Altbundeskanzler: Helmut Kohl ist tot
Helmut Kohl verstarb im Alter von 87 Jahren.
Foto: REUTERSEr hat die Bundesrepublik geprägt wie sonst nur sehr wenige: Helmut Kohl, Kanzler der Deutschen Einheit und Wegbereiter der Europäischen Union, ist tot. Der langjährige CDU-Vorsitzende starb am Freitagmorgen im Alter von Jahren am 87 Jahren, wie sein Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner der Deutschen Presse-Agentur sagte.
Laut „Bild“-Zeitung starb Kohl in seinem Haus in Ludwigshafen. Wenige Minuten nach Bekanntwerden der Todesnachricht am Nachmittag bekundeten Politiker aus aller Welt Betroffenheit und Anteilnahme mit Kohls Familie. Der Staatsakt zu Ehren des Gestorbenen wird voraussichtlich in seiner Heimat Rheinland-Pfalz stattfinden.
Kohl regierte von 1982 bis 1998 als Bundeskanzler - 16 Jahre, so lange wie bisher niemand vor und nach ihm. Er war treibende Kraft für die EU und eine gemeinsame Währung. Immer wieder hob er die Bedeutung der europäischen Idee für Frieden und Wohlstand hervor. Als sein größter Erfolg gilt aber die deutsche Wiedervereinigung.
Man werde noch lange bewundern, wie entschlossen Kohl und seine Mitarbeiter die Gunst der Stunde zur Vereinigung genutzt hätten, sagte die CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel am Abend in Rom über ihren Amtsvorgänger. „Das war höchste Staatskunst im Dienste der Menschen und des Friedens. Helmut Kohl ist damit zu einem Glücksfall für uns Deutsche geworden.“
Kohl habe auch ihren Lebensweg als DDR-Bürgerin entscheidend verändert, sagte Merkel. „Ich bin ganz persönlich dankbar, dass es ihn gegeben hat.“ Er sei zudem ein Modernisierer der CDU gewesen. Merkel hatte die Nachricht von Kohls Tod während ihrer Reise nach Rom erhalten. Dorthin war die Kanzlerin für eine Privataudienz bei Papst Franziskus am Samstag geflogen. Merkel rief umgehend die Witwe Maike Kohl-Richter an.
Seit einem Sturz und Schädel-Hirn-Trauma 2008 war Kohl schwer krank, saß im Rollstuhl und konnte nur schwer sprechen. 2015 hatte sich sein Zustand deutlich verschlechtert. Nach Operationen lag er monatelang im Krankenhaus. Kohl kehrte aber wieder in sein Haus in Ludwigshafen-Oggersheim zurück.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Nachricht vom Tod ihres Vorgängers während einer Reise nach Rom erreicht. Angela Merkel würdigte Ex-Kanzler Helmut Kohl als großen Europäer und Kanzler der Einheit. Kohl war ein "Glücksfall für uns Deutsche", sagte sie am Abend in Rom.
Die Rede von Angela Merkel können Sie hier im Wortlaut nachlesen.
Foto: dpaAußenminister Sigmar Gabriel (SPD) würdigte den gestorbenen Altkanzler als großen Staatsmann. „Er war ein großer Staatsmann, ein großer deutscher Politiker und vor allem ein großer Europäer, der sehr viel dafür getan hat, dass nicht nur die Deutsche Einheit gekommen ist, sondern auch dass Europa zusammengewachsen ist“, teilte Gabriel am Freitagabend mit. „Das ist sein großes Vermächtnis. So wird er uns in Erinnerung bleiben. Wir sind in diesen Minuten in Gedanken bei seiner Familie und seinen Kindern. Es ist ein wirklich großer Deutscher gestorben.“
Foto: REUTERS„Ich habe seine Weisheit bewundert und seine Fähigkeit, fundierte, zukunftsweisende Entscheidungen auch in schwierigsten Situationen zu treffen.“
(Der russische Präsident Wladimir Putin)
Foto: dpa"Helmut Kohl war ein großer Europäer und ein sehr guter Freund", teilte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am Freitagabend mit. "Ohne Helmut Kohl gäbe es den Euro nicht." Weiter sagte er: "Nur drei Menschen, Jean Monnet, Jacques Delors und Helmut Kohl haben für ihre Verdienste für die europäische Zusammenarbeit die Ehrenbürgerschaft Europas erhalten." Das mache den Verlust umso größer – politisch wie menschlich. "In Gedenken an Helmut Kohl habe ich deshalb die Europaflaggen vor den europäischen Institutionen auf Halbmast setzen lassen."
Foto: REUTERS„Helmut Kohl hat historische Weichen für Deutschland und Europa gestellt und sich Verdienste erworben, die Bestand haben und nicht vergessen werden.“
(SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz)
Foto: REUTERS„Meister des vereinigten Deutschlands und der deutsch-französischen Freundschaft: Mit Helmut Kohl verlieren wir einen sehr großen Europäer.“
(Frankreichs Präsident Emmanuel Macron auf Twitter)
Foto: REUTERS„Helmut Kohl war ein Ausnahmepolitiker und ein Glücksfall für die deutsche Geschichte.“
(Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier)
Foto: dpa„Seine Leistungen sind bedeutend. Er hat sich Vertrauen für Deutschland in Europa und der Welt erarbeitet. Wir dürfen ihm dankbar sein.“
(Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, CDU)
Foto: REUTERS"Ein großer Deutscher und großer Europäer ist von uns gegangen. Ich verneige mich vor der Lebensleistung von #HelmutKohl."
(EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani per Twitter)
Foto: AP„Wir verdanken Helmut Kohl unendlich viel: Für unsere Freiheit, für unsere Einheit, für unser Europa!“
(Kanzleramtsminister Peter Altmaier, CDU)
Foto: dpaGrünen-Chef Cem Özdemir würdigte Kohl. Bei allem Streit mit seiner Partei hätten sich die Grünen gegenüber dem früheren CDU-Chef in einer Frage in großer Achtung verneigt, sagte Özdemir am Freitag zum Auftakt des Grünen-Parteitags: "Ein großer Europäer ist von uns gegangen." Unter dem Applaus der mehreren hundert Delegierten sagte Özdemir: "Sein Name wird für immer in Verbindung stehen mit einem der großartigsten Projekte der deutsche Nachkriegsgeschichte, der deutschen Wiedervereinigung." Kohl und die Grünen pflegten vor allem in der Anfangszeit der Partei eine starke gegenseitige Abneigung.
Foto: dpa„Helmut Kohl war Kanzler der Einheit & leidenschaftlicher Europäer. Er hat eine Generation politisch geprägt. Wir verneigen uns vor ihm. CL“
(FDP-Chef Christian Lindner)
Foto: dpaBundestagspräsident Norbert Lammert hat den gestorbenen Altkanzler Helmut Kohl (CDU) als „Persönlichkeit von historischer Größe“ gewürdigt. Kohl habe „entscheidend zu den glücklichsten Zeiten beigetragen, die wir Deutschen je hatten“, erklärte Lammert. „Wir werden ihm das nie vergessen. Sein Vermächtnis, ein weltweit geachtetes Deutschland in einem friedlich geeinten Europa, bleibt die Richtschnur unseres Handelns und ist Auftrag für alle künftigen Generationen.“ In einem Schreiben sprach Lammert Kohls Frau Maike Kohl-Richter sein Beileid auch im Namen des Bundestags aus, dem Kohl mehr als ein Vierteljahrhundert angehörte.
Foto: dpaUN-Generalsekretär António Guterres hat sich „sehr traurig“ über den Tod von Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl gezeigt. Kohl sei ein „persönlicher Freund“ von Guterres gewesen, sagte sein Sprecher Stéphane Dujarric am Freitag vor Journalisten in New York. „Es ist offensichtlich, welche historische Rolle Herr Kohl bei der Wiedervereinigung von Deutschland nur ein Jahr nach dem Fall der Berliner Mauer gespielt hat und beim historischen Weg, auf den er Deutschland gebracht hat, indem er es so gut durch die Wiedervereinigung geführt hat.“
Foto: AP„Seine Verdienste um unser Land sind unvergessen.“
(Bundesinnenminister Thomas de Maizière, CDU)
Foto: AP„Sein Tod ist ein großer Verlust. Für die CDU wird er immer ein Fixpunkt bleiben.“
(Verteidigungsministerin und CDU-Vize Ursula von der Leyen)
Foto: dpa„Gerade in diesen außenpolitisch unruhigen Zeiten sollten wir uns immer daran erinnern, wie wichtig das geeinte Europa für uns ist. Wir werden Helmut Kohl nicht vergessen, sondern sein Andenken ehren.“
(Unions-Fraktionschef Volker Kauder, CDU)
Foto: dpa„Wir trauern um den Kanzler der Einheit, Ehrenbürger Europas, unseren ehemaligen Ministerpräsidenten, CDU-Landesvorsitzenden. Ein großer Politiker“
(CDU-Vize Julia Klöckner)
Foto: AP„Ich werde mich stets an Helmut Kohl erinnern. Ein Freund und ein Staatsmann, der geholfen hat, Europa wiederzuvereinen.“
(EU-Ratspräsident Donald Tusk)
Foto: REUTERSAuch Altkanzler Gerhard Schröder trauert um seinen verstorbenen Vorgänger und würdigt Helmut Kohl als "großen Patrioten und Europäer". Schröder löste Kohl 1998 als Kanzler ab: "Obwohl wir im Jahr 1998 einen harten Wahlkampf gegeneinander geführt haben und in vielen politischen Fragen weit auseinanderlagen und -liegen habe ich für seine historische Leistung größten Respekt."
Foto: APIsraels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat „tiefe Trauer“ geäußert. Kohl sei „einer der größten Freunde des Staates Israel“ und der Sicherheit des jüdischen Staates „vollkommen verpflichtet“ gewesen, sagte Netanjahu am Freitag nach Angaben seines Büros.
Foto: dpa„Er ist der Mann, den ich als einen der größten politischen Führungsfiguren im Nachkriegseuropa ansehe.“
(Der frühere US-Präsident George H. W. Bush)
Foto: dpaHelmut Kohl war die Verkörperung eines geeinten Deutschland in einem geeinten Europa. Als die Berliner Mauer fiel, war er der Lage gewachsen. Ein wahrer Europäer.“
(Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg)
Foto: REUTERS„Der ewige Kanzler und große Europäer geht. Seine Verdienste um die Deutsche Einheit bleiben. Wir trauern um Helmut Kohl.“
(Justizminister Heiko Maas, SPD)
Foto: dpa„Er war aufgerufen, einige der monumentalsten Fragen seiner Zeit zu beantworten. Indem er sie richtig beantwortete, machte er die Wiedervereinigung eines starken, prosperierenden Deutschlands möglich und die Schaffung der Europäischen Union.“
(Der frühere US-Präsident Bill Clinton)
Foto: REUTERS
Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte am Abend die Verdienste des gestorbenen Altkanzlers für die Wiedervereinigung und den Zusammenhalt Europas. „Es ist ihm gelungen, die deutsche Einheit im friedlichen Einvernehmen und in guter Partnerschaft mit unseren europäischen Nachbarn zu erreichen. Ihm verdanken wir, dass Deutschland als europäische und geeinte Nation bestätigt und damit die „Deutsche Frage“ beantwortet wurde“, schrieb Steinmeier laut Präsidialamt an die Witwe.
Steinmeier fügte mit Blick auf die deutsche Einheit hinzu: „Sein politischer Instinkt, seine große Erfahrung und seine herausragende Begabung, Vertrauen bei unseren Nachbarn und Partnern zu gewinnen, haben ihn dazu befähigt, eine einmalige historische Chance zu erkennen und sie mit Entschlossenheit zu ergreifen.“
Kohl erkannte nach der friedlichen Revolution in der DDR 1989, dass das Fenster für die deutsche Einheit nur kurz geöffnet sein würde. Unter Hochdruck handelte er mit den Staats- und Regierungschefs der USA, der Sowjetunion, Großbritanniens, Frankreichs sowie den Verantwortlichen der Europäischen Union die Modalitäten dafür aus.
Der CDU-Politiker war ein Mann der politischen Rekorde: Von 1973 bis 1998 war er Parteichef - eine 25-jährige Amtszeit dürfte in der Partei nur schwer noch einmal zu erreichen sein. Merkel führt die Christdemokraten seit 17 Jahren. Kohl war Anfang der 90er Jahre Merkels Ziehvater in Bundesregierung und Partei gewesen. Aber sie war es, die Ende der 90er Jahre als damalige CDU-Generalsekretärin die Partei wegen der Spendenaffäre, in die Kohl maßgeblich verwickelt war, zur Loslösung vom CDU-Übervater aufforderte. Das Verhältnis der beiden blieb bis zuletzt erschüttert.
22. Juni 1993: „Meine Lebenserfahrung nach fast elf Jahren in der EG: Wenn irgendwo Geld gebraucht wird, wendet man stumm den Blick auf die Deutschen.“
Kohl vor Journalisten am 22. Juni 1993 auf dem EG-Gipfel in Kopenhagen
Foto: APMenschlichkeit der Gesellschaft: „Die Menschlichkeit einer Gesellschaft zeigt sich nicht zuletzt daran, wie sie mit den schwächsten Mitgliedern umgeht.“
Kohl im Mai 199
Foto: dpaVergleich mit Goebbels: „Er ist ein moderner kommunistischer Führer, der sich auf Public Relations versteht. Goebbels, einer von jenen, die für die Verbrechen der Hitler-Ära verantwortlich waren, war auch ein Experte in Public Relations.“
Kohl in einem Interview mit dem US-Nachrichtenmagazin „Newsweek“ im Oktober 1986 über Michail Gorbatschow
Foto: dpa„Wir gehen nach Berlin – aber nicht in eine neue Republik.“
Kohl im Juli 1999 in Anspielung an die sogenannte Bonner Republik
Foto: dpaSie und Du: „You can say you to me.“
Kohl zu Margaret Thatcher – nichtwissend, dass das englische You das höfliche Sie und das Du gleichermaßen bedeutet.
Foto: APGnade der späten Geburt: „Ich rede vor Ihnen als einer, der in der Nazizeit nicht in Schuld geraten konnte, weil er die Gnade der späten Geburt und das Glück eines besonderen Elternhauses gehabt hat.“
Kohl am 24. Januar 1984 in einer Rede vor der Knesset in Israel
Foto: dpaWahlkampf wie ein Marathonlauf: „Wahlkampf ist ein Marathonlauf. Es kommt nicht darauf an, wer auf den ersten Metern vorn liegt, sondern wer am Schluss gewinnt.“
Kohl in einem Zeitungsinterview 1998
Foto: REUTERSFreude am Leben: „Essen und Trinken - das steht für Freude am Leben.“
Kohl (hier mit seinem Amtskollegen Jacques Chirac zur Eröffnung der ANUGA in Köln 1997
Foto: APEin Europa mit einer Stimme: „Nur wenn Europa mit einer Stimme spricht und seine Kräfte bündelt, kann es sein Gewicht angemessen zur Geltung bringen.“
Kohl im Jahr 1992 in Oxford
Foto: REUTERSGeistig-moralische Wende: „Was wir brauchen, ist eine geistig-moralische Wende.“
Helmut Kohl (Mitte) mit dem Kanzlerkandidaten der CDU/CSU, Franz Josef Strauß (2. von links), und anderen im August 1980 in Mannheim.
Foto: dpaSich selbst imponieren: „Wer sich nicht selbst imponiert, kann niemand anderem imponieren.“
Helmut Kohl am Rednerpult des Bundestages im Jahr 1982
Foto: dpaVom Winde verweht: „Der Wind des Zeitgeistes weht heute da und morgen da. Und wer sich danach richtet, der wird vom Winde verweht.“
Kohl als rheinland-pfälzischer Ministerpräsident im Jahr 1975.
Foto: dpaVisionäre und Realisten: „Die Visionäre von gestern sind die Realisten von heute.“
Bundeskanzler Helmut Kohl mit dem CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß
Foto: dpaMit Kindern in die Zukunft: „Ein Land mit Kindern ist ein Land mit Zukunft. Kindern Leben zu schenken, sie groß zu ziehen, ist dem Tun des Försters vergleichbar, der einen Baum pflanzt und weiß: Wenn dieser Baum Schatten spendet, wird er selbst nicht mehr sein.“
Kohl mit Angela Merkel im Jahr 2000.
Foto: dpa
Ja zur Frau: „Wer ja sagt zur Familie, muss auch ja sagen zur Frau.“
Kanzlerin Merkel vor Kohl-Portrait
Foto: dpaFrieden aus Deutschland: „Von deutschem Boden muss in Zukunft immer Frieden ausgehen.“
Helmut Kohl mit dem gestürzten Kanzler Schmidt
Foto: dpaKein einsames Denkmal: „Ich bin kein Denkmal. Die stehen ziemlich einsam in der Gegend.“
Helmut Kohl im Wahlkampf 1990
Foto: APEhrlich in Maßen: „Ich habe versucht, ehrlich zu sein, aber in Maßen.“
Kohl mit Papst Johannes Paul II. im Jahr 1996
Foto: APAuf die Ausgabe kommt es an: „Entscheidend ist, was hinten rauskommt.“
Helmut Kohl am Rednerpult
Foto: APAuf einer Wellenlänge: „Ich weiß nicht, was der französische Staatspräsident Mitterand denkt, aber ich denke dasselbe.“
Kohl während eines CDU-Parteitags im Jahr 1991
Foto: dpaBloß nicht grüßen: „Früher hat man den Hut gar nicht tief genug ziehen können, und heute wechselt man die Straßenseite, nur um nicht Grüß Gott sagen zu müssen.“
Kohl im Jahr 2000 über Parteifreunde
Foto: APEin kollektiver Freizeitpark: „Deutschland - ein kollektiver Freizeitpark.“
Helmut Kohl im Oktober 2009
Foto: dpaKeine Manieren: „Frau Merkel konnte ja nicht richtig mit Messer und Gabel essen. Sie lungerte bei den Staatsessen herum, so dass ich sie mehrfach zur Ordnung rufen musst.“
Zitat aus dem „Spiegel“
Foto: REUTERSEin Verräter und eine Null: „Das ist ein ganz großer Verräter. Gleichzeitig ist er auch eine Null.“
Das soll Kohl in den Gesprächen mit dem WDR-Journalisten Schwan über den Ex-Bundespräsidenten Wulff gesagt haben.
Foto: APWeg über die Bücher: „Gorbatschow ging über die Bücher und musste erkennen, dass er am Arsch des Propheten war und das Regime nicht halten konnte.“
Kohl über Gorbatschow im „Spiegel“. Der Altkanzler soll davon überzeugt gewesen sein, dass die Schwäche Moskaus zum Zusammenbruch der DDR geführt habe.
Foto: dpaKlug und moralisch: „Mir war klar, dass Richard sich selbst für den Klügsten und Allermoralischsten hält.“
Kohl über den ehemals ersten Mann im Staat, Richard von Weizsäcker
Foto: dpa
Mehr als 40 Jahre war der geborene Ludwigshafener Parlamentarier, zuerst im Mainzer Landtag und von 1976 an im Bundestag. Sieben Jahre - von 1969 bis 1976 - war Kohl Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz.
1960 heiratete er die Dolmetscherin Hannelore Renner. Das Ehepaar bekam zwei Söhne, Walter und Peter. 2001 nahm sich Hannelore Kohl, die an einer schmerzhaften Lichtallergie litt, das Leben. Sieben Jahre später schloss Kohl seine zweite Ehe mit der 34 Jahre jüngeren Regierungsdirektorin Maike Richter.
Als Ausnahmepolitiker bezeichnete Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) den Altkanzler. „Sein Name wird auf alle Zeit verbunden bleiben mit der Wiedervereinigung unseres Vaterlandes.“ Er fügte hinzu: „Als langjähriges Mitglied seines Bundeskabinetts macht mich sein Tod auch ganz persönlich sehr betroffen.“
Auch SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz würdigte Kohl als „großen Europäer“ und „großen Staatsmann“. Er habe „historische Weichen für Deutschland und Europa gestellt und sich Verdienste erworben, die Bestand haben und nicht vergessen werden“. Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) erklärte. Kohl habe „sehr viel dafür getan, dass nicht nur die Deutsche Einheit gekommen ist, sondern auch dass Europa zusammengewachsen ist. Das ist sein großes Vermächtnis.“
Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg schrieb: „Als die Berliner Mauer fiel, war er der Lage gewachsen. Ein wahrer Europäer.“ EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker teilte mit: „In Gedenken an Helmut Kohl habe ich die Europaflaggen vor den europäischen Institutionen auf Halbmast setzen lassen.“ Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu äußerte „tiefe Trauer“ über den Tod Kohls. Dieser sei „einer der größten Freunde des Staates Israel“ und der Sicherheit des jüdischen Staates „vollkommen verpflichtet“ gewesen.
Der frühere US-Präsident George H. W. Bush würdigte Kohl als „wahren Freund der Freiheit“. „Er ist der Mann, den ich als einen der größten politischen Führungsfiguren im Nachkriegseuropa ansehe“, heißt es in einem Statement von Bush, das sein Büro am Freitag verbreitete. Bush war einer der US-Präsidenten, die während Kohls Amtszeit im Weißen Haus waren. Beide Politiker gelten als Väter der Deutschen Einheit.