Fragwürdige Studie Weniger Unternehmer im Bundestag als gemeldet

Exklusiv

Die angebliche Verdopplung der Unternehmer im Bundestag findet nach Recherchen der WirtschaftsWoche nicht statt. Die Stiftung Familienunternehmen hatte gemeldet, dass 76 Unternehmer ins Parlament einziehen.

Bundestag Quelle: dpa

Erhoben hat die Zahl der Datendienstleister Kürschners Politikkontakte im Auftrag der Stiftung. Die Studie verwendet jedoch eine erstaunlich weite Unternehmer-Definition. Auf der Liste tummeln sich etliche Ein-Mann-GmbHs, Freiberufler und Kleinstbetriebe.

Juristisch mag die Bezeichnung Unternehmer auf diese zutreffen. Sie entsprechen aber kaum dem Unternehmertyp, den sich die Stiftung Familienunternehmen seit Jahren in den Bundestag wünscht. Der AfD-Mann Bruno Hollnagel etwa beschreibt sich auf der AfD-Homepage als „Unternehmer, Portfoliomanager, Wirtschaftsanalyst und Autor mehrere Bücher“.

Laut Handelsregister arbeitet in seinem Unternehmen aber nur ein Mitarbeiter: höchstwahrscheinlich Hollnagel selbst. Freie Journalisten werden genauso als Unternehmer definiert wie der FDP-Abgeordnete Daniel Föst, der laut eigener Website zu einem „Netzwerk von Freiberuflern“ gehört, oder AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel, die vor ihrer Parteikarriere als Beraterin gearbeitet hat.

Insgesamt finden sich unter den 32 Unternehmern bei AfD und FDP, denen das Parlament angeblich die „Unternehmer-Renaissance“ verdankt, höchstens 16 Firmeneigentümer, die mehr als zehn Mitarbeiter beschäftigen.

Einer davon ist zum Beispiel Carlo Cronenberg (FDP), ein Mittelständler mit mehr als 250 Mitarbeitern im Sauerland. Auf die Unstimmigkeiten angesprochen erklärte Andreas Holzapfel, Geschäftsführer von Kürschners Politikkontakte, seine Studie habe keinen wissenschaftlichen Anspruch. Er und sein Team hätten den Abgeordneten lediglich nach ihren Selbstangaben Berufsgruppen zugeordnet.

Die Zahl könne sich bei genauerer Prüfung durchaus noch ändern. Einen vermeintlichen Unternehmer hat Holzapfel schon von seiner Liste gestrichen: Martin Schulz. Es habe sich herausgestellt, dass der SPD-Vorsitzende keine Anteile mehr an seiner Buchhandlung in Würselen halte.

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