WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Isabel Schnabel soll in EZB-Direktorium aufsteigen „Die EZB hat sich zu spät gekümmert“

Isabel Schnabel. Quelle: dpa

Die Wirtschaftsweise Isabel Schnabel soll ins EZB-Direktorium aufsteigen. In einem Interview mit der WirtschaftsWoche ging sie bereits 2016 hart mit der Zentralbank und ihrer Niedrigzinspolitik ins Gericht.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

WirtschaftsWoche: Frau Schnabel, seit dem Brexit-Referendum sorgen sich die Finanzmärkte um Europas Banken, insbesondere die Institute in Italien. Wie gefährlich ist die Situation wirklich?
Isabel Schnabel: Das Problem der italienischen Banken mit notleidenden Krediten ist seit Langem bekannt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ja bereits in der umfassenden Bankenprüfung 2014 offengelegt, wie viele faule Kredite in den Bilanzen stehen. Der Brexit ist nur der Auslöser dafür, dass dieses Problem jetzt hochkocht.

Viele reden von einer Krise.
Die Krise wird zum Teil heraufbeschworen, um eine staatliche Intervention im Bankensystem trotz der neuen Abwicklungsregeln möglich zu machen. Derzeit würde ich nicht von einer akuten Bankenpanik sprechen.

Zur Person

Wodurch könnte eine Krise ausgelöst werden?
Die zukünftige Entwicklung wird stark vom Umgang mit dem Bankenproblem abhängen. Bei einer drohenden Systemkrise ist auch nicht auszuschließen, dass ein Bail-in, also das Tragen der Verluste durch die Gläubiger statt einer Rettung durch den Staat, krisenverschärfend wirkt. Aber selbst ohne Krise ist ein Bail-in politisch immer schwierig.

Wie wir es derzeit in Italien sehen.
Ja, Ministerpräsident Matteo Renzi möchte den Bail-in aufgrund des anstehenden Referendums vermeiden…

…weil die Gläubiger der italienischen Banken zu großen Teilen private Anleger sind…
Genau. Daher ist es besser, künftig auf mehr Eigenkapital bei den Banken zu setzen, damit es erst gar nicht zu einem Bail-in kommen muss.

Wie lässt sich das Problem lösen?
Der Verzicht auf eine Beteiligung der Gläubiger wäre fatal. Wir dürfen die geschaffenen Regeln nicht gleich beim ersten Anwendungsfall kippen. Die italienischen Kleinanleger könnten nachgelagert kompensiert werden, wenn dies für notwendig erachtet wird. Das sollte man aber von der Entscheidung über einen Bail-in trennen.

Die Aufsicht weiß seit dem Stresstest 2014 davon, dass Italiens Banken zu viele faule Kredite in ihren Büchern haben. Warum wurde nichts getan?
Tatsächlich entsteht der Eindruck, dass die EZB sich zu spät um die ausfallgefährdeten Kredite gekümmert hat. Jetzt wurde erstmals bekannt, dass die EZB in einem Brief den Abbau der Kredite fordert. Die Aufsicht hätte schon früher Maßnahmen ergreifen sollen und sich konsequent für einen Abbau der notleidenden Kredite einsetzen sollen, dann würden auch die geldpolitischen Instrumente der EZB besser wirken.

Warum?
Sind viele Kredite einer Bank vom Ausfall bedroht, hält sie sich häufig bei der Kreditvergabe zurück. Die EZB hat daher ein Interesse an gesunden Banken, wenn sie die Kreditvergabe in der Euro-Zone anregen will.

Stattdessen belastet sie die Banken mit ihrer Niedrigzinspolitik zusätzlich.
Die Niedrigzinsphase frisst sich langsam in das Bankensystem hinein und die Banken werden immer weniger profitabel. Für neu vergebene Kredite bekommen sie trotz langer Laufzeiten kaum noch Zinsen, und eine Senkung der Einlagenzinsen unter null ist schwierig. Die längeren Zinsbindungen erhöhen gleichzeitig die Risiken für die Banken.

Wenn die EZB irgendwann die Zinsen erhöht?
Genau. Gleichzeitig wird ein Ausstieg aus der lockeren Zinspolitik für die EZB immer schwieriger, weil dieser den Banken sehr schaden würde. Sie müssten dann selbst höhere Zinsen zahlen, während sie für ihre langfristig vergebenen Kredite weiterhin kaum Zinsen bekämen.

Wäre der Wettbewerb im Bankensektor nicht so hoch, wären die Institute sicher profitabler. Können wir auf einige Banken verzichten?
Das sollte der Markt entscheiden. Banken, die im Wettbewerb nicht bestehen können, sollten aus dem Markt ausscheiden. Das hat der Staat in der Vergangenheit oft verhindert.

Auch die Deutsche Bank gilt als zu groß.
Der IWF hat jüngst die globale Systemrelevanz der Deutschen Bank betont. Das Hauptproblem der Deutschen Bank ist das geringe Eigenkapital, was gerade bei einer systemrelevanten Bank problematisch ist. Gleichzeitig ist es derzeit aber sehr schwierig, frisches Kapital aufzunehmen, wie auch die Aktienkurse der Banken zeigen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%