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Großer Zapfenstreich Angela Merkels Musikwahl überrascht die Soldaten

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beim Abschied des damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff. Quelle: dpa

Angela Merkel verlässt das Kanzleramt. Verabschiedet wird sie mit einem Großen Zapfenstreich. Ihre Musikwahl überrascht selbst gestandene Soldaten.

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Für Angela Merkel ist es erstmal ein ganz normaler Arbeitstag in den Zeiten der Pandemie. Am Donnerstagmittag kommt die geschäftsführende Kanzlerin per Videoschalte mit den Ministerpräsidenten zusammen. Wie oft seit Beginn der Coronakrise im Frühjahr 2020 geht es um schärfere Maßnahmen zur Kontaktreduzierung. Doch diesmal ist es vor allem ein Tag des Abschieds für Merkel.

Nicht nur, dass es die allerletzte Ministerpräsidentenkonferenz sein dürfte, die sie leitet. Am Abend verabschiedet sich die Bundeswehr mit einem Großen Zapfenstreich von der Kanzlerin. Kommende Woche soll ihr SPD-Nachfolger Olaf Scholz im Bundestag vereidigt werden.

Der Große Zapfenstreich gilt als höchste Würdigung, welche die deutschen Streitkräfte einer Zivilperson zuteilwerden lassen können. Neben Bundeskanzlerinnen und Bundeskanzler werden etwa auch Bundespräsidenten und Verteidigungsminister bei ihrer Verabschiedung mit dem Brauch geehrt.



Seine Ursprünge gehen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Immer abends findet das Zeremoniell statt, es besteht aus einem Aufmarsch, mehreren Musikstücken - darunter die Nationalhymne - und dem Ausmarsch. Auch Fackeln gehören dazu, wenn Merkel im Bendlerblock, dem Berliner Dienstsitz des Verteidigungsministeriums, die feierliche Ehrung entgegennimmt.

Wieviel Emotion wird die so oft als nüchterne Pragmatikerin beschriebene Physikerin Merkel an diesem Abend zeigen? Ihre Amtsvorgänger Gerhard Schröder (SPD) und Helmut Kohl (CDU) waren bei den Zeremonien jedenfalls zutiefst gerührt. Als das Stabsmusikchor der Bundeswehr Mitte November 2005 in Hannover auf Wunsch Schröders als letztes Lied Frank Sinatras „My way“ intonierte, traten dem scheidenden Kanzler Tränen in die Augen.

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    Kohl wurde Mitte Oktober 1998 zum Abschied im pfälzischen Speyer mit einem Großen Zapfenstreich geehrt. Mehr als einmal sei er dabei vor der Kulisse des alten Kaiserdomes zu Tränen gerührt gewesen, berichteten damals Reporter. Als er seine Ansprache vor den rund 450 Soldaten und mehr als 15.000 Zuschauern mit den Worten „Ich wünsche unserem Vaterland Glück und Gottes Segen“ beendete, schien seine Stimme zu versagen.

    „Neun Tage Vorlauf – das ist sportlich“

    Soviel Pathos ist Merkel (67) nicht zu eigen. Sieben Minuten sind für ihre Rede eingeplant. Wegen der Coronapandemie gibt es eine deutlich geringere Zahl an Gästen als üblich, ein Empfang ist nicht geplant. Es gilt die 2G-plus-Regelung. Nur Menschen, die geimpft oder genesen sind und zusätzlich einen aktuellen Test gemacht haben, werden hereingelassen.

    Gut 50 Bundesministerinnen und -minister aus ihrer Regierungszeit hat Merkel eingeladen, dazu eine Reihe von Wegbegleitern aus verschiedenen Bereichen der Gesellschaft, heißt es. Als Ehrengast wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erwartet, er wird von seiner Ehefrau Elke Büdenbender begleitet.

    Dafür setzt die scheidende Kanzlerin mit ihrer Auswahl der traditionell drei Musikstücke des Abends Akzente. „Für mich soll's rote Rosen regnen“ von Hildegard Knef hat sich Merkel gewünscht und das ökumenische Kirchenlied „Großer Gott, wir loben Dich“. Sie ist in einem Pfarrhaushalt aufgewachsen - ihr 2011 gestorbener Vater Horst Kasner war evangelischer Theologe. Auch Merkels Mutter Herlind, die noch dabei war, als ihre Tochter am 14. März 2018 zum vierten Mal als Kanzlerin vereidigt wurde, ist tot - sie starb im April 2019.

    Eine Reminiszenz an Merkels Jugend in der damaligen DDR dürfte es sein, dass die Bundeswehr auch den Titel „Du hast den Farbfilm vergessen“ spielen soll. Die Punk-Sängerin Nina Hagen landete damit 1974 in der DDR einen Hit. Für viele Ostdeutsche, die sich vielleicht häufiger ein Bekenntnis der Kanzlerin zu ihren Wurzeln gewünscht haben, könnte das ein Signal sein. Nina Hagen schrieb in ihrer Autobiografie, das Lied triefe vor Ironie, es spiele „im Milieu einer irren Sehnsucht danach, dieser Schwarzweißwelt zu entfliehen“.

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    Beim Stabsmusikkorps der Bundeswehr hat Merkels Auswahl für Zeitdruck gesorgt. „Die Wünsche kamen spät und haben mich überrascht“, sagte Dirigent und Oberstleutnant Reinhard Kiauka der Tageszeitung „taz“. „Wir hatten neun Tage Vorlauf. Das ist sportlich.“ Die Songs von Knef und Hagen seien im Notenarchiv nicht vorhanden gewesen - die Instrumentierung beim Zapfenstreich ist mit Blasinstrumenten und Schlagwerken festgelegt. Ein Klarinettist des Musikkorps habe deswegen innerhalb von zwei Tagen ein neues Arrangement geschrieben. Man darf gespannt sein, wie Merkel auf die Musikstücke reagiert.

    Mehr zum Thema: Was auf Merkels Nachfolger in Brüssel zukommt.

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