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USA Das Ende der Supermacht

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Kreditmarktschulden aller Sektoren in den USA Quelle: UniCredit

Eine Trendwende zum Besseren ist nicht in Sicht. Das Bevölkerungswachstum wird hauptsächlich von Farbigen und Hispanics getrieben – Bevölkerungsgruppen mit eher unterdurchschnittlichen Bildungsniveaus. Da demnächst die gut ausgebildeten älteren Jahrgänge aus der weißen Bevölkerung aus dem Arbeitsleben ausscheiden, wird die durchschnittliche Qualifikation der Erwerbstätigen sinken. Dale Jorgensen, Professor an der Uni Harvard, fürchtet daher, dass sich das Wachstum der gesamtwirtschaftlichen Produktivität in den nächsten zehn Jahren auf durchschnittlich nur noch 1,5 Prozent verlang-samen wird. In den vergangenen 20 Jahren hatte es noch bei zwei Prozent gelegen.

Dass es gering Qualifizierte am Arbeitsmarkt schwer haben, ist auch auf die Talfahrt der Bauindustrie zurückzuführen. In den Zeiten des Baubooms saugte die Branche viele Schulabbrecher und Einwanderer ohne Berufsausbildung auf. Doch seit dem Platzen der Blase befindet sich der Bau auf Talfahrt.

Schwache Investitionen

Das Überangebot an Häusern drückt die Preise unter die Kredite, die die Bauherren für den Kauf aufgenommen haben. Viele Hausbesitzer stellen deshalb ihren Schuldendienst ein, die Banken müssen die Immobilien zwangsversteigern. Das wiederum erhöht das Angebot und lässt die Preise weiter sinken. Immer mehr Hausbesitzer geraten so in die Überschuldung. Ein regelrechter Teufelskreislauf.

Die sinkenden Preise bremsen nicht nur den Bau neuer Häuser. Sie drücken auch auf die Konsumlaune der Bürger. Frühestens wenn sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt entspannt und die Einkommenserwartungen steigen, so die Ökonomen des Finanzdienstleisters Global Insight, werde sich der Immobilienmarkt erholen. Vor Mitte 2012 sei damit jedoch nicht zu rechnen.

Daher wäre es wichtig, dass die Unternehmen nun kräftig in neue Maschinen und Anlagen investieren. Doch bisher haben sie es vorgezogen, ihre Gewinne in Aktienrückkäufe und in Direktinvestitionen im Ausland zu stecken. Nach Berechnungen von UniCredit-Ökonom Bandholz haben die Betriebe von 2006 bis 2010 zwei Billionen Dollar in den Rückkauf eigener Aktien investiert, 1,4 Billionen Dollar flossen in Direktinvestitionen jenseits der Grenzen. „Wären die Gelder im Inland investiert worden, wären die Ausrüstungsinvestitionen um 70 Prozent höher ausgefallen“, sagt Bandholz.

Die Unternehmen, die in den USA investieren, geben ihr Geld vornehmlich für den Ersatz alter Anlagen durch neue aus. Da diese aber meist dazu dienen, die Produktivität zu erhöhen, vernichten sie eher Arbeitsplätze, als neue zu schaffen. Beispiel GM: Der Autokonzern hat für den Bau seines ersten Kompaktwagens in den USA seine Produktionslinie erneuert. Die Fabrik ist nur halb so groß wie eine herkömmliche Anlage – und operiert mit einer um 25 Prozent kleineren Belegschaft.

Steht Amerika also vor jahrelangem Siechtum? Nicht unbedingt. Rettung könnte ausgerechnet aus China kommen. Lange Zeit hat das Riesenreich mit seinen Niedriglöhnen der US-Industrie das Leben schwer gemacht. Doch in den nächsten Jahren könnte sich das ändern, wie eine Studie der Boston Consulting Group (BCG) zeigt. Die Berater haben errechnet, dass die Löhne in China um rund 17 Prozent pro Jahr zulegen. Zudem werte der Yuan beständig auf. Das verringert den Abstand zu den US-Löhnen.

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