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Friedrichshafen Und der Oberbürgermeister behält doch Recht…

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„Plan war, innerhalb von fünf bis zehn Jahren ein Vermögen von einer Milliarde Euro anzusparen“

Wie viele Rücklagen haben Sie in der Stiftung denn gebildet? Sie haben das ja 2017 sehr plakativ mit einem Sparschwein illustriert.
Wir haben zweckgebundene Rücklagen in der Summe von 300 Millionen Euro gebildet. Die Initiative zu diversifizieren, begann schon vor meiner Zeit in den Jahren 2006 und 2007. Plan war, innerhalb von fünf bis zehn Jahren ein Vermögen von einer Milliarde Euro anzusparen. Die Kapitalerträge aus diesem Vermögen sollten dann neben den Dividenden zur Finanzierung von gemeinnützigen und mildtätigen Zwecken dienen. Warum das so lange gedauert hat? Weil es erst 2014 eine Gesetzesnovelle gab, die es uns erlaubte, so eine Rücklage zu bilden. Auf unsere Rücklagen erzielten wir vergangenes Jahr eine Rendite von 5,6 Prozent. Mit seriösen Anleihen – nichts mit riskanter Spekulation. Dieses Jahr kommen wir noch ganz gut durch die Krise. Den Wertverlust seit März haben wir bis auf einen halben Prozentpunkt nahezu ausgeglichen. Aber dank dieser Möglichkeit haben wir jetzt glücklicherweise etwas im Sparschwein.

2016 wurde die Dividendenpolitik geändert. Sie wurden für diesen Eingriff in die Unternehmensgeschicke ganz schön angegangen. Fühlen Sie sich jetzt in der Krise bestätigt?
Das war eine sehr bewegte Zeit. Wir haben als Eigentümer nie in das Unternehmen eingegriffen. Ziel war, die Beziehung als Eigentümer komplett über die Dividende klarer und eindeutig zu strukturieren. Das haben wir auch erreicht.

Damals wurde kritisiert, Sie würden zu viel Geld aus dem Unternehmen abgreifen. Jetzt enden Sie mit deutlich weniger.
Früher war die Dividende ein Fixbetrag – in den vergangenen Jahren meist 50 Millionen Euro. Jetzt fluktuiert sie mit den Unternehmensergebnissen – wir erhalten stets 18 Prozent des Nachsteuergewinns. Mit einem Blick in die in die Bilanz wissen wir schwarz auf weiß, wie viel das ist. Dieses atmende Prinzip ist uns wichtig. In den letzten Jahren haben wir mit den Überschüssen nicht nur viel investiert, wir haben auch gut gewirtschaftet. Die Stiftung ist schuldenfrei, und hat die 300 Millionen Rücklagen. Der städtische Haushalt hat von der positiven Entwicklung der vergangenen 15 Jahre profitiert, wir konnten unsere Schulden abbauen auf nur noch sieben Millionen Euro. Das ist ein respektabler Wert.



Führt diese Strategie jetzt zu Beschwerden? Jetzt müssen Sie den Gürtel enger schnallen.
Wir können nur das verteilen, was vorher erwirtschaftet wurde. Was die 10000 Mitarbeiter in Friedrichshafen und 160.000 Mitarbeiter weltweit erwirtschaften, wird zunächst in den Unternehmen investiert und fließt zu einem geringen Teil über die Dividende an die Eigentümer – die Zeppelin-Stiftung und Ulderup-Stiftung. Auch die Zeppelin-Stiftung kann nur das leisten, was vorher in den Unternehmen geleistet wurde. Wir haben aktuell den städtischen und den Stiftungshaushalt pauschal gekürzt, auch beim Personal. Zukunftsprojekte wie das Innovationszentrum RITZ, den Tunnel für die Umgehungsstraße B31 und Kindergärten finanzieren und bauen wir weiter. Wir investieren in den Ausbau der Schieneninfrastruktur und über unseren Stadtverkehr in eine neue Busflotte.Aber wenn die Zukunft von Arbeitsplätzen ungewiss ist, kann man im Haushalt keine Kür einplanen.

Waren Sie enttäuscht, dass Berlin sich nicht zu einer Kaufprämie für Autos durchringen konnte?
Als Eigentümervertreter habe ich persönlich die Entscheidung aus Berlin nicht verstanden. Eine klug konzipierte Neustart-Prämie, wie sie die IG Metall konzipiert hat, hätte Signale gesetzt. Immerhin ist es jetzt entschieden. Aber für mich hat es schon Fragen aufgeworfen, ob die Automobilindustrie noch im Bewusstsein der Bundespolitik die Bedeutung hat, die sie für die Menschen, für die Arbeitsplätze und für die Wirtschaftskraft Deutschlands hat. Das hat bei mir schon bisschen gewackelt. Mein Eindruck ist, dass das Standing der Automobilindustrie ein anderes geworden ist.

Achten die Wähler in Friedrichshafen wegen der Sonderstellung darauf, dass sie einen Bürgermeister wählen, der Sachverstand mitbringt und sich in solch einer Aufsichtsratssitzung gut behaupten kann?
Der vorherige Oberbürgermeister hat als Lehrer eine andere Qualifikation und Schwerpunkte mitgebracht als ich mit meinem Verwaltungsstudium. Bei allen Unterschieden: Mein Vorgänger hat seine Funktionen wahrgenommen, genau wie ich heute. Letztlich entscheidet die Persönlichkeit und die Frage, ob man als Wähler der Person vertrauen will. Ich hoffe, dass ich mir schon eine Reputation aufgebaut habe. In den elf Jahren seit meiner ersten Wahl zum OB habe ich viel Wissen und Kompetenz aufgebaut. Nicht allein, sondern im Team mit externer und interner Unterstützung. Wir sind hier professionell aufgestellt und haben eine eigene und gut funktionierende Beteiligungsverwaltung.

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