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US-Wahlen 2024Jetzt überholt Trump Biden auch noch bei den Spendern

Trumps Wahlkampfteam überholt die Biden-Kampagne nun auch finanziell. Doch in den Zahlen verstecken sich für US-Präsiden Biden auch gute Nachrichten. Reicht das, um ihm die Nominierung zu retten?Julian Heißler 03.07.2024 - 09:52 Uhr

Trump nimmt sammelt im April und Mai mehr Spenden als Biden für seinen Wahlkampf

Foto: REUTERS

Gute Nachrichten sind derzeit selten für Joe Biden. Seit dem desaströsen Auftritt des US-Präsidenten bei der TV-Debatte gegen Donald Trump in der vergangenen Woche, steht der 81-Jährige in der Kritik. Einflussreiche Kommentatoren wenden sich von ihm ab, zuletzt meldeten erste Parteifreunde auch öffentlich Zweifel daran an, ob Biden wirklich im August zum Kandidaten der Demokraten bestimmt werden sollte. Deshalb dürfte die Erleichterung in der Wahlkampfzentrale groß gewesen sein, als das Team die neuen Spendenzahlen veröffentlichen konnte. Den diese geben der Kampagne etwas, das sie gerade dringend braucht: Hoffnung.

Stolze 127 Millionen Dollar hat Biden allein im Juni für seinen offiziellen Wahlkampf eingesammelt – mehr als in jedem anderen Monat. Und: Nach der Debatte nahm das Spendenaufkommen zu, nicht ab. Zwischen dem Auftritt am vergangenen Donnerstag und dem Monatsende am Sonntag spülten Spender rund 38 Millionen Dollar in Bidens Kasse. 30 Millionen kamen von Kleinspendern, die Beträge unter 200 Dollar überwiesen.

Solche Unterstützer sind für Kampagnen besonders wichtig, denn sie können mehrfach spenden, bis sie das staatliche Limit von 3300 Dollar erreichen und bilden so eine belastbare finanzielle Basis für den Wahlkampf. Im zweiten Quartal habe man mehr als 864.000 neue Kleinspender gewonnen, teilte die Kampagne dann auch entsprechend stolz mit. Die Debatte, so das Signal, habe Biden an der Basis also nicht fundamental geschadet.

Nach Joe Bidens TV-Debakel

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Die Finanzen waren bislang ein großer Vorteil des Präsidenten gegenüber seinem Herausforderer. Noch im April, als die Kampagnen zuletzt ihre Quartalszahlen veröffentlichten, lag Biden weit vor Trump, insbesondere in der entscheidenden Kategorie Cash-on-Hand, also verfügbares Geld, das ausgegeben werden kann. Doch seitdem hat sich das Bild gewandelt. Trump hatte im April und Mai zwei hervorragende Spendenmonate, nahm erstmals mehr ein als Biden. Insbesondere seine Verurteilung vor einem New Yorker Gericht trieb ihm neue Spender zu.

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Damit liegt der Republikaner finanziell jetzt vorne. Im zweiten Quartal nahm er 331 Millionen Dollar ein, verfügt über 284,9 Millionen Dollar in liquiden Mitteln. Daran konnte für Biden auch der gute Juni nichts ändern. Insgesamt nahm der Präsident im zweiten Quartal 264 Millionen Dollar ein und hat 240 Millionen Cash-on-Hand.

Fünf reiche Großspender von Donald Trump
Der 81-jährige ist Erbe der in Pittsburgh ansässigen Bankiersfamilie Mellon. Er hat dem als MAGA Inc bekannten Pro-Trump-Super-Pac seit 2022 mindestens 16,5 Millionen Dollar gespendet. Pac steht für "Political Action Comittee". Diese Organisationen sammeln Spenden ein. Bereits während der Präsidentschaftswahlen 2020 spendete Mellon mindestens 20 Millionen Dollar an einen Trump-nahen Super-Pac namens America First Action. Der Hobbypilot Mellon lebt in Wyoming, es gibt kaum Fotos von ihm. Forbes schätzt das Vermögen der Familie Mellon auf rund 14,1 Milliarden Dollar.Mellon ist auch der größte Spender, der den unabhängigen Präsidentschaftskandidaten Robert F. Kennedy Jr. unterstützt. Dessen Super-Pac American Values hat er mindestens 20 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt. Umfragen zufolge könnte Kennedy sowohl Biden als auch Trump bei der Wahl am 5. November Stimmen abnehmen.Geld hat Mellon zudem für einwanderungsfeindliche Maßnahmen gespendet - etwa an einen Fonds zum Bau einer Mauer an der Südgrenze zu Mexiko. Reuters konnte Mellon weder über einen Verleger noch über eine Familienstiftung, mit der er früher verbunden war, erreichen.
Isaac "Ike" Perlmutter, der ehemalige Vorsitzende von Marvel Entertainment, hat mit seiner Frau Laura mehr als zehn Millionen Dollar an einen neuen Trump-Super-Pac namens Right for America gespendet. Perlmutter ist regelmäßiger Gast in Trumps Mar-a-Lago-Residenz in Florida. Die Perlmutters haben der America First Action Inc. bereits 2020 mindestens 21 Millionen Dollar gespendet.Letztes Jahr entließ der Unterhaltungskonzern Walt Disney Perlmutter im Rahmen eines Sparprogramms als Vorsitzenden von Marvel Entertainment. Diese kleinere Sparte innerhalb des Unternehmens ist unter anderem für die Veröffentlichung von Comics zuständig.Der in Israel geborene Perlmutter, der laut Forbes 81 Jahre alt und rund 4,4 Milliarden Dollar schwer ist, lebt sehr zurückgezogen. Auch er lässt sich nur selten fotografieren. Seine Frau Laura, die sich ebenfalls bedeckt hält, ist Direktorin der Laura and Isaac Perlmutter Foundation. Diese konzentriert sich nach eigenen Angaben auf Gesundheitsfürsorge und Gemeinschaftsinitiativen.Der Anwalt von Isaac Perlmutter, John Turitzin, sagte am Telefon, er wolle nicht mit den Medien sprechen und legte auf.
Die ehemalige Wrestling-Unternehmerin ist eine langjährige Spenderin Trumps. Sie leitete in der Trump-Regierung die Small Business Administration. Im laufenden Wahlkampf hat sie mehr als zehn Millionen Dollar an MAGA Inc. gespendet. McMahon hat 2019 und 2020 mehr als 15 Millionen Dollar an America First Action gespendet, deren Vorsitz sie vor der Wahl 2020 innehatte.Bis 2009 leitete sie World Wrestling Entertainment (WWE) zusammen mit ihrem Ehemann Vince McMahon, der das Unternehmen in den 1980er Jahren von seinem Vater gekauft hatte. Anfang dieses Jahres trat Vince McMahon vom Wrestling-Giganten TKO und der von ihm gegründeten Tochtergesellschaft WWE zurück. Zuvor war er in einem Gerichtsverfahren der sexuellen Nötigung und des Menschenhandels beschuldigt worden. Er bestreitet die Vorwürfe. Forbes schätzt sein Nettovermögen auf rund 2,7 Milliarden Dollar.Die 75-jährige Linda McMahon kandidierte zweimal erfolglos für einen Sitz im US-Senat in Connecticut. Heute ist sie Vorsitzende des Trump-freundlichen America First Policy Institute in Washington. Dieses will nach eigenen Angaben für "freies Unternehmertum, nationale Größe, amerikanische militärische Überlegenheit ... und die Vorrangstellung amerikanischer Arbeiter, Familien und Gemeinden" eintreten. Das Institut reagierte nicht auf Bitten um eine Stellungnahme.
Der 79-jährige Hotelmagnat aus Nevada hat MAGA Inc. in diesem Wahlkampf über neun Millionen Dollar gespendet. Bigelow sagte Reuters im Januar, er habe der Pro-Trump-Gruppe insgesamt 20 Millionen Dollar zugesagt. Bigelow, der eine Faszination für Ufos und den Weltraum hegt und verschiedene Forschungsprojekte finanziert, hat bereits mit Trump in Mar-a-Lago zu Abend gegessen. Er hat eigenen Angaben zufolge eine Million Dollar an Trumps Fonds für Justiz-Angelegenheiten gespendet. 2011 schätzte Forbes den Wert von Bigelows Immobilienbesitz auf rund 700 Millionen Dollar.
Die Großspenderin der umstrittenen Scientology-Kirche hat MAGA Inc. in diesem Wahlzyklus mehr als fünf Millionen Dollar gespendet. Ihr Ex-Ehemann Robert Duggan ist ein Investor und Unternehmer, dessen Vermögen durch den Verkauf des Krebsmedikamenten-Herstellers Pharmacyclics an AbbVie im Jahr 2015 für 21 Milliarden Dollar beträchtlich gestiegen ist. Forbes schätzt sein Nettovermögen auf etwa 3,3 Milliarden Dollar.Die Duggans, die sich an der University of California in Santa Barbara kennenlernten und acht Kinder haben, ließen sich 2017 scheiden. Sie spendeten America First Action bereits 2020 jeweils mindestens vier Millionen Dollar. Patricia Duggans persönliche Website beschreibt sie als Künstlerin mit einer Leidenschaft für Glaskunst. Sie lebt in Clearwater, Florida. Sie reagierte nicht auf die Bitte um eine Stellungnahme.

Diese Zahlen sind nur ein Schlaglicht – und sie zeigen nicht das ganze finanzielle Bild des Wahlkampfs. Großspender, die mehr geben wollen als die staatlich erlaubten 3300 Dollar, schreiben üblicherweise Schecks an sogenannte Super PACs, formal unabhängige Spendenvehikel, die ihr Geld rechtlich nicht in Abstimmung mit dem Kandidaten ausgeben dürfen. Diese Super PACs sind es, die das Geld von den prominenten Milliardären einsammeln. Und wieviel sie eingenommen haben, ist derzeit noch unter Verschluss – für PACs gelten andere Veröffentlichungszeiträume als für Kampagnen.

Joe Biden will Geldgeber beruhigen

Auch wer genau wieviel gegeben hat, lässt sich derzeit offiziell nicht nachvollziehen. Entsprechende Berichte an die Wahlkommission FEC sind erst nach der Abstimmung im November fällig.

Trotzdem dürfte Bidens Team sehr genau im Blick haben, was sich auf der Seite des Super PACs tut. Denn wenn die demokratischen Großspender den Kandidaten nicht mehr unterstützen, dann wird es im Wahlkampf schwierig. Trump konnte in den vergangenen Monaten Zusagen über Zuwendungen in Millionenhöhe für seine Super PACs einsammeln.



Auch Biden nahm große Summen ein. Doch sollten die demokratischen Spender den Geldhahn zudrehen, dann wird es für den Amtsinhaber schwierig. Denn angesichts der Beträge, die notwendig sind, um in den USA eine Präsidentschaftswahl zu gewinnen, kann es sich Biden nicht erlauben, hier zu schwächeln. Eine Analyse von AdImpact kam im vergangenen Jahr zu dem Ergebnis, dass das Rennen ums Weiße Haus in diesem Jahr rund 2,7 Milliarden Dollar allein an Werbekosten verursacht – mehr als jemals zuvor. Brechen die Zuwendungen der Großspender ein, wäre die Wahl für Biden kaum noch zu gewinnen.

Am Montag setzte das Wahlkampfteam des Präsidenten deshalb bereits einen Zoom-Call mit Großspendern auf, um die Lage zu beruhigen. „Es war Schadensbegrenzung“, zitiert Axios einen Teilnehmer. In Panik sei niemand ausgebrochen. Doch das könnte sich angesichts der jüngsten Medienberichte noch ändern. „Bidens Aussetzer sollen immer häufiger vorkommen und besorgniserregend sein“, titelte zuletzt etwa die „New York Times“. Entsprechend bemüht ist der Präsident, seine Geldgeber zu beruhigen. Bei einer Spendenveranstaltung am gestrigen Dienstag entschuldigte er sich zunächst für seinen Auftritt und betonte dann, wie wichtig es sei, die Wahl im November zu gewinnen. Viele Geldgeber wollen Medienberichten zufolge jedoch erst einmal abwarten, wie sich die Umfragen entwickeln, bevor sie frisches Geld nachschieben.

Zumindest an dieser Front sind für Biden bislang größere Katastrophen ausgeblieben. Durchschnittlich einen Prozentpunkt hat der Präsident in den Umfragen bislang verloren. Da er schon vor der Debatte im Aggregat hinter Trump lag, ist das keine gute Entwicklung, aber eben auch kein Absturz. „Ich gehe davon aus, dass seine Chancen im November immer noch 50:50 stehen“, so ein demokratischer Stratege. Und ob ein anderer Kandidat besser Karten hätte, sei alles andere als sicher.

Doch Biden scheint zu wissen, dass er jetzt liefern muss. Zuletzt hat sein Team neue Auftritte in den wichtigen Swing States Pennsylvania und Wisconsin angekündigt. Am Freitag lässt er sich von dem Fernsehsender ABC interviewen, beim NATO-Gipfel in der kommenden Woche will er eine Pressekonferenz abhalten.

Das Ziel: Der Öffentlichkeit versichern, dass er den Job des Präsidenten ausfüllen kann – um so Donald Trumps Momentum zu stoppen, das sich in den kommenden Tagen angesichts der anstehenden Benennung seines Kandidaten für das Amt des Vize-Präsidenten und des Republikanerparteitags Mitte Juli zunächst nur beschleunigen dürfte.

Der Druck auf Biden ist also enorm. Denn einen weiteren Fehltritt kann er sich nicht erlauben.

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