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Städteranking 2020Die besten Städte für Familien

Kitas, Grünflächen, Ärzte, Sicherheit, schnelles Internet: Die Anforderungen von Eltern und Kindern an eine lebenswerte Stadt sind vielfältig. Unser Städteranking zeigt, wo es Familien am besten haben.Theresa Rauffmann 27.11.2020 - 15:01 Uhr

In Rostock gibt es die meisten Kita-Plätze für Kinder unter drei Jahren - super für Familien. Auf dem Bild spielen Kinder der integrativen Rostocker Kindertagesstätte "Lindenpark".

Foto: dpa

In Stuttgart ist jeder dritte Beschäftigte ein Akademiker, in Bottrop nicht einmal jeder zehnte. Dafür ist in Bottrop der Autobahnanschluss näher und die Wohnfläche größer. In Frankfurt wird mehr gegründet als in Berlin und die Münchner zahlen mehr als ein Drittel ihres Einkommens für ihre Miete. All das sagt etwas über die Attraktivität von Städten aus, aber doch wenig über ihre Familienfreundlichkeit. Eltern mit Kindern ist es oft wichtiger, dass es gute Kitas und Schulen gibt. Genug Platz zum Spielen und wenig Kriminalität. Aber auch schnelles Internet, gute Ärzte und genug Krankenhausbetten spielen eine Rolle.

„Jüngere Familien mit einem hohen Ausbildungsstand, die mobil sind und die sich überall ansiedeln könnten, gucken sehr genau nach dem Freizeitwert“, sagt Regionalökonom Jens Südekum im WirtschaftsWoche-Podcast „Chefgespräch“. „Aber sie schauen auch nach der Qualität der Schulen, des Bildungsangebots, der Verkehrsqualität, digitaler Infrastruktur – und etwas, das ich als bürgerschaftliches Klima bezeichnen würde: kulturelle Szene, Restaurants, Museen und so weiter. Das spielt eine wichtigere Rolle, als man so denkt. Es ist nur schwer zu quantifizieren“, so Südekum.

Wie familienfreundlich eine Stadt ist, ist auch maßgebend für die Wirtschaft vor Ort. Denn von wo es Familien wegzieht, zieht es damit auch Arbeitskräfte weg – aktuelle und zukünftige. Und damit im Zweifelsfall auch die Unternehmen selbst. Als Standortfaktor ist die Familienfreundlichkeit damit enorm wichtig. Wo die Angebote für Familien passen und wo es Verbesserungspotenzial gibt, zeigt eine Datenanalyse im Rahmen des großen WirtschaftsWoche-Städterankings. Alle 71 kreisfreien Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern wurden dafür verglichen.



Wo ist die Kitaversorgung am besten? 

Das Städteranking kann zwar keine Aussagen über die Qualität der Kitaplätze und über die Ausbildung der Erzieher treffen. Sehr wohl aber dokumentiert die Rangliste, wo die Versorgung am besten ist und die Städte die meisten Kapazitäten geschaffen haben. Das Ergebnis: Eltern von Kindern unter drei Jahren haben die meiste Auswahl an Kita-Plätzen in den neuen Bundesländern. Nirgendwo sonst werden mehr von ihnen betreut als in Rostock (60,7 Prozent eines Jahrgangs), Magdeburg (56,7) und Jena (56). Mit Potsdam, Dresden und Halle folgen weitere Ost-Städte. Das lässt sich auch historisch erklären: In der ehemaligen DDR gingen deutlich mehr Frauen arbeiten als im Westen. So hat sich die Infrastruktur für die Kinderbetreuung entwickelt – und dieses System hat nach der Wende vielerorts überlebt. Zum Vergleich: Die geringste Kita-Quote für Kinder unter drei Jahren gibt es in Mönchengladbach (17,8), Salzgitter (17,1) und Duisburg (16,8). 

Die regionalen Unterschiede merkt man auch bei der Versorgung der Drei- bis Sechsjährigen: In Rostock und Jena gibt es rechnerisch sogar mehr Kita-Plätze als Kinder in dem betreffenden Alter. Doch hier mischt auch Westdeutschland ganz vorne mit. Auch in Freiburg gibt es mehr Kita-Plätze als Kinder. In Potsdam, Münster und Dresden kann statistisch fast jedes Kind in einer Kita versorgt werden. Fazit: Im Osten ist es für Familien weniger stressig, einen Betreuungsplatz für die lieben Kleinen zu finden – zumindest noch. Doch auch im Westen wird die Versorgungsinfrastruktur langsam besser. 

Platz 10: Darmstadt
Darmstadt klettert im Vergleich zum Vorjahr um einen Platz nach oben und schafft es auf Rang zehn der besten Städte Deutschlands im Niveauranking. Es bewertet die Wohn-, Lebens-, Arbeits-, und Wirtschaftssituation der deutschen Großstädte.

>> Die detaillierten Ergebnisse zu Darmstadt im Städteranking 2020 finden Sie hier.

>> Was macht Städte stark? Im Podcast spricht Regionalökonom Jens Südekum über die wichtigsten Standortfaktoren – und die Chancen der Provinz.
>> Hier finden Sie alle Beiträge zum großen Städteranking der WirtschaftsWoche.

Foto: imago images

Platz 9: Hamburg
Die Millionenstadt an der Elbe behauptet Platz neun. Hamburg punktet in vielen Bereichen. Auf den sechsten Rang schafft es die Hansestadt im Städte-Vergleich bei der Abiturquote, bei den Gründungen landet Hamburg erneut auf Rang vier.

>> Die detaillierten Ergebnisse zu Hamburg im Städteranking 2020 finden Sie hier.

Foto: dpa

Platz 8: Regensburg
Im WiWo-Ranking 2020 geht es zwei Plätze abwärts für die Universitätsstadt an der Donau. Im Teilindikator Lebensqualität reicht es nur für Rang 25 unter den 71 getesteten Städten.

>> Die detaillierten Ergebnisse zu Regensburg im Städteranking 2020 finden Sie hier.

Foto: imago images

Platz 7: Ulm
Ein gutes Beispiel für die Standortqualität, die Deutschland auch abseits der großen Metropolen bietet: Ulm profitiert von seiner exzellenten Lage in einer starken Mittelstandsregion an der Grenze von Bayern und Baden-Württemberg. In der Teilwertung Arbeitsmarkt sichert sich Ulm Rang fünf.

>> Die detaillierten Ergebnisse zu Ulm im Städteranking 2020 finden Sie hier.

Foto: imago images

Platz 6: Wolfsburg
Natürlich, der Volkswagen-Konzern hat schon bessere Tage gesehen. Aber die niedersächsische Autostadt lebt weiterhin mehr als gut vom Konzern, der für hunderttausende Arbeitsplätze, üppige Steuereinnahmen und hohe Forschungsinvestitionen steht. Im Teilindikator Wirtschaft bedeutet das den dritten Rang unter den 71 getesteten Städten 2020.

>> Die detaillierten Ergebnisse zu Wolfsburg im Städteranking 2020 finden Sie hier.

Foto: dpa

Platz 5: Frankfurt am Main
Die Finanzindustrie ist am Main traditionell der ökonomische Platzhirsch. Das ohnehin schon ziemlich kosmopolitische „Mainhattan“ dürfte in den kommenden Jahren sogar noch an Attraktivität und Anziehungskraft gewinnen. Bei Immobilienmarkt und Lebensqualität kraxelt Frankfurt jeweils auf einen starken Rang drei.

>> Die detaillierten Ergebnisse zu Frankfurt am Main im Städteranking 2020 finden Sie hier.

Foto: dpa

Platz 4: Erlangen
Für Erlangen geht es im Vergleich zum Vorjahr um zwei Plätze nach unten. Im Teilranking Arbeitsmarkt steht die Stadt aber ganz weit oben: Rang zwei.

>> Die detaillierten Ergebnisse zu Erlangen im Städteranking 2020 finden Sie hier.

Foto: dpa

Platz 3: Stuttgart
Die schwäbische Metropole landet erneut auf einem starken dritten Platz, was beim Niveau schon eine ziemliche Leistung ist. Das verdanken die Stuttgarter vor allem ihrer starken Wirtschaftsstruktur – Daimler, Porsche und Co. sorgen trotz Abgasskandal noch immer für Wohlstand.

>> Die detaillierten Ergebnisse zu Stuttgart im Städteranking 2020 finden Sie hier.

Foto: dpa

Platz 2: Ingolstadt
Platz zwei geht in diesem Jahr nach Bayern: Ingolstadt kann im Vergleich zu 2019 seine Position verbessern und klettert um zwei Ränge empor. Arbeitsmarkt und Unternehmen strotzen vor Kraft. Die Heimatstadt des Autobauers Audi liegt in Sachen Arbeitsplatzversorgung auf Platz drei, ein bisschen schlechter sieht es bei der Lebensqualität aus: Hier reicht es für Rang zwölf.

>> Die detaillierten Ergebnisse zu Ingolstadt im Städteranking 2020 finden Sie hier.

Foto: imago images

Platz 1: München
Die bayerische Landeshauptstadt und Hochburg der Dax-Konzerne landet auch in diesem Jahr im Niveau-Ranking ganz oben. Renommierte Weltmarken wie BMW oder Siemens garantieren hochbezahlte Jobs, zudem floriert der Immobilienmarkt. Das führt seit Jahren zum unangefochtenen Platz an der Spitze.

>> Die detaillierten Ergebnisse zu München im Städteranking 2020 finden Sie hier.
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Foto: WirtschaftsWoche

Wo gibt es die besten Schulen?

Der Ernst des Lebens beginnt in der Schule. Und damit auch die Bildung der Kinder. Das Städteranking kann zwar weder die Ausstattung der Schulen noch die Qualität des Matheunterrichts abbilden. Doch es wird deutlich, wo die meisten Schüler mindestens einen Hauptschulabschluss schaffen – und wo es im Verhältnis zu den Schulabgängern die meisten Abiturienten gibt.  Die bestplatzierten Städte in dieser Kategorie sind Mainz und Heidelberg. Nur 3,1 Prozent der Schüler verlassen die dortigen Schulen ohne Abschluss. Ähnlich gute Werte gibt es in Darmstadt (3,4), Wolfsburg (3,8), Erlangen (4) und Bonn (4). Am anderen Ende der Skala steht Ludwigshafen am Rhein: Hier bricht fast jeder achte Schüler, 13,3 Prozent, die Schule ohne Abschluss ab. Auch in Halle (12,5), Salzgitter (12,3) und Leipzig (11,2) gibt es überdurchschnittlich viele Schulabbrecher.  

In Heidelberg und Mainz machen auch besonders viele Schüler Abitur: gut 55 Prozent der Schüler erwerben eine Hochschulzugangsberechtigung. Für viele Eltern ein wichtiges Kriterium, im Hinblick darauf, dass viele ihren Kindern wünschen, später einmal studieren zu können. Noch besser steht Potsdam mit 59,1 Prozent da und auch in Jena (55), Münster (52,9) und Hamburg (52,8) besucht ein Großteil der Schüler die Schule bis zum Abitur. Schlusslicht ist hier Salzgitter: Nur jeder fünfte Schulabgänger (19,2 Prozent) macht hier Abitur. Auch in Offenbach am Main (26,3), Fürth (29,2) und Heilbronn (29,3) erlangen vergleichsweise wenig Schüler die Hochschulreife. 

Podcast – Chefgespräch

Ökonom Südekum: „Viele Industriestädte werden enorme Probleme bekommen“

von Beat Balzli und Bert Losse

Was ist die sicherste Stadt Deutschlands? 

Ein guter Job und eine gute Versorgung der Kinder sind wichtig, doch wer sich in der Stadt unwohl fühlt und Angst hat, nachts auf die Straße zu gehen oder die Kinder alleine draußen spielen zu lassen, hat davon kaum etwas. Wenige Straftaten und gute Polizeiarbeit: Das sind die zwei Komponenten, die es braucht, damit sich Familien sicher und wohl fühlen. Die meisten Straftaten in Relation zur Einwohnerzahl wurden im Jahr 2019 in Berlin begangen: 13.583 Delikte je 100.000 Einwohner. Gleichzeitig ist hier die Aufklärungsquote der Verbrechen mit 42,8 Prozent am niedrigsten. Auch in Frankfurt (12.837), Leipzig (11.784) und Kaiserslautern (11.516) lebt es sich vergleichsweise unsicher. Auch wenn die Polizei in Frankfurt und Kaiserslautern mehr als 60 Prozent der Straftaten aufklärt. Angenehmer ist es da für Familien in Fürth, wo auf 100.000 Einwohner nur 4221 Straftaten kommen. Fast 70 Prozent davon werden aufgeklärt. Auch in Erlangen (5403) oder Mülheim an der Ruhr (5615) gibt es vergleichsweise wenig Straftaten. 

Wie steht es um die Gesundheitsversorgung?

Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie ist die Bedeutung von Ärzten und der Anzahl verfügbarer Krankenhausbetten gestiegen. Am besten ist die Versorgung im Süden der Bundesrepublik: In Heidelberg kommen 396,6 Ärzte auf 100.000 Einwohner. Auch in Freiburg im Breisgau (394,1) und in Würzburg (345,1) ist die Ärzteversorgung extrem gut. Schwieriger ist die Lage im Ruhrgebiet: Die zehn Städte mit den wenigsten Ärzten liegen allesamt im Pott. So gibt es in Gelsenkirchen, Duisburg und Hamm weniger als 150 Ärzte pro 100.000 Einwohner. In Gelsenkirchen und Hamm hat sich die ärztliche Versorgung zwischen 2015 und 2019 sogar noch verschlechtert. 


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Ein weiteres Indiz für die medizinische Versorgung einer Region bietet die Anzahl der Krankenhausbetten auf 10.000 Einwohner. Auch hier ist die Versorgung im Süden Deutschlands am besten: In Erlangen (197,1), Heidelberg (187,9) und Würzburg (187,1) gibt es die meisten Krankenhausbetten pro Kopf. Das Schlusslicht bilden hier Mülheim an der Ruhr (54,4), Wolfsburg (44,3) und Salzgitter (42,5) – da kann es schon mal eng werden.  

Und was ist mit der Lebensqualität? 

Gerade mit Kindern erhöhen ausreichende Grünflächen die Lebensqualität. Daher lohnt ein Blick auf die „naturnahe Flächen“ der Städte. Besonders viel davon gibt es in Kaiserslautern. Mit 64,4 Prozent ist hier mehr als die Hälfte der Fläche weder versiegelt noch bebaut. Viel Grün gibt es auch in Pforzheim (54,7) und Darmstadt (49,4). Wenig Platz zum Toben – zumindest auf Grünflächen – haben Kinder in Hamm (14,4), Oldenburg (12,9) und Mainz (12,6).

Immer wichtiger wird für die Lebensqualität auch die Internetversorgung. Arbeiten im Home Office, Home Schooling über Videokonferenzen, Skypen mit den Freunden oder Serien streamen – das steht in den meisten Familien derzeit an der Tagesordnung. Besonders gut ist die Internetversorgung in Wiesbaden – hier haben 89 Prozent der privaten Haushalte einen Glasfaseranschluss. Auch in Köln (72), Hamburg (71) und Chemnitz (65) sollte es bei der Internetversorgung wenig Probleme geben.

Mehr zum Thema: Wirtschaftskraft, Dynamik, Nachhaltigkeit: Deutschlands größter Städtetest analysiert, wo wir besonders gut leben und arbeiten. Das komplette Städteranking 2020 finden Sie hier.

>> Was macht Städte stark? Im Podcast spricht Regionalökonom Jens Südekum über die wichtigsten Standortfaktoren – und die Chancen der Provinz.

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