VW-Dieselskandal Empörung über „Kunden-Bashing“ des VW-Chefs

VW-Chef Müller verteidigt, dass deutsche Kunden im Dieselskandal schlechter gestellt werden als amerikanische. Damit provoziert er massive Kritik. Deutschlands oberster Verbraucherschützer fordert eine Entschuldigung.

Wo VW überall zur Kasse gebeten wird
Italien will bis zu fünf Millionen EuroVW muss in Italien wegen des Abgasskandals um Dieselfahrzeuge bis zu fünf Millionen Euro Strafe zahlen. Es gehe um Verkäufe von Autos auf dem italienischen Markt ab 2009, bei denen die Zulassung durch Softwaremanipulationen erreicht worden war, teilte die italienische Wettbewerbsbehörde mit. Es habe einen schweren Verstoß gegen die professionelle Sorgfalt gegeben und Kunden hätten mit den realen Daten womöglich eine andere Kaufentscheidung getroffen. Laut früheren Meldungen sind in Italien knapp 650.000 Volkswagen von dem Skandal betroffen. Quelle: dpa
Bayern will bis zu 700.000 Euro Quelle: dpa
Entschädigungen für Aktionäre und Anleger: 1 bis 8 Milliarden Euro Quelle: dpa
Kundenentschädigungen von bis zu 10 Milliarden Euro Quelle: dpa
Rückrufe und Entschädigungen in Europa und dem Rest der Welt: bis zu 4,5 Milliarden Euro Quelle: dpa
Rückrufe und Nachrüstung in Europa Quelle: dpa
Mögliche Wertminderung von VW-Fahrzeugen: 0,5 Milliarden EuroIst ein VW-Diesel-Fahrzeug nach der Umrüstung noch genauso viel wert wie vorher und erzielt es als Gebrauchtwagen denselben Preis wie vor dem Skandal? Diese Frage ist noch nicht abschließend geklärt, doch das Risiko, dass die VW-Fahrzeuge im Wert fallen, ist gegeben. Die VW-Tochter Financial Services, die für 1,2 Millionen Leasing-Fahrzeuge zuständig ist, hat vorsorglich die Rücklagen für mögliche Wertverluste nach oben korrigiert. Quelle: dpa

BerlinMit scharfen Worten hat der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), Klaus Müller, auf kritische Äußerungen von VW-Chef Matthias Müller zu vom Dieselskandal betroffenen Kunden in Europa reagiert. „Die von Volkswagen getäuschten Kunden haben eine Geste der Entschuldigung verdient, kein Mitleid oder sogar Verhöhnung durch den VW-Vorstand“, sagte Müller dem Handelsblatt. „Volkswagen schadet mit seinem Kunden-Bashing dem Image der gesamten deutschen Automobilindustrie.“

"Fünf Jahre früher wäre sicher besser gewesen"
Ferdinand Dudenhöffer Quelle: dpa
Bernd Osterloh Quelle: REUTERS
Matthias Müller Quelle: dpa
Ministerpräsident Stephan Weil Quelle: dpa
TCIDer britische Hedgefonds TCI hat den Spar- und Investitionsplan begrüßt. Solange es sich bei der Kostensenkung von 3,7 Milliarden Euro um eine Nettozahl handele und VW nicht an anderer Stelle mehr ausgebe, sei der Plan positiv zu bewerten, sagte TCI-Vertreter Ben Walker. Der "Zukunftspakt" unterstreiche außerdem die Durchsetzungsfähigkeit von VW-Markenchef Herbert Diess. "Alle haben einen guten Deal abgeschlossen: Es ist gut für das Unternehmen, gut für die Belegschaft, gut für die Marke und ihre Führung - es gibt keine Verlierer", ergänzte Walker. Der Fonds "The Children's Investment Fund" hatte in der Vergangenheit den VW-Konzern scharf angegriffen wegen hoher Kosten, Bonuszahlungen und des starken Einflusses des Betriebsrates. Vor einem halben Jahr hatte TCI den Abbau von bis zu 30.000 Stellen gefordert. TCI hält nach eigenen Angaben über Vorzugsaktien von VW und vom VW-Hauptaktionär Porsche SE zwei Prozent an VW, hat damit aber kein Stimmrecht. Quelle: dpa
Norddeutschen LandesbankDie Norddeutsche Landesbank ist von dem vorgehen des Wolfsburger Autobauers positiv überrascht: "Der Volkswagen-Konzern geht seine Kostenproblematik offensiver an als von manch einem Marktbeobachter erwartet. Die hohen Kosten müssen deutlich gesenkt werden, um die Marke Volkswagen profitabler zu machen. Die verkündeten Maßnahmen dürften der Auftakt für Kosteneinsparungen auch bei den anderen Automarken des Konzerns sein. Dem Volkswagen-Konzern steht aufgrund der Kosten des Diesel-Skandals und mit Blick auf die Zukunftsthematiken „Elektromobilität“ und „autonomes Fahren“ in den nächsten Jahren die gravierendste Umstrukturierung seiner Geschichte bevor. Die nächsten Monate sollte der Kurs der Volkswagen-Vorzugsaktie recht volatil bleiben. Wir belassen das Anlageurteil bei „Halten“. Quelle: dapd

Der VW-Chef hatte die Schlechterstellung von im Dieselskandal betroffenen deutschen Kunden gegenüber VW-Käufern in den USA mit dem Hinweis verteidigt, dass die rechtlichen und regulatorischen Umstände hierzulande „komplett anders“ als in Amerika seien. Die Ausgangssituation sei „völlig unterschiedlich“, daher könne man das „nicht über einen Kamm scheren, sagte Müller der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

„Den Kunden in Europa entsteht kein Nachteil, weder beim Verbrauch noch bei den Fahreigenschaften. Und wenn ich das anfügen darf: Auf der einen Seite kritisieren viele die amerikanische Gesetzgebung in anderen Zusammenhängen, siehe TTIP. Wenn es aber darum geht, selbst Vorteile daraus zu ziehen, scheint das amerikanische Recht auf einmal der richtige Weg zu sein.“

Der VZBV-Chef mahnte, europäische Kunden dürften im Vergleich zu US-amerikanischen nicht Kunden zweiter Klasse sein und leer ausgehen. „Das ist eine Frage der Gerechtigkeit“, sagte Müller. „Die Garantie, dass den Kunden in Europa kein Nachteil bei Kraftstoffverbrauch und Leistung entstehe, belässt das Risiko des Wertverlustes der manipulierten VW-Fahrzeuge bei den getäuschten Kunden.“

Auch innerhalb der Bundesregierung wurde Kritik laut. „Ob bei dem Fehlverhalten des VW-Managements Kundenschelte das Richtige ist? Habe da berechtigte Zweifel“, schrieb der Parlamentarische Staatssekretär im Verbraucherschutzministerium, Ulrich Kelber (SPD), auf Twitter.

Der VW-Chef hatte sich auch kritisch zur Haltung deutscher Autofahrer zum Thema E-Mobilität geäußert. „Auf der einen Seite denken und handeln viele Deutsche im Alltag grün, wenn es aber um E-Mobilität geht, haben wir als Verbraucher spitze Finger. So ganz habe ich dieses paradoxe Phänomen noch nicht verstanden“, sagte Müller. Er wies zudem Vorwürfe gegen die Branche zurück: „Die Autoindustrie hat da nichts verschlafen. Am Angebot mangelt es nicht, sondern an der Nachfrage.“

Müller zeigte sich aber zuversichtlich, dass schon in wenigen Jahren deutlich mehr Elektroautos gekauft werden. „Die Preise werden sinken, die Reichweite steigt, die Ladezeit wird kürzer - all die Punkte, die den Erfolg der E-Mobilität bisher behindert haben.

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