Russisches Gas Schluss mit der Blauäugigkeit!

Wird Russland die Verträge für die Gaslieferungen einhalten oder kommt es zum Stop? Quelle: imago images

Im Sommer 2022 auf russische Vertragstreue zu setzen ist nicht naiv – sondern fahrlässig. Die Bundesregierung muss sich endlich auf einen harten Winter einstellen. Ein Kommentar.

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Größer könnte der Kontrast kaum sein. Während der Chef der Internationalen Energieagentur Fatih Birol von einer „bedrohlichen Lage“ bei der Gasversorgung spricht, spielen Entscheider im Berliner Regierungsviertel die Situation immer noch herunter. Russland habe sich noch immer an Verträge gehalten, heißt es dort, selbst während der Kuba-Krise. Mit genau demselben Argument haben deutsche Politiker und Unternehmen in Brüssel über Jahrzehnte die deutsche Abhängigkeit vom russischen Gas schöngeredet.

Im Sommer 2022 darauf zu vertrauen, dass Russland Verträge erfüllt, ist nicht mehr naiv – es ist grob fahrlässig. Wenn Gazprom Lieferausfälle nun bereits mit höherer Gewalt rechtfertigt, zeigt das, wie wenig rechtsverbindliche Absprachen in diesen Tagen zählen.

Egal, ob nach den Wartungsarbeiten an der Pipeline Nord Stream 1 viel, wenig oder gar kein Gas fließen wird – Deutschland muss sich darauf einstellen, dass es sich auf die Lieferungen aus Russland nicht verlassen kann.

Wissenswertes zur Gaspipeline Nord Stream 1

Russlands Präsident Wladimir Putin hat erkannt, dass er mit der Energie eine Waffe in der Hand hält. Auf die Erlöse ist er nicht angewiesen, die hohen Energiepreise haben große Profite in die Kriegskasse gespült. Seit dem Angriff auf die Ukraine im Februar hat Russland mit Öl und Gas 95 Milliarden Dollar eingenommen. Doppelt so viel wie im Vergleichszeitraum im Durchschnitt der Vorjahre.

Putin weiß, dass es nicht in seinem Interesse ist, den Gashahn noch im Sommer abzudrehen. Wenn er die Lieferungen auf niedrigem Niveau aufrechterhält, entfällt der Schockeffekt in Berlin. Der wäre aber offensichtlich dringend nötig, damit die Verantwortlichen den Ernst der Lage erkennen.

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