Unternehmen, Politik und Privatleute Was wir jetzt tun sollten, um die Energieversorgung zu sichern

In Deutschland herrscht Alarmstufe Gas und alle sollten sich des Ernstes der Lage bewusst sein. Quelle: imago images

Der Kampf ums Gas wird ernst. Was Unternehmen, Politik und Privatleute schon immer tun wollten – und jetzt tun müssen. Ein Kommentar.

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Der Wirtschaftsminister ruft jeden zweiten Tag zum Energiesparen auf. Der Industrie-Präsident sorgt sich um die Gasversorgung und lässt wissen: „Jede Kilowattstunde zählt.“ Verbraucherinnen und Verbraucher sehen ihre Gasrechnung durch die Decke schießen – auch bei langfristigen Verträgen mit eigentlich festen Preisen.

In Deutschland herrscht Alarmstufe Gas und alle sollten sich des Ernstes der Lage bewusst sein. Russland als Angreifer in der Ukraine ist mit Sanktionen belegt und zeigt umgekehrt seine Macht beim Gas. Das kommt bei uns immer noch zu einem Drittel aus russischen Pipelines und ist zur Befüllung der Speicher für den nächsten Winter wesentlich. Doch durch die Röhren fließt augenscheinlich immer weniger Gas – mit zweierlei Botschaft: Die staatlichen russischen Lieferanten zeigen dem Westen, dass er abhängig ist vom fossilen Treibstoff. Und sie treiben die Preise nach oben. Putins Russland verdient an weniger Gas nicht unbedingt weniger Geld. Knappheit und Unsicherheit sorgen bei uns für Druck, der mit herkömmlicher Politik nicht zu lösen ist.

Alle drei Gruppen – Unternehmen, Politik und Privatleute – sollten schleunigst umsteuern und so handlungsfähig bleiben. Wer jetzt nicht handelt, wird gänzlich erpressbar. Auch ein wirtschaftlicher Einbruch könnte die Folge sein, wenn im Winter zu wenig Gas da ist, das dann an Privatleute zum Heizen fließt, während Industrieunternehmen den Rohstoff und Brennstoff Gas abgedreht bekämen.



Die Unternehmen

Jetzt ist unternehmerische Initiative gefragt. Wie kann Energie gespart, wie kann von Gas auf andere Energie umgestellt werden? Wahrscheinlich werden Unternehmen zum Betrieb ihrer Anlagen teilweise auch von Gas auf Öl umstellen müssen zum Betrieb ihrer Anlagen. Doch Sparen ist das Maß bei ohnehin teuren Brennstoffpreisen und die Umstellung auf verschiedenste Arten der Erneuerbaren. Gasmangel im nächsten Winter könnte zum Stillstand von Produktionen führen und uns hierzulande in bisher ungekanntem Ausmaß vorführen, wie Lieferketten und Wertschöpfung zerstört werden.

Die Bundesregierung

Zur Wahrheit gehört auch, dass Politik und Behörden sich bei Genehmigungen maximal flexibel zeigen sollten. Viele Firmen würden schon seit einiger Zeit mehr tun, wenn der Bau von Energie-Anlagen nicht so behindert würde. Die Verwaltung muss neue Flächen für Windkraft- und Solaranlagen schneller ausweisen und Verfahren beschleunigen. Der Gasverbrauch muss mit konkreten Energiesparanregungen für Privatleute gesenkt werden. Es muss aber auch weniger Gas für die Erzeugung von Strom eingesetzt werden. Dafür setzt die Regierung den Rahmen. Die Befüllung der Speicher muss vorankommen. Richtig ist, dass jetzt vorübergehend wieder mehr Kohlekraftwerke zum Einsatz kommen. Die Meiler mit der schlechtesten Umwelt- wie Klimabilanz müssen einen Teil der Gaskraftwerke ersetzen. Die letzten drei Kernkraftwerke länger laufen zu lassen dürfte da wesentlich weniger bewirken.

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Die Privatleute

Gas sparen sollte zurzeit zum Gedanken bei jeder warmen Dusche oder beim Heizen werden, wenn Haushalte mit dem Brennstoff beliefert werden. Für den beabsichtigten Effekt braucht es klare Faustformeln, die jeder im Kopf behalten kann. Auch eine Prämie für sparsamen Verbrauch ist denkbar, schließlich lassen sich monatliche Abrechnungen vergleichen – wenn auch bei unterschiedlich kalten Wintern nicht gänzlich beeinflussen. Schließlich muss rasch das Klimageld her. Diese Pro-Kopf-Prämie ist im Koalitionsvertrag vereinbart und soll ausgleichen, was durch einen steigenden CO2-Preis und damit durch steigende Brennstoffpreise bei den Menschen an zusätzlichen Kosten entsteht. Zugleich soll das Geld zum Umstieg auf andere Energieformen im Verkehr und beim Heizen unterstützen. Ärmere und Familien profitieren im Schnitt stärker davon, weil sie einen größeren Teil ihres Einkommens für Energie aufwenden.

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