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WiWo-Korrespondentenabend USA gegen China: „Dieser Konflikt wird gravierende Folgen haben“

WirtschaftsWoche Quelle: Rudolf Wichert für WirtschaftsWoche

Korrespondenten der WirtschaftsWoche diskutierten mit Lesern über den Brexit und den Handelsstreit zwischen den USA und China. Und gaben ganz persönliche Einblicke in ihre Arbeit an den politischen Hotspots der Welt.

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An großen Themen mangelt es Journalisten rund um den Globus momentan nicht: Die Scheidung Großbritanniens von der EU droht ein wirtschaftliches Desaster zu werden. In Washington und Peking regieren zwei Männer, die sich mit Strafzöllen gegenseitig schaden. Auch der aktuell herrschende Waffenstillstand dürfte nur von kurzer Dauer sein. Der Zollstreit hat Apple, das amerikanische Vorzeige-Unternehmen schlechthin, in eine tiefe Krise gestürzt.

Gerade in Brüssel, Washington, Peking und dem Silicon Valley gibt es viel zu berichten. Das zeigte sich auf dem Korrespondentenabend des WirtschaftsWoche Clubs.

In einer Eventlocation im Norden Düsseldorfs gewährten die WiWo-Korrespondenten Silke Wettach, Matthias Hohensee, Jörn Petring und Julian Heißler knapp einhundert Lesern der WirtschaftsWoche einen Einblick in ihre Arbeit im Ausland. Moderiert haben den Abend Hauke Reimer, der stellvertretende Chefredakteur der WirtschaftsWoche, und Dieter Schnaas, Textchef und Autor.

An den entscheidenden Schauplätzen verfolgen Julian Heißler und Jörn Petring seit dem vergangenen Jahr den Handelsstreit zwischen den USA und China. Heißler in Washington DC und Petring in Peking. An Informationen gelangen sie dabei unterschiedlich schnell und nicht immer ungehindert: „Ich habe keine Ahnung davon, was sich im innersten politischen Zirkels Pekings abspielt“, gestand Petring den Lesern der WirtschaftsWoche.

Bei der Recherche von der Regierung verfolgt

Doch je weiter Petring sich vom politischen Peking entferne, desto besser könne er recherchieren. Zum Beispiel bei einem Besuch des Elektroautobauers Nio. Einem der vielen Tesla-Jäger in China. Nio habe ihm sämtliche Räume gezeigt, alle Fragen beantwortet und sogar die hauseigenen Autos testen lassen, erklärte Petring. „So offen sind in China nur die privatisierten Unternehmen, bei Staatsunternehmen wäre eine solche Recherche nicht möglich.“

WirtschaftsWoche Quelle: Rudolf Wichert für WirtschaftsWoche

Als er einmal in einer der westlichsten Provinzen Chinas recherchierte, war er eigentlich weit weg von Peking. Und trotzdem: „Auf der Straße wurde ich durchgehend von acht zivil gekleideten Männern verfolgt und beobachtet“, erklärte Korrespondent Petring. Die Männer der Regierung hätten jeden seiner Gesprächspartner im Anschluss über das Gespräch ausgefragt. „Selbst der Taxifahrer, mit dem ich während der Fahrt kein Wort gewechselt habe, wurde von den Männern aus dem Auto gezerrt und ausgefragt“, erklärte Petring recht unaufgeregt. Er lebt seit sechs Jahren in China und hat sich an die Zustände dort offenbar gewöhnt.

„Der Konflikt zwischen den USA und China wird gravierende Folgen für die gesamte Welt haben“, versicherte Petring den Lesern. Ausgelöst wurde er von US-Präsident Trump in Washington DC. Von dort berichtet Julian Heißler. Damit Abgeordnete und Regierungsmitarbeiter mit ihm sprechen, sucht er nach Zugängen zu Themen, die etwas mit Deutschland zu tun haben. So gewinne er seine Gesprächspartner dafür, mit ihm, einem Journalisten eines ausländischen Mediums, zu sprechen. Wenn er mit Unternehmen sprechen wolle, gehe das deutlich einfacher: „Washington ist so etwas wie ein Dorf, ich komme hier schnell mit den Leuten zusammen“, sagte Heißler.

Im Wettstreit mit China wolle Trump bei Zukunftstechnologien wie künstlicher Intelligenz und autonomen Fahren die Nase vorn haben, erklärte Heißler. Strafzölle sind ein fragwürdiges Mittel, um dieses Ziel zu erreichen. Doch diese könnten in der Zukunft nicht nur China betreffen: „Die deutsche Wirtschaft tut gut daran, sich auf Strafzölle auf Autos vorzubereiten“, sagte Heißler. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Zölle kommen werden, sei höher, als die Wahrscheinlichkeit, dass es keine geben wird.

Die Krise der amerikanischen Technologiewerte

Den Kampf um die Zukunftstechnologien will Trump vor allem mit der Hilfe der gigantischen Technologieunternehmen aus dem Silicon Valley gewinnen. Den Aufstieg von Unternehmen wie Tesla, Ebay oder Apple hat Matthias Hohensee aus nächster Nähe verfolgt. Seit 1998 lebt er im Silicon Valley, schrieb für die WirtschaftsWoche mehr als zwanzig Jahre die Kolumne „Valley Talk“.  Gerade Apple macht die Zollpolitik Trumps unternehmerisch zu schaffen. In China verkauft Apple deutlich weniger iPhones, musste deshalb die Umsatzprognose korrigieren – nach unten, versteht sich.

WirtschaftsWoche Quelle: Rudolf Wichert für WirtschaftsWoche

Auf dem Korrespondentenabend im vergangenen Jahr war die Euphorie noch groß, Analysten sagten den Technologiewerten wie Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google stark steigende Aktienkurse voraus. „Diese breite Euphorie war ein mögliches Zeichen dafür, dass die Kurse womöglich sinken werden, das habe ich damals auch angemerkt“, erklärte Hohensee den Lesern in diesem Jahr. Er hatte recht behalten. Doch für dieses Jahr wollte Hohensee keine Prognose wagen.

Bei der Scheidung Großbritanniens von der EU ist eine Prognose wohl ähnlich schwierig. Ein ungeordneter Brexit rückt immer näher, zehn Wochen bleiben bis zum geplanten Ausstiegsdatum. Aus Brüssel verfolgt Korrespondentin Silke Wettach den Brexit. Seit 2002 berichtet sie für die WirtschaftsWoche in der belgischen Hauptstadt und bremste auf dem Korrespondentenabend die Hoffnungen der Leser, die auf ein zweites Brexit-Referendum hoffen.

„Ein zweites Referendum wäre meiner Meinung nach ein enormer Fehler“, erklärte Wettach. Bei einem „Ja“ für den EU-Ausstieg wären die Formalitäten des Austritts aus der EU immer noch so unklar wie zurzeit. „Sollte gegen den Brexit gestimmt werden, wäre die Spaltung in der Gesellschaft größer, als sie es ohnehin schon ist“, sagte Wettach. Immerhin könnten sich diejenigen, die 2016 für den Ausstieg gestimmt haben, dann betrogen fühlen.

WirtschaftsWoche Quelle: Rudolf Wichert für WirtschaftsWoche

Bei einem Brexit würden Silke Wettach in Brüssel vor allem der britische Humor und die Muttersprachler in den EU-Institutionen fehlen.

Wenn die vier an ihre Arbeitsplätze zurückkehren, warten schon neue Themen auf sie, über die sie für die WirtschaftsWoche schreiben werden. Und über die sie dann auf dem nächsten Korrespondentenabend in einem Jahr berichten können.

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