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Riester-Rente Aktuare schlagen Alarm: Ohne Reform droht der Riester-Rente das Aus

Die DAV will eine Reform, bei der den Kunden der Erhalt der eingezahlten Beiträge nicht mehr garantieren werden müsse. Sonst stehe die Riester-Rente vor dem Aus.

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„Dann können die Versicherer das Produkt schlicht nicht mehr anbieten“, warnen Versicherungsmathematiker. Quelle: dpa

Ohne eine Gesetzesreform noch vor der Bundestagswahl droht der Riester-Rente nach Ansicht führender Versicherungsmathematiker das Aus. „Dann können die Versicherer das Produkt schlicht nicht mehr anbieten“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV), Guido Bader, am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Die DAV, in der rund 15.000 Versicherungsmathematiker zusammengeschlossen sind, fordert im Zuge der Reform eine Abkehr von der gesetzlichen Vorgabe, den Kunden den Erhalt der eingezahlten Beiträge zu garantieren. Das sei angesichts der Dauer-Niedrigzinsen nicht mehr darstellbar.

„Nur mit einer Reduzierung der Beitragsgarantie etwa auf 80 Prozent können die Versicherer die Beiträge in ausreichendem Maße in chancenreiche Substanzwerte wie Aktien oder Immobilien anlegen. Sonst ist das auch für den Sparer kein attraktives Produkt mehr“, warnte Bader, der dem Vorstand der Stuttgarter Versicherung angehört.

Die Beitragsgarantie zwingt die Anbieter, das eingezahlte Geld so konservativ anzulegen, dass es praktisch keine Zinsen mehr bringt und sie ihre Kosten nicht mehr decken können. „Die Banken bieten heute schon keine Riester-Produkte mehr an, und die Fondsgesellschaften steigen zunehmend aus. Und auch immer mehr Versicherer werden sich ohne eine Neuregelung zurückziehen“, sagte der DAV-Chef. Aktuare sind unter anderem dafür verantwortlich, zu entscheiden, welche Zusagen an Kunden sich die Lebensversicherer leisten können.

Eine Riester-Reform steht zwar im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD, ist aber angesichts der Corona-Krise und des Wirecard-Skandals aus dem Blickfeld geraten. In einer Reuters vorliegenden Liste der geplanten Gesetzesvorhaben bis zur Wahl im September fehlt sie. „Wir vermissen eine klare Ansage der Politik, was mit der Riester-Rente passieren soll“, sagte der DAV-Chef.

„Unseres Erachtens ist da Eile geboten. Wir brauchen bis spätestens Ende Mai Klarheit, sonst gibt es keine Chance, das noch rechtzeitig bis zum Jahreswechsel umzusetzen.“ Auch Fondsgesellschaften wie Union Investment hatten sich deswegen in Briefen an Bundesfinanzminister Olaf Scholz gewandt. Union hatte dabei sogar eine Senkung der Beitragsgarantie auf 70 Prozent ins Gespräch gebracht.

Die 2001 eingeführte Riester-Rente sollte ein weiteres – staatlich gefördertes – Standbein der privaten Altersvorsorge werden. Mehr als 16 Millionen Verträge sind im Umlauf. Doch das Neugeschäft stockt, weil die Renditen unattraktiv sind.

Die Riester-Reform soll nach den Vorstellungen der Aktuare mit der Senkung des Höchstrechnungszinses (Garantiezins) in der Lebensversicherung auf 0,25 von bisher 0,9 Prozent ab 2022 verbunden werden.

Die Versicherungsmathematiker haben dafür ein Vorschlagsrecht. Auch die Entscheidung darüber war im Frühjahr im Ministerium vertagt worden. Die Finanzaufsicht BaFin hat aber klar gemacht, dass sie neue Tarife mit einem Garantiezins von 0,9 Prozent nicht mehr genehmigen werde. Das setzt auch Anbieter von Riester-Renten unter Druck. „Die Kosten bei diesen Produkten – im Branchenschnitt rund 0,8 Prozent Renditeminderung – lassen sich nicht so weit reduzieren, dass es noch wirtschaftlich wäre“, sagte Bader.

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