Wirtschaft im Weitwinkel: Müssen wir uns wegen Trump Sorgen machen?
Siemens-Chef Joe Kaeser
"Gebt ihm eine Chance", sagte der Manager am Donnerstag auf "CNBC" zur Wahl Donald Trumps. "Wir müssen schauen, was wir zusammen machen können. Lasst es uns positiv angehen." Der Siemens-Chef gratulierte Trump zum Wahlsieg und erhofft sich aufgrund der von Trump in Aussicht gestellten Erneuerung der US-Infrastruktur neue Aufträge. "Die USA sind unser größter Einzelmarkt", betonte Kaeser auf "Bloomberg TV". "Wir bieten gerne unsere Zusammenarbeit und unsere Stärke an."
Foto: APOliver Bäte, Vorstandsvorsitzender der Allianz
"Dieser Wahlausgang bestätigt, wie groß der Anteil der Amerikaner ist, der sich enttäuscht vom Establishment abgewendet hat. Die Riesenherausforderung für Trump besteht nun darin, die auseinanderstrebenden gesellschaftlichen Strömungen wieder zusammenzuführen", sagt Oliver Bäte, Vorstandsvorsitzender der Allianz.
"Wir werden ein längere Phase der Unsicherheit erleben, bis sich das Regierungsprogramm Trumps kristallisiert. Ich rechne mit einer eher expansiven, stimulierenden Fiskalpolitik, aber auch mit der Neigung zu einer protektionistischen Handelspolitik mit weitreichend negativen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Der Präsident wird wohl TTIP einstellen. Doch steht zu hoffen, dass irgendwann ein neuer Anlauf zur stärkeren Marktintegration zwischen der EU und den USA erfolgt.
Trumps dringendste Aufgabe ist es, den amerikanischen Traum vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten wieder zu beleben. Helfen würden dabei die Modernisierung der Infrastruktur, Verringerung des klaffenden Wohlstandsgefälles plus Maßnahmen des sozialen Ausgleichs und deutlich gerechtere Bildungschancen für alle Amerikaner. Dann könnte es ihm auch gelingen, die Gräben, die dieser beispiellos laute und rohe Wahlkampf aufgeworfen hat, wieder zuzuschütten. Und es wäre der richtige Ansatz, um die Enttäuschten und Zurückgelassenen in die gesellschaftliche Mitte zurückzuholen und mit ihrem Land und seinen tragenden Ideen zu versöhnen. Außenpolitisch ist Trump noch ein unbeschriebenes Blatt. Das schafft zusätzliche Unsicherheit."
Foto: REUTERSOlaf Berlien, Vorstandsvorsitzender von Osram
"Ich glaube, dass die meisten Leute nicht damit gerechnet haben." Die Prognosen hätten das Ergebnis nicht abgebildet, so Berlien. Er betont: "Trump ist demokratisch gewählt." Es gelte jetzt den Blick nach vorne zu richten und darüber nachzudenken, wie das Land geeint werden kann.
Die Folgen für Osram selbst seien gering, sagt der Vorstandsvorsitzende. "Auf unser Geschäft hat es keine Auswirkungen, denn wir fertigen in den USA für die USA."
Foto: dpaWerner Baumann, Vorstandsvorsitzender von Bayer
„Nach einem intensiven Wahlkampf warten auf den neuen US-Präsidenten wichtige Herausforderungen. Zum Beispiel kommt es jetzt darauf an, die Partnerschaft zwischen den USA und der EU weiter zu stärken. Gerade der Ausbau unserer Handelsbeziehungen ist für den Wohlstand auf beiden Seiten des Atlantiks von entscheidender Bedeutung", sagt Baumann, der gerade mitten in der Übernahme des US-Agrarkonzerns Monsanto steckt. Die Übernahme ist die größte in der Geschichte der deutschen Wirtschaft.
Bayer will mit der Übernahme von Monsanto ein zweites Standbein zu seinem Pharmageschäft aufbauen, mit dem Bayer ebenfalls sehr stark in den USA ist. "Ein weiterer Schwerpunkt sollte sein, das Gesundheitssystem in den USA so weiterzuentwickeln, dass mehr Patienten Zugang zu neuen und innovativen Therapien erhalten", so Baumann.
Foto: dpaPeter Terium, Vorstandsvorsitzender von Innogy
"Ich bin ein großer Freund von Wettbewerb und fairem Wettkampf – aber diesen US-Wahlkampf empfand ich persönlich als sehr hart und stellenweise auch als unerträglich. Jetzt herrscht Klarheit. Wir Europäer brauchen ein starkes Amerika an unserer Seite, denn die globalen Probleme lösen wir nicht allein", sagt Terium über den Wahlkampf. Doch er hofft weiter auf eine Energiewende in den USA: "Was die Energiewelt betrifft, glaube ich nicht, dass der Ausgang der US-Wahl große Auswirkungen etwa auf die Entwicklung hin zu erneuerbaren Energien hat. Das UN-Abkommen von Paris verpflichtet ja jede US-Regierung zum Klimaschutz. Und eine Revolution geht nie vom König aus. Die zahlreichen Initiativen für erneuerbare Energien oder auch Elektromobilität, die es in den USA auf regionaler und lokaler Ebene gibt, lassen sich nicht einfach so von Washington aus stoppen. Und im Silicon Valley ist es der Business Community ohnehin weitgehend egal, wer an der Ostküste im Weißen Haus regiert."
Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA)
„Was die Wahl von Trump für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in den USA konkret bedeutet, ist noch nicht vollständig erkennbar. Als Präsident der größten Volkswirtschaft trägt er große Verantwortung für sein Land, aber auch für die Weltkonjunktur und die internationalen Beziehungen. Es ist zu hoffen, dass viele seiner Ankündigungen dem Wahlkampf geschuldet waren und dass sein Regierungshandeln selbst durch einen moderateren Kurs geprägt sein wird", sagt Matthias Wissmann, oberster Interessensvertreter der deutschen Autobranche.
Er hofft, dass Trump von seiner ablehnenden Position gegen TTIP abrückt: "Mehr Protektionismus oder zusätzliche Handelsbarrieren würden den Vereinigten Staaten ebenso schaden wie ihren Handelspartnern. Deswegen ist TTIP von besonderer Bedeutung. So hoffen wir, dass es auch mit Donald Trump weitere Impulse für die TTIP-Verhandlungen gibt."
Eines zeige die Wahl in den USA ganz deutlich, so Wissmann: "Der Wettbewerb der großen Industrienationen wird härter, das Ringen um industrielle Produktionsstandorte nimmt zu. Es steht zu befürchten, dass die USA unter ihrem neuen Präsidenten ebenso wie China vor allem auf ihre eigene Wirtschaft schauen – zu Lasten internationaler Beziehungen und Handelsströme."
Foto: dpaDieter Zetsche, Vorstandschef Daimler
"Nach den Brexit-Prognosen und dem Ausgang der Wahl in Großbritannien war ich gewarnt vor Prognosen. Das Ergebnis in USA habe ich so aber nicht erwartet. Ich versuche mich offen zu halten. Dass jetzt aber eine gehörige Portion Skepsis da ist, ist klar."
Foto: REUTERSHarald Krüger, Vorstandschef BMW
"Es ist viel zu früh, das zu bewerten. Aber klar ist: Wir brauchen einen offenen Welthandel. Wir leben von offenen Märkten."
Foto: dpaMatthias Müller, Vorstandschef Volkswagen
"Wir sind in einer spezifischen Situation. Ich hoffe, dass sich das Wahlergebnis nicht noch nachteilig auf VW auswirkt. Wir verhandeln seit Monaten mit den US-Behörden (über den Dieselskandal, Anm. d. Red.) und wollen das alsbald zu einem gedeihlichen Ende bringen. Wir warten nun gespannt, wie die Behörden Anfang des Jahres neu besetzt werden."
Foto: dpaKarl-Heinz Streibich, Vorstandsvorsitzender der Software AG
„Ich bin zuversichtlich, dass der zukünftige Präsident der USA die wirtschaftliche Partnerschaft mit Deutschland und der ganzen Welt fortführen wird. Die Vergangenheit hat klar gezeigt, dass insbesondere die amerikanische Wirtschaft, wie auch Gesellschaft, vom freien und globalen Handel profitierte", sagt Karl-Heinz Streibich.
Die Software AG ist Deutschlands zweitgrößter IT-Konzern nach SAP. Das Unternehmen erwirtschaftet rund 31 Prozent des Jahresumsatzes in US-Dollar.
Foto: dpaFrank Appel, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post DHL
„Unser Unternehmen ist in den USA auf Wachstumskurs und wir möchten diese Entwicklung auch nach der US-Wahl fortsetzen. Unser Ziel ist es, globalen Handel weiter voranzutreiben und wir sind überzeugt, dass die USA dabei auch zukünftig eine konstruktive Rolle spielen werden. Unser Hauptfokus liegt darauf, unseren Kunden auch in Zukunft den qualitativ hochwertigen Service zu bieten, der weltweit zum Markenzeichen von DHL geworden ist.“
Foto: dpaLutz Goebel, Präsident des Verbandes der Familienunternehmer
"Ein Black Tuesday für den Welthandel."
Foto: dpaUlrich Grillo, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie
Grillo hat den neuen US-Präsidenten Donald Trump davor gewarnt, die amerikanische Wirtschaft abzuschotten. „Die Vereinigten Staaten müssen weiter auf offene Märkte setzen. Alles andere wäre Gift für die US-Wirtschaft“, sagte Grillo. Die USA seien einer der wichtigsten Partner Europas, um den weltweiten Handel zu gestalten. Die deutsche Wirtschaft werde weiter für ein faires Handelsabkommen TTIP mit guten Regeln für Europa und die USA werben. Trump hatte TTIP im Wahlkampf als „größte Gefahr“ für US-Unternehmen kritisiert.
Foto: dpaThilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA)
„Mit großer Sorge blickt die Maschinenbauindustrie daher auf das Wahlergebnis in den Vereinigten Staaten. Der künftige US-Präsident Donald Trump hat im Wahlkampf eine Kehrtwende in der amerikanischen Handelspolitik angekündigt und will Zölle und andere Handelshemmnisse wieder aufbauen. Zwar rechnet der VDMA derzeit noch nicht mit einer Anhebung der Einfuhrzölle auf deutsche Maschinenbauprodukte. Aber die protektionistischen Vorschläge von Donald Trump würden sich direkt auf das Investitionsklima in den USA auswirken und damit auch auf die Maschinenimporte aus Deutschland", sagt Brodtmann.
„Natürlich respektieren wir dieses demokratische Wahlergebnis. Donald Trump würde aber, falls er seine angekündigten Maßnahmen als Präsident tatsächlich umsetzt, vor allem seinem eigenen Land schaden. Falls die größte Wirtschaftsmacht der Welt einen protektionistischen Kurs fährt, wird das rund um den Globus zu spüren sein. Wir können nur hoffen, dass er seinen Worten keine entsprechenden Taten folgen lässt."
Foto: WirtschaftsWocheJörg Schneider, Finanzvorstand des Rückversicherers Munich RE
"Die USA sind nicht nur die größte Volkswirtschaft, sondern auch der wichtigstes Versicherungsmarkt der Welt. Und zwar nicht nur gemessen am Umsatz, sondern auch seiner Innovationskraft", sagt Jörg Schneider, Finanzvorstand der Munich RE. "Wir hoffen, dass es jetzt schnell Klarheit über die wirtschaftspolitische Ausrichtung gibt. Für Munich Re ist die globale Diversifikation ein wesentliches Unternehmensmerkmal. Protektionismus schadet jeder wirtschaftlichen Entwicklung, deshalb hoffen wir auf ein Bekenntnis der USA zum freien Handel. Was die Kapitalmärkte angeht, sehen wir im Moment erhebliche Volatilitäten. In jüngster Zeit – nach dem Brexit-Votum – hat sich aber auch gezeigt, dass die Märkte sich wieder schnell beruhigten. Das bleibt abzuwarten."
Foto: dpa
Steven Holland, Vorstandsvorsitzender Brenntag
Der weltgrößte Chemie-Händler Brenntag sieht nach Trumps Wahlsieg auch Chancen. Es sei mit einem wirtschaftsfreundlicheren Umfeld zu rechnen. "Wenn er sein Versprechen einlöst und für Wirtschaftswachstum sorgt, wird das wie jeder makro-ökonomische Aufschwung zum Vorteil von Brenntag sein", sagte Steven Holland, Vorstandsvorsitzender von Brenntag.
Gerade in seinem wichtigen Markt USA hat das Unternehmen derzeit mit einer schwachen Nachfrage aus der Industrie zu kämpfen. Durch den Ölpreisverfall halten sich Kunden in der Öl- und Gasbranche der USA seit Längerem zurück.
Foto: dpaDonald Trump hat nicht die meisten Stimmen erhalten. Doch das ist in den USA auch nicht notwendig. Aufgrund des Wahlsystems hat derjenige die Wahl gewonnen, der die Mehrheit der Wahlmänner auf sich vereint. Und hier liegt Trump haushoch vorn. Sollten die noch immer nicht finalen Ergebnisse von Michigan und New Hampshire bestätigt werden, hat Trump 306 Wahlmänner gewonnen und Hillary Clinton nur 232.
Ein Sieg, der nicht alle Amerikaner begeistert. Seit der Wahl gibt es in den USA jede Nacht Demonstrationen gegen den künftigen Präsidenten, ein bislang einmaliger Vorgang. In seinem Kernteam, das seine Präsidentschaft vorbereiten soll, hat er drei seiner Kinder aufgenommen. Sie sollen aber auch seine Unternehmen während seiner Präsidentschaft leiten, was auf einen ausgeprägten Interessenkonflikt hindeutet.
Ein großer Teil der Zukunftssorgen fußt auf dem Gedanken, dass Trump ein irrationaler Populist ist. Das glaube ich jedoch nicht. Trump mag sehr ungewöhnliche Ansichten haben und sich nicht an übliche Vorgehensweisen halten, jedoch scheint er durchaus rational vorzugehen. Damit dürfte er den zwei wichtigen Zielen von demokratisch gewählten Politikern folgen.
Zum einen, das es den Menschen in seinem Land besser geht, hier spielen die politischen Überzeugungen auch eine wichtige Rolle. Zum anderen: Machterhalt. Da die Präsidentschaft in den USA auf acht Jahre beschränkt ist, geht Letzteres auch damit einher, sich einen angemessenen Platz in den Geschichtsbüchern zu erarbeiten.
Bei diesen zwei Zielen ist noch eine wichtige Nebenbedingung zu beachten. Trump hat mit der Mehrheit in den beiden Kammern des Kongresses die größtmöglichen Gestaltungsmöglichkeiten, dies ist seit 1968 bisher nur in zwölf Jahren der Fall gewesen. Jedoch dürfte diese sehr komfortable Situation nicht lange halten. In der Regel verliert ein amtierender US-Präsident bereits nach zwei Jahren, in den Halbzeitwahlen, seine Mehrheit im Senat. Das Regieren wird dann schwieriger.
Generell gilt die einfache Regel: Für innenpolitische Themen und Budgets braucht der US-Präsident den Kongress, die Außenpolitik kann er größtenteils alleine bestimmen. Somit sollte der Trump die volle Gestaltungsmöglichkeit nutzen und schnell einige Wahlversprechen umsetzen. Insbesondere ein schuldenfinanziertes Wirtschaftsprogramm sollte zeitnah verabschiedet werden. Dieses sollte ab Mitte 2017 bis 2018 einige Wachstumsimpulse geben. Die gesamtwirtschaftlichen Effekte werden jedoch überschaubar bleiben, da sich private Investoren etwas zurückziehen dürften. Die Aussagen zur Einwanderungspolitik werden vermutlich nur teilweise umgesetzt, da ansonsten die notwendigen Arbeitskräfte fehlen.
Auch der mittelfristige Wirtschaftsausblick ist mit und ohne Trump nicht vielversprechend. Es zeichnet sich seit Längerem ab, dass die US-Wirtschaft ihren Zenit im aktuellen Konjunkturzyklus überschritten hat. Nun kommt es darauf an, wie stark Trump seine protektionistischen Ansichten umsetzt. Protektionismus ist in einigen Ländern politischer Mainstream geworden. Daher muss man damit rechnen, dass sich eine größere Allianz für einen geringeren Freihandel einsetzten wird.
Es sind weniger ideologische Überzeugungen, die dies vorantreiben. Vielmehr spiegeln sich hier die Ängste der Menschen wider, von der immer schnelllebigen Entwicklung im wirtschaftlichen und sozialen Bereich abgehängt zu werden. Somit dürfte die weltweite Wachstumsdynamik ab 2019 langsam sinken und sich auf ein Niveau von gut 2 Prozent einpendeln - aktuell liegt dies bei rund 2,75 Prozent. Die Inflation dürfte sich sehr moderat weiterentwickeln. Einzig eine zu restriktive Einwanderungspolitik in den USA sollte zu einem kräftigen Anstieg der Löhne führen. Das wiederum würde die Inflation beschleunigen.
Weltpolitisch könnte das ungewöhnliche Verhaltensmuster von Trump eingespielte Strukturen aufbrechen. Damit wird der neue US-Präsident sicherlich nicht den Weltfrieden in Gefahr bringen. Aber viele europäische Überzeugungen, die auf Konsens und dem Ziel des individuellen Machterhalts beruhen, aufbrechen beziehungsweise in Frage stellen.
Die negative Seite hiervon dürfte eine Welle des Populismus sein. Insbesondere in den kommenden Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland. Der Wahlkampf in den USA hat gezeigt, dass man mit einfachen Antworten auf komplexe Fragen die Menschen erreicht. Selbst, wenn die Antworten falsch sind oder die Probleme nicht lösen. Dieses Vorgehen dürfte in den kommenden Wahlkämpfen von einigen Parteien kopiert werden.
Das Problem ist, dass der technische und wirtschaftliche Fortschritt weitergehen wird. Die Unternehmen haben viel Kapital und sind eigentlich einzelnen Regierungen nicht völlig ausgeliefert. Wenn die Politik mittelfristig zu unternehmerfeindlich wird, dürften sich die Strukturen hier verändern. Die Wachstumsdynamik entsteht in Ländern die sich entsprechend aufstellen und nicht in Ländern, die dies verhindern.
Die Zentralbanken werden vermutlich ihren unterschiedlichen Kurs beibehalten. Die US-Notenbank dürfte dem moderaten Zinsanhebungspfad weiter folgen, während die EZB die aktuelle sehr expansive Politik fortführt. Auch britische und die japanische Notenbanken sollten mit ihrer jeweiligen sehr lockeren Geldpolitik ebenfalls fortfahren. Somit sollten die Rentenmärkte bereits einiges der möglichen geldpolitischen Straffung verarbeitet haben und sind auf dem aktuellen Niveau eigentlich nicht mehr teuer. Die Aktienmärkte werden sich voraussichtlich weiterhin moderat freundlich entwickeln. Wobei die merklichen Kursverluste bei Schwellenländern wohl übertrieben sind. Jedoch dürfte in den kommenden Monaten mit wachsender politischer Unsicherheit auch die Volatilität an den Finanzmärkten steigen.
Müssen wir uns Sorgen machen? Ja, aber nur ein wenig.
Trump bringt Unsicherheit in ein gut eingespieltes politisches System, das aber großteils auf Machterhalt zielt. Jedoch kommt dies zu einer Zeit, die von einer großen wirtschaftlichen Fragilität gekennzeichnet ist. Damit besteht die Gefahr, dass rückwärtsgewandte Ansichten mehrheitsfähig werden und die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung behindern. Unternehmen werden sich hierauf mittelfristig einstellen und Investitionsstandorte entsprechend verändern.
Es liegt an uns, welche Gesellschaft wir wollen. Den Fortschritt kann man nicht verhindern, aber lenken. Kurzfristig muss man sich wirtschaftlich dagegen kaum Sorgen machen. Insgesamt wäre es wichtig, dass sich die Regierungen von Trump nicht provozieren lassen und somit auch einer Eskalation vorbeugen. Dies bedingt jedoch eine abgestimmte Position in Europa, was man sich zurzeit nur schwer vorstellen kann.