, ruft Frankreichs Präsident den 3000 Teilnehmern des Davoser Wirtschaftsgipfels zu. Er lässt keine Zweifel offen, wen er für diese Ambitionen verantwortlich sieht. Abfedern der Folgen der Digitalisierung? Überwindung der sozialen Spaltung? Ausbau des Freihandels? Stärkung Europas? All das traut sich Macron, der seine Redezeit weit überzieht, zu. Und er unterlegt (fast) alles auch noch mit konkreten Ideen.

Macron wirkt auch deshalb so vital, weil er an diesem Mittwoch im direkten Vergleich mit anderen Regierungschefs Europas steht. Vor ihm haben bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel und Italiens Premier Paolo Gentiloni in Davos gesprochen. Sie blieben blass.

Doch auch sie argumentierten in eine ähnliche Richtung wie Macron. Nun, zwei Tage bevor Donald Trump in Davos auftritt, kristallisiert sich heraus: Europa hat nicht vor, sich von einem irrlichternden US-Präsidenten die internationale Zusammenarbeit disruptieren zu lassen.

Wie nötig das ist, zeigt ein Auftritt von zwei US-Ministern in Davos. Es gebe „viel Freihandelsrhetorik von Ländern, die ziemlich protektionistisch handeln“, sagte Wilbur Ross. Der Handelsminister wirft Trumps Kritikern in Europa „Scheinheiligkeit“ vor. Finanzminister Steven Mnuchin ergänzt: „Handelskriege werden jeden Tag geführt. Der Unterschied ist, dass die US-Truppen jetzt an den Festungswall kommen.“ Die Hoffnung, dass Trump in Davos gemäßigt auftreten werde, ließ Mnuchin schon mal unfreiwillig sterben. „Der Präsident macht alle Änderungen an seiner Rede selbst“, sagt Mnuchin. „Sie wird ganz von seinen Gedanken getrieben.“

Wer die Auftritte Merkels, Macrons und Gentiloni zusammenfasst, der erkennt drei Wege, wie sich Europa diesem Furor Trumps entgegenstellen möchte.

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