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Preisentwicklung „Gefühlte Inflation“ steigt über die Marke von vier Prozent

Berechnungen von Ökonomen der italienischen Großbank Unicredit ergeben, dass die Preise in der Wahrnehmung deutscher Verbraucher deutlich stärker steigen als offiziell gemessen.

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Die offizielle Teuerungsrate war zuletzt fünf Monate in Folge geklettert und liegt nun bei 2,5 Prozent. Quelle: dpa

Die Preise steigen in der Wahrnehmung deutscher Verbraucher deutlich stärker als offiziell gemessen. Die sogenannte „gefühlte Inflation“ weist für Mai eine Rate von 4,1 Prozent aus, wie Berechnungen von Ökonomen der italienischen Großbank Unicredit ergaben.

„Das ist der höchste Wert seit mehr als neun Jahren“, sagte Deutschland-Chefvolkswirt Andreas Rees am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Die offizielle Teuerungsrate war zuletzt fünf Monate in Folge geklettert und liegt nun bei 2,5 Prozent.

Die große Differenz zwischen wahrgenommener und offiziell gemessener Inflationsrate kommt zustande, weil die UniCredit-Experten die Waren und Dienstleistungen stark nach ihrer Kaufhäufigkeit gewichten.

Preisänderungen bei Produkten wie Lebensmittel oder Benzin, die teils mehrmals wöchentlich gekauft werden, fallen Kunden stärker auf als bei sehr selten gekauften Waren wie Möbeln, Waschmaschinen oder Computern. So haben die Kraftstoffpreise einen Anteil von rund zehn Prozent am Warenkorb von UniCredit, fast dreimal so viel wie beim Statistischen Bundesamt.

„Hauptgrund für die stark gestiegen Wahrnehmung von Inflation sind die Preise für Kraftstoffe“, erklärte Rees. Diese verteuerten sich im Mai um 27 Prozent zum Vorjahresmonat, als die Preise wegen der Corona-Rezession in den Keller gerauscht waren und nun mit der Erholung der Weltkonjunktur wieder gestiegen sind.

„Hinzu kommt noch, dass wir den Lockdown hinter uns haben, die Leute wieder mobiler werden und häufiger Tanken, wodurch sie den Preisanstieg an den Zapfsäulen stärker wahrnehmen“, sagte der Volkswirt. Einer repräsentativen Umfrage des Forsa-Instituts unter 500 Verbrauchern in Deutschland im Auftrag der Fondsgesellschaft Union Investment zufolge machen 66 Prozent die Inflationsentwicklung an den Benzinpreisen fest.

Rees geht davon aus, dass die Preise in den kommenden Monaten weiter steigen dürften. „Bei den jetzt wieder möglichen Restaurant-Besuchen könnten die Preise von den Gastwirten heraufgesetzt werden, zumal eine starke Nachfrage zu erwarten ist.“ Gleiches gelte für andere Dienstleistungen, etwa Pauschalreisen.

„Hinzu kommt noch der Mehrwertsteuereffekt in der zweiten Jahreshälfte“, sagte der Experte. Die Bundesregierung hatte die Steuersätze im zweiten Halbjahr 2020 von 19 auf 16 beziehungsweise von sieben auf fünf Prozent gesenkt, um die Konjunktur anzukurbeln.

Künftig werden die Preise mit dem damals gesenktem Niveau verglichen, was die Inflation nach oben treiben dürfte. „Kurzfristig kann es da zu starken Ausschlägen kommen“, sagte der Chefvolkswirt. „Sie dürften aber nur vorübergehender Natur sein.“

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