4000 Euro Kaufprämie: Gegenwind für E-Auto-Förderung
E-Autos sollen mit bis zu 4000 Euro gefördert werden.
Foto: dpaDie Bundesregierung will den Kauf von Elektro-Autos mit einer Prämie von 4000 Euro fördern. Dies teilte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am Mittwoch in Berlin mit. Für Plug-In-Hybride sei ein Kaufanreiz von 3000 Euro vorgesehen.
Auf dieses Vorgehen hatten sich Bundesregierung und die Spitzen der deutschen Autobranche bei einem Treffen am Dienstagabend im Kanzleramt verständigt. Verkehrsminister Alexander Dobrindt sagte, mit dem Programm könne der Kauf von etwa 400.000 Fahrzeuge gefördert werden. Die Gesamtkosten belaufen sich den Angaben zufolge auf 1,2 Milliarden Euro, von denen der Staat und die Industrie jeweils die Hälfte tragen.
Die Förderung gilt auch für ausländische Hersteller, wenn sie sich zur Hälfte daran beteiligen. Fahrzeuge mit einem Netto-Listenpreis von über 60.000 Euro werden nicht gefördert. Schäuble sagte, das Programm könne mit einem Kabinettsbeschluss im Mai starten.
Ifo-Präsident ist gegen die Kaufprämie
Das Förderpaket steht in der Kritik: Ifo-Präsident Clemens Fuest etwa lehnt die Kaufprämie für Elektro-Autos strikt ab. "Die Prämie für E-Autos halte ich für einen schweren Fehler", sagte der Chef des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. "Die 600 Millionen Steuergelder wären besser in der Erforschung und Entwicklung neuer Umwelttechnologien angelegt."
Umweltpolitisch wäre es richtig, die Verursacher von Emissionen zu belasten und nicht das Unterlassen von Emissionen mit Steuergeldern zu fördern. "Zweitens fallen bei der Produktion von Elektroautos und bei der Stromproduktion erhebliche CO2-Emissionen an, so dass die Gesamtbilanz weniger gut ist als oft behauptet wird", sagte Fuest. "Drittens ist die Technologie, die hier gefördert wird, nicht neu. Sie ist beispielsweise in Kalifornien gut erprobt."
Smart fortwo electric drive
Der Elektro-Smart gehört zu den am meisten verbreiteten Elektroautos in Deutschland – das Daimler-eigene Carsharing-Projekt Car2go dürfte am Erfolg des Smart fortwo electric drive aber einen nicht unwesentlichen Anteil haben. Für Interessenten gibt es aber einen Haken: Der Elektro-Smart wird derzeit nicht mehr gebaut. Daimler hat die Produktion im August eingestellt. Der Elektro-Smart basierte allerdings noch auf dem Vorgänger-Modell – mit Benzinmotor sind bereits neuere Exemplare unterwegs. Der Elektro-Nachfolger kommt frühestens Ende 2016. Bis dahin werden bereits produzierte Elektro-Smarts noch verkauft, bis zum Start des neuen wird der Vorrat wohl aber nicht reichen.
Leistung: 75 PS
Akku: 17,6 kWh
Reichweite: 145 km
VW e-Up!
Wer ein stadttaugliches Elektroauto fahren will, aber zwei Sitze mehr braucht als im Smart, der kann sich bei VW umschauen. Der e-Up! bietet mehr Platz, etwas mehr Leistung und eine höhere Reichweite als der Elektro-Smart, ist aber immer noch wendig und nicht zu groß für die Parkplatzsuche. Das Manko: Mit 26.900 Euro ist er auch ein gutes Stück teurer. Dennoch schafft er es in der Hitliste der beliebtesten Elektroautos Deutschlands auf Platz 2.
Leistung: 82 PS
Akku: 18,7 kWh
Reichweite: 160 km
BMW i3
BMW ist mit dem i3 einen mutigen Schritt gegangen: Die Münchner haben nicht nur ein futuristisches Design gewagt, sondern auch gleich eine Kohlefaser-Karosserie in Serie gebracht. Alle anderen Elektroautos auf dem Markt basieren auf mehr oder weniger mutig gezeichneten Stahl- und/oder Alu-Karosserien. Deutlich über 2000 i3 sind bereits auf deutschen Straßen unterwegs. Dabei fällt er stärker auf als andere Elektroautos, denn sein extrovertiertes Design polarisiert. Minuspunkt: Beim Laden ist der Elektro-BMW nicht der allerschnellste, da er nicht mit den dafür nötigen Schnelllade-Standard unterstützt. In der Preisliste steht der i3 ab 34.950 Euro.
Leistung: 170 PS
Akku: 18,8 kWh
Reichweite: 190 km
Nissan Leaf
Weltweit ist der Leaf mit über 160.000 verkauften Autos das erfolgreichste E-Mobil auf dem Markt. 2014 waren 26 Prozent aller europaweit neu zugelassenen Pkw mit reinem E-Antrieb Nissan Leafs. Sein Erfolgsgeheimnis: Er war das erste speziell auf den Elektroantrieb hin entwickelte Auto. Das erklärt zum Beispiel auch die ungewöhnliche Form der Scheinwerfer: Sie sollen die Luft um die Außenspiegel herum leiten – bei einem leisen Elektroauto würden sonst unangenehme Windgeräusche an den Spiegeln entstehen. Nissan bietet den Leaf ab 23.790 Euro an, dann muss allerdings die Batterie gegen monatliche Kosten extra geleast werden. Mit Kaufoption auf den Akku ist der Leaf deutlich teurer.
Leistung: 109 PS
Akku: 24 kWh
Reichweite: 199 km
Volkswagen e-Golf
VW hat lange gezögert, beitet den Golf aber inzwischen auch als Elektro-Version an. Abgesehen von dem ungewöhnlichen LED-Tagfahrlicht in der Stoßstange kommt der e-Golf wie alle anderen Golfs sehr unauffällig daher. Mit einem Preis von 34.900 Euro liegt er auf dem Niveau eines BMW i3 – bietet dafür mehr Platz, eine ähnliche Reichweite, aber weniger Fahrleistungen. Und eben ein deutlich massentauglicheres Design. Was dem ein oder anderen Kunden nicht unrecht sein dürfte.
Leistung: 116 PS
Akku: 24,2 kWh
Reichweite: 190 km
Renault Zoë
Der Zoë von Renault gehört zu den Schnellladern, was den E-Auto-Fahrer freut. Doch einen Haken gibt es: Den superschnellen Gleichstrom-Standard unterstützt er nicht. In Frankreich ist er das meistverkaufte Elektroauto, hierzulande läuft es mit über 1700 Einheiten auch ganz gut. Er bietet ähnlich viel Platz wie ein i3, hat aber mehr Reichweite und ist günstiger: Renault verlangt 21.700 Euro plus monatliche Gebühren für die Batterie.
Leistung: 120 PS
Akku: 22 kWh
Reichweite: 210 km
Mitsubishi EV/Peugeot iOn/Citroën C-Zero
Die Basis für dieses Trio bildet der Mitsubishi i-MiEV, der bereits 2009 auf den Markt gekommen ist. Die beiden französischen Ableger kamen später dazu. Inziwschen verkauft Mitsubishi den eigenwillig geformten Elektrowagen nur noch unter der Bezeichnung "EV". Peugeot und Citroën verlangen jeweils 25.883 Euro, der Mitsubishi ist mit 23.790 Euro etwas günstiger.
Leistung: 67 PS
Akku: 16 kWh
Reichweite: 150 km
Tesla Model S
Über kaum ein Elektroauto wird so viel geschrieben wie über Teslas Model S. Einige sprechen sogar vom "König der Elektroautos": Mit 422 PS ist er sehr stark (die Allrad-Variante bringt es auf noch mehr Leistung), bietet einen großen Kofferraum, bis zu sieben Sitze und im Normverbrauch eine Reichweite von über 500 Kilometern. Das hat natürlich seinen Preis: Ungefähr 81.000 Euro. In den USA wird das Tesla-SUV Model X bereits verkauft, in Europa kommt es erst im Frühjahr 2016 auf den Markt – dann wird das Model X auch in diese Liste aufgenommen.
Die folgenden Daten beziehen sich auf das Modell P85, andere Varianten weichen von diesen Werten ab:
Leistung: 422 PS
Akku: 85 kWh
Reichweite: 502 km
Renault Twizy
Darüber streiten sich die Gelehrten: Darf der Twizy in dieser Liste auftauchen? Genau genommen nicht, den laut seiner Zulassung ist er kein Auto, sondern ein Quad. Deshalb kann er ohne Airbags auskommen. Da er aber ein idealer Stadtflitzer und zudem ein günstiger Einstieg in die Welt der Elektrofahrzeuge (ab 7000 Euro) ist, gehört er unserer Meinung doch in die Reihe der E-Autos. Und die Verkaufszahlen geben Renault recht. Aber zugegeben: Ohne Türen ist der Twizy nur für die ganz Hartgesottenen ein vollwertiges Alltagsgefährt.
Leistung: bis zu 18 PS
Akku: 6,1 kWh
Reichweite: 100 km (NEFZ)
Ford Focus Electric
Den Elektro-Versuch von Ford kann man derzeit noch als halbherzig beschreiben: Der Focus Electric basiert noch auf der alten Generation des Kompaktwagens und hat eine geringere Reichweite als sein Dauer-Konkurrent VW Golf. Zumal der Elektro-Ford mit 39.900 Euro noch teurer ist als der e-Golf. Da muss Ford nachlegen.
Leistung: 145 PS
Akku: 23 kWh
Reichweite: 160 km
Kia Soul EV
Wer mit seinem Elektroauto auffallen will, könnte statt zum i3 auch zum Kia Soul EV greifen. Wie der Standard-Soul ist der EV bereits mit seiner Kastenwagen-ähnlichen Grundform alles andere als konventionell. Bei der Reichweite und Leistung begibt er sich dann aber wieder auf das Niveau der Konkurrenz. Für den Elektro-Soul verlangt Kia 30.790 Euro – inklusive Batterie.
Leistung: 110 PS
Akku: 27 kWh
Reichweite: 212 km
Mercedes B 250 e
Nach dem Aus des Elektro-Smart hat Daimler nur noch ein reines E-Mobil im Angebot: Ende 2014 kam die B-Klasse Electric Drive auf den Markt – nach der 2015 angepassten Modellbenennung der Stuttgarter wird der Wagen jetzt als Mercedes B 250 e verkauft. Wie im Smart wurde bei einem bestehenden Modell der Verbrenner durch Akku und E-Motor ersetzt. Trotz der großen Akku-Kapazität bleibt der Kofferraum gleich groß. In Sachen Leistung und Reichweite konkurriert die Elektro-B-Klasse mit dem e-Golf und i3, bietet dabei aber den Raum eines Vans. Mit mindestens 39.151 Euro ist der Mercedes allerdings vergleichsweise teuer.
Leistung: 180 PS
Akku: 28 kWh
Reichweite: 200 km
Nissan e-NV200 Evalia
Viel Platz bietet nicht nur die B-Klasse, sondern auch die Elektro-Version des Nissan-Vans NV200. Der simpel e-NV200 genannte Elektrowagen mit dem Antriebsstrang aus dem Bestseller Leaf ist als Van, aber auch als Lieferwagen erhältlich. Gegenüber dem Mercedes ist die Reichweite ein gutes Stück geringer, mit 30.870 Euro (plus Batteriemiete) ist der Nissan aber auch günstiger.
Leistung: 109 PS
Akku: 24 kWh
Reichweite: 167 km
Renault Kangoo Z.E. Maxi
Noch billiger als der e-NV200 ist der Renault Kangoo Z.E. Maxi. Zwar hat er auch weniger Leistung als der Nissan, ist aber nochmals günstiger: 22.660 Euro zuzüglich der monatlichen Kosten für die Batterie. Für einen Stadt-Lieferwagen oder Handwerker reichen die Leistungsdaten des Renaults aber vollkommen aus.
Leistung: 44 kW
Akku: 22 kWh
Reichweite: 170 km
Der Linke-Verkehrsexperte Herbert Behrens warnte vor einer ökologisch kontraproduktiven Wirkung, da sich die Konzerne mit Elektroautos ihre Dieselflotten schön rechnen könnten. „Eine Kaufprämie für E-Autos setzt somit Anreize für die Industrie, nichts in die Verbesserung der Verbrennungsmotoren zu investieren“, sagte Behrens der dpa.
Auch Umweltverbände hatten Kaufzuschüsse kritisiert. „Nicht mal eine Woche, nachdem fast alle Autohersteller viel zu hoher Abgaswerte bei Diesel-Fahrzeugen überführt wurden, soll jetzt mit Steuergeldern der Kauf von Elektroautos subventioniert werden“, hatte etwa der Naturschutzbund (Nabu) erklärt.
Abgas-Nachmessungen des Kraftfahrtbundesamtes im Zuge des VW-Skandals hatten Autobauer zu einem „freiwilligen Rückruf“ von 630.000 Autos gezwungen. Bei den betroffenen Modellen von Audi, Mercedes, Opel, Porsche und den leichten VW-Nutzfahrzeugen müsse die Technik zur Abgasreinigung bei bestimmten Temperaturen geändert werden.
Gabriel verteidigt Paket
Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat das in der Koalition umstrittene Förderpaket als vertretbare Lösung verteidigt und die deutsche Autoindustrie zu zusätzlichen Anstrengungen aufgefordert. Ziel sei es, auf dem Heimatmarkt zu zeigen, dass man diese Antriebsform beherrsche und „massenmarktfähig“ mache, sagte Gabriel.
Die Regierung hat das Ziel ausgegeben, dass 2020 eine Million E-Autos unterwegs sein sollen. Zu Jahresbeginn waren aber erst 25.500 E-Autos und 130.000 Hybride zugelassen – bei 45 Millionen Pkw insgesamt. Als Hauptprobleme beim Ausbau der Elektromobilität gelten die vergleichsweise hohen Preise für die Fahrzeuge, die geringe Reichweite und eine unzureichende Ladestation-Infrastruktur.
Die Kaufprämie für E-Autos erinnert an die Abwrackprämie als Reaktion auf die Finanz- und Wirtschaftskrise 2009. Damals gab es eine Prämie in Höhe von 2500 Euro. Angesichts des Erfolgs der Prämie konnte eine massive Krise der Automobilindustrie verhindert werden. Hauptprofiteur damals war Marktführer Volkswagen.
