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KonjunkturIndustrie und Handel schwächeln in China

Trotz der Beruhigung im Handelsstreit mit den USA erholt sich die chinesische Wirtschaft nicht. Liegt das an den Maßnahmen der Regierung? 15.08.2025 - 11:59 Uhr
Eine Frau kauft in einem Supermarkt in Qingzhou City in der Provinz Shandong Obst. Foto: Wang Jilin/XinHua/dpa

Enttäuschende Konjunkturdaten aus China erhöhen den Druck auf die Regierung in Peking, die Wirtschaft weiter anzukurbeln. Sowohl in der Industrie als auch im Einzelhandel lief es im Juli nicht so gut wie erwartet, wie am Freitag aus offiziellen Daten hervorging. Dies schürt Sorgen um die Stärke der Binnennachfrage der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. „Wir gehen davon aus, dass die Regierung nach den schwachen Daten für Juli ihre Konjunkturmaßnahmen verstärken wird, zumal sich kurzfristig keine Besserung bei den Daten abzeichnet“, erklärte Commerzbank-Analyst Tommy Wu.

Denn die Industrieproduktion stieg im vergangenen Monat im Jahresvergleich um 5,7 Prozent, wie das Nationale Statistikbüro (NBS) mitteilte. Dies ist der schwächste Wert seit November 2024, und er liegt unter dem Wachstum von 6,8 Prozent im Juni. Von Reuters befragte Fachleute hatten mit plus 5,9 Prozent gerechnet. Die Einzelhandelsumsätze, ein wichtiger Indikator für den Konsum, legten um 3,7 Prozent zu. Dies war der geringste Anstieg seit Dezember 2024, mit dem ebenfalls die Experten-Prognose von 4,6 Prozent verfehlt wurde. Die Anlage-Investitionen stiegen in den ersten sieben Monaten des Jahres nur um 1,6 Prozent und damit schwächer als erwartet.

„Die Wirtschaft ist stark von staatlicher Unterstützung abhängig“, sagte Xu Tianchen, leitender Ökonom bei der Economist Intelligence Unit. Das Problem sei jedoch, dass diese Maßnahmen zu Jahresbeginn 2025 gebündelt worden seien und ihre Wirkung inzwischen nachlasse. Zwar hat ein vorübergehender Frieden im Handelskonflikt mit den USA die Lage für Exporteure etwas entspannt. Die Gewinne der chinesischen Hersteller leiden jedoch weiter unter der gedämpften Nachfrage und fallenden Erzeugerpreisen im Inland.

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Immobilienkrise belastet – Wachstumsziel zu hoch?

Eine besondere Belastung für die Konjunktur bleibt die Krise am Immobilienmarkt, der für viele Haushalte die wichtigste Form der Vermögensanlage ist. Die Preise für neue Eigenheime sanken im Juli binnen Jahresfrist um 2,8 Prozent. „Es ist kaum zu erwarten, dass die Verbraucher wieder mehr ausgeben, wenn ihr größter Vermögenswert von Monat zu Monat an Wert verliert“, sagte Lynn Song, China-Chefvolkswirt bei der Bank ING. Ein weiteres Alarmsignal war, dass die Neuvergabe von Krediten in Yuan im Juli erstmals seit 20 Jahren zurückging, was auf eine schwache Nachfrage des Privatsektors hindeutet.

Die Regierung in Peking hat zuletzt Maßnahmen zur Stützung des Konsums und zur Eindämmung des übermäßigen Preiswettbewerbs zugesagt. Ein Sprecher des Statistikamtes erklärte, das Vorgehen gegen „ungeordneten“ Wettbewerb werde zur Erholung der Preise beitragen. Die Behörden befürchten, dass Überkapazitäten und die damit verbundenen Preissenkungen bei den Verbrauchern die Erwartung schüren, dass Waren immer billiger werden – was die Kauflaune weiter dämpft.

Die Regierung in Peking strebt für 2025 rund fünf Prozent Wirtschaftswachstum an. Dies dürfte schwer zu erreichen sein. Einer Reuters-Umfrage zufolge erwarten Ökonomen, dass sich das BIP-Wachstum im dritten Quartal auf 4,5 Prozent und im vierten Quartal auf 4,0 Prozent verlangsamen wird. Dies dürfte im Gesamtjahr auf ein Plus von rund 4,6 Prozent hinauslaufen.

rtr
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