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WettbewerbsfähigkeitWarum Europa jetzt eine echte Kapitalmarktunion braucht

Europa braucht Kapital, um zu wachsen – und Deutschland muss den Weg ebnen. Eine echte Kapitalmarktunion wäre ein strategischer Wachstumstreiber. Ein Gastbeitrag.Michael Bloomberg 12.09.2025 - 10:14 Uhr
Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, und die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen Foto: REUTERS

Während Europa und die ganze Welt von Volatilität geprägt sind, gilt Deutschland seit Jahrzehnten als Garant für Stabilität. Doch wenn man Stabilität und damit langfristigen Wohlstand erhalten möchte, muss man den Status Quo immer wieder hinterfragen. Das gilt umso mehr bei einem Thema, das zuletzt etwas in Vergessenheit geraten ist: die europäische Kapitalmarktunion.

Hier entschlossen voranzuschreiten, lohnt sich besonders. Denn: Ein einheitlicher Kapitalmarkt wäre von entscheidender Bedeutung. Angefangen bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze, über die Bekämpfung des Klimawandels bis hin zur nationalen Verteidigungsfähigkeit.

Bei der Gründung von Bloomberg war es unser Ziel, die US-Kapitalmärkte transparenter zu machen und stärker zu vernetzen. Heute ist die ganze Welt wesentlich stärker miteinander vernetzt, was maßgeblich zu einer Ära außerordentlichen Wachstums beigetragen hat. Doch während die europäische Wirtschaft immer mehr zusammengerückt ist, blieben die Kapitalmärkte fragmentiert: Das hemmt Wachstum und Innovation.

Mike Bloomberg, Mitglied der Demokratischen Partei in den USA und ehemaliger Bürgerneister von New York City. Foto: AP
Zur Person
Michael Rubens Mike Bloomberg ist ein US-amerikanischer Unternehmer und Politiker der Demokratischen Partei. Er ist zudem der Gründer der Unternehmen Bloomberg L.P. und Bloomberg Television. Von 2002 bis 2013 war Michael Bloomberg der Bürgermeister von New York City.

Dabei sind die Argumente für einen einheitlichen europäischen Kapitalmarkt heute stärker denn je. Als größte Volkswirtschaft Europas ist es entscheidend, dass Deutschland hier eine Führungsrolle übernimmt. Die Vereinheitlichung der europäischen Kapitalmärkte und die Standardisierung der für sie geltenden Vorschriften würden grenzüberschreitende Investitionen erheblich einfacher und kostengünstiger machen. Europäische Unternehmen würden außerdem von neuen Kapitalquellen profitieren. Zudem eröffnet ein einheitlicher Markt auch Renditechancen für weitere Marktteilnehmer jenseits der Banken, die den Markt in der Vergangenheit dominiert haben. Zum Beispiel, indem Kapital von Private-Equity-Fonds und anderen Investoren angezogen wird. Für diese Investoren ist es einfacher, höhere finanzielle Risiken einzugehen, um etwa Sprunginnovationen zu finanzieren. Aber auch die Gesellschaft insgesamt würde über Pensionsfonds oder private Anlagekonten profitieren.

So ließe sich Europas Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Zudem würden sich diese Vorteile nicht nur auf den europäischen Kontinent beschränken: Ein wettbewerbsfähigeres Europa und innovativere europäische Unternehmen würden weltweit neues Wachstum ankurbeln und neue Maßstäbe für Unternehmen setzen.

Auch die Bekämpfung des Klimawandels würde von einheitlichen europäischen Kapitalmärkten profitieren. Denn selbst die Rekordinvestitionen, die die EU 2024 in den Ausbau erneuerbarer Energie getätigt hat, reichen nicht aus, um die europäischen und deutschen Emissionsziele zu erreichen.

Einer der Hauptgründe ist der Mangel an Investitionen: Die Regierungen einzelner EU-Staaten verfügen schlicht nicht über ausreichend Kapital, um die notwendige Transformation alleine zu finanzieren. Private Investoren können hier unterstützen. Zusammen könnten so, neben einem schnelleren Ausbau von Solar- und Windkraft, vielversprechende neue Technologien finanziert werden, die es jetzt braucht, um Treibhausgasemissionen und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren.

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Wie Unternehmen und Politik im Schulterschluss ein wichtiges Aufbruchsignal setzen können, zeigt die Initiative „Made for Germany“. Dabei sollen Ressourcen in das Wirtschaftswachstum gelenkt und privates Kapital mobilisiert werden. Eine Kapitalmarktunion würde der Initiative weitere Schubkraft verleihen.

Ein weiterer Bereich, der von einer Kapitalmarktunion profitieren würde und für die Zukunft Europas essenziell ist, ist Sicherheit und Verteidigung. Einheitliche Märkte können Kapital für Unternehmen bereitstellen, die an der Schnittstelle zwischen Technologie und Verteidigung arbeiten – von Drohnen und Cybersicherheit bis hin zu KI. Wie sich hier echte Ökosysteme herausbilden, sieht man in München.

Während meiner Amtszeit als Vorsitzender des US Defense Innovation Board haben wir untersucht, wie private Unternehmen und Investitionen dazu beitragen können, die nationale Sicherheit zu modernisieren. Deutschland könnte von einer ähnlichen Initiative profitieren. Die Öffnung der heimischen Verteidigungsindustrie für mehr ausländische Investitionen würde helfen, neue Arbeitsplätze zu schaffen und gleichzeitig die Sicherheit Europas zu stärken.

Trotz breiter Unterstützung wurde die Kapitalmarktunion gelähmt, vor allem weil befürchtet wurde, nationale Interessen zu schädigen – insbesondere die der Banken, die heute den Löwenanteil der Investitionen finanzieren. Wie man jedoch aus der jüngeren Geschichte lernen kann, sind solche Befürchtungen unbegründet: Einige in Deutschland lehnten die Einführung des Euro mit der Befürchtung ab, dass die Aufgabe der starken D-Mark der deutschen Wirtschaft schaden würde. Tatsächlich hat Deutschland aber enorm von der gemeinsamen Währung profitiert: Die Handelskosten sind gesunken und Deutschland ist der größte Exporteur Europas.

So könnte Deutschland auch heute wieder am meisten von dem privaten Kapital profitieren, das größere und umfangreichere Kapitalmärkte europaweit freisetzen würden. Ich denke, dass Deutschland eine vielversprechende Zukunft bevorsteht – aber ohne einen einheitlichen Kapitalmarkt wird das Wachstum geringer ausfallen. Angesichts der zahlreichen Vorteile einer echten Kapitalmarkunion bin ich überzeugt: Das ist der beste Weg, um Europas Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.

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