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Freytags-Frage
Quelle: AP

Wie lange halten die USA den Handelskrieg aus?

Donald Trump dreht weiter an der Eskalationsschraube. Für die Handelspartner in Deutschland und der Welt ist das ärgerlich genug – doch in den USA kann es nur Verlierer geben.

US-Präsident Donald Trump schreitet auf seinem umfassenden handelspolitischen Kriegspfad fort. Nach den Maßnahmen gegen China und den Drohungen in Richtung der Europäischen Union (EU) hat er in den vergangenen Tagen sein Augenmerk auf Mexiko und Indien gerichtet. In Mexiko sollen Zölle erhoben werden, wenn die Regierung nicht mehr gegen Wanderungsbewegungen unternimmt. Indien sollen Zollvergünstigungen im Handel mit den USA gestrichen werden.

Gleichzeitig umgarnt Trump die japanische Regierung und britische Akteure, allen voran prominente Brexiteers. Er und seine Berater vermitteln den Eindruck, Großbritannien stünde nach dem Austritt aus der EU und dem – offenbar unmittelbar angeschlossenen – Freihandelsvertrag zwischen Großbritannien und den USA viel besser da.

Laut eigener Aussage geht es dem US-Präsidenten um Fairness im Außenhandel. Immer wieder beklagt er sich darüber, wie unfair andere Länder die USA ausnähmen. Belege für diese vorwurfsvoll vorgetragenen Anschuldigungen bleiben bislang aus. Dies gilt zumindest mit Blick auf die EU, Mexiko und Indien. Verletzungen geistiger Eigentumsrechte durch chinesische Unternehmen sowie Subventionen für staatseigene chinesische Betriebe sind tatsächlich zu beobachten und stellen ein großes Ärgernis – nicht nur für die USA – dar.

Einige Beobachter unterstellen der gegenwärtigen US-Regierung, durch Androhungen scharfer Maßnahmen die Handelspartner (oder besser Kontrahenten) zu Zugeständnissen in Richtung mehr Freihandel zwingen zu wollen. Das Muster wäre das Folgende: Zunächst droht man hohe Zollbarrieren an, um die Drohung dann zurückzuziehen, wenn die Gegenseite wie gewünscht reagiert. Dann wäre sowohl den amerikanischen Konsumenten mit niedrigeren Preisen als auch den US-Produzenten mit günstigem Marktzugang anderswo geholfen. Auch das Ausland hätte Vorteile. Das klingt doch gut.

Schaut man genauer hin, so erkennt man, dass es wohl nur am Rande um die US-Unternehmen und Bürger geht. Das Muster sieht eher so aus, dass Maximalforderungen aufgestellt werden, die die Gegenseite schlicht nicht erfüllen kann. Danach müssen sich die USA an keinerlei Vereinbarung mehr halten. Unbeugsam wird der Zoll eingeführt oder erhöht.

Diese Strategie sendet – so interpretiert – klare Signale an Amerikaner wie Ausländer, die erstens die US-Bürger und Unternehmen beunruhigen sollten und zweitens den ausländischen Partnern (Japan und Großbritannien eingeschlossen) als Warnung dienen sollten, dass die USA nicht bereit sind, sich auf faire Verträge einzulassen beziehungsweise Verträge einhalten zu wollen.

So zum Beispiel muss die Drohung gegenüber Mexiko interpretiert werden. Die USA haben Ende 2018 mit Mexiko und Kanada eine Neuauflage der nordamerikanischen Freihandelszone (USMCA) abgeschlossen, die einseitige Zollerhebungen eigentlich gerade nicht vorsieht. Dies scheint bei den Überlegungen nun keine Rolle mehr zu spielen.

Sowohl die EU als auch Großbritannien und Japan sollten sich daher auf ungemütliche Verhandlungen einstellen. Selbst wenn sie glauben, eine Vereinbarung mit der US-Administration geschlossen zu haben, kann es durchaus passieren, dass es anschließend dennoch zu Zöllen gegen Produkte kommt, weil irgendein Detail nicht stimmt oder ein neues Problem (siehe Mexiko) auftaucht.

Dies ist ärgerlich genug für die Handelspartner; sie können sich aber in Grenzen dagegen wappnen und wenigstens untereinander für Transparenz und Klarheit sorgen. Für die Unternehmen gibt es ja auch noch andere Märkte. Für die Amerikaner selbst scheint das Problem hingegen noch größer zu sein. Denn sie kommt der Handelskrieg gegen die wichtigsten Partner sehr teuer zu stehen; Ausweichmöglichkeiten sind eher knapp. Mehrere Handelskanäle können dazu beitragen, dass die Amerikaner leiden werden:

  • Erstens verteuern sich die Vorprodukte für nachgelagerte US-Industrien, die diese verarbeiten; man denke nur an die Automobilproduktion. Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit dieser Industrien sinkt, ihre Verkäufe im In- und Ausland ebenfalls. Das gefährdet Arbeitsplätze. Angesichts immer kleinteiligerer Wertschöpfungsketten, die zudem zunehmend international oder gar global sind, kann dies sehr teuer werden.
  • Zweitens verteuern sich Importgüter für amerikanische Konsumenten. Dadurch sinkt deren reales Einkommen.
  • Drittens wertet der Dollar im Vergleich zu anderen Währungen in der Tendenz auf, wenn nach der Zolleinführung oder -erhöhung die amerikanische Nachfrage nach ausländischen Produkten sinkt. Als Konsequenz aus der Aufwertung verteuern sich US-Produkte im Ausland; Exporte sinken mit den Importen (nebenbei bemerkt: das Handelsbilanzdefizit verringert sich so nicht).
  • Viertens sinken die Exporterlöse in China, Mexiko und Europa. In der Folge nimmt deren Importnachfrage nach amerikanischen Gütern und Dienstleistungen ab.
  • Fünftens ergreifen die anderen Länder Retorsionsmaßnahmen, die vermutlich wie bisher auch sehr genau die Trump-Wähler treffen werden. Jetzt schon leidet die amerikanische Landwirtschaft unter chinesischen Retorsionszöllen. Sollte die EU als Reaktion auf Autozölle, die immer noch drohen, ebenfalls US-Landwirtschaftsprodukte mit höheren Zöllen oder Einfuhrverboten belegen, entfällt ein weiterer Markt für die amerikanischen Landwirte.
    Es kann in den USA also nur Verlierer geben, wenn der Präsident weiter an der Eskalationsschraube dreht, unabhängig davon, ob einer oder mehrere der oben genannten Kanäle funktioniert. Die US-Wirtschaft läuft jetzt schon Sturm dagegen, bisher aber ohne Erfolg.

    Werden wirklich alle verlieren? Möglicherweise hat Donald Trump einfach eine Präferenz für Autarkie und möchte nicht, dass seine Landsleute chinesische oder deutsche Waren kaufen (er selbst soll seine Hotels ja durchgängig mit ausländischen Gütern ausgestattet haben). Für ihn könnte es ein Erfolg sein, wenn nicht gehandelt wird. Bislang hat Trump überdies nicht den Eindruck vermittelt, die Belange der Menschen kümmerten ihn wirklich.
    Wenn sich die Konjunktur in den USA wegen der Handelspolitik eintrübt, wird er aber reagieren müssen; schließlich ist er schon jetzt im Wahlkampf und kann schlechte Nachrichten nicht gebrauchen. Ob Trump dann richtig reagiert, ist offen; wahrscheinlich sieht er in bewährter Weise die Schuld bei anderen und erhöht die Zölle sogar noch weiter. Die amerikanischen Wähler könnten dann ihrerseits reagieren.

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