1. Startseite
  2. Politik
  3. Konjunktur
  4. Bliq: Ist das die endgültige Taxi-Killer-App?

Werner knallhart„Bliq“: Ist das die endgültige Taxi-Killer-App?

Die Apps von FreeNow, Uber und Bolt müssen umständlich nacheinander nach dem besten Angebot durchsucht werden. Die Angebot-Sammel-App „Bliq“ aus Berlin will das Chaos endgültig lichten. Ist das die Rettung für Fahrer und Kunden? Eine Kolumne.Marcus Werner 22.05.2024 - 09:06 Uhr
Foto: imago images

Taxifahren muss man sich heute leisten können. Als Fahrgast und auch als Fahrer!

Dass dieses Geschäftsmodell Taxi nicht sonderlich effizient sein kann, erkennen Sie, wenn Sie es ausnahmsweise einmal wagen, am Bahnhof nicht in das erste Taxi in der Reihe einzusteigen, sondern in das direkt am Ausgang, damit Sie etwa nicht 150 Meter durch den strömenden Regen laufen müssen oder weil Sie gerne mit einem Elektroauto fahren wollen. Dann geht aber – hoho! – also, dann geht das Gemecker aus allen Autos los, die vor dem auserkorenen Taxi stehen. Und der eigentlich beglückte Fahrer, der 45 Minuten Wartezeit gespart hat, ist eigentlich der Blamierte und muss jedem einzelnen seiner Konkurrenten vor ihm in der Reihe nun durch das heruntergelassene Fenster erklären: „Der Fahrgast hat drauf bestanden!“

Nur nebenbei: Sie dürfen sich jedes beliebige Taxi in der Reihe aussuchen. Aber die Warterei ist eben schon eine Zumutung für die armen Fahrer, deren Berufsalltag oft zu einem Gutteil von langweiligem Herumlungern geprägt ist.

Nahverkehr

Das italienische Taxi-Kartell

von Gerhard Bläske

Dabei geht es ja auch anders. Mit FreeNow, Uber oder Bolt etwa. Diesen mitunter gar nicht mehr so neuen Konkurrenten, von denen es immer heißt, sie seien irgendwie nicht seriös, unsozial, ausbeuterisch. Es mag sein, dass da mitunter amerikanisches Wildwest-Gebaren auf deutsche Tradition stößt und das auch europäische Unternehmen inspiriert.

Wenn ich jedoch mit den Fahrern von Uber, Bolt und FreeNow (von denen ja einige sogar klassische Taxifahrer sind) spreche, heißt es immer: Wir stehen dank der neuen Dienste nicht mehr so viel herum. Mit anderen Worten: Dem Taxi-Gewerbe eine lange Nase zu machen und auf Innovation zu setzen, lohnt sich dank mehr Fahrten pro Tag.

Davon abgesehen bieten diese Apps auch solchen Leuten eine Chance, als Fahrer zu arbeiten, die keine guten Deutsch- und Ortskenntnisse haben. Ich sag mal so: Wenn die ordentlich fahren können und alles versichert ist, sind mir sonstige Kompetenzen egal. Denn statt Ortskenntnissen gibt es die in der App verbaute Navigation. Fertig. Das Ziel wird automatisch angezeigt. Dafür braucht man weder Deutsch noch Englisch. Man muss eigentlich gar nichts mehr absprechen, außer „Bitte Fenster zu/auf“, „Klimaanlage bitte nicht unter 14 Grad“ und „Können Sie bitte ganz, ganz schnell zu einem anderen Radiosender wechseln?“. Aber meistens telefonieren die Fahrer ja eh mit irgendwelchen Freunden/Geschäftspartnern/Schwestern. Man versteht da ja nichts. Hauptsache, der Beauftragte beachtet dabei das Rechtsfahrgebot.

Nun haben diese neuen Dienste aber doch einen Nachteil. Während man beim Taxi dem festgezurrten Tarif-Katalog heillos ausgeliefert ist und die Kosten für die Fahrt höchstens von der Länge der heimlich gefahrenen Umwege abhängen (soll es in der Geschichte des Automobils schon gegeben haben), richten sich die Tarife der Neuen nach der Nachfrage, sprich nach Strecke und Tageszeit. Wenn es regnet und ein Fußballspiel vorbei ist, wird es teurer (mitunter sogar teurer als das normale Taxi, was man aber nicht wissen kann, weil die Kosten für das Taxi unzeitgemäßer Weise ja erst am Ende der Fahrt feststehen).

Sparfüchse müssen da bisher mit einigen Apps jonglieren und schnell entscheiden, bevor sich die Tarife wieder ändern oder der Fahrer anderweitig vergeben ist: Wann kann wer zu welchem Preis abholen? Das nervt.

Gleichzeitig haben die Fahrer das gleiche Heckmeck am Hals. Fahren sie für mehrere Anbieter, müssen sie ständig zwischen den Fahrerversionen der Fahrdienst-Vermittler-Apps umherwechseln. Einige Fahrer sind mit zwei, drei Handys unterwegs. Man merkt: Da herrscht Optimierungsbedarf.

Werner Knallhart

Nerventerror beim Berliner Rufbus „Muva“: Ankunft in 4 – huch! Jetzt: 144 Minuten

Die Berliner Rufbus-Idee wäre ein geniales Vorbild für ganz Deutschland, wäre die Umsetzung nicht ein digitales Desaster: Die KI des Muva demütigt Fahrgäste und Fahrer gleichermaßen. Eine Kolumne.

von Marcus Werner

So, und jetzt kommen da so ein paar Berliner Jungs und sagen: Mit Bliq geht das besser.

Diese App vollzieht das Wunder und sammelt die Angebote aller gewünschten Fahrdienste wie Bolt, FreeNow, Uber und Solu zusammen, sortiert sie nach Preis und wenn die Kunden dann ihre Apps mit dieser übergeordneten Bliq-App verknüpfen, lassen sich die Fahrten direkt über Bliq buchen.

Die Fahrer wiederum bekommen ihrerseits alle Fahrtanfragen der Kunden sämtlicher gewünschter Anbieter angezeigt. Kein Handygewurschtel mehr! Bliq koordiniert alles. Nimmt ein Fahrer eine Fahrt von Vermittler A an, wird er solange auch bei B und C offline gesetzt, bis er seine Fahrt für A erledigt hat. Und so wie es aussieht, machen die ganzen Fahrdienst-Vermittler gerne bei Bliq mit, damit sie nicht außen vor bleiben.

Dazu kommt: Weil Bliq sämtliche Angebote für die jeweilige Fahrt sammelt und kennt, kann Bliq diese unterbieten. Und ist deshalb auch selber Fahrdienst-Vermittler. Die billigsten Fahrten sind gerade meist die von Bliq. Sie können also ein „Bliq“ buchen.

Die Fahrer werden außerdem mit Challenges, also Herausforderungen, bei Laune gehalten. Weil die sich auszahlen.

„Sei innerhalb von zehn Stunden acht Stunden online und absolviere in dieser Zeit acht Fahrten.“
„Absolviere in drei Stunden vier Fahrten.“

Wer das schafft, kassiert zurzeit offenbar ordentlich Boni. Mein Bliq-Fahrer sagte mir am Montag: „Mit den Bliq-Boni allein verdiene ich heute mehr als früher mit allen Uber-Fahrten. Und dazu kommen noch die Bliq-Fahrten.“

Mehr Boni als Einnahmen durch Fahrten. Klingt nach einem Einführungsangebot. Das würde passen. Denn in Deutschland gibt es Bliq bislang nur in Berlin. Mit Expansionswillen, wie Bliq durchblicken lässt.

Noch ist Durchstartphase mit Angeboten wie „Für 5 Euro pauschal durch ganz Berlin“ oder „30 Prozent auf alle Fahrten“. Abschläge, die die Fahrer nicht zu spüren bekommen. Das wird aus dem Bliq-Werbebudget finanziert. Noch gibt es allerdings offenbar noch nicht so viele Bliq-Fahrer, als dass es immer ein Bliq-Angebot zur Fahrtensuche der Kundinnen und Kunden gibt. Aber wenn es stimmt, was mein Fahrer sagt, dann „geht das gerade richtig ab“.

Und wir hätten endlich nur noch eine App für alle (außer Taxi). Jetzt dürfen nur die Einführungsangebote nicht abreißen.

Lesen Sie auch: Deshalb hat Trinkgeld einfach jeglichen Sinn verloren

Den Autor erreichen Sie über LinkedIn.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick