1. Startseite
  2. Politik
  3. Konjunktur
  4. Handelskonflikt mit USA: „Ein Deal ist besser als Eskalation“

Handelskonflikt mit Amerika„Ein Deal ist besser als Eskalation“

Europa droht ein ruinöser Handelskrieg mit dem einstigen Verbündeten USA. Vier Vorschläge zur Positionierung gegenüber Donald Trump und seiner protektionistischen Agenda.Bert Losse 24.02.2025 - 11:17 Uhr aktualisiert
Foto: dpa Picture-Alliance

Donald Trump macht ernst. Dem vom US-Präsidenten angekündigten 25-Prozent-Zoll auf Stahl und Aluminium, der am 12. März in Kraft tritt, werden offenkundig schnell weitere protektionistische Maßnahmen folgen: Trump hat seine Administration angewiesen, ihm bis Anfang April eine Analyse vorzulegen, welche ausländischen Staaten die USA „unfair“ behandeln. 

Im nächsten Schritt drohen daher amerikanische Zölle auf Autos (Trump spricht von 25 Prozent), aber auch auf Medikamente. Das ist gerade für Deutschland ein Problem, denn gut ein Viertel aller deutschen Pharmaexporte gehen in die USA, nicht zuletzt viele Impfstoffe. Trump will zudem generell „reziproke“ Strafabgaben für Importe aus Ländern erheben, die ihrerseits US-Produkte mit Zöllen belegen.

Was ist nun zu tun? Wie sollte die EU aus volkswirtschaftlicher Sicht auf die Handelsprovokationen aus dem Weißen Haus reagieren? Die WirtschaftsWoche hat sich in der Ökonomenzunft umgehört.

Gegenseitige Zölle auf den niedrigsten Wert senken
Gabriel Felbermayr, Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo) in Wien:

Gabriel Felbermayr

Foto: imago images

„Die EU sollte auf US-Zölle mit Gegenmaßnahmen antworten – das müssen aber nicht zwingend klassische Zölle sein. Die USA haben hohe Handelsüberschüsse gegenüber der EU im Bereich der digitalen Dienstleistungen. Hier könnte man ansetzen.

Der Punkt ist: Opportunistische Zollpolitik ist nur so lange attraktiv, solange das angegriffene Land sich nicht wehrt. Die Erwartung von Gegenmaßnahmen sollte dazu führen, dass man sich in den USA einen Zollschlag gut überlegt. Dafür braucht es Glaubwürdigkeit seitens der Europäer, und um diese herzustellen, muss man manchmal Drohungen wahr machen. Neben der Ankündigung (und im Ernstfall) Umsetzung von Gegenmaßnahmen sollte die EU aber auch die handelspolitische Hand ausstrecken.

25-Prozent-Zoll

Trump kündigt Zölle an – wie hart treffen sie die deutschen Hersteller?

Zölle auf EU-Autos würden alle deutschen Hersteller treffen. Doch im Detail unterscheiden sich die Folgen. Wer besonders leiden würde, welche Ausweichmöglichkeiten es gibt.

von Gökay Gürsoy

Trump findet die Tatsache schlecht, dass die Importzölle der EU in vielen Bereichen höher sind als jene der USA, in ein paar Fällen ist es aber auch umgekehrt. Ein Deal, dass man alle Zölle auf den jeweils niedrigsten Wert absenkt, wäre für uns mit Sicherheit besser als eine Eskalation. So ein Abkommen hat Jean Claude Juncker im Juli 2018 übrigens schon einmal versprochen. Es wäre Zeit, dieses Versprechen einzulösen.“

EU-Dienstleistungsmarkt stärker für die USA öffnen
Lisandra Flach, Leiterin des ifo Zentrums für Außenwirtschaft und Professorin für die Ökonomik der Globalisierung an der Ludwig-Maximilians-Universität München:

Lisandra Flach

Foto: ifo-Institut

„Die EU hätte bei einem Zollkrieg mehr zu verlieren als die Amerikaner mit ihrer großen Binnenökonomie. Daher sind glaubhafte Vergeltungsoptionen wichtig. Wir sollten die Marktmacht der EU in Verhandlungen mit den USA nicht unterschätzen. Idealerweise bleiben die Vergeltungsmaßnahmen auf Drohungen beschränkt, sodass sie nicht umgesetzt werden müssen.

Für die EU und Deutschland steht viel auf dem Spiel, denn ein Handelskrieg wäre kostspielig. Man könnte Trump in Verhandlungen eine Liberalisierung des europäischen Dienstleistungssektors anbieten. Davon würden US-Firmen profitieren, etwa in den Bereichen Logistik, Finanzdienste und Digitale Technologien. Im Dienstleistungssektor gibt es in der EU trotz Binnenmarkt immer noch einen Flickenteppich von Regulierungen.“



Breites Industriegüterabkommen abschließen
Julian Hinz, Professor für Internationale Volkswirtschaftslehre an der Universität Bielefeld und Leiter des Forschungszentrums Handelspolitik am Kiel Institut für Weltwirtschaft:

„Sollten die USA unter Präsident Trump neue Zölle explizit auf europäische Waren verhängen, muss die EU geschlossen und entschlossen reagieren. Nationale Einzelinteressen würden ihre Verhandlungsposition schwächen und eine „Divide and Conquer“-Strategie ermöglichen. Eine geeinte europäische Handelspolitik ist entscheidend, um auf Augenhöhe zu verhandeln und protektionistischen Maßnahmen wirksam zu begegnen. Gleichzeitig sollte die EU immer auf die gesamte Handelsbilanz hinweisen.

Börse

Bitcoin, Aktien, Anleihen: Wie Trumps Zölle jetzt die Märkte erschüttern

Der US-Präsident schockiert mit neuen Zoll-Ankündigungen die Börsen. Aktien und Kryptowährungen reagieren mit teils hohen Verlusten. Was Anleger jetzt wissen sollten.

von Frank Doll, Philipp Frohn, Julia Leonhardt und weiteren

Während die USA ein viel diskutiertes Defizit im Warenhandel aufweisen, haben sie einen erheblichen Überschuss im Dienstleistungshandel. Ein umfassender Blick könnte helfen, Spannungen abzubauen. Die jüngste Ankündigung reziproker Zölle durch die Trump-Regierung eröffnet zudem eine Chance: Ein breites Industriegüterabkommen mit beiderseits Null-Prozent-Zöllen könnte eine Lösung sein – eine Idee, die bereits während Trumps erster Amtszeit offen diskutiert wurde. Damit ließe sich der transatlantische Handel stabilisieren und Eskalationen vermeiden.

Freihandelsabkommen mit möglichst vielen (anderen) Ländern vereinbaren
Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank:

Jörg Krämer

Foto: REUTERS

„Die EU sollte Vergeltungszölle nur aus verhandlungstaktischen Gründen vorbereiten. Viel wichtiger ist es, Trump endlich so zu nehmen, wie er ist, und mit ihm pragmatisch die Verständigung zu suchen. Erstens sollten sich die Europäer schnellstens von der Position eines sicherheitspolitischen Trittbrettfahrers verabschieden und endlich mehr für das eigene Militär ausgeben. Trump könnte das innenpolitisch verkaufen, zumal die europäischen Länder einen Teil der benötigten Waffen in den USA kaufen dürften.

Zweitens fällt der EU kein Zacken aus der Krone, wenn sie ihre Zölle für Güter senkt, für die die USA einen niedrigeren Satz erheben. So könnte die EU verhindern, dass Trump die US-Zölle wie angedroht auf das höhere EU-Niveau anhebt.

Drittens sollte die EU Künstliche Intelligenz pragmatisch regulieren, um so künftige Handelsstreitigkeiten mit den USA zu vermeiden.

Viertens sollte die EU mit möglichst vielen Ländern Freihandelsabkommen schließen. Das gelingt aber nur, wenn sie die Verhandlungen nicht mit ihren Vorstellungen von Nachhaltigkeit überfrachtet.“

Lesen Sie auch: Die richtige Strategie gegen Trump? Die Topökonomen Lars Feld und Jens Südekum streiten

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick