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KonjunkturIfo-Index steigt stärker als erwartet

Gute Nachrichten für die deutsche Wirtschaft: Der IFO-Geschäftsklimaindex steigt überraschend auf 87,8 Punkte. 22.03.2024 - 13:12 Uhr aktualisiert

Hapag-Lloyd Containerschiff Valparaiso Expres

Foto: imago images

Die Stimmung in deutschen Unternehmen hellt sich überraschend kräftig auf und ist so gut wie seit Mitte 2023 nicht mehr. Angesichts der absehbaren Zinswende schöpft die Wirtschaft wieder Hoffnung und könnte die Rezession vielleicht doch noch verhindern.

Das Ifo-Geschäftsklima - als wichtigster Gradmesser für die Konjunktur - stieg im März um 2,1 auf 87,8 Punkte und damit das zweite Mal in Folge, wie das Münchner Ifo-Institut am Freitag zu seiner Umfrage unter rund 9000 Führungskräften mitteilte. Fachleute hatten einen kleineren Anstieg erwartet. Die Firmen beurteilten ihre Geschäftslage und die Aussichten für die kommenden Monate weniger skeptisch als zuletzt. „Die deutsche Wirtschaft sieht einen Silberstreif am Horizont“, erklärte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

„Wir kommen aus dem Keller“, sagte Ifo-Umfragechef Klaus Wohlrabe der Nachrichtenagentur Reuters. „Man sollte aber nicht gleich in Euphorie verfallen.“ Das Ifo-Geschäftsklima signalisiere eine Stagnation im ersten Quartal, womit das Abrutschen in eine Rezession verhindert werden könnte.

Schneller schlau: Rezession
Der Begriff Rezession bedeutet Rückgang und stammt aus dem Lateinischen. Es handelt sich um eine Rezession, wenn die Wirtschaft nicht wächst, sondern schrumpft – sich also in einem Abschwung beziehungsweise Rückgang befindet. Für die Bemessung der Konjunktur dient das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Offiziell tritt eine sogenannte technische Rezession ein, wenn das BIP in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen im Vergleich zu den jeweiligen Vorjahresquartalen nicht wächst, sondern zurückgeht.Die Rezession ist eine der vier Phasen, die der Konjunkturzyklus einer Volkswirtschaft durchlaufen kann. Sie folgt auf die Phase der Hochkonjunktur und kann im schlimmsten Fall in eine Depression übergehen. Auf eine Depression folgt dann früher oder später ein Aufschwung.
Eine Rezession zeichnet sich durch unterschiedliche Merkmale aus. Dazu gehören unter anderem:Rückgang der Nachfrageüberfüllte LagerAbbau von Überstunden und beginnende KurzarbeitEntlassung von Arbeitskräftenausbleibende Investitionenteilweise Stilllegung von Produktionsanlagenstagnierende oder sinkende Preise, Löhne und Zinsenfallende Börsenkurse
Zu den Ursachen einer Rezession gehören unterschiedliche Punkte, die sich nur schwerlich verallgemeinern lassen. Aktuell wirkt sich etwa der Krieg in der Ukraine erheblich auf die Konjunktur in Europa und den USA aus.
In einer Rezession halten Unternehmen und private Haushalte ihr Geld in der Regel beisammen. Zu den Folgen einer Rezession zählen steigende Arbeitslosenzahlen, außerdem arbeiten mehr Menschen in Kurzarbeit. Beides führt zu geringerer Nachfrage. Denn wenn die Bürger weniger Geld verdienen, konsumieren sie auch weniger. Dies ist wiederum schlecht für Unternehmen, die dadurch weniger verkaufen und auf ihren Lagerbeständen sitzen bleiben. Die fehlenden Einnahmen können zu weiteren Entlassungen führen, sodass die Arbeitslosigkeit weiter steigt.Auch Menschen, die auf der Suche nach einem neuen Job sind, stehen in einer Rezession vor Problemen. Denn wer sich um eine neue Stelle bewirbt, dürfte während einer Rezession Schwierigkeiten haben eine entsprechende Stelle zu finden – denn geht es Unternehmen wirtschaftlich schlechter, stoppen sie Neueinstellungen.
Durch eine steigende Inflation sinkt die Kaufkraft der Menschen. Durch eine sinkende Kaufkraft sinkt wiederum die Konsumbereitschaft der Menschen, da sie ihr Geld beisammen halten, statt es für Waren und Güter auszugeben.

Für Schwung sorgt auch die Aussicht auf eine Zinswende der Europäischen Zentralbank (EZB). „Ich glaube nun, dass die Wahrscheinlichkeit zunimmt, dass wir die erste Zinssenkung bis zur Sommerpause sehen werden“, sagte Bundesbank-Präsident Joachim Nagel in einer Online-Gesprächsrunde mit dem Finanznachrichtendienst MNI. Ein Schritt im Juni sei „definitiv wahrscheinlicher als im April“. Das hänge aber von den Daten ab, ebenso wie weitere Schritte danach.

Niedrigere Zinsen dürften Kredite verbilligen und damit Ausgaben der Firmen ankurbeln. Die Wirtschaft ist derzeit wegen schwacher Investitionen und einer Flaute am Bau in einem Konjunkturtal. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte von Oktober bis Dezember 2023 um 0,3 Prozent zum Vorquartal. Viele Fachleute und die Bundesbank rechnen damit, dass die Wirtschaft auch im laufenden ersten Quartal schrumpft und so in einer technischen, also vorübergehenden Rezession steckt. Für 2024 erwartet die Regierung nur ein Mini-Wachstum von 0,2 Prozent.

Im Verarbeitenden Gewerbe verbesserte sich im März das Geschäftsklima merklich. „Von Optimismus sind die Firmen aber noch ein Stück entfernt“, warnte Fuest. Der Auftragsbestand gehe weiter zurück. Auch im Dienstleistungssektor hellte sich die Stimmung spürbar auf, am Bau ging es leicht nach oben. „Nach dem historischen Tief im Vormonat legten die Erwartungen etwas zu“, hieß es. „Die Aussichten bleiben jedoch düster.“

Institut - Fußball-EM holt Wirtschaft nicht aus Rezession

Der Ifo-Index signalisiere eine Art Bodenbildung, sagte Michael Herzum von Union Investment. „Das Schlimmste liegt wohl hinter uns, und das Bild in der deutschen Industrie sollte sich in den nächsten Monaten wieder etwas aufhellen.“ Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer sieht eine allmähliche Besserung, warnte aber: „Ein Ende der Rezession im Sommerhalbjahr sollte nicht mit einem echten Aufschwung verwechselt werden.“ Denn strukturelle Probleme am Standort Deutschland bremsten.

Hier will die Ampel-Koalition mit Steuerentlastungen für Unternehmen von rund 3,2 Milliarden Euro gegensteuern. Nach monatelanger Verzögerung machte der Bundesrat den Weg dafür frei, da auch Unions-geführte Länder zustimmten. Viele Vertreter der Wirtschaft sehen das Wachstumschancengesetz zwar als ersten Schritt in die richtige Richtung, fordern aber mehr Entlastungen etwa über eine umfassende Reform der Unternehmenssteuern.

Eher wenig Schwung dürfte die in knapp drei Monaten in Deutschland beginnende Fußball-Europameisterschaft für die heimische Wirtschaft bringen. „Die Erfahrung der Fußball-WM im Jahr 2006 zeigt: Sportliche Großereignisse sind kein Konjunkturfeuerwerk“, sagte der Konjunkturchef des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln), Michael Grömling, im Reuters-Interview. Viele Verbraucher dürften die EM zwar zum Anlass nehmen, um sich einen neuen Fernseher zu kaufen, zum Public Viewing einzuladen oder beim Mitfiebern ein Bier mehr zu trinken. „Doch dafür sparen sie an anderer Stelle: Bratwurst statt Restaurant, Fernsehabend statt Kinobesuch“, sagte Grömling. „Die Konsumausgaben steigen folglich nicht unbedingt, sondern verschieben sich.“

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rtr
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