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BundestagswahlkampfFriedrich Merz im Winterschlaf? So ein Blödsinn!

Wo ist Merz? CSU und SPD befeuern eine Quatsch-Debatte. Die Union hat ein anderes Problem. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Benedikt Becker 11.01.2025 - 15:11 Uhr

Friedrich Merz, Kanzlerkandidat und Parteivorsitzender der CDU, spricht während einer Pressekonferenz nach der Winterklausur des CDU-Bundesvorstands

Foto: Marcus Brandt/dpa

Das neue Jahr war noch keine Woche alt, da hatten sie in der CSU schon wieder was zu meckern: Wo ist Friedrich Merz? Warum hört man nichts von ihm? Ist er etwa beim Wandern im sauerländischen Wald verschollen? Oder versteckt er sich im Konrad-Adenauer-Haus, um Fehler zu vermeiden?

In Bayern sorgen sie sich redlich unredlich um die Chancen der Union in diesem Wahlkampf. Mit viel Wohlwollen könnte man es Taktik nennen. Einen Versuch, Merz zu provozieren – um ihn in Bestform zu bringen. Mit etwas Wut im Bauch redet der Mann mit der kurzen Lunte schließlich immer am besten. Ja, mit ganz viel Wohlwollen könnte man es vielleicht so sehen.

In Wahrheit ist es natürlich ganz großer Blödsinn. Was sich schon darin zeigt, dass der SPD-Chef die CSU-Vorlage dankend aufnimmt. Auch Lars Klingbeil vermutet Merz noch im ausgedehnten Winterschlaf. Die Genossen waren auch schon mal kreativer.

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Den Vorwurf, im Schlafwagen ins Kanzleramt fahren zu wollen, mussten sich schon andere favorisierte Kanzlerkandidaten der Union anhören. Er bleibt ein Klassiker der gepflegten Wahlkampfspielchen. Und er verfängt in diesen Tagen umso besser, weil Robert Habeck in Umfragen wieder beliebter wird. Ausgerechnet.

Dabei kann Merz die Vorwürfe leicht entkräften. Er hat die vom Ampel-Zwist ermüdeten Deutschen völlig zurecht über Weihnachten mit Politik verschont. Er hat danach zum Jahresanfang eine Kontroverse um die doppelte Staatsbürgerschaft ausgelöst.

Und er nahm sogar den beschwerlichen Weg ins winterliche Kloster Seeon auf sich, um den Nörglern von der CSU und Schneekönig Markus Söder höchstpersönlich die Ehre zu erweisen.

Merz war nie weg. Er will um die 80 Auftritte absolvieren. Dieser Kurz-Wahlkampf beginnt gerade erst.
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Es stimmt, dass der CDU-Chef die besten Reden als Oppositionsführer im Bundestag gehalten hat, in der Konfrontation mit dem Kanzler. Dieses direkte Duell wird es in den kommenden sechs Wochen nur selten geben. Und ob Merz die Stimmung in den Turn- und Schützenhallen wirklich trifft? Wer weiß das schon. Dennoch ist es viel zu früh, ihm ein Präsenz-Problem anzudichten. Um mit den Worten des Mentaltrainers Carsten Linnemann zu sprechen: Lasst den Mann doch einfach mal machen. Dann schauen wir weiter.

Täuschen lassen sollte man sich von dieser Quatsch-Debatte wiederum auch nicht: Es gibt ausreichend andere Gründe, sich um die Union zu sorgen. Das konnte man an diesem Wochenende in Hamburg besichtigen, wo der CDU-Vorstand eine „Agenda 2030“ und ein Paket zur inneren Sicherheit beschlossen hat. Die Steuerreform ist nun etwas konkreter beschrieben als im Wahlprogramm, die Aberkennung der Staatsbürgerschaft minimal präziser formuliert als in jüngsten Interviews.

Leider reicht es nicht.

In den Tagen, in denen die CSU den Kanzlerkandidaten Merz partout nicht finden konnte, hat er eine Grundsatzrede zur Außen- und Wirtschaftspolitik auf dem Petersberg bei Bonn gehalten. Er hat die Zumutungen nicht verschwiegen, die auf die Deutschen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zukommen. Und er hat die Bedrohung des Westens eingeordnet als historische Herausforderung, wie sie zuvor nur Adenauer und Kohl bewältigen mussten.

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Beides würde man vom Kanzler gerne mal hören. Aber auf beides gibt auch die CDU in ihrem Wahlprogramm und dem Agenda-Plan keine angemessenen Antworten.

Es fehlt ein Plan B, wie sich Steuerreformen solide finanzieren lassen, wenn die Wachstumswende nicht schnell gelingt. Es fehlt ein Konzept, wie Deutschland unter den Bedingungen der Schuldenbremse kriegstüchtig werden soll. Zur Zukunft der Exportwirtschaft in einer Welt verschärfter Systemkonkurrenz fällt der Union außer Strategie-Prosa wenig ein.
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Man kann daher nur hoffen, dass bei der neuen Programmpartei CDU nach einem Wahlsieg die alten Reflexe funktionieren. Dass sie sich im Zweifel schnell von dem lösen kann, was in ihren Papierchen steht und das Land auf Höhe der Wirklichkeit regiert.

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