Koalition: Verteidigungsexperten wollen israelische Drohne
Die Bundeswehr hat bereits vor Jahren drei Drohnen vom Typ „Heron 1“ für den Afghanistan-Einsatz gemietet.
Foto: dpaDie Verteidigungsexperten der Koalition im Bundestag setzen sich für die Anmietung einer bewaffnungsfähigen Drohne aus Israel ein. „Ich bin sehr für eine Fortführung der Vertragsbeziehung mit Israeli Aerospace Industries“, sagte der verteidigungspolitische Sprecher der SPD, Rainer Arnold, der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Von dem Unternehmen hat die Bundeswehr seit 2010 drei Drohnen vom Typ „Heron 1“ für den Afghanistan-Einsatz gemietet. Der Vertrag läuft in neun Monaten aus. Das größere Nachfolgemodell „Heron TP“ könnte auch Waffen tragen.
„Der Heron hat sich in Afghanistan bewährt, Ausbildung und Einsatz sind eingeübt“, sagte Arnold. Ähnlich äußerte sich sein CDU-Kollege Henning Otte: „Wir haben mit der Heron-Drohne gute Erfahrungen in Afghanistan gemacht und sind als Kunde gut behandelt worden. Im Einsatz kommt es auf Zuverlässigkeit an. Warum sollten wir jetzt die Pferde wechseln?“
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte sich in der vergangenen Woche dafür ausgesprochen, bei Bedarf mit Zustimmung des Bundestags bewaffnungsfähige Drohnen anzumieten. Einziger Konkurrent der „Heron“ ist die US-Drohne „Reaper“ (auch „Predator B“ genannt), die von den USA für gezielte Angriffe auf mutmaßliche Terroristen in Pakistan, im Jemen oder in Somalia eingesetzt wird.
Die Northrop Grumman X-47 Pegasus ist das erste unbemannte Kampfflugzeug und fliegt fast schallschnell. Nun ist nun eine B-Variante im Test, sie so gut steuerbar sein soll, dass sie selbst die extrem anspruchsvollen Landungen auf Flugzeugträgern schaffen soll. Boeing hat parallel von seiner X-45 zwar vier Varianten gebaut. Doch am Ende machte doch Northrop das Rennen.
Hersteller: Northrop Grumman
Stückpreis: k.A.
Bewaffnung: noch in der Entwicklung
Maße: 8,50 – 11,63 lang, 8,47 -18,93 Flügelspannweite
Reichweite: 2800 – 6500 km
Flughöhe: max. 12 100
Steuerung: Autonom und Pilot am Boden
Die "MQ-9 Reaper" (ehemals "Predator B") ist eine Weiterentwicklung der Predator. Der - wörtlich übersetzt – „Sensenmann“ kann die zehnfache Waffenlast befördern und fliegt seit 2007.
Hersteller: General Atomics
Stückpreis: 10,5 Millionen Dollar
Bewaffnung: bis zu 1361 kg (Bomben oder Raketen wie "AGM-114 Hellfire" und "AIM-9 Sidewinder")
Maße: 10,97 m lang, 20,12 m Flügelspannweite
Reichweite: 5926 km
Flughöhe: max. 15.400 m
Steuerung: Fernsteuerung durch einen Piloten
Die "RQ-1 / MQ-1 Predator" war 1995 die erste US-Drohne. Anlass für den Bau der von einem aus Israel eingewanderten Ingenieur war, dass im somalischen Bürgerkrieg Piloten abgestürzter Aufklärungshubschrauber qualvoll ermordet und zur Schau gestellt wurden. Nach den positiven Erfahrungen im Balkankrieg folgte eine bewaffnete Version, die seit 2001 mehrere Hundert Einsätze zum gezielten Töten flog.
Hersteller: General Atomics
Stückpreis: rund 4.5 Millionen Dollar
Bewaffnung: zwei Luft-Boden-Raketen wie die "AGM-114 Hellfire"
Maße: 8,23 m lang, 14,84 m Flügelspannweite
Reichweite: 3704 km
Flughöhe: max. 7620 m
Steuerung: Fernsteuerung durch Piloten
IAI Heron
Hersteller: IAI Northrop Grumman
Stückpreis: gut 20 Millionen Euro
Bewaffnung: keine
Maße: 8,50 Meter, 16,6 Flügelspannweite
Reichweite: 5000 km
Flughöhe: 9100 Meter
Steuerung: Fernsteuern
IAI Heron ist die internationale Ausgabe der israelischen Aufklärungsdrohne Machatz-1. Seit den ersten Flügen für die israelische Armee in 2007 haben acht weitere Staaten das System übernommen. Deutschland hat von einem Konsortium aus IAI und Rheinmetall drei Exemplare geleast, die seit 2010 in Afghanistan fliegen. Seit 2007 gibt es eine leistungsfähigere Version namens Heron TP.
Foto: REUTERSDie "RQ-7 Shadow 200" nutzen die US-Streitkräfte seit 2003 zur Aufklärung. Die nur 154 Kilogramm schwere Drohne treibt ein 38-Ps starker Wankelmotor. Sie kann vier Stunden fliegen und sich nur 125 Kilometer von der Bodenstation entfernen.
Hersteller: AAI Corporation
Stückpreis: 275.000 Dollar
Bewaffnung: keine
Maße: 3,4 m lang, 3,9 m Flügelspannweite
Reichweite: 125 km
Flughöhe: max. 4600 m
Steuerung: autonom, mit GPS
Die "RQ-4 Global Hawk“ Langstrecken-Aufklärungsdrohne ist der Vorläufer des "Euro Hawk", der statt der amerikanischen Sensoren Elektronik der deutschen EADS hat. Die Drohne kann ein rund 100 000 Quadratkilometer großes Gebiet überwachen. Sie fliegt höher und dank eines Düsentriebwerks auch schneller.
Hersteller: Northrop Grumman
Stückpreis: 35 Millionen Dollar
Bewaffnung: keine
Maße: 13,53 m lang, 35,42 m Flügelspannweite (RQ-4A) bzw. 14,50 m lang, 39,89 m Flügelspannweite (RQ-4B)
Reichweite: 25.000 km (RQ-4A) bzw. 22.780 km (RQ-4B)
Flughöhe: max. 19.800 m
Steuerung: autonom, mit GPS und Fernsteuerung durch Piloten am Boden
Camcopter S-100 (Schiebel, Österreich)
In einer Stückzahl von 100 Exemplaren pro Jahr stellt das Wiener Unternehmen den unbemannten Helikopter her. Die mehr als drei Meter lange Heli-Drohne kann mit leichteren Raketen bestückt werden und ist unter anderem für die chinesische und jordanische Armee im Einsatz.
Foto: GNUBarracuda (EADS-Tochter Cassidian Air Systems, Deutschland/Spanien)
Die moderne Drohne besteht kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff und ist damit superleicht. Der Prototyp wird in Deutschland entwickelt, wurde bislang aber noch nicht zur Serienreife gebracht. Eurofighter-Hersteller Cassidian hofft auf Exportaufträge.
Foto: PresseIAI Heron ist die internationale Ausgabe der israelischen Aufklärungsdrohne Machatz-1. Seit den ersten Flügen für die israelische Armee in 2007 haben acht weitere Staaten das System übernommen. Deutschland hat von einem Konsortium aus IAI und Rheinmetall drei Exemplare geleast, die seit 2010 in Afghanistan fliegen. Seit 2007 gibt es eine leistungsfähigere Version namens Heron TP.
Hersteller: IAI Northrop Grumman
Stückpreis: gut 20 Millionen Euro
Bewaffnung: keine
Maße: 8,50 Meter, 16,6 Flügelspannweite
Reichweite: 5000 km
Flughöhe: 9100 Meter
Steuerung: Fernsteuern
Foto: rtr
WZ-2000 (GAIC, China)
Auf der wichtigsten Luftfahrtmesse in Asien in Shenyang wurden nicht nur Kampfjets (im Bild) präsentiert, sondern auch die knapp zehn Meter breite Kampfdrohne "Wing Loong". Sie wird seit 1999 von den Chinesen entwickelt – und kann mit zwei Raketen ausgestattet werden. Wie viele dieser Drohnen Chinas Armee besitzt und wie zuverlässig sie arbeiten, ist nicht bekannt.
Foto: dpaRQ-170 Sentinel (Lockheed Martin, USA)
Die erste Tarnkappen-Drohne der Welt steht im Dienst der US-Streitkräfte und machte mit einem Absturz im Iran Schlagzeilen. Allerdings wurde das Gerät bislang nicht mit Waffensystemen bestückt, sondern dient (vorerst) nur der Aufklärung.
Foto: WirtschaftsWocheBundespräsident Joachim Gauck gegrüßte im ZDF-Sommerinterview die aufkommende Debatte über Drohnen-Einsätze durch die Bundeswehr und plädierte dafür, sie sorgfältig zu begleiten, „auch mit unserem kritischen Urteil“. Er wolle bei der Bewertung Bundestag und Bundesregierung nicht vorgreifen. „Aber dass es darüber eine Debatte gibt, das wünsche ich mir geradezu.“
Die SPD ist in der Drohnen-Debatte uneins. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann sprach sich im „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Samstag) vage für eine „breite gesellschaftliche, ethische und verteidigungspolitische Debatte“ aus. Zuvor hatte sich SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi gegen Kampfdrohnen positioniert, während die Verteidigungsexperten der SPD die unbemannten Flieger für den Schutz der eigenen Soldaten bei gefährlichen Einsätzen haben wollen.
Unions-Fraktionschef Volker Kauder sagte dem „Focus“, die Soldaten hätten in ihren Einsätzen Anspruch auf die bestmögliche Ausrüstung. „Gerade in Afghanistan hat sich gezeigt, wie wichtig Drohnen zum Schutz und für die Aufklärung sind.“ Er plädiere für eine „Debatte ohne Vorfestlegungen“. Der CDU-Politiker zeigte sich „überzeugt, dass die Bundeswehr mit Drohnen verantwortungsvoll umgehen würde“.
Nach einer Emnid-Umfrage für das Nachrichtenmagazin „Focus“ lehnen 55 Prozent der Deutschen den Einsatz bewaffneter Drohnen durch die Bundeswehr ab. Nur 40 Prozent befürworten ihn.
Der Absturz einer „Heron“-Drohne der Bundeswehr in Afghanistan im vergangenen November hatte nach einem „Spiegel-Bericht“ nicht nur technische Ursachen, ein Grund sei auch menschliches Versagen. Das gehe aus dem ersten Entwurf eines Untersuchungsberichts der Bundeswehr hervor. Demnach seien für den Absturz eine unterbrochene Satellitenverbindung und auch eine „fehlerhaft programmierte Notfallroute“ verantwortlich. Diese sei auch aus „Zeitdruck“ falsch eingegeben worden.