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Impfarzt über AstraZeneca-Stopp „Ich war ziemlich fassungslos“

Quelle: REUTERS

Der plötzliche Stopp von AstraZeneca hat viele Ärzte überrascht. Impfarzt Pascal Nohl-Deryk über Sorgen, Enttäuschungen und mangelhafte Kommunikation durch Jens Spahn.

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Pascal Nohl-Deryk ist Arzt und befindet sich gerade in Weiterbildung zum Allgemeinmediziner. Nebenbei arbeitet er als Impfarzt in einem Impfzentrum in Baden-Württemberg. Im Podcast „Gesundheit.Macht.Politik“ spricht Nohl-Deryk über Gesundheitspolitik.

WirtschaftsWoche: Herr Nohl-Deryk, Sie arbeiten als Impfarzt in einem Impfzentrum in Baden-Württemberg. Als gestern der Impfstopp mit AstraZeneca verkündet wurde, steckten Sie gerade mitten im Impfablauf. Wie haben Sie von dem Stopp erfahren?
Pascal Nohl-Deryk: Eher zufällig, denn wir wussten erstmal nichts. Ein Kollege kam mit der Nachricht auf seinem Smartphone zu mir, da war ich gerade noch mit einer frisch geimpften Person beschäftigt, die wollte ich nicht verunsichern. Wir haben uns dann mit der Schichtleitung des Impfzentrums abgesprochen und geschaut, ob’s auf den Seiten vom Gesundheitsministerium, vom Robert Koch-Institut oder dem Paul-Ehrlich-Institut Informationen gibt. Aber da stand noch nichts.

Dann haben Sie erstmal weiter geimpft?
Klar, wir haben dann kurz weiter geimpft. Es gab ja außer den Medienmeldungen nichts Offizielles. Wir haben aber niemand neuen ins Impfzentrum gelassen, bis es dazu Klarheit gab. Einige Minuten nach den Eilmeldungen kam dann die Information vom Landessozialministerium, dass alle Impfungen mit AstraZeneca gestoppt werden sollen.

Pascal Nohl-Deryk Quelle: Privat

Und dann haben Sie sofort aufgehört?
Ja, das war dann ja die offizielle Anweisung. Die Impflinge, die kurz vorher dran waren, haben gerade noch Glück gehabt. Alle anderen mussten wir dann nach Hause schicken, denn gestern gab es als Impfstoff bei uns nur den von AstraZeneca.

Mussten Sie viele Dosen wegwerfen, weil die Flaschen bereits geöffnet waren?
Nein, zum Glück mussten wir nur eine aufgezogene Spritze verwerfen. Aber die Sorge und die Enttäuschung bei den Leuten, die gerade geimpft worden waren oder die noch auf ihre Impfung gewartet haben, war natürlich groß.

Hätten Sie sich eine bessere Kommunikation gewünscht von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn?
Ja, denn ich war ziemlich fassungslos. Warum nimmt man sich nicht die Viertelstunde und informiert diejenigen, die da in den Impfzentren arbeiten? Wir waren da plötzlich in einer sehr schwierigen Lage und ich denke, dass es in vielen anderen der gut 430 Impfzentren ähnlich war.



Konnten Sie die Leute beruhigen?
Wir wussten ja auch nicht mehr als die paar knappen Zeilen, die verschickt worden waren. Und die, die gerade AstraZeneca bekommen und den Stempel frisch im Impfpass hatten, haben entsprechend viele Fragen gehabt. Viele sind zwar rational geblieben, aber andere Leute, die aufgrund von Vorerkrankungen ohnehin ein höheres Thrombose-Risiko haben, und davon gibt es in der Risikogruppe 2 einige, waren verständlicherweise noch besorgter.

Und konnten Sie auch diesen Impflingen die Sorge nehmen?
Ja, ich denke schon, denn wir hatten dann ja plötzlich ganz viel Zeit, weil wir nicht mehr weiter impfen mussten. Aber die, die ohne Impfung nach Hause gehen mussten, haben natürlich Fragen, auf die wir keine Antworten hatten, etwa, wann dann der Ersatztermin ist, ob sie einen anderen Impfstoff bekommen können und wie es mit AstraZeneca weiter geht.

Was glauben Sie, wie es nach dem Stopp mit der Impfkampagne weitergeht?
AstraZeneca ist ja zum Glück bezogen auf die Gesamtmenge nicht der wichtigste Impfstoff bei uns in Deutschland, aber der Stopp wird auch bei einem kurzzeitigen Aussetzen vermutlich dazu führen, dass die Impfkampagne an Fahrt verliert. Die Hausärzte dürfen sich ab heute sicher auch viele Fragen anhören, denn erst haben sie ihre Patienten ausführlich dazu beraten und nun gibt’s Zweifel.

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Zweifel Sie denn auch an AstraZeneca?
Ich bin als Impfarzt schon seit Ende Dezember tätig und wurde im Januar geimpft, damals gab es nur Biontech. Aber auf Grundlage der aktuellen Informationen hätte ich kein Problem, mich mit dem Impfstoff von AstraZeneca impfen zulassen. Dennoch ist es sicher gut, dass sich das Paul-Ehrlich-Institut die Daten noch einmal anschaut, um dann hoffentlich das Vertrauen in den Impfstoff wieder zu stärken.

Mehr zum Thema: Viele Deutsche wollen sich lieber nicht mit AstraZeneca impfen lassen und sagen ihre Termine ab. Klaus Hinterding, einer der Geschäftsführer von AstraZeneca in Deutschland, nimmt Stellung zu den Vorwürfen.

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