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VerneNur zwei Türen, ohne Rückspiegel: Rollt dieses Robotaxi bald durch Deutschland?

Der kroatische Porsche-Partner Rimac hat ein Roboterauto vorgestellt, will damit in elf Städten an den Start gehen. Das nächste Luftschloss? Eher nicht, hat Rimac doch einen höchst potenten Partner an der Seite.Andreas Menn 28.06.2024 - 09:43 Uhr

Das neue Robotaxi Verne von Rimac ohne Gaspedal und Lenkrad wurde am Mittwoch vorgestellt.

Foto: imago images

In den Büchern von Jules Verne reisen Abenteurer zum Mittelpunkt der Erde, 20.000 Meilen unter dem Meer oder in 80 Tagen um die Welt. Mit der gleichen Freude am Aufbruch und am Reisen präsentierte Mate Rimac, Gründer des kroatischen Autoherstellers Rimac, am Mittwoch „Verne“ – ein neues Auto, das weder Lenkrad noch Gaspedal besitzt. Ziel sei „die beste Mobilitätserfahrung für Jedermann“, teile Rimac mit.

Schon von außen ist das elektrische Robotaxi besonders: Die große Frontscheibe ist flach und lang gezogen, es gibt nur zwei Türen, keine Rückspiegel und wer genau hinschaut, entdeckt etwa in der Stoßstange oder im hinteren Seitenfenster zahlreiche Kameras und Lidar-Sensoren, mit denen das Auto seine Umgebung räumlich abscannt.

Das spannendste aber steckt innen drin: Autonomes Fahren auf Level 4 soll das Auto bereits beherrschen. Das heißt im Expertensprech: Der Fahrgast muss nicht mehr eingreifen, kann Filme schauen oder schlafen. 

Schneller schlau: Die fünf Stufen des autonomen Fahrens
Das „assistierte Fahren“ ist bereits in unterschiedlicher Ausprägung bis in untere Fahrzeugsegmente verbreitet. Wie der Name schon sagt, helfen Assistenten beim Fahren. Sie warnen beispielsweise vor Fahrzeugen im toten Winkel, beim Verlassen der Fahrspur oder halten den eingestellten Abstand zum Vordermann. Die Helfer assistieren nur, fahren muss immer noch der Mensch hinter dem Steuer.
Beim „teilautomatisierten Fahren“ kann der Wagen bereits einzelne Fahraufgaben selbst übernehmen, muss dabei aber immer vom Fahrer überwacht werden. Dieses Stadium haben die meisten Autohersteller aktuell erreicht. Beispiel dafür ist ein Stau-Assistent, der im Stop-and-Go-Verkehr lenkt, abbremst und selbstständig wieder anfährt. Der Fahrer muss dabei zwar nicht aktiv lenken, darf die Hände aber nicht vom Steuer nehmen. Tut er das doch, wird er nach wenigen Sekunden vom Auto aufgefordert, das Lenkrad zu greifen. Zuletzt hat sich eine Ausbaustufe der Technik etabliert, die als „Level 2 Plus“ oder „Level 2 Hands Free“ bezeichnet wird und das Loslassen des Steuers explizit erlaubt und auch für längere Zeit toleriert.
Das Auto übernimmt beim „hochautomatisierten Fahren“ in bestimmten Verkehrssituationen diverse Funktionen, kann zum Beispiel längere Autobahnstrecken vollständig allein bewältigen. Der Fahrer muss aber das Steuer nach einer Aufforderung durch das Auto wieder übernehmen können. Theoretisch beherrschen bereits mehrere Pkw-Modelle diese Technik, legal nutzen dürfen sie aktuell aber nur wenige, darunter die Mercedes S-Klasse und der BMW 5er. Einschränkungen gibt es etwa bei Geschwindigkeit und Straßenart – so ist Level-3-Fahren in Deutschland nur auf geeigneten Autobahnabschnitten und mit maximal Tempo 130 erlaubt.
Ist das Fahrzeug „voll automatisiert“, kann das Auto spezifische Anwendungsfälle komplett allein meistern – von der Autobahnfahrt bis zu hochkomplexen urbanen Verkehrssituationen. Der Fahrer kann derweil zum Beispiel schlafen und haftet bei Schäden oder Verkehrsverstößen nicht mehr. Hier verlassen wir den Bereich, den Privat-Pkw heute noch beherrschen. Vollautomatisiert fahren aktuell unter anderem die Robotaxis oder -Shuttle von Mobilitätsdienstleistern, die in lokal begrenzten Gebieten unterwegs sind. Ein weiteres Beispiel ist das auch in Deutschland angebotene „Automated Valet Parking“ von Bosch und Mercedes, bei dem sich Pkw in speziell ausgerüsteten Parkhäusern selbstständig ihren Stellplatz suchen.
Beim „autonomen Fahren“ werden die Insassen vollständig zu Passagieren, nicht mal mehr ein Lenkrad oder Pedale sind notwendig. Das Auto kann alle Fahraufgaben alleine bewältigen. Auf jeder Straße, bei jedem Wetter und in komplexesten Verkehrssituationen. Noch Anfang des Jahrzehnts hofften Ingenieure, die oberste Stufe noch Mitte der 2020er-Jahre erreichen zu können. Das wird nicht passieren. Einige Branchenvertreter zweifeln, ob es jemals so weit kommt. Nicht zuletzt, weil die Kosten wohl so hoch wären, dass sich der Einsatz kaum lohnen würde. Bosch-Experte Lanwer kennt ein weiteres Problem: „So ist es beispielsweise sehr schwierig ein autonomes Fahrzeug auf eine Hebebühne zu bekommen, wenn man es nicht steuern kann.“ Es sieht Level 5 erst mal nicht im Markt, weil es im Vergleich zu Level 4 derzeit keinen Vorteil bringt.

Weltweit arbeiten Autohersteller oder Tech-Unternehmen an dieser Vision, doch in den vergangenen Jahren flaute die Euphorie über das selbstfahrende Auto ein wenig ab. Zu viele Hürden gab es noch, Unfälle wie die eines Uber-Taxis oder beim Start-up Cruise warfen die Branche zurück; Apple stellt sein Autoprojekt Titan ein. Doch inzwischen rollen erste Robotaxis etwa der Google-Tochter Waymo durch Städte wie San Francisco. Und E-Autobauer Tesla will am 8. August ein Robotaxi vorstellen.

Eine Revolution, größer als das Auto

Geht es jetzt doch langsam los mit dem autonomen Fahren? Es wäre, hoffen die Befürworter der Technik, eine Revolution, vielleicht größer als die Erfindung des Autos selbst. Taxifahrten würden deutlich preiswerter, so dass für viele Menschen ein eigenes Auto überhaupt nicht mehr in Frage käme, erwartet etwa Tony Seba, Gründer des Tech-Think-Tanks RethinkX. „Sie werden einen sicheren und zuverlässigen Fahrer haben“, verspricht auch Gründer Rimac, und „ein Fahrzeug mit mehr Platz und Komfort als die besten Limousinen heutzutage.“

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Möglich machen soll das eine Kooperation mit dem israelischen Software-Unternehmen Mobileye. Dessen KI für selbstfahrende Autos soll das Verne-Taxi sicher durch den Verkehr steuern. Im vergangenen Jahr kürten die Marktforscher von ABI Research als auch die von Guidehouse Insight Mobileye zum weltweit führenden Entwickler von Technik für selbstfahrenden Autos.

 Mit diesem Autopiloten an Bord solle das Verne-Taxi schon im Jahr 2026 auf die Straße kommen, verspricht das Start-up. Los gehen soll es in Zagreb, wo die Gründer den Autopiloten bereits ausgiebig getestet haben. Insgesamt habe man bereits mit elf Städten in der EU, Großbritannien und im Nahen Osten Vereinbarungen getroffen, und sei in Verhandlungen mit 30 weiteren. Wann genau Verne über Zagreb hinaus expandieren soll, verrät das Start-up noch nicht – aber Deutschland soll neben Großbritannien als erstes dran sein.

Das Robo-Taxi Verne soll 2026 zunächst in Zagreb an den Start gehen.

Foto: PR

Und so könnte die Robotaxi-Fahrt dann aussehen: Per App ordert der Passagier einen Wagen, ähnlich wie heute ein Ridehailing-Fahrzeug. Die Temperatur und das Licht im Innenraum, die Musik und sogar den Duft – Minze, Mango, Pinie – können die Nutzer schon im Vorhinein für sich konfigurieren. Auch eigene Streaming-Dienste für Musik oder Filme sollen sich auf dem großen Display im Innern des Wagen nutzen lassen.

Am Abholort öffnet der Wagen automatisch seine Türen – Schiebetüren, damit beim Einsteigen wenig Platz nötig ist. Im Innern hat das Auto zwei großzügige Sitze – auf neun von zehn Fahrten seien ohnehin nicht mehr als zwei Personen im Auto unterwegs, heißt es bei Verne.

Im Innenraum gibt es einen riesigen Bildschirm von 43 Zoll, der quer unter der mächtigen Frontscheibe montiert ist.

Foto: PR

„Mehr Platz als in einem Rolls-Royce“, verspricht Adriano Mudri, Designchef von Verne. „Wenn Sie eingestiegen sind, können die Fahrgäste ihre Beine ausstrecken und es sich bequem machen. Wir wollten den Innenraum weniger wenig im Auto und mehr wie ein Wohnzimmer gestalten.“ Größere Koffer lassen sich hinten im Gepäckbereich verstauen, im Passagierraum gibt es Ablageflächen für die Handtasche, das Handy oder den Kaffeebecher.

Täglich zurück zum „Mutterschiff“

Ein großzügiger, 43 Zoll großer Bildschirm zeigt Informationen über die Fahrt an – und das gewünschte Entertainment-Programm, von der Fernsehserie bis zum Computerspiel. Wer sich ausruhen möchte, kann den Sitz auch in eine Liegeposition fahren und während der Fahrt eine Runde dösen. Im Dach gibt ein rundes Fenster den Blick auf den Himmel oder vorbeirauschende Hochhäuser frei.



Teil des Konzepts ist neben der App und dem Auto auch ein Betriebshof, „Mutterschiff“ genannt. Dort sollen die Robotaxis täglich geladen und, gereinigt und gewartet werden. 240 Kilometer Reichweite soll das elektrische Robotaxi haben und auch bei Regen oder nachts fahren. 

Bauen möchte das Unternehmen sein Auto selbst in Zagreb. Es könnte das erste europäische Start-up werden, das ein autonomes Auto auf die Straße bringt. Sofern es die Zulassung für den Betrieb rechtzeitig erhält. 

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Aktuell sind nur Oberklasse-Autos von BMW und Mercedes mit Level-3-Funktionen in Deutschland zugelassen: Bis Tempo 60 im Stau auf der Autobahn dürfen die Fahrer das Steuer kurzzeitig dem Autopiloten überlassen, um etwa Mails auf dem Handy zu lesen, müssen aber binnen weniger Sekunden wieder die Kontrolle übernehmen können. 

Level 4 ist davon noch ein weiter Schritt. Mit großen Plänen immerhin hat Gründer Rimac Erfahrung – sein Sportauto-Start-up Rimac zog er in Kroatien quasi aus der Garage hoch und konnte namhafte Investoren wie Porsche und Softbank von seiner Innovation überzeugen

Nun will Rimac per Roboaxis Luxus für Jedermann erschwinglich machen, zumindest in ausgewählten Städten. Wenn Rimac genauso viel Gründergeist, Ausdauer und Geschick wie mit seinem Sportwagen-Start-up mitbringt – vielleicht gelingt ihm auch die Reise mit Verne. In 80 Tagen wird das Roboterauto aber vermutlich trotzdem nicht die Welt erobern: In Frankfurt einsteigen und autonom in den Kroatienurlaub fahren – das dürfte noch etwas weiter in der Zukunft liegen.

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