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NotenbankWelchen Einfluss höhere US-Erzeugerpreise auf die Zinsentscheidung der Fed haben

Anleger blicken mit Spannung auf den nächsten Zinsentscheid der US-Notenbank Fed. Die nun veröffentlichten Daten zu den US-Erzeugerpreisen geben möglicherweise einen ersten Hinweis auf die Entscheidung der Notenbanker. 12.08.2023 - 10:53 Uhr

Die Erzeugerpreise beziehen sich auf den Zeitpunkt vor Weiterverarbeitung oder Handel.

Foto: REUTERS

Angetrieben von steigenden Kosten für Dienstleistungen sind die Erzeugerpreise in den USA angestiegen. Sie legten im Juli um 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu, wie das Arbeitsministerium am Freitag mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Anstieg von 0,7 Prozent gerechnet, nachdem diese Teuerungsrate im Juni noch bei revidiert 0,2 Prozent gelegen hatte. Die Preise gelten ab Werk – also bevor Produkte weiterverarbeitet oder gehandelt werden. Sie dienen somit als frühes Signal für die Entwicklung der Verbraucherpreise.

Im Juli hat die Inflation in den USA zwar erstmals seit über einem Jahr wieder angezogen. Doch war die Teuerung mit 3,2 Prozent nicht ganz so stark ausgefallen wie von Experten erwartet.

An den Terminmärkten war nach den besser als erwartet ausgefallenen Daten darauf spekuliert worden, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen nicht mehr weiter erhöht. Die Fed hat sie seit Anfang 2022 von nahe null auf eine Spanne von 5,25 bis 5,50 Prozent angehoben, um die grassierende Teuerung in den Griff zu bekommen. Die letzte Anhebung des Leitzinses erfolgte im Juli. Damit ist er nun nach elf Erhöhungen binnen 16 Monaten auf dem höchsten Stand seit 22 Jahren.

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Der Zyklus gilt als eine der schnellsten und schärfsten Straffungsperioden in der Geschichte der Fed. Die rasante Inflation war unter anderem vom Anstieg der Energiepreise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine ausgelöst worden.

Die Chefin des Fed-Bezirks San Francisco, Mary Daly, warnte davor, den Sieg über die Inflation zu früh auszurufen. Die Zentralbank habe noch mehr Arbeit vor sich. Insbesondere wolle sie noch weitere Fortschritte im Kampf gegen die Teuerung im Dienstleistungssektor sehen.

Anleger sind von Zinspause überzeugt

Anlegerinnen und Anleger erwarten allerdings, dass die US-Notenbank Fed ihren Zinserhöhungszyklus zur Inflationsbekämpfung nun abgeschlossen hat. Schließlich sagte Fed-Chef Jerome Powell im Anschluss an die letzte Zinssitzung im Juli, dass man von nun an datenabhängig entscheiden wolle.

Schneller schlau: Inflation
Wenn die Preise für Dienstleistungen und Waren allgemein steigen – und nicht nur einzelne Produktpreise – so bezeichnet man dies als Inflation. Es bedeutet, dass Verbraucher sich heute für zehn Euro weniger kaufen können. Kurz gesagt: Der Wert des Geldes sinkt mit der Zeit.
Die Inflationsrate, auch Teuerungsrate genannt, gibt Auskunft darüber, wie hoch oder niedrig die Inflation derzeit ist. Um die Inflationsrate zu bestimmen, werden sämtliche Waren und Dienstleistungen herangezogen, die von privaten Haushalten konsumiert bzw. genutzt werden. Die Europäische Zentralbank (EZB) beschreibt das wie folgt: „Zur Berechnung der Inflation wird ein fiktiver Warenkorb zusammengestellt. Dieser Warenkorb enthält alle Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte während eines Jahres konsumieren bzw. in Anspruch nehmen. Jedes Produkt in diesem Warenkorb hat einen Preis. Dieser kann sich mit der Zeit ändern. Die jährliche Inflationsrate ist der Preis des gesamten Warenkorbs in einem bestimmten Monat im Vergleich zum Preis des Warenkorbs im selben Monat des Vorjahrs.“
Eine Inflationsrate von unter zwei Prozent gilt vielen Experten als „schlecht“, da sie ein Zeichen für schwaches Wirtschaftswachstum sein kann. Auch für Sparer sind diese niedrigen Zinsen ein Problem. Die EZB strebt mittelfristig eine Inflation von zwei Prozent an.
Deutlich gestiegene Preise belasten Verbraucherinnen und Verbraucher. Sie können sich für ihr Geld weniger leisten. Der Privatkonsum ist jedoch eine wichtige Stütze der Konjunktur. Sinken die Konsumausgaben, schwächelt auch die Konjunkturentwicklung.
Von Disinflation spricht man, wenn die Geschwindigkeit der Preissteigerungen abnimmt – gemeint ist also eine Verminderung der Inflation, nicht aber ein sinkendes Preis-Niveau.

Im Juni vergangenen Jahres hatte die Teuerungsrate mit 9,1 Prozent den höchsten Stand seit 40 Jahren erreicht. Laut dem Fed-Watch-Tool der größten US-Terminbörse CME preisen Zinshändler mit einer Wahrscheinlichkeit von 90,5 Prozent ein, dass die Fed bei ihrer nächsten Sitzung am 20. September den Leitzins stabil hält. Auch für die restlichen beiden Treffen in diesem Jahr rechnet die deutliche Mehrheit mit keinen Zinserhöhungen mehr.

Das wäre eine willkommene Erleichterung für den Anleihemarkt, an dem sich die Lage zuletzt angespannt hatte. Die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen waren in der vergangenen Woche bis auf ein Neun-Monats-Hoch von 4,2 Prozent gestiegen.

Die Inflation im Zaum zu halten, ist die klassische Aufgabe der Notenbanken. Steigen die Zinsen, müssen Privatleute und Wirtschaft mehr für Kredite ausgeben – oder leihen sich weniger Geld. Das Wachstum nimmt ab, Unternehmen können höhere Preise nicht unbegrenzt weitergeben – und idealerweise sinkt die Inflationsrate.

Gleichzeitig besteht aber die Gefahr, dass die Wirtschaft abgewürgt wird. Die richtige Balance zu finden, ist die große Herausforderung für die Zentralbanker. Im Gegensatz zu Deutschland sind die USA entgegen der Erwartung einiger Experten bisher nicht in eine Rezession gekommen.

Lesen Sie auch: Warum ist in den USA noch keine Rezession eingetreten?

rtr, dpa, cha
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